Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Liverpool's captain Steven Gerrard, center, lifts the Champions League trophy at The Ataturk Olympic Stadium, Istanbul, Turkey, Wednesday May 25, 2005.  Liverpool won the Champions League final beating AC Milan 3-2 on penalties after the teams were level at 3-3 after 120 minutes. (KEYSTONE/AP Photo/PA, Phil Noble) === UNITED KINGDOM OUT   ===

Bild: AP PA

Unvergessen

Der FC Liverpool entstand einst nur, weil Everton die Platzmiete nicht bezahlen wollte

15. März 1892: In einem Haus an der Anfield Road wurde die endgültige Trennung von Everton beschlossen und gleich ein neuer Klub gegründet, der in die Geschichte eingehen sollte: Der FC Liverpool oder einfach «die Roten». Dabei waren die Trikots zu Beginn blau-weiss gestreift.



John Houlding, ein reicher Brauereibesitzer, besitzt an der Anfield Road ein Fussballfeld. Darauf spielt seit 1888 sein gegründeter FC Everton, einer der zwölf Gründungsmitglieder der obersten Spielklasse, der Football League. Doch als Houlding die Platzgebühren an der Anfield erhöht, gehen die Mitglieder von Everton auf die Barrikaden. Sie werfen ihm Wucher vor, was er wiederum als undankbar empfindet: «Ich kann nicht verstehen, wieso ein Gentleman, der soviel für den Klub (Everton) und seine Mitglieder getan hat, sich so behandeln lassen muss.»

Alderman John Houlding, JP MP Lord Mayor of Liverpool
Founder of Everton FC
Founder/owner of LFC
President of LFC 1892-1904

Liverpool-Gründervater John Houlding Bild: standardchartered-liverpoolfc.com

Es bleibt nicht beim Streit, sondern kommt zum Eklat: Everton findet unweit der alten Spielstätte im Goodison Park eine neue Heimat. Mit knapp zwanzig Mann verlässt John Houlding daraufhin den Verein. Kurz darauf findet am 15. März 1892 in Houldings Haus an der Anfield Road die erste Sitzung der Abtrünnigen statt. Sie gründen einen neuen Klub, wobei William E. Barclay auch gleich den passenden Namen vorschlägt: Liverpool.

Die Rivalen von Everton

Bild

Die erste Mannschaft des FC Liverpool. Bild: toffeeweb.com

Neu ist allerdings nicht alles. Wie schon bei Everton setzt man erst auf blau-weisse Trikots. Erst 1896 änderte der neue Trainer Tom Watson die Trikotfarbe in Rot und Weiss, was bis heute die Klubfarben geblieben sind.

Doch es gibt zu Beginn ein viel grösseres Problem zu lösen. Der erste Manager des neuen FC Liverpool hatte nach der Gründung zwar ein Fussballfeld, aber noch keine Mannschaft, die darauf spielen könnte. Also fuhr der Ire John McKenna ins nahe gelegene Schottland, um dort 13 Spieler zu rekrutieren.

Söldnertum schon in der Vergangenheit aktuell

Im ersten Spiel des Vereins siegt die neue Truppe glatt mit 7:1. Dies war zugleich auch das erste Fussballspiel Englands, in dem eine englische Mannschaft keinen einzigen einheimischen Spieler aufbot.

Nachdem die Football League die Aufnahme des neuen Teams zuerst verweigert, startet Liverpool in einer tieferen Liga. Nach dem Gewinn dieser sogenannten Lancashire League wird Liverpool ein Jahr später gemeinsam mit Woolwich Arsenal (das spätere Arsenal London) in die Football League aufgenommen.

Merseyside Derby

abspielen

Video: YouTube/COPA90

1894 kommt es zum ersten Wiedersehen mit dem FC Everton in der obersten Spielklasse. Everton siegt gegen die «alten Kameraden» 4:0. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kann der FC Liverpool sich fortan in der ersten englischen Liga behaupten und wird 1901 sogar erstmals englischer Meister.

Lange kein Topteam, doch dann wird die europäische Spitze gestürmt

In den nächsten 60 Jahren gewann Liverpool die Meisterschaft insgesamt viermal (1906, 1922, 1923, 1947), stieg aber auch einige Male ab. Liverpool konnte sich also nicht wirklich zu den ganz grossen Mannschaften auf der Insel zählen. Dies sollte sich jedoch bald ändern.

Die Trainerlegende Bill Shankly und sein Co-Trainer Bob Paisley führen nach dem ersten Meistertitelgewinn von 1964 die «Reds» in der nächsten Dekade zu weiteren Erfolgen: Zwei Meistertitel, zwei FA-Cups und der UEFA-Pokal-Sieg. Shankly prägt die Epoche auch durch seine Wortgewandtheit, wie dieses, das wohl berühmteste Zitat beweist:

Es gibt Leute, die denken Fussball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist.

