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ZUR HERBSTSESSION AM DONNERSTAG, 21. SEPTEMBER 2017, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Die Braunvieh Kuh Seraina mit Hoernern des Bio-Bauers Kari Haerri, aufgenommen in Oberwil-Lieli, Kanton Aargau, am Mittwoch, 23. September 2015. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Bild: KEYSTONE

«Wie ein Schaf mit Nasenpiercing»: So bizarr stritt der Rat über die Hornkuh-Initiative

Worum geht es, wenn 46 Ständeräte mit ernster Miene über Schwarznasenschafe, die Miss Simmental und gepiercte Wappentiere sprechen? Richtig, um die Hornkuh-Initiative. Das waren die sieben Highlights der tierischen Debatte.



Der eine oder andere mag noch etwas erschöpft gewesen sein von der Bundesratswahl. Doch der Politbetrieb in Bern musste weitergehen. Am frühen Donnerstagmorgen befasste sich der Ständerat mit der Initiative «Für die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere», besser bekannt als Hornkuh-Initiative. Sie will, dass horntragende Kühe, Zuchtstiere, Ziegen und Zuchtziegenböcke mit finanziellen Beiträgen gefördert werden.

Der Bergbauer Armin Capaul hat die Initiative mehr oder weniger im Alleingang lanciert. Und ja, für die Politschweiz mag es wichtigere Anliegen geben. Wer nun aber denkt, dass unsere Ständeräte das Geschäft deshalb halbherzig debattiert hätten, irrt. Unter Einsatz von Metaphern, mit persönlichen Anekdoten und regionalpolitischen Seitenhieben kämpften beide Seiten für ihre Überzeugungen – wenn auch nicht immer ganz frei von Ironie. Aber seht selbst:

Der gepiercte Uri-Stier

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Zur Minderheit, welche die Initiative befürwortete, gehörte der Solothurner SP-Ständerat Roberto Zanetti. Er appellierte an den Stolz der Urner und Bündner: 

«Stellen Sie sich den Uri-Stier ohne Hörner vor. Mit Verlaub, das sieht irgendwie nach einem Schaf mit Nasenpiercing aus, aber auf keinen Fall nach einem Uri-Stier. (...) Der stolze Bündner Steinbock ohne Hörner sieht aus wie ein Hund auf der Flucht, auf keinen Fall aber wie ein stolzer Steinbock.»

Unfaire Miss-Wahlen

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Und noch einen Missstand ortete Zanetti heute. Setze ein Bauer auf Kühe, die genetisch bedingt keine Hörner haben, stelle das an Viehschauen ein Nachteil dar. Dies widerspreche dem Prinzip der Chancengleichheit:

«Ein Problem stellt sich, indem an Viehschauen hornfreie Kühe nicht zur Miss Simmental gewählt werden könnten. Viehschaukönigin können nur behornte Kühe werden. Ich finde, da sind wir gefordert.»

Diskriminiertes Schwarznasenschaf

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Das Argument der Chancengleichheit liess der Walliser CVP-Mann Beat Rieder nicht gelten. Die Initianten hätten in ihrem Begehren eine Tierart nämlich sträflich vernachlässigt:

«Es fehlt das Schwarznasenschaf. Die Chancengleichheit, die Kollege Zanetti Roberto erwähnt hat, ist nicht vorhanden.»

Milch von Hornkühen ist einfach besser

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Dass die Bauern in der Hornkuh-Prämie bereits wieder ein Geschäft wittern, ist SP-Frau Anita Fetz aus Basel ein Dorn im Auge. Ihr geht es um den Konsumenten:

«Aber was wir nicht mögen als Konsumentinnen, ist, wenn auf jeder Milchpackung eine Kuh mit Hörnern aufgeführt ist und wir nachher, wenn wir unsere Wanderungen machen, sehen, den Kühen werden die Hörner gekappt. (...) Ich will Milch von normalen Kühen mit Hörnern, Punkt.»

Heuchlerische Politiker

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Dass Kollegin Fetz der Werbeindustrie vorwirft, die Kunden mit den Bildern gehörnter Kühe in die Irre zu führen, geht Isidor Baumann (CVP) aus dem Urnerland zu weit. Er rät der Sozialdemokratin, zuerst einmal vor der eigenen Tür zu kehren:

«Wenn Sie nach Hause gehen, schauen Sie mal in Ihre Werbeprospekte für die Wahlen, erstens wie Sie lachen, zweitens was Sie versprechen, und denken Sie daran, was Sie zwischenzeitlich getan haben.»

Hornkuh versus Wolf

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Initiativ-Befürworter Roberto Zanetti zieht alle Register. So rät er seinen Kollegen nicht nur, sich einmal in die Kuh hineinzuversetzen. Nein, er hat auch noch ein Ass im Ärmel, mit dem er die Walliser-Fraktion bestimmt auf seine Seite ziehen kann:

«Behörnte Kühe können Wölfe vertreiben. Dann haben Sie Ihr Wolfsproblem im Wallis gelöst. Arbeiten wir hier doch zusammen –  Sie der Joint, ich das Venture.»

Hornkuh versus Schneider-Ammann

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Zu guter Letzt will auch Agrarminister Johann Schneider-Ammann noch ein Wörtchen mitreden. Er empfiehlt die Initiative zur Ablehnung – nicht nur, weil er selber schlechte Erfahrungen mit Rindsvieh gemacht hat:

«Gehen Sie einmal bei Nacht im Militär, vollbepackt und in Einerkolonne, durch eine Kuhherde   – und dann steht die Kuhherde auf und nimmt die Militärs ins Visier! Dann wird es auch kriminell. Auch das habe ich erlebt.»

Der Ständerat empfahl die Initiative schliesslich mit 28 zu 8 Stimmen bei 8 Enthaltungen zur Ablehnung. Dabei argumentierten nicht alle Gegner so kreativ wie jene in den Videos: Die Hauptargumente der vorberatenden Wirtschaftskommission waren die Kosten und die Unfallgefahr, die von gehörnten Kühen für Mensch und Tier ausgehe.

Die Befürworter beriefen sich auf das Tierwohl. So füge das Enthornen den Kühen Schmerz zu, zudem seien die Hörner wichtig für das Sozialverhalten, die Kommunikation und die Rangordnung zwischen den Tieren. 

(jbu)

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