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ZUR EXPORTINDUSTRIE STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG, DEM 30. JULI 2015, FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- An employee of Man Diesel & Turbo Switzerland, manufacturer of large-bore diesel engines and turbines, works on a turbine shaft, in Zurich, Switzerland, on June 15, 2015. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Mitarbeiter von Man Diesel & Turbo Schweiz, Hersteller von Grossdieselmotoren und Turbinen, arbeitet an einer Turbinenwelle, am 15. Juni 2015 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Schweizer Wirtschaft hat 2018 so viel in Deutschland investiert wie noch nie. Bild: KEYSTONE

Die Angst vor einer Rezession geht um – auch in der Schweiz

Heute Freitag kommen die wichtigsten Zentralbanker im amerikanischen Jackson Hole zusammen – und die Welt fragt sich: Was können die Zentralbanker tun, sollte eine globale Rezession ausbrechen?

Niklaus Vontobel / CH Media



Wie werden die kriselnden Industrie-Unternehmen eine weltweite Rezession meistern? Diese Frage beschäftigt den Industrieverband Swissmem. Zumal wohl zugleich der Franken aufwertet. «Dann wird es wirklich eng», sagt der Direktor von Swissmem, Stefan Brupbacher.

Bereits in den letzten Jahren habe ein Drittel der Betriebe nicht genug Geld verdient. Nicht für diese werde es jedoch eng, Brupbacher spricht vom Werkplatz. Daran würden die Betriebe festhalten wollen, der Kampfeswille sei gross. «Aber wenn es einen Doppelschock gibt aus Rezession und Frankenaufwertung, kommen viele an ihre Grenzen.»

Dann hiesse es: Ab nach Deutschland! Dorthin zieht es bereits heute viel, warnt Swissmem. 2018 investierte die Wirtschaft rund zehn Milliarden Franken in Deutschland, ein Rekord. Tochterunternehmen werden gegründet, auch von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

Stefan Brupbacher, Direktor Swiss Men, referiert an einem Medienhintergrundgespraech zum Thema

Stefan Brupbacher, Direktor von Swissmem. Bild: KEYSTONE

Swissmem erklärt dies so: In der Schweiz habe es in den vergangenen Jahren zu viele Unsicherheiten gegeben. Man will wohl nicht nochmals tatenlos zuschauen, wenn ein Frankenschock die Margen verschwinden lässt.

Weltweite Rezession könnte lange auf sich warten lassen

So weit ist es jedoch nicht. Mit der aktuellen Frankenaufwertung können viele Industrieunternehmen noch leben. Die nächste weltweite Rezession könnte noch lange auf sich warten lassen, auch wenn US-Präsident Donald Trump heute schon laut nach tieferen Zinsen ruft. Notenbank-Chef Jerome Powell muss besonderes Geschick beweisen, wenn er in Jackson Hole seine Rede hält, am jährlichen Stelldichein der Notenbank-Chefs.

Trump ist die inverse Zinskurve in die Knochen gefahren. «Crazy» sei diese Verdrehung. In den USA ist dieses Phänomen zu bestaunen, ebenso in der Schweiz.

Verdrehte Zinskurven gelten als Rezessions-Indikator. In den USA war vor den letzten sieben Rezessionen stets eine Verdrehung zu beobachten. Dennoch können verdrehte Zinskurven täuschen.

Löhne und Stabilität

Bild: ch media

Die verdrehte Zinskurve in den USA zeigt nur, dass Investoren am Obligationenmarkt mit einer Rezession rechnen. Und sie wissen: Kommt es dazu, senkt die US-Notenbank die Zinsen. Dann erhalten sie morgen weniger Zins, als sie heute holen können. Also kaufen sie im grossen Stile noch zehnjährige Staatsanleihen, treiben damit deren Preise rauf und die Rendite runter.

So wird die Zinskurve verdreht: Zehnjährige Staatsanleihen werfen nicht wie üblich mehr Rendite ab, als es zweijährige Staatsanleihen tun – sondern weniger.

