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Eismeister Zaugg

SCB gegen Zug – der Beginn einer neuen, erbitterten Rivalität

Im Rückblick werden wir erkennen, das mit Zugs 3:0 (0:0, 1:0, 2:0) in Bern eine neue Rivalität begonnen hat. Ein Kampf der Hockey-Kulturen.
13.01.2019, 04:2713.01.2019, 09:02

Zug? Kein Problem. Seit dem Finale von 2017 hat der SCB alle acht Qualifikations-Partien gegen Zug für sich entschieden. Zug gegen Bern ist, wenn am Ende doch der SCB gewinnt.

Nun ist fast alles anders geworden. Zug hat den Cup-Halbfinal in Bern im Penaltyschiessen gewonnen und nun mit einem 3:0 in Bern die Tabellenführung zurückgeholt.

Es geht nicht so sehr um die Resultate, um Sieg und Niederlage. Es geht um mehr. Um den Beginn einer neuen Rivalität, die nichts mit Nachbarschaft («Derby») zu tun hat. Sondern mit den unterschiedlichen Kulturen. Es sind die Nachwirkungen des Transfers von Leonardo Genoni. Er wird ja im Sommer mit einem Fünfjahresvertrag zum EV Zug wechseln.

Leonardo Genoni
Leonardo GenoniBild: KEYSTONE

0:3 gegen Zug. In der Neuzeit hat der SCB solche Spiele am Ende doch gewonnen. Weil die Berner härter, disziplinierter, geduldiger, besser organisiert und bis zur Arroganz selbstsicherer sind. Oder besser: waren.

Nun haben die Zuger dem Druck und den Provokationen der «Big Bad Bears» standgehalten, die Ruhe nie verloren, die Berner im letzten Abschnitt zu Fehlern provoziert und am Ende verdient gewonnen. Sie standen in jeder Beziehung mit dem Titanen auf Augenhöhe.

Keine Selbstverständlichkeit: Ein «zu null» in Bern ist der ultimative Beweis für Zugs neue Tauglichkeit für höhere Aufgaben. Es ist die erste «zu Null»-Niederlage auf eigenem Eis unter dem grossen Kari Jalonen. Ein historisches Resultat. Den letzten Sieg nach 60 Minuten hatten die Zuger in Bern am 18. September 2015 gefeiert (3:2). Und Bern erlitt seine letzte «zu Null»- Heimniederlage am 5. Februar 2016 unter Trainer Lars Leuenberger gegen Gottéron (0:4).

Selbst der fürchterliche Check von Tristan Scherwey gegen Garret Roe in der 7. Minute, der dem SCB-Vorkämpfer richtigerweise eine Fünfminutenstrafe plus Restausschluss eintrug (und Sperren nach sich ziehen dürfte) vermochte die Zuger nicht einzuschüchtern. Der Amerikaner überstand den Zusammenstoss unverletzt.

Tristan Scherwey musste das Eis verlassen.
Tristan Scherwey musste das Eis verlassen.Bild: KEYSTONE

Diese Härte zeigt uns: es ging mehr als «nur» die Tabellenführung. Die Partie war aufgeladen mit der nervösen Energie, die es nur in grossen Spielen gibt. Und das Publikum war aufgebracht wie seit Jahren nie mehr. Gegenstände flogen aufs Eis. Der neutrale Beobachter wähnte sich in Lugano. Männer mit Besen und Schaufeln mussten ausrücken, um das Eis vom Volkszorn zu reinigen. Das hat es in Bern seit Menschengedenken nicht mehr gegeben.

Auf den ersten Blick waren es die Regelauslegungen der Schiedsrichter, die für die Erregungen sorgten. Dabei waren sie nicht spielentscheidend oder fundamental falsch. Nur hie und da unglücklich. Der Restausschluss für Tristan Scherwey war berechtigt. Allerdings hätte auch Johann Morant für einen bösen Check von hinten gegen Thomas Rüfenacht in der 46. Minute die gleiche Sanktion verdient. Er kam mit zwei plus 10 Minuten davon.

Aber es war noch etwas anderes als diese Härte, die für eine neue, erbitterte Rivalität spricht. Wir können es unter dem Begriff «Geld und Geist» zusammenfassen.

Der SCB verdient durch harte Arbeit Geld und gibt nicht mehr aus als hereinkommt. Seit der Milliardär Hans-Peter Strebel den Vorsitz hat, bekommt Zug einfach Geld so viel es braucht. Das stimmt so natürlich nicht. Der EVZ ist eine moderne, sehr gut strukturierte, auf die Digitalisierung ausgerichtete Firma, die sich am Markt behauptet wie der SCB. Entscheidend ist, dass es das Berner Publikum so empfindet: der Geist der ehrlichen Eishockey-Arbeit gegen das Geld der Milliardäre. Wie einst gegen Lugano.

Kommt dazu: die Zuger haben dem SCB mit viel Geld den Torhüter «gestohlen». Auch das stimmt so natürlich nicht. Aber entscheidend ist, dass es das Publikum so empfindet. Noch nie im Verlauf der Eishockey-Geschichte (die in Bern 1931 begann) hatte jemand versucht, den Bernern den Torhüter wegzunehmen. Das haben selbst die Milliardäre aus Zürich und Lugano nie gewagt. Aber Zug hat es nun getan. Eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen. Der Genoni-Transfer hat das SCB-Selbstverständnis in den Grundfesten erschüttert – und Zug zum erbitterten Rivalen gemacht.

Dan Tangnes
Dan TangnesBild: KEYSTONE

Dan Tangnes sagte zwar, es sei nicht das beste Spiel der Saison gewesen. «Aber es ist ein sehr wichtiger Sieg für unser Selbstvertrauen. Es ist ein Unterschied, ob wir hoffen in Bern gewinnen zu können oder ob wir wissen, dass wir in Bern gewinnen können.» Es sei ein Sieg der Mannschaf, freute sich Zugs Trainer. «Wir bestehen nicht nur aus Tobias Stephan oder Lino Martschini.» Das sagen zwar alle Coaches bei allen passenden und manchmal auch unpassenden Gelegenheiten. Aber ein so eindrücklicher Beweis für diese Theorie wie in dieser Partie gelingt selten.

Es mag ja sein, dass es nicht das beste Saisonspiel der Zuger war. So wie es der Trainer gesagt hat. Aber es war Zugs eindrücklichster, wertvollster Erfolg in einer Qualifikationspartie seit dem Finale von 2017.

Zug gegen Bern – das wäre in jeder Beziehung ein Playoff-Traumfinal. Und das letzte Finale von 2017 zwischen den beiden Teams würde uns im Rückblick bloss wie ein Kindergeburtstag vorkommen.

Alle NL-Topskorer der Qualifikation seit 2002/2003:

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Alle NL-Topskorer der Qualifikation seit 2002/2003
quelle: keystone / urs flueeler
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Despacito mit Eishockey-Spielern:

Video: watson/Laurent Aeberli, Reto Fehr, Lea Senn
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