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Den Schritt wagen muss man letztendlich selber. 
Den Schritt wagen muss man letztendlich selber. kafi freitag
FragFrauFreitag

Kafi, ist es ok, einer magersüchtigen Bekannten nicht zu helfen? 

Ich habe eine magersüchtige Bekannte die sich nicht helfen lassen kann/will. Ich habe mich im Internet über die Krankheit informiert und bin dabei über den Satz «Da lernt man, wer seine echten Freunde sind», gestolpert. Nun merke ich, dass ich mich vor dem Kontakt mit ihr drücke. Sie versucht ständig die kaputte Fassade aufrecht zu halten. Das macht mich wütend/ traurig, die Krankheit ist kein Geheimnis. Ich habe mich gefragt, ob ich ihr überhaupt helfen will und habe gemerkt: Nein. Darf ich das? Hanna, 20
15.05.2017, 22:4616.05.2017, 06:24

Liebe Hanna

Magersucht und Bulimie sind zwei wahnsinnig heimtückische Krankheiten. Vielen Erkrankten gelingt es wahnsinnig lang, die Sucht zu vor anderen zu kaschieren und vor sich selber zu verdrängen. Es ist gut möglich, dass Ihre Bekannte sich nicht eingesteht, tatsächlich krank und auf Hilfe angewiesen zu sein.

Es ist schön, wenn man in schwierigen Zeiten Menschen um sich herum hat, die einen tragen und unterstützen. Aber gleichzeitig ist es eine Aufgabe, die einem zu viel werden kann. Der Umgang mit einer Essstörung ist etwas vom Anspruchsvollsten, weil es eine sehr selbstzerstörerische Angelegenheit ist und es unglaublich schwierig ist, von aussen zu helfen. Der Betroffene muss bereit sein, Hilfe anzunehmen. Und dafür bedarf es der Einsicht, dass man krank ist und den starken Wunsch, wieder gesund zu werden. Das ist ein sehr langwieriger und kräfteraubender Prozess und vielen gelingt diese Arbeit nur bei einem Klinikaufenthalt. Das ist nichts, was man einfach mit gutem Willen und Mitgefühl einer Bekannten regeln kann. Die Magersucht ist tatsächlich eine suchtartige Erkrankung und es gibt für Angehörige nichts Schmerzhafteres, als einem geliebten Menschen dabei zu zusehn, wie er sich zugrunde richtet. Darum ist die Betreuung in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige äusserst sinnvoll.

Darum ist Ihre Frage müssig, ob es ok ist, nicht helfen zu wollen. Die Tatsache ist, Sie können gar nicht helfen.

Ein klein wenig anders gelagert ist die Sache, wenn eine enge Freundin betroffen ist und diese genügend Vertrauen hat, sich Ihnen zu öffnen und über das Thema zu reden. Aber auch da ist es sehr ambitioniert, helfen zu wollen. In dieser Situation kann man einfach eine beste Freundin sein, ohne den Anspruch zu haben, jemanden zu retten.

Denn retten kann sich nur die erkrankte Person selber.

Mit herzlichem Gruss, Ihre Kafi

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Kafi Freitag (41!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 12-jährigen Sohn in Zürich.

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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Baccaralette
16.05.2017 08:16registriert Oktober 2015
Meine Schwester ist seit mehr als 20 Jahren magersüchtig. Sie findet das total ok so, selbst meine Eltern verschliessen davor die Augen. Wer sich nicht helfen lassne will, muss schauen, wie es weiter geht. Ich habe mich ausgeklinkt aus dieser Nicht-Diskussion. Beim Ansprechen dieses heiklen Themas hat mich die ganze Familie angeschaut, als wär ich die, die 'nen Stich hat. Ist okay, irgendwann wird es dir auch gleichgültig.
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DartVaidder
16.05.2017 07:38registriert Oktober 2016
Der Kern der Antwort steckt in dieser Aussage welche ich nur unterstützen kann: "Der Betroffene muss bereit sein, Hilfe anzunehmen".
Habe selber schmerzhaft erlebt, dass man noch soviel unterstützen, diskutieren und Zeit aufwenden kann wie man will... wenn der/die Betroffene "Beratungsresistent" ist und keine Hilfe - weder vom Umfeld noch von Profis - annehmen will, ist es zu (leider) akzeptieren, dass man nicht helfen kann.
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