«Konzentriert euch, Kinder! Nachher werdet ihr abgefragt!» Bugatti-CEO Wolfgang Dürheimer präsentiert den Chiron in Genf.
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Der neue Mega-Bugatti ist ... langweilig
Neuigkeiten vom Genfer Autosalon: Es gibt einen frischen Bugatti ... *Schulterzuck*
Das teuerste, schnellste, fetteste aller Hypercars ist jetzt noch teurer, fetter, schneller. Und wisst ihr was? So. F*cking. What.
Der neue Bugatti – Chiron heisst er, übrigens – ist langweilig.
Supercars sind ohnehin in der Regel vor allem eins: irrelevant. Dies aus einem simplen Grund: Wir alle sind keine elfjährigen Schuljungs mehr. Sie mögen ja technisch faszinierend sein, meinetwegen, doch meistens begegnet man ihnen im Samstagnachmittags-Stau am Zürcher Bellevue und denkt sich a) russischer Mafioso, b) Tages-Mietwagen, c) Mikrogenitalis oder d) alle drei auf einmal?
No Drama, Baby, Drama
Aber die klassischen Supercars aus edlen italienischen Autoschmieden konnten immerhin etwas für sich beanspruchen: Drama, Baby, Drama – alleine schon beim Design. Der Bugatti? Nun, so toll sah er nun auch wieder nicht aus. Das machte er mit Zahlen wett. Streber.
Leuchtschwert. Die Rückleuchte glüht mit über 80 LED und steckt in einem 1,60 Meter breiten Rahmen, der aus einem vollen Aluminiumblock gefräst wurde.
Designchef Anscheidt wollte beim Generationswechsel das Biest im Bugatti betonen. Eigentlich unnötig ...
Das Interieur des Chiron wurde entrümpelt und wirkt lange nicht mehr ganz so schwülstig wie noch im Veyron.
1500 PS, 420 km/h und ein Preis von etwa 2,6 Millionen Franken machen den Chiron zum König auf der Überholspur.
Bugatti-Chef Wolfgang Düheimer darf den Chiron trotz Diesel-Affäre bauen – weil das Auto bei Bekanntwerden der Affäre fast fertig war und er diesmal endlich Geld verdienen muss.
Die Höchstgeschwindigkeit von 500 km/h stehen nicht umsonst auf dem Tacho, sagt Bugatti. Bei den 420 km/h müsse noch lange nicht Schluss sein.
Alle Informationen im Blick und alle wichtigen Schalter am Lenkrad – wer 1500 PS beherrschen will, braucht keine Ablenkung.
Um das neue Bugatti-Logo mussten die Designer lange ringen. Weniger, weil die von Hand emaillierte Plakette im Einkauf 540 Franken kostet. Sondern weil das aus massivem Silber gegossene Stück das einzige Bugatti-Bauteil ist, das im Vergleich zum Vorgänger schwerer wurde.
Der Chiron duckt sich flach in einen Wind, der bei 420 km/h ungeahnte Kräfte entfaltet.
Aus dieser Perspektive wird man den Chiron wohl am häufigsten sehen – wenn man die rasende Rarität überhaupt einmal zu Gesicht bekommt.
16 Zylinder mit acht Litern Hubraum und vier Turbolader ergeben eine Leistung von 1500 PS.
Die Struktur des Chiron besteht vor allem aus Karbon und Aluminium. Obwohl schon der Motor knapp zehn Zentner wiegt, bringt der Überflieger deshalb keine zwei Tonnen auf die Waage.
Weil die Motorleistung so unglaublich ist, hat Bugatti sie gleich mal in den Motor graviert.
Damit ein Supersäufer wie der Chiron die Euro-6-Norm schafft, braucht er einen Spezialkatalysator, dessen Waben eine Oberfläche mit der Größe von 31 Fussballfeldern haben.
Bugatti wollte schon immer Klassenprimus sein: Mehr als 1000 PS, mehr als 400 km/h, mehr Luxus, mehr als … ach, keine Ahnung, wie viel sowas gekostet hat. Und weil er von Anfang an Superlative für sich beanspruchte, wird er ausschliesslich von einer solchen Kundschaft auch gekauft: von Leuten, denen es weniger um Style geht – und dafür umso mehr um Status.
