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Mosa Meat Kultiviertes Fleisch Burger aus dem Labor

Bild: Mosa Meat

Abweisende Vegetarier, skeptische Metzger – das Laborfleisch hat fast keine Freunde



Die Nachricht machte am Dienstagmorgen schnell die Runde. Die Coop Tochter Bell Food Group investiert in kultiviertes Rindfleisch. Mit rund 2.3 Millionen Franken beteiligt sich der Schweizer Fleischproduzent am holländischen Start-up Mosa Meat, das bereits seit Jahren am Fleisch tüftelt, das kein Leben auf dem Gewissen hat. Am Fleisch, das die ganze Branche auf den Kopf stellen könnte.

So wird das Laborfleisch hergestellt

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Video: YouTube/Mosa Meat

Der Schweizer Fleisch-Fachverband SFF winkt ab. «Wir sehen mittelfristig keine Bedrohung für die Fleischindustrie», schreibt Mediensprecherin Alexandra Bechter watson. Und langfristige Entwicklungen seien zum jetzigen Zeitpunkt nur sehr schwierig abzuschätzen. «Die Produktion in kleinen Mengen im Labor ist eines, das Produkt aber massentauglich zu machen, ist noch ein sehr langer und ungewisser Weg.»

An eine komplette Verdrängung der klassischen Fleischindustrie mag man in der Branche bislang nicht denken. Es gibt zu viele offene Fragen: Schmeckt Fleisch aus dem Labor jemals so gut, wie das Fleisch von einem toten Tier? Kann das Laborfleisch preislich mithalten? Und: Wollen Menschen überhaupt Laborfleisch essen?

Die fehlenden Antworten haben das Migros-Unternehmen Micarna und grossen Konkurrenten der Bell Food Group bislang davon abgehalten, in künstliches Fleisch zu investieren. Dies sei allerdings keine definitive Absage, betont Sprecherin Deborah Rutz.

«Es ist eine echte Alternative für jene Konsumenten, die heute aus ethischen oder ökologischen Gründen ganz oder teilweise auf Fleisch verzichten.»

Fabian Vetsch, Sprecher Bell Food AG

«Insbesondere im Bereich von Start Ups gibt es verschiedene solche Ansätze, welche auch von der Micarna regelmässig angeschaut und bewertet werden.» Genauer ins Detail geht sie aus  aus strategischen Gründen nicht. Was sie aber sagt: «Derzeit haben wir keine konkrete Absichten in den Bereich einzusteigen.»

Micarna zögert noch, Bell hat den Schritt jetzt gewagt. Deren Sprecher Fabian Vetsch spricht von einer interessanten Technologie mit Zukunftspotenzial. Denn: «Es ist eine echte Alternative für jene Konsumenten, die heute aus ethischen oder ökologischen Gründen ganz oder teilweise auf Fleisch verzichten.» Somit wird klar, welche Zielgruppe Bell im Kopf hat – Vegetarier und Veganer.

«Swissveg begrüsst alle Anstrengungen, die dazu führen können, dass weniger Tiere für die menschliche Ernährung ausgebeutet werden müssen.»

Renato Pichler, Geschäftsführer Swissveg

Doch die führenden Interessensvertreter äussern sich kritisch: «Heutzutage gibt es eigentlich bereits genügend schmackhafte Alternativen und gesunde Proteinquellen auf pflanzlicher Basis, so dass kein Fleisch, egal ob aus dem Labor oder dem Schlachthof, konsumiert werden müsste», schreibt Raphael Neuburger, Präsident der Veganen Gesellschaft Schweiz. Darum sei Fleisch aus dem Labor für vegan lebende wohl weniger ein Thema.

Ähnlich argumentiert der Geschäftsführer von Swissveg (Interessensvertretung Veganer und Vegetarier), Renato Pichler. Er sehe keinen Grund für etwas viel Geld auszugeben, das aufgrund von vorhandenen pflanzlichen Alternativen nicht nötig sei. Dennoch sieht er die Entwicklung positiv: «Swissveg begrüsst alle Anstrengungen, die dazu führen können, dass weniger Tiere für die menschliche Ernährung ausgebeutet werden müssen.»

Für Pichler ist klar, warum heute viele Fleischproduzenten auch in Alternativen investieren: «Sie müssen bei sinkendem Gewinn neue Märkte erschliessen.»

Tatsächlich spürt die Fleischbranche, dass immer mehr Schweizer auf Fleisch verzichten oder zumindest bewusster konsumieren. Die Branche werde die gesellschaftliche Bewegung stark spüren, sagte einst der Präsident des Verbands in einem Interview mit der Zeitschrift «Schweizer Bauer». «Das wird langsam zum Religionsersatz. Es kommt eine Grundstimmung auf: Man kann die Welt verbessern, indem man weniger Fleisch isst. Das kann recht gefährlich werden.»

Dies zeigt sich auch in Zahlen. Der Fleischkonsum pro Kopf hat 2017 einen neuen Tiefpunkt erreicht. Ein Schweizer im Jahr 1987 ass noch 13 Kilogramm mehr Würste und Steaks als heute. Am Dienstag zeigte sich die Mediensprecherin Schweizer Fleisch-Fachverband SFF aber optimistisch, dass dieser Trend gestoppt werden kann: «Aktuelle Zahlen zeigen, dass aufgrund des grillfreundlichen Wetters in den letzten Monaten die Konsumzahlen wieder leicht gestiegen sind.»

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Video: watson/Oliver Baroni, Emily Engkent

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