Federers Rekordjagd nimmt einfach kein Ende.
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«Ein Traum wird wahr, ich kann es nicht glauben» – Federer ist die älteste Nummer 1
Roger Federer ist ab Montag wieder die Nummer 1 der Welt! Der Baselbieter qualifiziert sich in Rotterdam für die Halbfinals und sammelt damit genügend Punkte, um Nadal an der Ranking-Spitze abzulösen.
Nach dem Belgier Ruben Bemelmans und dem Deutschen Philipp Kohlschreiber schlug Federer auch den Niederländer Robin Haase (ATP 42). In der ausverkauften Ahoy Arena bewältigte er die letzte Aufgabe auf dem Weg zurück an die Weltranglistenspitze nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem 4:6, 6:1 6:1. Er musste zum ersten Mal in dieser Woche seinen Service und einen Satz abgeben. «Das ist einer der grössten Siege meiner Karriere», wird er später trotzdem sagen.
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Haase konnte sich aber nicht zum Spielverderber aufschwingen, weil Federer sich steigerte und der Einheimische stark nachliess. Die letzten beiden Sätze dominierte der 20-fache Grand-Slam-Turniersieger uneingeschränkt. Er überliess Haase nur noch zwei Games und 22 Punkte bis zum nach 79 Minuten verwerteten Matchball.
Natürlich ein paar Tränen:
«Wenn man jung ist, arbeitet man wie ein Verrückter, man spielt viele Matches, man gewinnt, man verliert und wenn man es verdient, wird man die Nummer 1», sagte Federer während der kleinen Zeremonie, die ihm zu Ehren in Rotterdam abgehalten wurde. «Aber in meinem Alter muss man noch viel mehr arbeiten. Deshalb ist es unglaublich, mit 36 die Nummer 1 zu sein. Es ist ein Traum, der in Erfüllung geht. Das bedeutet mir soviel.»
Federer bedankte sich bei allen, die dies möglich gemacht hätten. «Einige sind hier, andere zuhause, ein bisschen überall auf der Welt. Danke an meine Frau und meine Kinder.» Letztlich verabschiedete er sich vom Publikum mit den Worten: «Bis morgen.» Am Wochenende strebt er den 97. Turniersieg seiner Karriere an, den dritten in Rotterdam. «Wahrscheinlich wirst du den einzigen Rekord brechen, den wir teilen: die zwei Titel in Rotterdam», sagte Krajicek
Nach fünf Jahren wieder ganz oben
Über fünf Jahre ist es her, seit der Schweizer letztmals die Weltrangliste anführte. Nun kehrt er am Montag als ältester Spieler seit der Einführung des ATP-Rankings 1973 auf den Tennisthron zurück. Mit 36 1/2 Jahren ist er über drei Jahre älter als Andre Agassi, als dieser im September 2003 letztmals die Nummer 1 war. Zudem setzt Federer eine weitere Bestmarke: Kein anderer Spieler eroberte nach einer so langen Absenzen – am Montag werden es fünf Jahre und 106 Tage sein – die Spitze der Weltrangliste zurück. Seit er im Februar 2004 erstmals die Nummer 1 der Welt war, sind über 14 Jahre vergangen.
Den Rekord an Wochen als Weltranglistenerster wird Federer weiter ausbauen – bisher stand er 302 Wochen an der Spitze. Der zurückgetretene Pete Sampras kam auf 286 Wochen, Novak Djokovic steht bei 223 und Rafael Nadal bei 167 Wochen. Wie lange sich der Baselbieter auf der Topposition halten kann, ist völlig offen und hängt nicht zuletzt von den Leistungen von Rafael Nadal ab, dessen Rückkehr auf die Tour übernächste Woche in Acapulco geplant ist.
12 Turniere für Platz 1
Klar ist, dass für Federer das Halten der Nummer 1 keine Priorität haben wird. Das würde seinem primären Ziel, seine Karriere noch möglichst lange und erfolgreich weiterzuführen, zuwiderlaufen. Dass er überhaupt nochmals die Möglichkeit hatte, das ATP-Ranking anzuführen, ist erstaunlich und auch auf die gesundheitlichen Probleme seine ärgsten Konkurrenten zurückzuführen.