Bill Shankly wikipedia.de

Die vielschichtige Bedeutung des Klubwappens

Das Wappen ziert zum einen das Gründungsjahr (1892) des Klubs. Der «Liver Bird» ist eine imaginäre Kreuzung zwischen einem Adler und einem Kormoran. Oberhalb des Wappens befinden sich Eisenschnörkeln wie beim «Shankly-Gates-Eingang». Die Liverpool-Hymne «You' ll never walk alone» wurde nach der Stadionkatastrophe von Hilsborough 1989 ins Wappen integriert. Die Flamme ist das Symbol der Hillsborough Tragödie.

bjoern-dapper.de

Die Blütezeit Liverpools aus taktischer Sicht

Nach dem Rücktritt von Bill Shankly 1974 gelingt es seinem Nachfolger Paisley, eine noch grössere Ära einzuläuten. Bis 1983 holt Liverpool unter seiner Regie Liverpool in acht Saisons jeweils mindestens einen Titel. Sechs Meisterschaften, zwei Vizemeisterschaften und die ersten drei Landesmeister-Pokale stehen am Schluss in seiner Bilanz.

Picture dated Nov. 1979 of Liverpool FC's Assistant Manager Joe Fagan (right) with Manager Bob Paisley on the bench at Anfield, Liverpool. Former Liverpool manager Joe Fagan has died following an illness at the age of 80, it was announced Monday July 2 2001. Fagan, the last of the Anfield club's infamous Ôbootroom boys' to take charge of the first team following the retirement of Bob Paisley, led Liverpool to an unprecedented Treble in 1984 of Championship, League Cup and European Cup. (AP PHOTO/PA) UK OUT NO MAGS

Links im Bild von 1979 ist der erfolgreichste Trainer Liverpools, Bob Paisley. Bild: AP PA

Unsere Kollegen der Spielverlagerung haben in einem äussert lesenswerten Artikel die taktische Ausrichtung der Roten von 1977 bis 1985 unter die Lupe genommen, die damals neue Fussballideen aufs europäische Festland brachten.

Die Tragödien von Heysel und Hillsborough als Ende der Dominanz

Doch es gibt nicht nur positive Meldungen des Vereins. Ein ganz schwarzes Kapitel ereignet sich am 29. Mai 1985. Im Landesmeister-Pokal-Finale treffen Liverpool und Juventus Turin im Brüsseler Stadion Heysel aufeinander. Dort kommen nach einer Masssenpanik 39 Menschen ums Leben. Die Fans von Liverpool werden für diese Tragödie verantwortlich gemacht und der Verein für sieben Jahre von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen.

Ein nächster schrecklicher Vorfall lässt leider nicht lange auf sich warten. Beim FA-Halbfinalspiel im FA Cup 1989 gegen Nottingham Forest werden viel zu viele Karten verkauft, wodurch tausende Fans mehr als eigentlich zulässig in den Block im Hillsborough-Stadion von Sheffield gelangen. Nachdem dort Panik ausbricht, reagiert die Polizei falsch und es kommt zur unfassbaren Tragödie, bei der am Schluss 96 Todesopfer zu beklagen sind.

Photo dated 29 May 1985 shows injured spectators in the Heysel stadium in Brussels after violent clashes between Juventus Turin and Liverpool fans prior to the European Champions Cup final. The Heysel stadium tragedy marks one of the darkest moments in the history of soccer.  39 people died and more than 400 were injured when a wall collapsed at the stadium in Brussels during violent riots just before the European cup final between Liverpool and Juventus. As a direct result of this event, the English Football Association banned English clubs from participating in UEFA competitions for six years. (KEYSTONE/EPA/Str)

Nach der Heysel-Tragödie wird Liverpool sieben Jahre aus europäischen Wettbewerben ausgeschlossen. Bild: EPA

Die Auferstehung Liverpools

Nicht nur die beiden Unglücke sitzen tief. Nach dem Meistertitel 1990 haben die Reds Mühe, die Erfolge der erfolgreichen Vorgänger zu wiederholen. Erst 2001 feiern sie mit dem Uefa-Pokal wieder einen Erfolg.

2005 dann der ganz grosse Coup: im Champions League Finale gegen Milan können sich die «Liverpudlians» nach einem 0:3-Rückstand zur Pause noch in extremis ins Elfmeterschiessen retten, welches sie mit 6:5 für sich entscheiden können. Es ist bis heute eines der wohl grössten Comebacks in einem wichtigen Endspiel.

