Sport

French Open, Halbfinals

Wawrinka – Murray 12.45 Uhr

Nadal – Thiem 15.30 Uhr

Er starrt die Gegner wieder nieder: Stan Wawrinka. Bild: Michel Euler/AP/KEYSTONE

Ein Mann auf einer Mission – die erstaunlichen Parallelen zu Wawrinkas ersten Major-Titeln

Er spielt so gut wie bei seinen ersten drei Grand-Slam-Titeln. Stan Wawrinka gilt für viele als der einzige Spieler, der Rafael Nadal an diesem French Open aufhalten könnte. Kein Wunder: Die Parallelen zu seinen früheren Erfolgen sind kaum zu übersehen.

09.06.17, 08:21 09.06.17, 09:48
Adrian Bürgler
Adrian Bürgler

Wenn beim diesjährigen French Open über Stan Wawrinka gesprochen wird, heisst es oft, er wirke «wie ein Mann auf einer Mission». Und diese Mission lautet: der vierte Grand-Slam-Titel in vier Jahren. Kein anderer Spieler ausser Novak Djokovic war in den vergangenen Jahren bei den vier wichtigsten Turnieren erfolgreicher.

Auch dieses Jahr in Paris wirkt Stan wieder bestechend. Er steht zum dritten Mal in Serie im Halbfinal des French Open, erstmals ohne einen Satz abgegeben zu haben. Dabei flog er im Vorfeld des Turniers mal wieder unter dem Radar. Seine bisherige Sandplatzsaison war alles andere als berauschend. In Madrid, Monte Carlo und Rom kam er nicht über die dritte Runde hinaus. Erst beim 250er-Turnier in Genf schien er seinen Tritt gefunden zu haben.

Die Highlights der Viertelfinal-Partie gegen Marin Cilic. Video: YouTube/Roland Garros

Alles sprach im Vorfeld von Rafael Nadal, Alexander Zverev oder Dominic Thiem. Wie so oft dachte kaum jemand an Wawrinka. Das war schon bei seinen bisherigen Grand-Slam-Titeln so. 2014 in Melbourne war Djokovic der grosse Favorit, 2015 in Paris ebenfalls und 2016 in New York dachte man, Murray hole sich den Titel.

Und auch sonst gibt es im aktuellen Turnierverlauf einige Parallelen zu Wawrinkas grössten Erfolgen. Der Westschweizer wirkt so fokussiert, entschlossen und dennoch entspannt wie sonst selten. Wie ein Mann auf einer Mission eben. Das wirkt sich aus – auf und neben dem Platz.

Keine Fehler

Am auffälligsten ist, wie bestechend sicher Wawrinka in schwierigen und entscheidenden Momenten spielt. Wird es heiss, kommen vom Romand einfach keine Fehler mehr – insbesondere beim Aufschlag. Das war auch bei seinen drei bisherigen grossen Titeln so.

Roland Garros 2017

Wawrinka zeigt sich gegen Monfils bei Satzball extrem geduldig. Video: streamable

US Open 2016

Tiebreak im Final gegen Novak Djokovic: Es kommt kein Fehler. Video: streamable

Winner um Winner

Ein zweites Merkmal, das die Gegner beunruhigen dürfte, ist die Selbstverständlichkeit, mit der «Stan the Man» Winner schlägt. Manchmal scheint es, als müsse sich der 32-Jährige gar nicht anstrengen, um einen Gewinnschlag einzufahren.

Roland Garros 2017

Stan Wawrinka hämmert eine Rückhand gegen Dolgopolov rein. Video: streamable

US Open 2016

Winner, Winner und Ass. Del Potro bleibt das Nachsehen.  Video: streamable

Australian Open 2014

Nadal kann nur leer schlucken. Video: streamable

Viel Spielwitz

Wawrinka hämmert die Winner aber nicht nur rein. Er verfügt dieses Jahr in Paris auch über einen grossartigen Spielwitz. Durch Improvisation und überraschende Ideen bringt er seine Gegner immer wieder aus dem Konzept.

Roland Garros 2017

«Stanimal» lässt Dolgopolov alt aussehen. Video: streamable

Roland Garros 2015

Bumm! Die Backhand fliegt am Netzpfosten vorbei. Video: streamable

Kein Vorbeikommen

Zudem werden die defensiven Qualitäten des Romands immer noch unterschätzt. Dabei waren sie bei seinen bisherigen Grand-Slam-Siegen jeweils einer der Schlüssel. Auch an dem diesjährigen French Open hat er schon gezeigt, dass an ihm manchmal einfach kein Vorbeikommen ist.