Federer hat in den letzten 365 Tagen zwar Aussergewöhnliches geleistet, aber wenige Turniere bestritten. Am Montag wird er gerademal Punkte von 12 Events in der Weltranglisten-Wertung haben. Unter anderem trat er in Roland Garros und bei drei Masters-1000-Turnieren (Madrid, Cincinnati, Paris-Bercy) nicht an. Zum Vergleich: Nadal, der sich in dieser Woche für seine Stiftung in Amsterdam aufhielt, hat derzeit 16 Turniere in seiner Wertung.
Der Moment, in dem Federer wieder die Nummer 1 wurde.
bild: twitter
Am Wochenende kann Federer seinen Vorsprung auf Nadal in der Weltrangliste noch ausbauen und vor allem seinen 97. ATP-Titel, den dritten in Rotterdam, gewinnen. Im Halbfinal trifft er entweder auf den Italiener Andreas Seppi (ATP 81) oder den Russen Daniil Medwedew (ATP 57), die sich am späteren Freitagabend gegenüberstanden. Gegen Medwedew hat er noch nie gespielt, gegen Seppi wäre es schon das 15. Duell. Eines hat Federer verloren: beim Australian Open 2015 im Sechzehntelfinal. Ansonsten gab er gegen den Südtiroler nur einen Satz ab. (pre/sda)
Das sind die wichtigsten Rekorde von Roger Federer
Älteste Weltnummer 1: Mit 36 Jahren und 320 Tagen war Roger Federer im Juni 2018 der älteste Mann, der je auf dem Tennis-Thron gesessen hat. EPA/ANP / KOEN SUYK
Wochen als Weltnummer 1: Roger Federer steht heute bei 310 Wochen als Weltnummer 1. Novak Djokovic steht bei 294Wochen, Rafael Nadal bei 209. X01095 / Toby Melville
Wochen als Weltnummer 1 in Serie: Federer lag vom 2. Februar bis am 17. August 2008 insgesamt 237 Wochen in Folge an der Spitze, Novak Djokovic vom 7. Juli 2014 bis am 6. November 2016 «nur» 122 Wochen. X02605 / TYRONE SIU
Weltnummer 1 am Ende des Jahres: Federer beendete eine Saison fünfmal auf der 1 (2004 bis 2007 und 2009), genau wie Rafael Nadal. Die Liste führen Pete Sampras und Novak Djokovic mit 6 Jahren an. EPA/EPA / WILL OLIVER
Das ganze Jahr über die Weltnummer 1: Federer teilt sich den Rekord von drei Jahren (2005, 2006, 2007) mit Jimmy Connors (1975, 1976, 1978). Djokovic gelang dies bisher nur 2015, Nadal noch nie. Getty Images Europe / Julian Finney
Karriere-Slam: Roger Federer komplettierte seinen Karriere-Slam 2009 mit dem French Open. Nadal schaffte dies 2010 beim US Open, Djokovic 2016 bei Roland Garros. Der Serbe hielt damals sogar alle vier Major-Titel gleichzeitig, was Federer nie schaffte. AP/AP / John Minchillo
Anzahl Grand-Slam-Titel: Roger Federer steht wie Rafael Nadal bei 20, Djokovic bei 17.
