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Cristiano Ronaldo kann aufatmen – in den USA wird es keinen Strafprozess gegen ihn geben.
Cristiano Ronaldo kann aufatmen – in den USA wird es keinen Strafprozess gegen ihn geben.
Bild: EPA

Der Fall Ronaldo – warum er nicht angeklagt wurde und wie es nun weitergeht

Im Fall des Vergewaltigungsvorwurfs gegen Cristiano Ronaldo will die Staatsanwaltschaft keine Anklage erheben – weil die Tat nicht zweifelsfrei bewiesen werden könne. Wie geht es nun weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
24.07.2019, 12:2324.07.2019, 12:47

Was war 2009 in Las Vegas passiert?

Kathryn Mayorga wirft Cristiano Ronaldo vor, sie am 23. Juni 2009 in Las Vegas vergewaltigt zu haben. Die Amerikanerin hatte bereits zehn Jahren Anzeige erstattet und war ärztlich untersucht worden. Ronaldo wies den Vorwurf stets zurück. Was in Las Vegas zwischen den beiden vorfiel, sei einvernehmlich gewesen, erklärte sein Anwalt Peter Christiansen. Die Ermittlungen liefen seinerzeit ins Leere. Laut Polizei wurden sie nicht weiter verfolgt, weil Mayorga den Namen des Beschuldigten nicht nennen wollte.

Nach Darstellung Mayorgas lernte der damals 24-jährige Ronaldo sie in einem Nachtclub in Las Vegas kennen. Er lud sie demnach in seine Hotel-Suite ein und vergewaltigte sie dort. Danach habe er sich entschuldigt und erklärt, er sei «normalerweise ein Gentleman», heisst es in der Klageschrift. Im vergangenen Jahr räumte Mayorga ein, im Zuge einer finanziellen Einigung von rechtlichen Schritten abgesehen und einer Schweigevereinbarung (Ronaldo zahlte ihr 375'000 US-Dollar) zugestimmt zu haben.

Ronaldo mit Mayorga 2009 in Las Vegas.
Ronaldo mit Mayorga 2009 in Las Vegas.
Bild: AP/MATRIXPICTURES.CO.UK

Was ist nun passiert?

Nachdem Mayorga im September 2018 im Zuge der #MeToo-Bewegung vor dem United States District Court in Nevada Zivilklage wegen Vergewaltigung gegen Cristiano Ronaldo eingereicht hatte, nahm auch die Polizei in Nevada den Fall wieder auf. Zu einem Strafprozess gegen den Juventus-Star kommt es allerdings nicht.

Wie das Büro des Bezirksstaatsanwalts in Las Vegas am Montag mitteilte, können die Anschuldigungen gegen den portugiesischen Star-Fussballer bezüglich eines sexuellen Übergriffs nicht zweifelsfrei («Beyond reasonable doubt») bewiesen werden. Der Fall wird deshalb vorerst strafrechtlich nicht weiterverfolgt. Wenn neue Beweise vorliegen, könnte das strafrechtliche Verfahren wieder aufgenommen werden. Das scheint momentan aber sehr unwahrscheinlich.

Wieso gibt der Staatsanwalt auf?

Wegen der fehlenden Erfolgsaussicht. Strafprozesse werden in den USA in der Regel von Jurys entschieden, schuldig ist der Angeklagte nur, wenn alle Jury-Mitglieder ohne Zweifel davon überzeugt sind («Beyond reasonable doubt»). Wie der «Spiegel» berichtet, ist bei Vergewaltigungsvorwürfen, die nur selten eindeutig zu belegen sind und in denen es meist zwei unterschiedliche Versionen der Beteiligten gibt, ein solches Urteil oft schwierig. Anders als in der Schweiz gibt es in den USA auch keine Pflicht der Strafverfolgung.

Ein Strafverfahren in den USA ist zudem viel aufwendiger und teurer als bei uns. Deshalb eröffnet die Staatsanwaltschaft meist nur sehr sichere Verfahren. «Nur durchschnittlich fünf Prozent aller Straffälle gehen vor Gericht», erklärte Liane Wörner, Strafrechtsexpertin der Universität Konstanz, gegenüber dem «Spiegel».

Ist Ronaldo also aus dem Schneider?

Nein, Ronaldo kann zwar wieder ohne Angst vor einer Verhaftung in die USA reisen, die Zivilklage von Mayorga ist allerdings immer noch hängig. Dort könnte der Sachverhalt der Vergewaltigung komplett anders beurteilt werden, weil Strafprozess und Zivilprozess zwei komplett getrennte Gerichtsverfahren sind. Im Zivilprozess gilt in den USA ausserdem nicht der Grundsatz «Beyond reasonable doubt», sondern «Preponderance of evidence». Das bedeutet, dass Ronaldos Schuld wahrscheinlicher sein muss als seine Unschuld.

Ronaldo konzentriert sich derzeit auf den Ball und die bevorstehende Saison mit Juventus Turin.
Ronaldo konzentriert sich derzeit auf den Ball und die bevorstehende Saison mit Juventus Turin.
Bild: EPA

Gibt es einen Präzedenzfall?

Ja. Der amerikanische Footballstar und Schauspieler O.J. Simpson, der 1995 wegen Mordes an seiner früheren Frau Nicole Brown Simpson und ihres Freundes angeklagt wurde, wurde im Strafprozess freigesprochen. Im Zivilverfahren wurde er 1997 allerdings zu einer Schadenersatzzahlung von 33,5 Millionen US-Dollar an die Hinterbliebenen verurteilt.

Der Auslöser für den Simpson-Freispruch: Die blutigen Täter-Handschuhe passen dem Angeklagten nicht.
Der Auslöser für den Simpson-Freispruch: Die blutigen Täter-Handschuhe passen dem Angeklagten nicht.
Bild: AP Pool Agence France Press

Was droht Ronaldo im Zivilprozess?

Wie bei O.J. Simpson eine hohe Schadenersatzzahlung. Zwar könnte Ronaldo im Rahmen des Zivilverfahrens immer noch vorgeladen werden, allerdings sind solche Vorladungen bei Zivilprozessen nur sehr schwierig durchzusetzen, da Ronaldo nicht im US-Bundesstaat Nevada wohnt. Deshalb deutet im Moment vieles darauf hin, dass sich die beiden Parteien aussergerichtlich einigen werden. Vor einem nicht-öffentlichen Schiedsgericht würde es dann nicht mehr um eine Gefängnisstrafe, sondern um Schmerzensgeld gehen. (pre)

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