Der Bugatti war nie ein «Driver’s Car». Er wurde auch nie für die Rennstrecke konzipiert. Die exorbitanten Fahrleistungen verkamen zu Beilagen, als sich das Fahrzeug als Protzsymbol für die Superreichen etablierte. Meine Jacht, mein Helikopter, mein Araber-Hengst, mein Bugatti.
Und so gab es auch zig Sondereditionen: Die «Middle East», die «Hermes», die «Rembrandt», die «Wei Long» (ja, wir fragen uns auch, «Why?»), die «Merveilleux», die «Bijan Pakzad» oder «L'Or Blanc» (im Ernst jetzt – die gab es alle). Die meisten fanden prompt ihren Weg in ihr natürliches Habitat: eine Tiefgarage in Dubai.
Nun ist der Nachfolger dieser Modelle da. Der Chiron sei der «kraftvollste, schnellste, luxuriöseste und exklusivste» Sportwagen EVER (ever, ever …), steht da im Pressetext. Die Firma habe «das Beste noch besser gemacht». Ach, wie bescheiden die Bugatti-Jungs doch sind!
Und dann geht jene Zahlenprahlerei los: Das Ding kostet 2,6 Millionen Franken. Der acht Liter grosse 16-Zylinder leistet nun 1500 statt zuletzt maximal 1200 PS, das maximale Drehmoment steigt von 1500 auf 1600 Nm, von 0 auf 100 km/h braucht der Chiron weniger als 2,5 Sekunden, bis 200 km/h weniger als 6,5 und bis 300 km/h unter 13,6 Sekunden.
Die Spitzengeschwindigtkeit liegt bei 420 km/h. Vermutlich noch mehr. Die vier Turbos pressen pro Stunde bis zu 3600 Kubikmeter Luft in die Zylinder. Die Kraftstoffpumpe saugt 880 Liter pro Stunde. Theoretisch reichen damit acht Minuten Vollgas, um den 100-Liter-Tank zu leeren.
Und das Interieur sieht aus wie eine Frauenhandtasche.
Ja, dieses Wunder der Technik wird nicht von den Lewis Hamiltons dieser Welt benutzt werden, sondern von chinesischen Konzernchefs und Ölscheichs. Manchmal wird einer von einem ihrer Berufssöhnchen zu Schrott gefahren (wie letzthin in London, wobei ein Pannendienst-Mechaniker getötet wurde und der Unfallverursacher zu Fuss floh), und vielleicht geht auch mal einer im Stau in Flammen auf – und niemand wird auf einen Bugatti-Fahrer zeigen und sagen: Dieser Mann hat Stil.
Am Schluss des Schuljahres haben nicht wenige eifersüchtig auf das Zeugnis des Klassenprimus geschaut. Aber das ganze Semester über auf dem Pausenplatz hat sich niemand richtig für ihn interessiert.
Hier wird der neue Bugatti in Genf von vier Männern bestaunt. Einer trägt ein Jägerhüterl.
Bild: EPA/KEYSTONE
In Genf zeigen sie wieder Autos (die sich kein normaler Mensch leisten kann)
Willkommen zum 86. Genfer Autosalon! In der Schweiz enthüllen die Hersteller ihre Schokoladenseiten – wie hier bei Lamborghini. Zum Vorschein kommt der neue Centenario, von dem nur 40 Exemplare gebaut werden. Getty Images Europe / Harold Cunningham
Diese Flunder hat satte 770 PS, die auf 300 km/h beschleunigen. Falls du gerade dein Sackgeld zählen willst, ob die benötigten 1,9 Millionen Franken für das Teil zusammenkommen – lass stecken. Der Centenario ist bereits ausverkauft. Getty Images Europe / Harold Cunningham
Fun Fact: Der Centenario beschleunigt in 23,5 Sekunden. Nicht auf 100 km/h, sondern auf 300. Da bleibt dem Betrachter nur noch ein Kommentar: ... EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
.... Du kriegst die Tür nicht zu! Was uns zu diesem schnuckeligen Schlitten bringt: Dem DS E-Tense GT. Hinter diesem Konzept steckt Citroën: Ein Elektroaggregat versorgt den Wagen mit 402 PS. EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
Die Reichweite des Flitzers soll zwischen 310 und 360 Kilometer betragen. Über weitere Details schweigt sich der Hersteller aus. Ganz im Gegensatz zu Konkurrenten ... EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
... Bugatti, der den neuen Chiron ins Rennen schickt. Dieses Geschoss hat sagenhafte 1500 PS, und jetzt rate mal, wie schnell das Ding auf 100 km/h beschleunigt: in 2,5, in 3,5 oder in 4,5 Sekunden? EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Du hast nicht geglaubt, dass der Chiron länger als 2,5 Sekunden braucht, oder? Die Höchstgeschwindigkeit beträgt übrigens lumpige 420 km/h. Der Preis für den Spass ist auch relativ hochtourig: Bugatti nimmt dafür 2,6 Millionen Franken. EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Das ist ein Pagani Huayra BC, ein Sportwagen aus Modena, mit dem man auch mal locker die Ausfahrt «Rennstrecke» nehmen kann. 800 PS bewegen die 1218 KIlogramm ...