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Anzahl Grand-Slam-Finals in Serie: Roger Federer erreichte von Wimbledon 2005 bis zu den US Open 2007 zehn Major-Endspiele in Serie. X01095 / Suzanne Plunkett
Anzahl Grand-Slam-Finals: 31-mal erreichte Roger Federer schon ein Major-Endspiel. Nadal stand 28-mal im Final, Djokovic 27-mal. EPA/AAP / LUKAS COCH
Anzahl erreichte Grand-Slam-Halbfinals: Federer 46, Djokovic 38, Nadal 34. EPA/EPA / DANIEL MURPHY
Anzahl erreichte Grand-Slam-Halbfinals in Serie: Federer: 23 (Wimbledon 2004 bis Australian Open 2010), Djokovic: 14 (Wimbledon 2010 bis US Open 2013). AP / ELISE AMENDOLA
Anzahl Grand-Slam-Viertelfinals: Federer: 57, Djokovic 47, Nadal 42. EPA/AP POOL / SANG TAN / POOL
Anzahl Grand-Slam-Viertelfinals in Serie: Federer: 36 (Wimbledon 2004 bis French Open 2013), Djokovic: 28 (Wimbledon 2009 bis French Open 2016). AP/AP / Andrew Brownbill
Grand-Slam-Titel: Federer stand als einziger Spieler in drei unterschiedlichen Saisons in allen Major-Finals (2006, 2007, 2009), Djokovic gelang dies erst einmal (2015), Nadal noch nie. AP/AP / Rafig Maqbool
Grand-Slam-Finals: Federer erreichte als einziger Spieler in zwei kompletten Jahren in Serie jeden Grand-Slam-Final (2006 und 2007). AP / Anja Niedringhaus
Grand-Slam-Titel ohne Satzverlust: Roger Federer holte sich bisher zwei Mal einen Major-Titel ohne Satzverlust (Australian Open 2007, Wimbledon 2017). Nadal schaffte dies viermal am French Open (2008, 2010, 2017, 2020), Björn Borg ebenfalls dreimal (Wimbledon 1976, French Open 1978 und 1980). Djokovic hat dies bisher noch nicht geschafft. Getty Images Europe / Julian Finney
Grand-Slam-Partien in Serie ohne Satzverlust: Federer teilt sich den Rekord von elf Partien (Australian Open bis Achtelfinal French Open 2007) mit John McEnroe. X01095 / Suzanne Plunkett
Gewonnene Grand-Slam-Sätze in Serie: Federers Rekord sind 36 erfolgreiche Sätze in Serie (US Open 2006 bis French Open 2007). Djokovic steht bei 19 (Australian Open bis French Open 2015). Getty Images Europe / Julian Finney
Anzahl gewonnene Matches an Grand Slams: Federer 362 Siege, Djokovic 296 Siege, Nadal 282. AP/AP / Kirsty Wigglesworth
Anzahl Grand-Slam-Teilnahmen in Serie: Federer hat vom Australian Open 1999 bis zum Australian Open 2016 zumindest immer die 1. Runde bestritten. Das sind 65 Majors in Serie. Djokovic schaffte 51, Leader mit 74 ist Feliciano Lopez (seit French Open 2002). Getty Images Europe / Julian Finney
Dreimal drei Grand-Slam-Turniere im gleichen Jahr gewonnen: Federer ist der einzige Spieler, der drei Grand-Slam-Turniere in drei verschiedenen Jahren gewann (2004, 2006, 2007). Djokovic steht bei zweimal drei (2011 und 2015), Nadal hat das nur einmal geschafft (2010). Getty Images Europe / Clive Brunskill
Drei Grand-Slam-Turniere mindestens fünfmal gewonnen: Federer hat als einziger Spieler drei Majors mindestens fünfmal gewonnen (AO 6 – FO 1 – Wim 8 – UO 5), Djokovic holte den Titel in drei verschiedenen Majors mindestens dreimal (8 – 1 – 5 – 3). X01095 / Tony O'Brien
Anzahl Jahre mit mindestens zwei Grand-Slam-Titeln: Federer sicherte sich in sechs Saisons mindestens zwei Trophäen bei Majors (2004 bis 2007, 2009 und 2017), den Rekord teilt er sich mit Roy Emerson. Djokovic konnte fünfmal (2011, 2015, 2016, 2018 und 2019) mindestens zwei Major-Titel in die Höhe stemmen. X01095 / Tony O'Brien
Grand Slam: Weder Federer noch Djokovic und Nadal konnten den Grand Slam (alle vier Turniere in einem Jahr gewinnen) bisher realisieren. X80002 / STRINGER
Titel bei den World Tour Finals: Roger Federer konnte den Titel bei der «WM» bei bisher 14 Teilnahmen sechsmal gewinnen (10 Finals), Djokovic triumphierte fünfmal in sieben Finals. X01095 / Suzanne Plunkett
Meiste Siege in einer Saison: Federer feierte 2006 92 Siege, Djokovic in seiner besten Saison (2015) 82. Dem Schweizer reichte dies bei fünf Saisonniederlagen zu zwölf Titeln, Djokovic mit sechs Niederlagen zu elf Trophäen. AP/AP / John Minchillo
Anzahl 1000er-Titel: Djokovic (36) und Nadal (35) haben in dieser Sparte mehr Titel auf dem Konto als Federer mit 28. EPA/EPA / WILL OLIVER
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