Der Investorenkampf

2007 übernahmen die amerikanischen Investoren Tom Hicks und David Gillet den inzwischen hochverschuldeten Klub für einen Kaufpreis von umgerechnet rund 174 Millionen Pfund, haben aber die Kaufsumme selbst ausschliesslich mit Krediten finanziert, die sie gleich wieder dem Klub aufbürdeten.

2010 konnten schliesslich die unbeliebten Investoren vom Hof gejagt werden. Das US-amerikanische Unternehmen New England Sports Ventures – unter anderem Besitzer des Baseballteam Boston Red Sox – übernahm in einem umkämpften Deal für 346 Millionen Euro die Klubaktien und konnte so die grössten Bankschulden tilgen.

Auch neben dem Platz lief nicht alles rund für die Roten. Identifikationsfigur Steven Gerrard und seine Truppe konnten seit dem CL-Triumph keinen Titel mehr erringen. Ein weiterer Meistertitel konnte seit 1990 nicht mehr gewonnen werden und Liverpool wurde mittlerweile von Manchester United als Rekordmeister entthront.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei.

Europas Rekordmeister im Fussball

Das ist der moderne Fussball

Oh Mäzen, mein Mäzen – wie der Schweizer Fussball ums finanzielle Überleben kämpft

Link zum Artikel

«Hunderte Dinge haben mich genervt» – dieser Fan boykottiert seit einem Jahr Fussball

Link zum Artikel

Nur noch 7 Profis im Kader – Traditionsklub Bolton droht der totale Kollaps

Link zum Artikel

Wir würden als Sportchefs für 100 Millionen diese Teams zusammenstellen – und du?

Link zum Artikel

Marcel Reif zum St.Galler VAR-Drama: «Das ist nicht die Idee des VAR, so schadet er»

Link zum Artikel

Barça patzt, Real profitiert – das ist der «japanische Messi» Takefusa Kubo

Link zum Artikel

Der ÖFB-Cup als Fundgrube für jeden mit einem Herz für grossartige Klubnamen

Link zum Artikel

Falschen Jallow verpflichtet: Türkischer Klub leistet sich Transfer-Blamage des Sommers

Link zum Artikel

4 Fussball-Stars erstreiken sich den Wechsel – und immer soll es zu Barcelona gehen

Link zum Artikel

11-Jähriger trifft Messi im Strandurlaub – und spielt eine Runde mit ihm

Link zum Artikel

Kein Witz! Darum heisst Juventus Turin im neusten FIFA-Game «Piemonte Calcio»

Link zum Artikel

Warum es besser wäre, wenn jeder Klub nur noch drei Transfers tätigen dürfte

Link zum Artikel

Rassismus-Vorwürfe gegen einen FCSG-Spieler – was geschah im Testspiel gegen Bochum?

Link zum Artikel

Psychologe analysiert Tattoos von Fussballprofis – mit klarem Ergebnis

Link zum Artikel

Kevin-Prince Boateng haut neuen Rapsong raus – aber was macht das Pferd da eigentlich?

Link zum Artikel

Die teuersten Teenager der letzten 25 Jahre – so krass sind die Transfersummen explodiert

Link zum Artikel

Topklubs haben schon fast 1 Milliarde für Transfers ausgegeben – die Übersicht

Link zum Artikel

Liga gibt zu, dass der VAR in St.Gallen nicht hätte eingreifen dürfen

Link zum Artikel

Vier Gründe, warum Bayern München einfach keinen Topstar abkriegt

Link zum Artikel

Ein Problem namens Wanda – wie Torjäger Mauro Icardi bei Inter in Ungnade gefallen ist

Link zum Artikel

Ausländer-Trios, werbefreie Trikots oder das Nasenpflaster – 16 Dinge, die aus dem Fussball verschwunden sind

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Assaidi erzielt das frechste Tor des Jahres – dumm nur, dass es Abseits war

11. September 2011: Oussama Assaidi ist gegen Groningen auf dem Weg zum 3:0 für Heerenveen. Doch da pfeift der Schiedsrichter Offside. Der Marokkaner schenkt uns immerhin noch einen Zirkustrick.

Jeder Fussballer weiss es: Ist die Pfeife des Schiedsrichters ertönt, darf ich nicht mehr weiterspielen. Es droht eine Gelbe Karte. Aber manchmal, da siehst du dich als Fussballer schon vor den eigenen Fans jubeln und kannst nicht anders, als die Aktion noch abzuschliessen.

Oussama Assaidi kennt diese Situation. Gegen Groningen hat der Linksaussen in der 62. Minute für Heerenveen auf 2:0 erhöht. Jetzt wird der Stürmer steil geschickt. Der Marokkaner ersprintet sich den Ball, steht alleine vor …

Artikel lesen
Link zum Artikel