Russland
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Russische Eltern sind alarmiert: So genannte «Todesgruppen» im Internet treiben Jugendliche dazu, sich das Leben zu nehmen. (Symbolbild) bild: shutterstock

«Todesgruppen» im Netz treiben russische Jugendliche in den Suizid 



Russische Eltern sind alarmiert: So genannte Todesgruppen im Internet treiben Jugendliche dazu, sich das Leben zu nehmen. Dutzende Suizide von Teenagern sind nach Recherchen der Zeitung «Nowaja Gaseta» auf diese Foren in sozialen Netzwerken zurückzuführen.

«Als erstes musst du Gruppen mit deprimierenden Inhalten aufbauen. Dann beginnt das Spiel»

Filipp Budeikin, Mentor einer «Todesgruppe»

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VK – das russische Pendant zu Facebook bild:screenshot

«Ich habe lediglich ein paar Leuten erklärt, warum es das Beste ist zu sterben», schilderte Filipp Budeikin ganz offen, wie die Todesgruppen funktionieren. Kurz darauf wurde der 22-Jährige in St. Petersburg festgenommen. Er soll als Mentor einer versteckten Gruppe bei VK – dem russischen Äquivalent zu Facebook – 15 Jugendliche zum Selbstmord angestiftet haben.

«Als erstes musst du Gruppen mit deprimierenden Inhalten aufbauen», sagte Budeikin lokalen Medien. «Dann beginnt das Spiel». Bei diesem «Spiel» müssen die Teilnehmer bestimmte Aufgaben erfüllen, zum Beispiel sich selbst verletzen. Tun sie das nicht, würden sie erpresst, fand «Nowaja Gaseta» heraus.

Suizid ist in Russland ein grosses Tabuthema. Doch seit den Recherchen der Zeitung wird öffentlich darüber gesprochen. Präsident Wladimir Putin zeigte sich besorgt und forderte härtere Strafen für die Anstiftung zum Selbstmord.

epa05831876 People walk over the ice at the frozen Neva River during sunset in St. Petersburg, Russia, 05 March 2017. Temperatures dropped to minus five degree Celsius in the second capital of Russia.  EPA/ANATOLY MALTSEV

Sonnenuntergang über St. Petersburg. Für die Menschen in Russland ist Suizid immer noch ein grosses Tabuthema.  Bild: ANATOLY MALTSEV/EPA/KEYSTONE

Die Suizidrate unter Minderjährigen ist in Russland nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation dreimal höher als im weltweiten Durchschnitt: 20 Teenager pro 100'000 Menschen nehmen sich das Leben. Nachdem die Rate rückläufig gewesen sei, sei sie im vergangenen Jahr wieder um 57 Prozent gestiegen, sagt die russische Kinderrechtsbeauftragte Anna Kusnezowa. Sie führt den Anstieg auf die «Todesgruppen» zurück.

«Wertlose Menschen»

Zwischen November 2015 und April 2016 brachten sich 130 Teenager in Russland um. Dutzende davon wurden laut «Nowaja Gaseta» von den Internetgruppen dazu angestiftet. Auch in der benachbarten Ukraine haben die Selbstmorde unter Jugendlichen deutlich zugenommen.

Die Polizei sperrte dort den Zugang zu 500 Gruppen in den sozialen Netzwerken. Von den 70 täglich als verschwunden gemeldeten Teenagern sind nach Angaben der ukrainischen Polizei 20 bis 30 Prozent Mitglieder solcher Todesgruppen.

Dennoch mahnen russische und ukrainische Experten, das Phänomen nicht überzubewerten. Manche warfen «Nowaja Gaseta» vor, Einzelfälle zu Schauermärchen aufzubauschen.

Doch die Aussagen Budeikins, des inhaftierten «Mentors» einer Todesgruppe, sind zweifelsohne erschreckend. Die Jugendlichen bezeichnete er als «wertlose Menschen» und «biologisch abbaubaren Müll». Sein Ziel sei es gewesen, die Gesellschaft davon zu «säubern». Für den Tod der Teenager fühlt er sich nicht verantwortlich: «Sie waren diejenigen, die die Entscheidung getroffen haben», sagt er. «Niemand hat sie gezwungen». (sda/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Matrixx 18.04.2017 16:23
    Highlight Highlight In Russland agieren solche Gruppen versteckt?
    Krass. Bei uns macht man dies offen und jeder kann mitmachen. Und es wird noch nicht mal etwas unternommen, wenn jemand zum Selbstmord getrieben wird.

    Schockierend ist das also keinesfalls... Eher traurig, dass das in Russland Tabu sein soll...
    • Jürg Müller 18.04.2017 17:25
      Highlight Highlight Matrix, ich weiss nicht, was Du meinst. Mobbing?
    • Mischa Müller 18.04.2017 17:41
      Highlight Highlight CH hat die höchste Selbstmordrate weltweit. Die Statistiken werden dem Volk vorenthalten. Als Journalist beim TV-Sender IntroTV hatte ich anno 2003 einsickt. Glauben ist u.a. eine Legittimation, Handlungen, blindlings, zu tun, welche sozial geprägte Menschen, Behinderte in zwischenmenschlicher Abhängigkeit, zu Handlungen führen, welche im Selbstmord kulminierenn. Also. Und Spott und Satire können gleichfalls extrem verletzend sein. Sogar ein Swisscom Chef nahm sich vor zwei Jahren das Leben.
    • Matrixx 18.04.2017 17:51
      Highlight Highlight Ja. Bei uns wird Mobbing oder Cybermobbing öffentlich gemacht und jeder kann dabei mitmachen. Hört man auch öfters. Und begeht das Opfer dann Selbstmord, weiss dann komischerweise niemand was davon. Liegt aber wohl daran, dass 9 von 10 Mobbing lustig findet...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Pinguino24 18.04.2017 15:43
    Highlight Highlight ist das krank...
  • giandalf the grey 18.04.2017 15:28
    Highlight Highlight So friedliebend ich auch gerne wäre... Bei Menschen wie diesem Budeikin fallen mir kreativere und schmerzhaftere Bestrafungsmöglichkeiten ein als den Herrschern des Mittelalters....

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