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Den Schritt wagen muss man letztendlich selber.  kafi freitag

FragFrauFreitag

Kafi, ist es ok, einer magersüchtigen Bekannten nicht zu helfen? 

Ich habe eine magersüchtige Bekannte die sich nicht helfen lassen kann/will. Ich habe mich im Internet über die Krankheit informiert und bin dabei über den Satz «Da lernt man, wer seine echten Freunde sind», gestolpert. Nun merke ich, dass ich mich vor dem Kontakt mit ihr drücke. Sie versucht ständig die kaputte Fassade aufrecht zu halten. Das macht mich wütend/ traurig, die Krankheit ist kein Geheimnis. Ich habe mich gefragt, ob ich ihr überhaupt helfen will und habe gemerkt: Nein. Darf ich das? Hanna, 20



Liebe Hanna

Magersucht und Bulimie sind zwei wahnsinnig heimtückische Krankheiten. Vielen Erkrankten gelingt es wahnsinnig lang, die Sucht zu vor anderen zu kaschieren und vor sich selber zu verdrängen. Es ist gut möglich, dass Ihre Bekannte sich nicht eingesteht, tatsächlich krank und auf Hilfe angewiesen zu sein.

Es ist schön, wenn man in schwierigen Zeiten Menschen um sich herum hat, die einen tragen und unterstützen. Aber gleichzeitig ist es eine Aufgabe, die einem zu viel werden kann. Der Umgang mit einer Essstörung ist etwas vom Anspruchsvollsten, weil es eine sehr selbstzerstörerische Angelegenheit ist und es unglaublich schwierig ist, von aussen zu helfen. Der Betroffene muss bereit sein, Hilfe anzunehmen. Und dafür bedarf es der Einsicht, dass man krank ist und den starken Wunsch, wieder gesund zu werden. Das ist ein sehr langwieriger und kräfteraubender Prozess und vielen gelingt diese Arbeit nur bei einem Klinikaufenthalt. Das ist nichts, was man einfach mit gutem Willen und Mitgefühl einer Bekannten regeln kann. Die Magersucht ist tatsächlich eine suchtartige Erkrankung und es gibt für Angehörige nichts Schmerzhafteres, als einem geliebten Menschen dabei zu zusehn, wie er sich zugrunde richtet. Darum ist die Betreuung in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige äusserst sinnvoll.

Darum ist Ihre Frage müssig, ob es ok ist, nicht helfen zu wollen. Die Tatsache ist, Sie können gar nicht helfen.

Ein klein wenig anders gelagert ist die Sache, wenn eine enge Freundin betroffen ist und diese genügend Vertrauen hat, sich Ihnen zu öffnen und über das Thema zu reden. Aber auch da ist es sehr ambitioniert, helfen zu wollen. In dieser Situation kann man einfach eine beste Freundin sein, ohne den Anspruch zu haben, jemanden zu retten.

Denn retten kann sich nur die erkrankte Person selber.

Mit herzlichem Gruss, Ihre Kafi

Kafi Freitag - Das Buch

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Fragen an Frau Freitag? ​

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Kafi Freitag (41!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 12-jährigen Sohn in Zürich.

