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HCD-Präsident Gaudenz Domenig gratuliert Del Curto 2015 zum Meistertitel. Bild: KEYSTONE

Das sagt HCD-Präsident Domenig zum Rücktritt seines «ewigen» Trainers Del Curto

Gaudenz Domenig ist seit 2011 Präsident des HC Davos. Nun muss er sich zum ersten Mal nach einem Trainer umsehen, da ihm Arno Del Curto heute morgen mitteilte, dass er nach mehr als 22 Jahren sein Amt abgibt.

Publiziert: 27.11.18, 17:29 Aktualisiert: 27.11.18, 17:54

Gaudenz Domenig, von aussen betrachtet ist der Zeitpunkt des Rücktritts von Arno Del Curto überraschend. Wie war es für Sie, wurden Sie davon etwas überrumpelt?
Nein, das kann man nicht sagen. Ich habe mich in den letzten Tagen viel mit Arno ausgetauscht und wusste, dass er mit diesem Entscheid ringt. Wir hätten uns einen anderen Entscheid gewünscht, er wählte nun aber von zwei oder drei Optionen diese aus.

Weggefährten über den Rücktritt von Del Curto. Video: YouTube/MySports

Dabei zeigte die Mannschaft zuletzt bessere Leistungen. Was für eine Begründung hat er Ihnen gegeben?
Wir hatten eigentlich auch das Gefühl, dass eine gewisse leichte Aufwärtstendenz erkennbar ist. Wir sagten immer, dass es für uns keinen Grund für einen Trainerwechsel gibt, falls dies der Fall ist. Wir wollten die Ruhe bewahren und ihm Zeit geben. Einen spezifischen Grund für seinen Entscheid gab Arno nicht. Er sagte aber schon vor langer Zeit, als wir langfristige Verträge mit ihm hatten, dass er gehen würde, wenn er die Mannschaft nicht mehr erreiche. Er ist in seinen Entscheiden manchmal sehr konsequent. Ich kann es nur so interpretieren. Ich kann aber nicht in seinen Kopf hineinsehen, weiss nicht, was im Einzelnen diesen Entscheid bewirkt hat. Er ist aber sicher nicht schnell und leichtfertig gefallen, sondern nach intensivem Austausch mit dem Verwaltungsrat, aber auch mit sich selber, und ich glaube auch mit Freunden. Da weiss ich jedoch nichts Konkretes.

War der Rücktritt für Sie ein Schock?
Ja, das ist es schon. Dadurch verändert sich viel, das ist klar. Wir müssen uns in vieler Hinsicht neu aufstellen. In diesem Prozess befinden wir uns gewissermassen schon. Wir sind uns institutionell sehr stark am verfestigen: Hallenerneuerung, Trainingshalle und so weiter. Bis jetzt sahen wir ihn immer als extrem starke Säule im Zentrum davon. Das ist nun nicht mehr der Fall. Nun müssen wir schauen, wie wir diese Säule ersetzen.

Domenig im MySports-Interview. Video: YouTube/MySports

Was verliert der HCD aus ihrer Sicht mit dem Rücktritt von Arno Del Curto?
Zuerst einmal einen aussergewöhnlich talentierten Trainer, aber auch einen aussergewöhnlichen und leidenschaftlichen Menschen für das Eishockey sowie einen extrem guten Freund. Es war ein Privileg, mit ihm zusammenzuarbeiten. Wir verlieren viel. Für einen Nachfolger ist es unmöglich, ihn eins zu eins zu ersetzen. Wir müssen uns nun wahrscheinlich anders organisieren.

Der neue Mann an der Bande kann eigentlich nur verlieren. Wie läuft die Suche nach einem neuen Trainer ab?
Wahrscheinlich braucht es zunächst eine Interimslösung. Wir müssen eine Lösung für diese Saison finden, müssen entscheiden, ob die beiden Assistenten (Remo Gross und Sandro Rizzi, die Red.) nach dem Cupspiel weitermachen. Dann gilt es, eine permanente Lösung zu finden. Im idealsten Fall finden wir jemanden, der kurzfristig kommt, von dem wir glauben, dass er der bestmögliche Ersatz für Arno ist und die nächsten 22 Jahre machen kann. Das ist jedoch eher unwahrscheinlich. Wir haben eine Liste für eine Interimslösung und eine mögliche Liste mit permanenten Lösungen, bei der wir es etwas gemächlicher angehen können und wo wir sehr sorgfältig vorgehen müssen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass sich die Interimslösung in eine permanente entwickelt. Schliesslich haben wir keine Erfahrung bei der Trainersuche. (pre/sda)

Die Karriere von Arno Del Curto

Arno Del Curto war der «ewige» Trainer beim HC Davos. Er unterschrieb auf die Saison 1996/1997 und amtete 22 Jahre als Cheftrainer. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
Ja, es gab auch einen Arno Del Curto vor seinem Engagement beim HC Davos. 1990 begann er seine Profi-Trainer-Karriere beim SC Herisau und wechselte anschliessend zu den ZSC Lions, wo er drei Jahre blieb. Danach coachte er den EHC Bülach, den HC Luzern und die Schweizer U20-Nationalmannschaft. KEYSTONE / KARL MATHIS
2002 gewann Del Curto mit dem HC Davos seinen ersten von insgesamt sechs Meistertiteln und wurde zum besten Cheftrainer der Nationalliga A ausgezeichnet. KEYSTONE / FRANCO GRECO
Arno Del Curto feiert zwischen Niklas Hagman (links) und Joe Thornton den Meistertitel im Jahr 2005. PHOTOPRESS / ARNO BALZARINI
Ein Mann des Volkes: Arno Del Curto winkt während der Kutschenfahrt durch Davos im April 2007 an der Meisterfeier des HC Davos gutgelaunt seinen Fans zu. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
2007 wurde Arno del Curto bei den Credit Suisse Sports Awards zum Trainer des Jahres gewählt. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Die ungeraden Jahre brachten Del Curto und dem HCD Glück: Hier die Meisterfeier im Jahr 2009. PHOTOPRESS / PATRICK B. KRAEMER
Nicht nur an Meisterschaften hatte Arno Del Curto Grund zum feiern: Er gewann auch 5 Mal den Spengler Cup. KEYSTONE / JUERGEN STAIGER
Arno Del Curto wurde auch gerne mal laut – wie hier im Playoff-Final 2011, welchen der HC Davos gegen Kloten gewann. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
Arno Del Curto präsentiert 2015 den Davoser Fans zum letzten Mal den Meisterkübel. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
In der Saison 2017/18 droht Del Curto mit dem HC Davos zum ersten Mal die Playoffs zu verpassen. Nach 21 Spielen lag der HCD 12 Punkte hinter dem Playoffstrich auf dem zweitletzten Rang. Doch die Davoser schaffen den Turnaround noch. KEYSTONE / EDDY RISCH
Eine Saison später sitzt der HCD wieder im Playout-Sumpf: Im Herbst zieht Del Curto schliesslich selbst die Reissleine und tritt am 27. November 2018 nach 22 Jahren als Trainer des HC Davos zurück. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
Lange kommt Del Curto nicht ohne Hockey sein: Bereits am 14. Januar 2019 wird er als neuer Trainer der ZSC Lions vorgestellt. Doch sein zweites Engagement in Zürich ist nur von kurzer Dauer. Nach dem Verpassen der Playoffs erhält er keinen neuen Vertrag mehr. KEYSTONE / ENNIO LEANZA

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