Schweiz

So schön kann Demokratie sein – die 11 faszinierendsten Wahl-Grafiken

Bild: mark newman / university of michigan

Polit-Nerds und Daten-Geeks, aufgepasst!  Und auch alle anderen, die Freude an Farben und Formen haben, hereinspaziert! Was hat der AfD-Triumph mit Tropfstein-Säulen zu tun? Warum liegt Bern auch mal östlich von Zürich? Und welche Karte hängt sich Trump ins Weisse Haus? Diese faszinierenden Grafiken und GIFs liefern die Antworten.

02.01.18, 14:30 02.01.18, 22:25

Der «Piz Zürich» und das «Kap Goldküste»

Bild: vdf Hochschulverlag / sotomo

Was zeigt die Grafik?

Die Karte ordnet sämtliche Gemeinden der Schweiz aufgrund ihres Abstimmungsverhaltens auf einem «weltanschauliches Koordinatensystem» ein. Die horizontale Achse beschreibt die links-rechts Dimension, die vertikale Achse die konservativ-liberale Dimension. In der dritten Dimension zeigen Berge bevölkerungsstarke Ballungsräume an, Täler sind dünn besiedelte ländliche Regionen. Erfunden haben diese Karte die Politgeografen Michael Hermann und Heiri Leuthold. Die Deutschschweizer Grossstädte Zürich, Basel und Bern bilden einen Berg im linksliberalen Quadranten, die Zürcher Goldküste ist eine Landzunge in der rechtsliberalen Ecke.

Der unaufhaltsame Vormarsch der Homo-Ehe

Bild: giphy.com / huffington post

Was stellt das GIF dar?

Dieses GIF zeigt, welche US-Bundesstaaten seit 2004 die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert haben. Zunächst ist Massachussetts in Neuengland alleiniger Vorreiter, es folgen der Midwest-Staat Iowa und weitere Bundesstaaten in Neuengland. In den letzten Jahren kommen in immer schnellerem Tempo Bundestaaten im ganzen Land hinzu.

Stalagmiten bei der AfD...

Bild: screenshot interaktiv.morgenpost.de

Was stellt die Grafik dar?

Wir kehren nach Europa zurück und widmen uns der deutschen Bundestagswahl vom 24. September 2017. Die Karte zeigt den Stimmenzuwachs der AfD pro Wahlkreis. Je grösser der Pfeil, desto grösser der Stimmenzuwachs. Die AfD konnte in jedem einzelnen Wahlkreis hinzugewinnen.

...und Stalaktiten bei der CDU/CSU

Bild: screenshot interaktiv.morgenpost.de

Was stellt die Grafik dar?

Selbe Wahl, selbe Darstellungsweise. Dieses Mal geht es um die Unionsparteien CDU und CSU von Kanzlerin Angela Merkel. Sie verloren in jedem einzelnen Wahlkreis – zum Teil deutlich.

Die grünen Gebirge Österreichs, oder: «Wien als Fettauge»

Bild: screenshot austromorph.space

Was stellt die Grafik dar?

Wir wechseln ins Nachbarland Österreich und betrachten Ergebnisse der Stichwahl um das Amt des Bundespräsidenten vom 4. Dezember 2016. Der Grüne Alexander Van der Bellen schlug mit 53,8 Prozent der Stimmen Norbert Hofer von der FPÖ mit 46,2 Prozent.

Dargestellt sind die Wahlresultate auf Bezirksebene. Je dunkler das Grün, desto höher der Stimmenanteil von Alexander Van der Bellen, je dunkler das Blau, desto höher der Stimmenanteil von Norbert Hofer. Zusätzlich bildet die Karte die Anzahl der Stimmen ab, die in einem Bezirk abgegeben wurden. Die grosse grünen Flächen sind die bevölkerungsreichen Städte Österreichs. Ganz rechts etwa die Stadt Wien, wo über 850'000 der landesweit 4,5 Millionen Stimmen abgegeben wurden.

Zum Vergleich: Auf der kleinen Karte in der linken oberen Ecke werden das ganze Land und die einzelnen Bezirke flächengetreu abgebildet. Hier dominiert das Blau von Norbert Hofer, der in den bevölkerungsarmen ländlichen Gebiete dominierte.

Wenn der Wiener Wähler wandert

Bild: screenshot drawingdata.net / Flooh Perlot

Was stellt die Grafik dar?