US Open 2016

Egal ob Novak Djokovic ... Video: streamable

Roland Garros 2015

... Roger Federer ... Video: streamable

Australian Open 2014

... oder Rafael Nadal. Sie alle kamen nicht an Wawrinka vorbei. Video: streamable

Entspannt und konzentriert

Während den Ballwechseln wirkt Stan derzeit immer hochkonzentriert und entschlossen. Daneben gibt er sich aber äusserst entspannt und ist immer für einen Scherz gut. Das erinnert an Paris 2015, als er Spässe machte über seine an Pyjamahosen erinnernden Shorts.

French Open 2017

Wawrinka plaudert bei einem Seitenwechsel mit Gegner Monfils. Video: streamable

Roland Garros 2017

Gegen Cilic geht er sogar auf Zuschauerwünsche ein. Video: streamable

Roland Garros 2015

2015 waren die Shorts ein Dauerthema. Video: YouTube/The Quint

Einen Unterschied zu den vorherigen Jahren gibt es dann aber doch. Bei seinen drei Grand-Slam-Titeln hat Wawrinka in den ersten drei Runden immer mindestens einen Satz abgegeben. Dieses Jahr ist er vor dem Halbfinal immer noch makellos unterwegs.

Nun wartet wieder Andy Murray. Gegen die aktuelle Weltnummer 1 hat der Romand im Vorjahr ebenfalls im Halbfinal gespielt und verloren. Dieses Jahr sind die Vorzeichen allerdings anders. Der Schotte hat in diesem Jahr noch keine grossen Stricke zerrissen, und Sand ist seine schwächste Unterlage. Die Dinge liegen nun anders als noch zu Beginn des Turniers: Alles spricht von Wawrinka. Der Romand geht als Favorit in die Partie.

Video: streamable

Und dann gibt es ja auch noch Stans «signature move». In wichtigen Situationen und nach Siegen hält er sich oft den rechten Zeigefinger an die Schläfe. Um zu sagen: «Es ist alles Kopfsache». Auch dieses Jahr hat er die Geste stets gebracht, wenn er sich aus heiklen Situationen befreien konnte. Bleibt zu hoffen, dass wir diese letzte Parallele noch zwei Mal sehen werden. 

Alle Turniersiege von Stan Wawrinka

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • chnobli1896 09.06.2017 11:57
    Highlight Wenn Stan will, dann kann er jeden schlagen. Und dieses Jahr scheint er wieder zu wollen (und zu können), hoffen wir, dass es so bleibt! Go Stan!
    1 1 Melden
  • Typu 09.06.2017 11:26
    Highlight Traumfinale: Thiem/Wawrinka. Duel der power hitter. Wär geil. Auch mal wieder zwei single backhhands.
    2 0 Melden
  • Toerpe Zwerg 09.06.2017 08:55
    Highlight Stan ist unglaublich. Wenn bei ihm alles zusammenpasst, kann ihn keiner schlagen. Keiner schlägt aus mehr Situationen Winner. Keiner schlägt eine härtere Backhand. Keiner bringt diese Winkel zustande. Keiner kann die Gegner so dominieren und das Spiel so diktieren wie er. Keiner spielt moderneres Tennis al s er. Und keiner hat sich stärker verbessert in den letzten 5 Jahren als er. Und er ist extrem fit.

    Stan wird noch No1.
    31 2 Melden
    • JonathanFrakes 09.06.2017 10:32
      Highlight @Toerpe Zwerg: Für die 1 müsste er das ganze Jahr solche Leistungen bringen, nicht nur an den Slams! Aber trotzdem unfassbar, was die Schweizer Jahr für Jahr zeigen!👌
      11 1 Melden
    • Luzi Fair 09.06.2017 11:21
      Highlight Nadal ist auf Sand unschlagbar, solange er nicht durch körperliche Gebrechen eingeschränkt ist.

      Aber in einen "Best of five" kann viel passieren.
      1 1 Melden
    • Typu 09.06.2017 11:27
      Highlight Stan wird keine Nr 1. das hat seine gründe. In der aktuellen form spielt er jedoch das mitunter geilste tennis von allen. Go Stan!!
      4 0 Melden
    • TodosSomosSecondos 09.06.2017 11:41
      Highlight muss Number Two leider recht geben... ist ja irgendwie interessant. Stan betont ja immer, dass alles Kopfsache sei und das scheint er bei den GS im Griff zu haben. Kann sein, dass er nicht der Typ ist, der sich ein Jahr durchgehend motivieren kann.. und das vielleicht auch gar nicht will.

      Dann gäbe es noch Wimbledon als Ziel, ist aber beinahe noch unwahrscheinlicher als die Nummer eins. Ausser die Unterlage wird noch mehr kaputt gemacht als sowieso schon aber dann kann man's mit Rasentennis auch gleich sein lassen.

      Realistischer ist, dass Stan weiterhin die AO, FO oder UO gewinnen kann.
      1 1 Melden
    • Toerpe Zwerg 09.06.2017 11:56
      Highlight Ja, wenn der Wunssch ... fehlt aber wirklich nur ganz wenig.
      0 1 Melden

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