Schweiz
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ZUM TOD VON B.B. KING STELLEN WIR IHNEN AM FREITAG, 15. MAI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  American blues legend B.B. King performs on stage at the Live at Sunset Festival in Zurich, Switzerland, Wednesday, July 11, 2012 .(KEYSTONE/Walter Bieri)

B.B. King war einer der ganz Grossen, der am «Live at Sunset» spielte.
Bild: KEYSTONE

Schweizer Festivals kämpfen nicht nur gegen horrende Gagen: «Die Terror-Warnungen halten die Amerikaner von Touren in Europa ab»

20 Jahre lang hat das «Live at Sunset»-Festival die Massen in seinen Bann gezogen. Jetzt ist Schluss – zumindest vorübergehend. Für dieses Jahr musste das Openair abgesagt werden. Veranstalter Hanswalter Huggler nennt im Interview die Gründe. 



Das «Live at Sunset»-Festival ist eine Erfolgsgeschichte. Was als kleine Veranstaltung vor 20 Jahren, gleich nach der Schliessung der Drogenszene auf dem Platzspitz begann, wurde zur festen Grösse in der Schweizer Musik-Szene. Sting war da, B.B. King, Elton John oder Joe Cocker. Über all die Jahre pilgerten 500'000 Besucher zur Veranstaltung in Zürich. Dieses Jahr gibt es kein «Live at Sunset», wie die Veranstalter Anfang Woche mitteilten. Die Zukunft ist ungewiss. Hanswalter Huggler, Inhaber und Veranstalter, zeigt auf, mit welchen Problemen die Branche zu kämpfen hat. 

Das traditionelle Festival «Live at Sunset» fällt dieses Jahr aus. Was ist der Grund?
Hanswalter Huggler: Die Bands sind schlicht zu teuer geworden, die Gagen unerhört. Mittlerweile ist es wie an der Börse, es ist eine Lotterie: Wir offerieren, dann pokern die Acts und verlangen mehr; wir offerieren erneut und sie verlangen noch einmal mehr. So geht das Spiel immer weiter. Für uns ist das Mass jetzt voll, wir können und wollen diese Beträge nicht mehr bezahlen. 

Live at Sunset.

Hanswalter Huggler, Inhaber und Veranstalter «Live at Sunset». 
bild: zvg 

Können Sie Zahlen nennen? 
Sagen wir es mal so: ​Für eine wirklich grosse Band zahlen Sie in der Schweiz sofort über eine Million Franken. Zahlreiche Acts verlangen das Dreifache, das sie noch vor fünf Jahren wollten. Festivals, wie das Openair St.Gallen oder das Gurtenfestival, können das auffangen, indem sie ein paar wenige Grosse engagieren, dafür dann beim Rest aber sparen. Das können wir nicht, wir müssen während zwölf Tagen jeden Abend Bands präsentieren, die Leute anziehen. 

Können Sie nicht einfach die Ticket-Preise erhöhen?
Nein. Wir wollen die horrenden Gagen schlicht nicht auf die Zuschauer überwälzen. Und: Die Leute sind auch nicht mehr bereit dafür. Vor zehn Jahren waren bei uns immer zuerst die teuersten Plätze weg, jetzt ist es umgekehrt. Phantasie-Preise zahlt niemand mehr. Dass Madonna das Hallenstadion nicht füllen konnte, ist ein Zeichen dafür. 

«Terror ist in der Musik-Branche ganz allgemein ein Thema momentan.»

Sind diese hohen Preise nicht auch eine Folge des zunehmenden Konkurrenz-Kampfes? In kaum einem Land ist die Openair-Dichte so hoch wie in der Schweiz. 
Das spielt auch mit​. Mit dem Zürich Openair und dem Zermatt Unplugged gibt es zwei Player auf dem Markt mit fast unerschöpflichen Geldquellen. Dieses Privileg haben wir nicht. Ich kenne den Markt und kann ihn gut einschätzen. Dieses Jahr hätten wir schlicht mehr Geld ausgeben müssen, also wir hätten einnehmen können. Die Rechnung ist einfach. 