is displayed during the Geneva Motor Show 2016 on March 1, 2016 in Geneva, Switzerland. The 86th International auto show will run from March 3 to March 16. (Photo by Harold Cunningham/Getty Images) Getty Images Europe / Harold Cunningham
... in 3 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Den Bugatti kann der Pagani Hayra mit seinen 370 km/h Spitze jedoch nicht einholen. Aber damit du nicht abhebst, ... X00493 / ARND WIEGMANN
... hier der neue Citroën Méhari. Es muss nicht immer schneller Luxus sein! Die Konzeptstudie des bekannten Offroaders setzt auf Elektroantrieb. Ach, irgendwie machen Sportwagen doch mehr Spass, also auf zum ... EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
... Chevrolet Corvette Grand Sport Coupe, der 466 PS unter der Haube hat und ab September in Europa bestellt werden kann. EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Ein kluger Trick des Herstellers: Chevrolet verrät weder wie schnell die ganze Geschichte ist, noch was sie kostet. So können Hobby-Rennfahrer zumindest noch träumen, dass das Ding irgendwann mal in der heimischen Garage steht. Getty Images Europe / Harold Cunningham
Der Bentley Mulsanne Speed wurde bereits im Juli 2015 enthüllt: Er wiegt schlappe 2,7 Tonnen, was aber nichts macht, weil der Motor saftige 571 PS hat. Das hat seinen Preis: 434'000 Franken. EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Dieser Herr checkt wohl gerade seinen Kontostand, ob er sich den Bentley Mulsanne EWB leisten kann, der 25 Zentimeter mehr Radstand mitbringt. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 305 km/h. EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Und wenn wir schon bei Luxus-Limousinen sind, können wir auch gleich den Rolls Royce Wraith Black Badge vorstellen: Für die 623-PS-Karosse legst du mindestens 350'000 Franken auf den Tisch. EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
Für diesen Preis hätte man allerdings geschmackvollere Felgen erwarten dürfen! EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
Gestatten: Der Pininfarina H2 Speed. Das Konzept-Auto aus Indien hat einen Wasserstoff-Antrieb, der den Flitzer in 3,4 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 300 km/h. Getty Images Europe / Harold Cunningham
Das sieht bekannt aus, ist aber neu: Der Porsche 911 R kostet gut 200'000 Franken. Dafür bekommt der Käufer einen Leichtbau-Rennwagen mit 500 PS, der maximal 323 km/h schnell ist. Getty Images Europe / Harold Cunningham
Blut geleckt? Dann musst du schnell bestellen, denn die Auflage ist auf 991 Exemplare beschränkt. EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Dagegen wirkt der Porsche 718 Boxster S fast ein bisschen langweilig. Es gibt ihn auch «Nur» mit 300 oder 350 PS. Pfffffff! EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Gut, wir werden grössenwahnsinnig – der Opel Mokka X ist in so einem Fall die beste Medizin. Es ist eine aufgehübschte Variante des altbekannten Mokka – und wenn wir schon bei Opel sind: ... EPA/KEYSTONE / CYRIL ZINGARO
... Hier der GT Concept. Opel kann also auch auf rassig machen! 145 PS hat die Studie, bei 215 km/h ist Schluss. Das Teil ist nur ... EPA/KEYSTONE / CYRIL ZINGARO
... 3,85 Meter lang. Vize-Chefdesigner Mark Adams war sooooooo aufgeregt, als er den kleinen Flitzer in Genf vorstellte. EPA/KEYSTONE / CYRIL ZINGARO
Voilà! Der Ferrari GTC4 Lusso. Der Italiener hat vier Sitze, was bei Ferrari ja wirklich mal eine Erwähnung wert ist. Die filigrane Flunder wird von einem 660-PS-Motor angetrieben. EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