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Silas89 16.05.2017 15:42
    Highlight Highlight Bei mir wäre das Vorgehen relativ simpel: Ich würde ihr sagen, dass ich sie dabei unterstütze, Hilfe zu holen und falls sie es nicht tut an einer Freundschaft mit ihr nicht Interessiert bin. Sie sich aber jederzeit melden kann, wenn sie sich eingesteht, dass sie Hilfe braucht.
    • öpfeli 16.05.2017 23:15
      Highlight Highlight Sagen man sei nicht interessiert wenn ... Aber gleichzeitig sagen man ist für jemanden da. 🤔 Entweder man IST da und macht es mit oder man geht. Eine kranke Person vor solch eine Wahl stellen ist einfach bescheuert. Ich sags mal gerade aus. Die Person wird sich melden, wenn sie sich die Krankheit eingestehen konnte und Hilfe möchte. Aber nicht bei dir. Du bist gegangen und hast lediglich dein Gewissen noch bereinigt mit deinem Schlusssatz.
    • Silas89 17.05.2017 10:06
      Highlight Highlight Es ist ja nicht so, dass sie sofort geht. In einer Freundschaft versucht man sich immer zu helfen. Irgendwann reicht's dann, weil es auch nichts nützt. Oft haben solche Leute ohnehin nicht mehr viele Freunde. Manchmal beginnt man ein Problem erst zu sehen, wenn man alleine ist.
    • Zerpheros {aka Comtesse du Zerph} 18.05.2017 21:03
      Highlight Highlight Man definiert für sich, wie weit man gehen kann. An der Linie bleibt man stehen. Wenn sie zurückkommt, hilft man ihr. Der Rest ist ihre Entscheidung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • El Schnee 16.05.2017 14:32
    Highlight Highlight Ich versuch ein Bild: Menschen die am verschwinden sind, magersüchtig genannt, haben offensichtlich keinen oder nicht genug Platz. Die ewige Leier von "sich nicht helfen lassen" von den ach so lieben Fachleuten finde ich völlig daneben. Die Sprache von Beratern spricht Bände: uneinsichtig (du bist dumm, also scheisse), selbstzerstörerisch (du bist SELBERschuld, also scheisse) kaschiert die Sucht (du bist krank, also scheisse) von aussen helfen (du gehörst nicht dazu, also scheisse) getragen von der Familie (du bist anstrengend, also scheisse) arbeiten in Klinik (du frisst Medis, d.h. Scheisse)
    • ElendesPack 16.05.2017 20:54
      Highlight Highlight Völlig unangemessenes Bild. Wie soll man selbstzerstörerisches Verhalten anders beschreiben als selbstzerstörerisch?
      Dummerweise liegt die Rettung am Ende eben doch immer in den Händen des oder der jeweils zu rettenden wenn es um psychische Erkrankungen geht.
      Wie würdest denn Du sprechen mit den Leuten und wo würdest Du die Verantwortung für eine Kursänderung verorten?
    • El Schnee 16.05.2017 23:40
      Highlight Highlight Vielleicht geben Dir diese Filme Antworten auf Deine Fragen:

      nur Trailer von "Cause of Death - Unknown"
      Play Icon


      In voller Länge "Crazywise":
      Play Icon
    • ElendesPack 17.05.2017 16:40
      Highlight Highlight Ich will aber keine Filme schauen. Wenn Du mir nicht selber Antworten geben kannst, dann lass es.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Spooky 16.05.2017 11:22
    Highlight Highlight "Darf ich das?"

    Das darfst du, Hanna, jederzeit und immer. Auf der Welt, und im ganzen Universum, gibt es keine Instanz - ausser du selber - der dich, im moralischen Sinne, für irgendetwas verantwortlich machen kann, was du tust (juristisch gesehenl selbstverständlich schon, schon klar).

    Du bist jederzeit total frei zu tun, was du willst.

    Der Einzige, der über dich ein moralisches Urteil fällen kann, bist du selber.

