Apples Entwicklerkonferenz hat mit grossen Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Das sind die wichtigsten Ankündigungen fürs iPhone, für Mac-Computer und die Apple Watch. Und zum sicheren Bezahldienst, der in die Schweiz kommt.
Dieser Beitrag wurde während der Keynote anstelle eines Live-Tickers verfasst und nachträglich ergänzt.
Die Apple-Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco hat mit verschärften Sicherheitsmassnahmen begonnen. Das zeigten Beobachtungen rund um das Bill Graham Civic Auditorium. Ein Hundeführer war zu sehen und bei den Eingängen standen Personenschleusen respektive Metalldetektoren, um Besucher auf Waffen zu kontrollieren. In dieser Form hat das der Schreibende an einer Apple-Keynote nicht erlebt.
Abgesperrter Bereich mit Sicherheitsschleuse beim Eingang. bild: daniel schurter
Drinnen herrschte Nervosität, aber nicht wegen eines möglichen Terroranschlags, sondern aus Vorfreude auf die Show. Das Auditorium war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Aus aktuellem, traurigem Anlass gab es eine Schweigeminute.
Das sind die wichtigsten Neuerungen:
Während der Keynote kam der Apple-Chef kurz darauf zu sprechen, dass Apple den Schutz der Kundendaten als zentral erachte. Immer wieder betont die Führungsriege, dass Apple kein Interesse an der Auswertung solcher Informationen habe – ein deutlicher Seitenhieb an die Adresse von Google und Co.
Dazu passt eine Neuigkeit, die es gar nicht bis in die Keynote schaffte, obwohl sie offenbar enorm viel bringt bezüglich Sicherheit: Apple hat ein neues sichereres Datei-System entwickelt. Das Apple File System (APFS) ist so konzipiert, dass es auf allen möglichen Apple-Geräten funktioniert, von der Apple Watch bis zum Mac Pro, wie 9to5Mac berichtet. Die endgültige Veröffentlichung sei für nächstes Jahr geplant.
Zum Schluss der fast zweistündigen Veranstaltung nannte Apple-Showmann Craig Federighi die drei magischen Worte. Allerdings nicht, um ein neues Produkt vorzustellen. Es gab lediglich ein Promo-Video. Dann betrat nochmals Tim Cook die Bühne.
Und er hatte gute Nachrichten aus Sicht der Entwickler-Community, die begeistert applaudierte. Apple lanciert eine Gratis-App, damit Kinder und Jugendliche die von Apple kreierte Programmiersprache Swift spielerisch erlernen können.
Die Public-Beta-Version von «Swift Playgrounds» soll im Juli als Download verfügbar sein. Allerdings wurde nicht gesagt, wann die App auch auf Deutsch erhältlich sein wird.
Etwas Ähnliches kennen wir bereits von code.org. Apples für das iPad optimierte Lösung kommt aber attraktiver daher.
Die von vielen kritisierte Benutzeroberfläche ist überarbeitet und aufgefrischt worden. Man soll einfacher navigieren können.
Craig Federighi, der bei Apple für die Software-Entwicklung verantwortlich zeichnet, stellte die Neuerungen und Verbesserungen rund um die Macs vor.
Kleiner Scherz: So geht Bezahlen mit dem Mac natürlich nicht.
screenshot: apple
Good News: Apps sollen endlich schneller laden respektive gestartet werden. Sprich: Wir werden das graue, sich drehende Rädchen weniger häufig auf dem Display sehen.
Neue Zifferblätter: Die Disney-Figur Minnie hält Einzug.
Notruf-Funktion und medizinische Daten: Man kann per Knopfdruck einen zuvor festgelegten Notfallkontakt anrufen, und eigene medizinische Angaben (Blutgruppe etc.) lassen sich hinterlegen.
Aktivitäts-Daten (der «Activity App») lassen sich mit anderen teilen – eine Social-Media-Funktion für Gesundheitsbewusste und Fitness-Fans, die sich gegenseitig motivieren wollen.