Gefürchtetes Gegenmittel: noch höhere Negativzinsen

Verdrehte Zinskurven waren nur in den USA ein zuverlässiges Vorzeichen für Rezessionen. In der Schweiz, in Japan oder in Deutschland versagte sie, wie Ökonomen der Grossbank UBS feststellten. Und selbst in den USA gilt: Nach einer Verdrehung kam zehn Monate später eine Rezession – oder erst 36 Monate später. So lange mag niemand vor einer Rezession zittern.

Und selbst in den USA könnte die Zinskurve ihre Prognose-Macht verloren haben. US-Ökonomen haben festgestellt: Verdrehte Zinskurven könnten öfter vorkommen; auch, wenn keine Rezession bevorsteht.

Die Zeiten haben sich geändert. Die Zinsen sind generell tiefer. Der Unterschied ist ohnehin kleiner zwischen Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen und Renditen auf zweijährigen Anleihen. Es kann eher zu Verdrehungen kommen.

«Gibt es einen Doppelschock, werden viele Industriebetriebe an ihre Grenzen kommen.»

Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem

Zinskurve hin oder her: Die Angst vor einer Rezession hat ihre Gründe. Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins bereits unter die Nullgrenze gedrückt. Was kann sie noch tun, wenn zum Beispiel Italiens Wirtschaft tiefer in die Krise fällt? Mario Draghi gibt sich unerschrocken, die Zentralbank könne noch viel tun. Doch die Angst vor noch höheren europäischen Negativzinsen ist ebenfalls gross.

In der Schweiz würde sich eine weltweite Rezession an allen möglichen Ecken und Enden zeigen. Mehr Geld flösse wieder in die Schweizer Sicherheit, der Franken würde sich aufwerten – und mancher Industriebetrieb würde nach Deutschland vor der Schweizer Unsicherheit flüchten.

Im Detailhandel kriselte es auch in den guten Jahren im Non-Food Sektor. In einer Rezession könnten sich im Kleiderverkauf neue Akteure einreihen in die Liste derer, die bereits aufgeben mussten: Bata oder Switcher, Companys oder Charles Vögele.

Die Arbeitnehmer könnten bei stärkerem Franken mehr in Deutschland einkaufen. Doch bei Shopping-Freuden bliebe es nicht. Die Löhne treffe es ebenfalls, so der Internationale Währungsfonds. Seine Ökonomen stellten fest: Auf starke Frankenaufwertungen folgen Lohnstagnationen, gemessen in Franken. Die Stagnation wird von Arbeitgebern durchgesetzt.

Ihre Schweizer Arbeitnehmer haben nach Aufwertungen zu hohe Löhne, wenn sie mit ihren Berufskollegen in Deutschland verglichen werden. Die Schweizer Betriebe sind nicht mehr konkurrenzfähig. Doch die Ökonomen des Währungsfonds haben auch eine frohe Botschaft: Bisher war die Schweiz trotz allem sehr stabil, verglichen mit der Eurozone.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Fritz N 23.08.2019 10:10
    Highlight Highlight Dürfen wir dann endlich die Banken anzünden?
  • mrmikech 23.08.2019 08:33
    Highlight Highlight Nach deutschland umziehen = gewinnoptimierung. Hat nichts mit krise zu tun, wird nur als ausrede benutzt.
  • mrmikech 23.08.2019 08:31
    Highlight Highlight Wann der franken aufwertet werden rohstoffe günstiger, gut für die industrie.
    • Eltriangoli 23.08.2019 11:53
      Highlight Highlight Für den Einkauf ja, aber wenn du die fertige Anlage in die EU verhökern willst, schaut die Sache wieder anders aus
    • mrmikech 24.08.2019 20:31
      Highlight Highlight Nein, gewinn auf rohstoffe als rabatt geben auf fertigprodukt.
  • Gubbe 23.08.2019 08:28
    Highlight Highlight Sollte, wie im Artikel geschrieben, die Swissmem das mit der Rezession gesagt haben, muss ich annehmen, dass ihr Logo von 'Memmen' abstammt. Das Geschwätz, Schweizer Firmen wandern nach D, im Wissen, dass es in der EU nicht so gut läuft wie in der CH, ist plumpe Angstmache. Firmen machen das, um einen Zehen in der EU zu haben. Nicht zu vergessen, dass wir, wie alle Jahre auf Weihnachten zusteuern, und vielerorts mehr Lohn verlangt werden wird. Absolut legitim. Auch wird sich bald ein Gejammer der AHV wegen, anstimmen. Wie alle Jahre wieder.
  • ströfzgi 23.08.2019 08:25
    Highlight Highlight Wenn sämtliche Medien eine Rezession heraufbeschwören, wird sie eher kommen als nicht.