Damit ist eine Geschwindigkeit von maximal 335 km/h möglich. Auf 100 km/h beschelunigt das Ding in 3,4 Sekunden. EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
Und nun mal wieder was ganz Normales: Den Volvo V90 gibt es mit Benzin-Motoren zwischen 250 und 320 PS (190 bis 225 PS beim Diesel). Gut, so ganz normal ist das jetzt auch nicht! Getty Images Europe / Harold Cunningham
Das ist jetzt aber normal: der Toyota C-HR. Das Design ist derart durchschnittlich, dass uns jetzt dazu nichts mehr einfällt. KEYSTONE / CYRIL ZINGARO
Boah, das sind mal Finken! Also die an der Karosse. Also am Auto. Wir wollen ja nicht den sexistischen Rennwagen-Macho spielen. Auch nicht, wenn es ... Getty Images Europe / Harold Cunningham
... um einen Techrules GT96 geht.1044 PS jagen den Chinesen in 2,5 Sekunden auf 100 km/h hoch. Bei 350 km/h ist Schluss. Und bei Sexismus! Selbst beim Autosalon. EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Ähnliche Farbe, ähnliche Hostess, anderes Auto. Hier der neue Lexus LC 500H, der mit Hybrid-Antrieb daherkommt. KEYSTONE / CYRIL ZINGARO
Mit dem 300-PS-Elektromotor soll das Gefährt in unter 5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. EPA/KEYSTONE / CYRIL ZINGARO
Das ist ein Spyker C8 Preliator: 518 PS treiben den Niederländer in 3,7 Sekunden auf 100 km/h an. Kostenpunkt: Rund 350'000 Franken. EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
430 PS, 264 km/h Spitze: Der Maserati Levante. EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
Rennen gefällig? Der McLaren 570GT ist das richtige Auto, um den Nebenmann an der Ampel wie einen alten Wicht aussehen zu lassen (und sich selbst zum Testoren-Vollhorst)! Nur 500 Stück sollen von diesem Auto gebaut werden. EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
570 PS leistet der Motor, in 3,4 Sekunden sind 100 km/h erreicht – und das Ganze für nur rund 210'000 Franken. Pah, Genf wird immer gewöhnlicher ... EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
Das Konzeptauto Peugeot Fractal wurde bereits im Herbst 2015 der Öffentlichkeit präsentiert. Ein Elektroantrieb beschelunigt das Auto in 6,8 Sekunden auf 100 km/h. EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
Angetrieben wird die Studie von zwei 102 PS starken Motoren. Das Dach lässt sich abnehmen. EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
Good News: Fiat legt den Spider neu auf: Der Abarth124 Spider hat 170 PS, fährt maximal 232 km/h und kommt im September auf den Markt. EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
Und nun im Schnelldurchlauf: der Mercedes AMG GLE 63S Coupe, ... KEYSTONE / CYRIL ZINGARO
... die neue C-Klasse, ... EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
... das Mercedes-Benz C 43 Cabriolet, ... X90072 / DENIS BALIBOUSE
... der Hamann BMW X6 M F86, ... KEYSTONE / CYRIL ZINGARO
... der Alfa Romeo Giulia, ... EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
... der Peugeot 2008 GT und ... EPA/KEYSTONE / SANDRO CAMPARDO
... der Subaru XV, ein Konzeptauto. Getty Images Europe / Harold Cunningham
Weil er so schön ist: Hier nochmal der Lamborghini Centenario. EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Und nochmal der Bugatti Chiron, hier von hinten. Falls du es nicht gemerkt hast ... Getty Images Europe / Harold Cunningham
... oder gerade sonstwie beschäftigt bist. EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Wer mehr Autos sehen will, muss halt nach Genf fahren! EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
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