Iran
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Ein 12-köpfiges Kommando, eine Autobombe: Leak zeigt erste Details zum Anschlag im Iran



Seit Tagen gehen die Wogen hoch im Falle des ermordeten iranischen Atomphysikers Mohsen Fachrisadeh. Nun, nur Tage später, werden erste Details bekannt zum Anschlag. Ein zwölfköpfiges Kommando habe den Angriff ausgeführt, darunter auch Scharfschützen. Das berichtet der iranische Journalist Mohamad Ahwaze. Er beruft sich auf Leaks im iranischen Machtapparat. Ahwaze machte sich im Frühjahr einen Namen mit Enthüllungen zum tatsächlichen Ausmass der Corona-Pandemie im Land.

Rund 60 Personen seien in den Angriff involviert gewesen, 50 davon leisteten logistischen Support im Hintergrund. Ein Kommando, bestehend aus zwölf hochspezialisierten Angreifern, habe sich in der Stadt Absard 50 Kilometer von Teheran entfernt aufgehalten und Fachrisadeh ausspioniert. Man habe gewusst, dass Fachrisadeh eine Fahrt in sein Ferienanwesen plane. Dann hätten die Planungen zum konkreten Angriff begonnen.

Plötzlich fiel der Strom aus

Ungefähr eine halbe Stunde, bevor der Konvoi den Kreisel vor den Stadtmauern passierte, sei in der ganzen Region der Strom ausgefallen. Ein mit Sprengstoff beladener Nissan-Pickup-Truck sei explodiert, als der Konvoi vorbeifuhr. Dann habe der Kugelhagel begonnen: In einem Fahrzeug hätten Teile des Kommandos gewartet, ausserdem seien mehrere Angreifer auf Motorrädern involviert gewesen.

Die Jagd nach den Angreifern

Israelische Medien zufolge macht die iranische Regierung Jagd auf vier Männer, die sie für den Anschlag verantwortlich macht. Im ganzen Land würden Bilder verteilt und die Kontrollen an der Grenze zum Nordirak seien hochgefahren worden, heisst es.

Doch gestorben, sagt Ahwaze, sei der 62-Jährige nicht etwa im Kugelhagel. Der Anführer des Kommandos habe ihn aus dem Auto gezerrt und hingerichtet. Dann seien die Angreifer auseinandergestoben. Niemand wurde festgenommen.

Fachrisadeh und einige seiner Bodyguards seien zunächst noch von einem Polizeihubschrauber in ein Spital in der Nähe gebracht worden. Das allerdings war infolge des Stromausfalls quasi ausser Betrieb.

Die iranische Nachrichtenagentur FNA (Fars News Agency) zeichnet derweil ein anderes Bild vom Anschlag. So sei der Konvoi des Atomphysikers von einem ferngesteuerten Maschinengewehr attackiert worden, das auf einem Pick-up-Truck montiert gewesen sei. Der 62-jährige Atomphysiker sei ausgestiegen und danach gezielt erschossen worden. Nur kurz später sei der Pick-up-Truck explodiert.

epa08846406 A handout photo made available by Iranian state TV (IRIB) official website shows  the scene of terror attack on top Iranian nuclear scientist Mohsen Fakhrizadeh, in the city of Damavand, northern of the capital city of Tehran,Iran, 27 November 2020. According to media reports, Iranian nuclear scientist Mohsen Fakhrizadeh was killed in a terror attack in the city of Damvand.  EPA/IRIB HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Das Wrack des explodierten Nissan-Pick-up-Trucks. Bild: keystone

Keine Transparenz: Der Iran windet sich

Allerdings: Die Nachrichtenagentur ist zwar offiziell unabhängig, sie gilt allerdings als regimenah. Ihre Darstellung stützt das offizielle Narrativ der iranischen Regierung. Für diese ist der Zwischenfall eine Schmach sondergleichen. Dass mutmasslich ein Kommando ausländischer Agenten eine Galionsfigur des iranischen Atomprogramms tötet und danach unbehelligt entwischt, ist ohne Gesichtsverlust nur schwer vermittelbar. Der Iran macht die USA und Israel für die Tat verantwortlich.

Dass der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad hinter dem Anschlagskomplott steht, davon geht auch die «New York Times» aus. Sie beruft sich auf eine nicht näher spezifizierte Quelle in US-Regierungskreisen. Der Mossad verfügt mit den sogenannten Kidon-Teams über Einheiten, die hinter den Linien des Feindes agieren. Sie wurden als Reaktion auf die Anschläge auf israelische Sportler bei den Olympischen Spielen 1972 gegründet.

(tat)

So lief Anfang Jahr der US-Militärschläg gegen Qasim Soleimani:

Mehr zum Iran: Tausende setzen ihr Leben aufs Spiel

Video: srf/Roberto Krone

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