    Liebe Medien, in einer Rezession wird auch weniger geworben…
  • b4n4n4j03 23.08.2019 07:57
    Highlight Highlight Wieso nicht die negativzinsen für den starken franken verwenden um das bedingungslose grundeinkommen zu finanzieren? Damit haben die exportbetriebe weniger mit den lohnkosten zu kämpfen, und es müssten nicht aufgrund von lohnkosten, arbeitsplätze ins ausland verlagert werden
    • Francine Berset 23.08.2019 12:53
      Highlight Highlight Ihnen ist schon klar, wer die Negativzinsen bezahlt?! Enteignung der Sparguthaben und Plünderung der Pensionskassen. Nichts anderes ist das. Das sage ich als Dr. jur mit 27 Jahren Erfahrung im Dipl. Dienst.
    • b4n4n4j03 23.08.2019 18:02
      Highlight Highlight Mein verstäntnis ist folgendes:
      Der wert des chf steigt da viel internationales vermögen in chf angelegt wird.
      Dadurch verteuern sich exporte aus CH, darum werden gem. artikel arbeitsplätze nach DE verlagert. (Lohnkosten sind demnach ausschlaggebend)

      Die snb erhebt heute schon negativzinsen um den wert des chf tief zu halten. Siehe: https://www.snb.ch/de/ifor/finmkt/operat/id/finmkt_nz

      Deshalb ist der von ihnen beschriebene usecase heute schon gegeben.
      Evtl. Ist es eine schnapsidee, ich bin auch kein wirtschafts ökonom, noch kenne ich den zusammenhang der quaifikation eines dr. Jur zum thema
  • tagomago 23.08.2019 07:48
    Highlight Highlight Gut wäre eine heftige Rezession noch vor den US-Wahlen
    • Sir Lanzelot 23.08.2019 07:56
      Highlight Highlight Nein, das wäre nicht gut. Und Trump wird so oder so gewählt...
    • Peter R. 23.08.2019 08:27
      Highlight Highlight Wem wäre dann geholfen?
  • YvesM 23.08.2019 06:53
    Highlight Highlight Wenn wir genug lange von der Rezession sprechen, werden wir sicher eine kriegen. 🧐
    • Satanarchist 23.08.2019 07:18
      Highlight Highlight Genau! Man spricht auch von einer sich selbsterfüllenden Prophezeihung.
    • Suigarah 23.08.2019 14:24
      Highlight Highlight Wir werden es Ende Jahr sehen. Wenn die Deutsche Wirtschaft ende Jahr nicht gewachsen ist, sind die Bedingungen einer Rezession eigentlich erfüllt.

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Der Verkauf von Wohnmobilen gilt als zuverlässigster Konjunktur-Indikator. In den USA ist er massiv eingebrochen.

Holländer mit Wohnwagen sind der Schrecken der Schweizer Passstrassen (auch entlang des Lago Maggiore sind sie lästig). Autofahrer nerven sich oft grün und blau ob den Vehikeln.

Ökonomen verfolgen derweil ihre Verkaufszahlen mit Argusaugen. «Die Wohnmobil-Industrie kann Rezessionen besser voraussagen als alle Ökonomen», sagt Michael Hicks, seines Zeichens ebenfalls Ökonomieprofessor an der Ball State University in Muncie (Bundesstaat Indiana), gegenüber dem «Wall Street Journal».

Der Grund dafür …

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