Wir bleiben in Österreich und widmen uns den Gemeindewahlen in Wien 2015. Die Grafik stellt die Wählerströme zwischen den Parteien sowie den Nichtwählern dar. Die Breite der Linien stellt die Anzahl Wechselwähler dar. So verlor etwa die SPÖ (rot) 25'000 Stimmen an die FPÖ (blau). Die Grünen gewannen unter dem Strich 18'000 ehemalige Nichtwähler hinzu. Zum interaktiven Original geht es hier.

Das ist Donald Trumps Lieblingskarte – kein Witz

Bild: mark newman / university of michigan

Was stellt die Grafik dar?

Die Ergebnise der US-Präsidentschaftswahlen vom 8. November 2016 zwischen Donald Trump und Hillary Clinton. Die Karte zeigt, welche Counties (vergleichbar mit Schweizer Bezirken) Donald Trump (rot) und welche Hillary Clinton (blau) gewonnen hat. Sie bildet nur das «US Mainland» ab, es fehlen die Bundesstaaten Alaska und Hawaii. Laut New York Times gefällt dem Präsidenten diese Karte so gut, dass sie im Weissen Haus an mehreren Stellen eingerahmt an der Wand hängt.

An dieser Karte dürfte «The Donald» weniger Freue haben

Bild: mark newman / university of michigan

Was stellt die Grafik dar?

Wieder sind wir bei den US-Präsidentschaftswahlen 2016. Gleich wie bei der Karte der Österreich-Wahl wird die Grösse der Counties auf dieser Karte gemäss der Anzahl abgegebenen Stimmen dargestellt. Es dominiert das Blau von Hillary Clinton, welche in den bevölkerungsreichen Gebiete an der Ost-und Westküste und den grossen Städte dazwischen gewann. Sie gewann landesweit fast 3 Millionen Stimmen mehr als Donald Trump, verlor aber aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im «Electoral College» die Wahl.

Die Türme der Hillary Clinton (Nein, das ist nicht aus dem Intro von «Game of Thrones»)

Bild: screenshot metrocosm.com

Was stellt die Grafik dar?

Wir bleiben beim Duell Trump (rot) vs. Clinton (blau). Hier steht die Höhe der Säulen für die Anzahl der abgegebenen Stimmen pro County, die Farbe für die prozentuale Grösse des Vorsprungs. Im Vordergrund gut zu erkennen ist das riesige Stimmenplus, das sich Hillary Clinton in den Counties entlang der kalifornischen Küste geholt hat. Zum interaktiven Originial dieser Grafik geht es hier.

Und das soll Grossbritannien sein?

Bild: telegraph.co.uk

Was stellt das GIF dar?

Wir setzen auf die Britischen Inseln über. Dieses Gif stellt die Sitzverschiebungen zwischen den britischen Parlamentswahlen 2010 und 2015 dar. Jeder Wahlkreis ist als gleich grosses Sechseck dargestellt. Das führt zu einer etwas ungewohnten Abbildung Grossbritanniens (man beachte die Grösse Londons). Beim GIF gut zu erkennen: Der Triumph der Scottish National Party SNP (gelb) über Labour (rot) in Schottland (ganz oben). Die SNP gewann zu ihren bisherigen 6 zusätzlich 50 Sitze hinzu, die Labour Party verlor 40 ihrer 41 Sitze in Schottland.

Der schiefe Turm der knappen Wahlkreise

Bild: medium.com alex denvir

Was stellt die Grafik dar?

Wir bleiben in Grossbritannien und spulen vorwärts zu den Unterhauswahlen vom Mai 2017. Die Grafik zeigt diejenigen Wahlkreise, in denen das Ergebnis am knappsten ausgefallen ist. Beim britischen Einerwahlkreis-System können wenige Stimmen den Ausschlag geben. So eroberte beispielsweise der Labour-Kandidat  den Sitz im noblen Londoner Stadtviertel Kensington mit bloss 20 Stimmen Vorsprung erstmals von den Konservativen.