Jetzt haben wir lange über Gagen und Geld gesprochen. Gibt es noch andere Gründe für den momentan sehr unruhigen Musik- und Konzertmarkt?
​Ja. Aber aber fast niemand will darüber sprechen. Momentan schwingt in der Branche die Terror-Angst mit. Vor allem bei den US-Amerikanern – und die sind nach wie vor dominierend auf dem Schweizer Markt. 

Wie meinen Sie das? Was heisst «mitschwingen»? 
Dieses Jahr hat es auf den Booking-Lists etwa 50 Prozent weniger amerikanische Bands als sonst. Ich bin mir fast sicher, dass der Grund dafür die jüngsten Attentate sind. Der Anschlag auf das Konzert von Eagles of Death Metal im Bataclan in Paris, aber auch die jüngsten Terror-Warnungen halten die Amerikaner ab von Touren in Europa

Hatten Sie Absagen mit dem Grund «Terror-Angst»?
Wie gesagt, es spricht niemand darüber, deshalb kann ich das nicht so nachweisen. ​Aber Terror ist in der Musik-Branche ganz allgemein ein Thema momentan. 

Inwiefern?
Sämtliche Grossveranstalter zittern vor möglichen Auflagen. Kommt es noch einmal zu einem Attentat an einem Konzert oder zu einem Anschlag auf ein Fussballspiel könnte ein Metalldetektor-Obligatorium sehr rasch die Folge sein. Dies wäre mit grossen Kosten für uns Veranstalter verbunden. Zudem wäre das logistisch nicht ganz einfach zu lösen. Wie wollen sie grosse Menschenmengen innerhalb kurzer Zeit durch solche Detektoren schleusen? Nach 9/11 ging es nicht lange, bis die Detektoren an allen Flughäfen eingeführt werden mussten. Wir sind also gewarnt. Zudem könnte es sein, dass Bands fast unbezahlbare Auflagen betreffend ihrer eigenen Sicherheit und die des Publikums fordern. 