Tief einatmen! Bewusster atmen ist sehr gesund. Mit watchOS 3 kommt eine Funktion, die täglich zum tiefen Ein- und Ausatmen animiert und einem wenn nötig daran erinnert.
Behindertenfreundlich: Die neue «Workout»-App unterstützt auch Sportarten für Rollstuhlfahrer.
Wann? watchOS 3 soll «im Herbst» veröffentlicht werden. Mit der nächsten Generation der Smartwatch-Software werde sich die Apple Watch wie eine neue Uhr anfühlen, heisst es.
Rechts warten Entwickler auf den Einlass, links patrouilliert ein Hundeführer.
bild: daniel schurter
Rund eineinhalb Stunden vor Showbeginn ...
bild: daniel schurter
Für Apples Fernseh-Set-Top-Box gibt es diverse kleinere Neuerungen und Verbesserungen zu vermelden.
Weitere Informationen gibt Apple auf dieser Webseite.
Zum Auftakt gab Apple-Chef Tim Cook beeindruckende Zahlen bekannt. Im 27. Jahr der Entwicklerkonferenz WWDC hat Apple eine weltweite Community von 13 Millionen registrierten Software-Entwicklern. Die WWDC 2016 wird von 5000 Teilnehmern besucht, über 100 Apple-Ingenieure lassen sie von ihrem Know-how profitieren.
13'000'000'000: So viele Apps wurden bis heute aus dem 2008 lancierten App Store heruntergeladen.
50 Milliarden Dollar wurden bislang an Entwickler ausbezahlt.
PS: Rekordzahlen gab es übrigens auch, was die Verwendung der Superlative «Amazing», «Incredible» und «Awesome» durch die auf der Bühne stehenden Apple-Manager betraf.
Apples Entwicklerkonferenz WWDC war auch in diesem Jahr innert Minuten ausverkauft gewesen. In Medienberichten wurde im Vorfeld behauptet, dass der Apple-Chef Tim Cook und sein Team diesmal unter stärkerem Druck als sonst stünden, etwas Grosses zu präsentieren. Denn Google und Facebook hätten bei ihren Events in den letzten Monaten die Planke höher gelegt.
Das ist – aus meiner Sicht – Blödsinn. Apple steht vor jedem öffentlichen Event unter gewaltigem Druck. Dass sich die Kalifornier von der Konkurrenz die Butter vom Brot nehmen lassen, ist hingegen zu bezweifeln.
Noch immer macht der US-Konzern dank iPhone gewaltige Profite. Und was die Einführung neuer Technologien betrifft, hat Apple schon immer eine Strategie der Zurückhaltung gefahren. Zuerst wird beobachtet, und erst wenn eine neue Technik einen wirklichen Nutzen bringt, wird sie adaptiert.
Wenn man in San Francisco mit Apple-Mitarbeitern spricht, ist von Verunsicherung nichts zu spüren, es scheint eine positive Stimmung vorzuherrschen. Vom Helfer bis zum Manager aus der mittleren Führungsriege: Sie alle freuten sich auf die Show. Und vor allem freuten sie sich auf die rund 6000 Entwickler, die aus allen Ecken der Welt nach Kalifornien gereist sind.
Erstes Fazit: Wie die Keynote zur WWDC 2016 eindrücklich gezeigt hat, bleibt Apple seinem Kurs treu. Es wurde ein Feuerwerk an Produkten und Diensten vorgestellt, wobei es sich bei den meisten um kleinere Schritte nach vorn handelt.
Disclaimer: watson-Redaktor Daniel Schurter weilte auf Einladung von Apple in San Francisco, zusammen mit einem Vertreter des «Tages-Anzeigers» und der NZZ. Der US-Konzern bezahlte auch die Übernachtung und Verpflegung von Hunderten Medienschaffenden aus aller Welt.