Die besten Memes der UK-Wahlen

1m 3s

Die besten Memes der UK-Wahlen

Video: watson

Diese 19 Grafiken beschreiben perfekt, wie die heutige Generation funktioniert

Das könnte dich auch interessieren:

History Porn Teil XXVI: Geschichte in 23 Wahnsinns-Bildern

«Klugscheisser» brilliert bis zu dieser Frage, bei der KEINER von 3 Jokern hilft

So reagiert Sharon Stone auf die Frage, ob sie je sexuell belästigt wurde

Eltern ketteten ihre Kinder an Betten: Polizei befreit 13  Geschwister aus Horror-Haus

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
12
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • crik 02.01.2018 20:39
    Highlight Zu 6: "Die Breite der Linien stellt die Anzahl Wechselwähler dar."
    Wie kann es dann sein, dass sich die Breite ändert? Sieht zB so aus, als sei die Gruppe der ursprünglichen Nichtwähler gewachsen auf ihrem Weg zur FPÖ.
    6 1 Melden
    • piranha 03.01.2018 13:05
      Highlight Die Anzahl der Nichtwähler ist grösser als die der FPÖ, demnach wird ein prozentual kleinerer Nichtwählerteil zu einem prozentual grösseren FPÖ-Wählerteil.
      3 1 Melden
    • crik 03.01.2018 18:11
      Highlight @Piranha: Deine Interpretation ist falsch. Es geht ja gerade darum, dass die Breite die absolute Anzahl Personen (nicht Prozente) anzeigt, z.B. 1 cm=10000 Personen.

      Zur Lösung kam ich dank der Originalgrafik: "Die Verbindungen sind in der Farbe jener Partei, für die der Wähleraustausch positiv war"
      Es gab also deutlich mehr Nichtwähler, die neu FPÖ wählten, als ehemalige FPÖ-Wähler, die nicht mehr wählten.

      Merke: Eine coole Aufbereitung von Zahlen heisst noch nicht, dass sie einfach zu interpretieren sind.
      1 0 Melden
  • Shin Kami 02.01.2018 15:35
    Highlight Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.
    9 64 Melden
    • MarZ 02.01.2018 16:44
      Highlight Warum muss bei jedem Artikel über Statistiken irgend ein Besserwisser diesen lahmen Spruch bringen?
      77 2 Melden
    • Hoppla! 02.01.2018 16:58
      Highlight Wenn man zum Sachverhalt nichts zu sagen hat...
      45 1 Melden
    • gondwana 02.01.2018 18:00
      Highlight diesen abgelutschten Spruch zum trillionsten Mal zu zitieren ist sicher spannender als Pet-Flaschen zurückbringen oder Kaffirahmdeckeli sammeln....
      37 2 Melden
  • N. Y. P. 02.01.2018 14:50
    Highlight Was stellt die Grafik dar ?

    Direkte Demokratie
    55 22 Melden
    • Jay #No Billag 02.01.2018 16:44
      Highlight Shots fired!
      8 4 Melden
    • Hugo Wottaupott 02.01.2018 17:20
      Highlight Abrahmisiere dich du Abkommen!
      8 2 Melden
    • gondwana 02.01.2018 18:01
      Highlight die Farbe der Grafik ist eine Entsprechung des helvetischen Geistes ?
      24 5 Melden
    • N. Y. P. 02.01.2018 18:04
      Highlight @gondwana

      Richtig.

      Ich denke, es passt ein wenig zu uns, dieses Grau.
      19 3 Melden

Star-Soziologe: «Aufstieg der Frauen weckte den Unmut der alten männlichen Wähler»

Der Brite Colin Crouch diagnostizierte einst, der Westen befinde sich auf dem Weg in die «Postdemokratie». Im Interview erklärt er, warum der Aufstieg des Rechtspopulismus die Demokratie wiederbeleben kann und wie die weiblicher gewordene Sozialdemokratie die Männer zurückgewinnen muss.

Herr Crouch, vor einigen Jahren sorgten Sie mit der These für Wirbel, dass das Zeitalter der Demokratie bald vorbei ist. Ist Ihre Prophezeiung eingetroffen?Colin Crouch: Mein Buch war nicht als Beschreibung des Ist-Zustands gedacht. Glücklicherweise ist es das auch heute nicht. Ich wollte mein Buch als Warnung verstanden haben. Noch sind die westlichen Staaten keine Postdemokratien.

Was bezeichnet dieser Begriff?Ich habe versucht eine Entwicklung zu beschreiben, die mir Sorgen bereitete: In den …

Artikel lesen