    Solange du mit deinem eigenen Gewissen zurecht kommst, kannst du 100'000 Menschen ermorden - und dabei ein glückliches Leben führen.
  • Baccaralette 16.05.2017 08:16
    Highlight Highlight Meine Schwester ist seit mehr als 20 Jahren magersüchtig. Sie findet das total ok so, selbst meine Eltern verschliessen davor die Augen. Wer sich nicht helfen lassne will, muss schauen, wie es weiter geht. Ich habe mich ausgeklinkt aus dieser Nicht-Diskussion. Beim Ansprechen dieses heiklen Themas hat mich die ganze Familie angeschaut, als wär ich die, die 'nen Stich hat. Ist okay, irgendwann wird es dir auch gleichgültig.
    • Mayadino 16.05.2017 11:42
      Highlight Highlight Habe das gleiche problem mit meiner schwester 😔 manchmal kann ich es auch ignorieren, manchmal macht es mich rasend.
      Besonders wenn meine mutter sich wieder uaf ihre seite schlägt, sie ist gar nicht zu dünn, die ärzte haben keine ahnung, es ist alles ok... blablabla 😑
    • Wolf2000 16.05.2017 12:14
      Highlight Highlight Vielleicht findet Sie jemanden der Ihr Halt gibt und zeigt wie schön das Leben mit seinen Genüssen ist? Meine Frau war bei meiner Familie das hässliche Entlein. Heute nach 25 Jahren ist Sie die Mutter unseres Sohnes (13) und gesund.
    • Baccaralette 16.05.2017 12:26
      Highlight Highlight Was wollen mir die Blitzer sagen? Sagt doch lieber was, ansatt einfach zu Blitzen. Vielleicht habt ihr ja einen besseren Rat als die Gleichgültigkeit.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DartVaidder 16.05.2017 07:38
    Highlight Highlight Der Kern der Antwort steckt in dieser Aussage welche ich nur unterstützen kann: "Der Betroffene muss bereit sein, Hilfe anzunehmen".
    Habe selber schmerzhaft erlebt, dass man noch soviel unterstützen, diskutieren und Zeit aufwenden kann wie man will... wenn der/die Betroffene "Beratungsresistent" ist und keine Hilfe - weder vom Umfeld noch von Profis - annehmen will, ist es zu (leider) akzeptieren, dass man nicht helfen kann.
  • Wolf2000 16.05.2017 06:50
    Highlight Highlight Sehr schwierig. Die Frage ist doch: Was ist der Auslöser, was ist der Grund? Das kann vieles sein. Auch eine Art Psychoterror innerhalb der Familie den niemand wahr nimmt . Und zu viel Hilfe von allen Seiten ist ein Druck der nur das Gegenteil auslöst.
    • Lukakus 16.05.2017 09:19
      Highlight Highlight Die Auslöser für Magersucht sind sehr häufig die Geschlechterrollen der Gesellschaft. Betroffene Person kann nicht damit klar kommen, eine gewisse Rolle zu haben, wie z.B. ein Kind auszutragen. Die Magersucht ist ein Versuch aus dieser Rolle zu schlüpfen. Die Mens setzt aus, die Frau ist nicht mehr Zeugungsfähig, wirft also einen Teil der Geschlechterrolle ab. Natürlich kann Magersucht auch als eine Art "Selbstmord" verstanden werden, der Auslöser jedoch liegt meistens in der Nichtakzeptanz der eigenen Geschlechterrolle. Magersucht ist sehr ernst zu nehmen, und ebenfalls sehr schwer zu heilen
    • ShadowVolpe 16.05.2017 10:21
      Highlight Highlight @Lukakus aha...und all die Männer die Magersüchtig sind, wollen die ebenfalls kein Kind austragen?
    • Mayadino 16.05.2017 11:48
      Highlight Highlight Bei meinen freundinnen waren es eigentlich immer familien interne konflikte und druck der auf sie ausgeübt wurde, die gründe für ihre magersucht. 😔 aber die gründe können vielfältig sein.
    Weitere Antworten anzeigen

fragfraufreitag

Wenn das Leben irgendwie drückt... Hält man durch, wie bei einem neuen paar Schuhe, und hofft, dass sich mit der Zeit alles etwas dehnt und anpasst? Anna, 34

Oder wagt man einen Rundumschlag und wirft die neuen Schuhe einfach weg? Aber wie und wo sucht man denn die Neuen? Und passen die dann von Anfang an? Am liebsten würde ich glaub einfach Barfuss gehen… mal von der Kälte abgesehen.

Liebe Anna

Mit der metaphorischen Formulierung dieser Frage hätten sie dem grossen Poeten Pablo Neruda mit Sicherheit eine Freude gemacht. Und mir sowieso. Eine wunderbare Analogie, die ich gerne etwas weiterspinnen will! 

Es fällt mir gerade etwas schwer zu beurteilen, in welchem Gebiet ich mich besser auskenne, in dem der Schuhe oder im Leben an sich. Aber was Ersteres betrifft, so habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich die wenigsten Schuhe von Anfang an in Zärtlichkeit um den Fuss …

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