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Es ist leider fast nie «nur Geld» ...
Es ist leider fast nie «nur Geld» ...kafi freitag
FragFrauFreitag

Kafi, meine Freundin verdient 3 Mal mehr als ich ... Lukas, 41

Ich hoffe, Frau Freitag hat Rat parat. Meine neue Freundin verdient mehr als das 3-Fache meines Gehalts. Ok, ich verdiene auch ganz gut. Ich bin sparsam, sie gibt gerne das Geld aus. Bis jetzt teilen wir die Rechnung durch zwei. Aber sie könnte jedes Weekend irgendwohin Business jetten, in den teuersten Hotels logieren. Ich könnte es mir zwar gelegentlich leisten, aber nie in dem Ausmass. Ich bin nicht so hedonistisch. Wie soll ein moderner Mann mit so einem krassen Lohnunterschied umgehen? Lukas, 41
26.04.2017, 22:1127.04.2017, 09:28

Lieber Lukas

Was für eine geile Frage, danke dafür!

Das ist ja wirklich ein riesen Gefälle, fuck. Das ist wirklich nicht einfach. Auch nicht, wenn es umgekehrt wäre. Denn mit diesem grossen Gap ist der Lebensstandard einfach nicht der Gleiche. Und trotzdem will man ein Leben zusammen führen. Das wird einiges zu besprechen geben, darauf müssen Sie sich gefasst machen.

Die meisten Männer hätten ein grosses Ego-Problem, wenn die eigene Frau mehr verdient. Und wehe, es ist drei Mal soviel! Da würden vermutlich die meisten impotent. Und ja, ich weiss bereits, dass jetzt ganz viele aufschreien werden und mir erzählen wollen, wie cool und gleichberechtigt sie das fänden und dass sie null und überhaupt kein Problem damit hätten. Wüki nicht. Aber die Frau Freitag glaubt das natürlich nicht. Schliesslich habe ich ab und an mit Paaren zu tun, bei denen die Frau bitz mehr verdient. Und selbst wenn es nur ein kleiner Unterschied ist, hat es meistens eine beeindruckende Auswirkung auf die Paardynamik. Es sitzt einfach noch verdammt tief in uns drin, dass der Mann der Versorger ist und dafür auch mehr verdient. Da braucht es echt viel Umsicht und gesunden Selbstwert, dass man das einfach so wegsteckt.

Das scheint bei Ihnen jetzt nicht das ganz grosse Thema zu sein, wie mir scheint. Dafür schon mal ein grosses Kompliment. Aber selbst wenn es das nicht ist, ist es nicht easy. Weil es dann eben die Alltagsdinge sind, die ein Stolperstein werden. Ihre Freundin hat andere Ansprüche und kann sich diese auch leisten. Sie nicht. Im umgekehrten Fall zahlen dann meist die Männer mehr oder laden die Freundin ein. Und ich finde auch, dass das hier eine Lösung sein könnte.

Warum darf nicht einmal der eine und dann der Andere das Feriendomizil wählen? Kann Ihre Freundin auch mal einfachere Ferien machen oder ist sie dazu nicht bereit? Wenn nein, wie steht sie dazu, die Differenz im Verhältnis 1:3 zu zahlen? Kann sein, dass das für die Freundin denkbar wäre. Aber wäre es das auch für Sie? Viele Männer haben Mühe damit, sich einladen zu lassen. Ein Znacht ist ja die eine Sache, aber wie würden Sie sich fühlen, wenn es um Luxusferien von mehreren Tausend Stutz geht? In meiner Vision einer gleichberechtigten Welt müsste das möglich sein. Aber die Tatsache sieht meistens trotzdem anders aus.

Sie werden mir das jetzt vielleicht nicht verzeihen, aber ich gebe der Beziehung keine so grosse Chance. Mag sein, dass es im Moment «nur das Geld» ist, was Euch trennt. Aber es wird je länger je mehr viel mehr sein. Der Lifestyle zweier Menschen muss in etwa übereinstimmen, sonst sind grosse Probleme in der Paardynamik vorprogrammiert. Das ist schon anspruchsvoll, wenn man gleich viel verdient, aber trotzdem sehr unterschiedlich unterwegs ist. Viel schwieriger ist es aber, wenn sich der eine den Lebensstandard des anderen nicht wirklich leisten kann.

Um es mit den Worten des Fussballs zu sagen: Sie spielen nicht in der gleichen Liga. Und ich meine das noch nicht einmal wertend, sondern einfach sehr realistisch.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi

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Kafi Freitag (41!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 12-jährigen Sohn in Zürich.

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