Das sind unschöne Aussichten. Trotzdem: Gibt es 2017 wieder ein Live at Sunset? 
​Ich kann es zum jetzigen Zeitpunkt schlicht nicht sagen. Tun würden wir es auf jeden Fall gerne und wir werden alles versuchen. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Mooogadelic 05.02.2016 05:25
    Highlight Highlight Ich finde es nicht wirklich schade um dieses "Openair". Ich habs fast nicht geglaubt, als ich da war. Alles gestuhlt. Einmal und nie wieder.
  • Domino 04.02.2016 13:20
    Highlight Highlight Die Preise in der Schweiz sind enorm und man kennt die Openairs. So ist es interessanter mal ins Auskand zu fahren und Neues zu entdecken. Der Roadtrip dorthin macht auch spass. Als Beispiel: Springbreak Europe in Kroation kostet 150€ inkl. Unterkunft. Für 250€ ist man 4 Tage im 4* Hotel mit Pool direkt am Meer.
  • BoomBap 04.02.2016 12:47
    Highlight Highlight Bin mal gespannt was ans Royal Arena Festival kommt. Wir brauchen keine "grossen Namen", whack MC's könnt ihr nach Frauenfeld schicken! D.I.T.C. in Orpund wär nice! (:
  • herschweizer 04.02.2016 11:49
    Highlight Highlight die meisten Festivals buchen Billigbands dessen Zenith international schon lange überschritten ist... in ch sind diese Bands auch wegen der erbärmlichen heimischen Musikszene noch angesehen im Vergleich grossartig.
    Aber schaut mal alle Festivals werden über Sponsoring finanziert und zum Teil auch Alkoholausschank... und Terror in der Schweiz halo? hier gibts keine Bedrohung wir sind eben nicht Paris
    • 2sel 04.02.2016 12:44
      Highlight Highlight Wenn sie die einheimische Musikbranche als "erbärmlich" bezeichnen, haben sie schlicht einfach keine Ahnung von dieser. Die Schweiz hat in den letzten Jahren durchaus einige gute und intetessante Bands wie z.B. "Jeans for Jesus" oder "Me, Valentine & You" hervorgebracht. Nur weil sie (noch) nicht so bekannt sind, heisst das nicht automatisch, dass sie schlecht sind.
    • herschweizer 04.02.2016 15:34
      Highlight Highlight wenn werbesongs in die ch charts kommen und hitmill das erfolgreichste eigenständige einheimische label ist wie soll man das denn nennen?
    • Raphael Limacher 05.02.2016 07:12
      Highlight Highlight Mainstream soll man das nennen herrschweizer!;) das heisst aber noch lange nicht, dass alles erbätmlich ist 😄
    Weitere Antworten anzeigen
  • Drummer 04.02.2016 10:45
    Highlight Highlight Arbeite als Live- und Studiodrummer und merke auch das nun eine neue Dimension angebrochen ist! Es war bereits immer so eine Sache mit den Konzerten. Jetzt kommt aber noch die Angst vor dem Terror dazu! Bei grösseren Konzerten, oder Clubs macht man sich heute als Musiker bereits andere Gedanken, wenn man an Paris zurückdenkt!
  • Philler_sg 04.02.2016 10:43
    Highlight Highlight Leider haben auch beim Openair St. Gallen die bereits gebuchten Pearl Jam wegen Terrorgefahr wieder abgesagt... Schade :(
    • deniaz 04.02.2016 11:15
      Highlight Highlight Das war doch lediglich das Gerücht, dass Huber sich einen persönlichen Wunsch erfüllt habe? Mit Radiohead ist das ja passiert.
    • herschweizer 04.02.2016 11:55
      Highlight Highlight so ein Mist... st.gallen hat immer sehr günstige Bands mit einigermassen bekannten Namen... dort geht es NUR um Cash!!! dieses Openair hat die Migros, Banken, Schützengarten, Baccardi und viele viele mehr im Boot... das Publikum ist auch eher auf Aklohol und Rauschmittelkonsum fixiert als auf Musikkinsum... dh... man muss nur halb bis volldicht ein paar hooklines mitgrölen und gut ist
    • Scaros_2 04.02.2016 12:58
      Highlight Highlight Das Openair SG ist wie jedes andere Open Air Bigbusiness und bevor das Open Air SG überhaupt los geht ist auf den Cashless-Uhren ein Vermögen von 2.5M-CHF drauf!! Durch das System wird heute sogar fast schon perfekt eruirrt welcher stand an welche Position am besten ist resp. am meisten Umsatz generiert und so werden schwache sukzessiv ersetzt. Auch müssen alle Foodverkäufer die Ware über das OASG verrechen und verdienen umsatzbeteiligt. Das ist Bigbusiness hier geht es genau so um Cash wie überall.
    Weitere Antworten anzeigen
  • peeti 04.02.2016 09:58
    Highlight Highlight Kann Hugglers Entscheid nachvollziehen. Ein weiterer möglicher Grund: Die wenigsten kaufen noch Musik, weshalb die Bands/Management mit Konzerten umso mehr herausholen wollen.
    Einzige Lösung: Hin zu kleineren, feinen Openairs. Die Frage ist, ob dann noch genug Leute kommen...
    • SanchoPanza 04.02.2016 10:33
      Highlight Highlight auch für die kleineren Festivals stellen sich die Probleme mit der Konkurrenz und den Gagen. Vor allem seit die grossen darauf übergegangen sind mehr auf lokale Bands zu setzen und so den kleinen Festivals die Bands abjagen. So stiegen die Gagen von 'halbbekannten' CH-Bands deutlich in den letzten 10 Jahren. Was es für kleine Festivals welche Musik & Kultur zu fairen Preisen anbieten wollen, nicht gerade einfacher macht...
    • Plöder 04.02.2016 10:42
      Highlight Highlight Ein weiter nicht so beachtete Thematik ist der Ticketmarkt. Diese Händler tragen kein oder geringes Risiko und verdienen eine goldene Nase.
      Es ist heute üblich über 10 CHF Gebühr an diese Händler abzustottern und dann kostet sogar der Ausdruck Zuhause noch 1 Stutz mehr!!!
      Ich unterstütze Peeti total mit den kleineren und feineren. Das Ambiente ist meist super und es sind Leute mit Herzblut dabei. Vorallem ist es für grosse Konzerne meist unerschwinglich dort zu sein somit muss man auch keinen Kniefall vor diesen machen.

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