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Der Mensch ist vielschichtig wie eine Artischocke. kafi freitag

FragFrauFreitag

Kafi, wie kann ich gleichzeitig Pazifistin sein und Wikingersagas lieben?

Holla Kafi! Ich brauch da mal 'ne drängende Antwort von dir: Mein grosses weibliches Idol der Weltgeschichte ist die gute Freifrau Bertha von Suttner. Eine ünerschütterliche Pazifistin und Friedenskämpferin. Gleichzeitig verliere ich mich total in der Erfolgsserie VIKINGS – eine Saga über blutrünstige Wikinger, die alles und jeden abschlachten, die sich Ihnen in den Weg stellen. Ich wär so gern eine Schildmaid. Wie passt das zusammen? Beste Grüße Benita, 28



Liebe Benita

Danke für diese grandiose Frage. Sie zeigt auf wunderbar plakative Art und Weise, wie es wirklich läuft. Wir Menschen haben das Gefühl, dass wir einzig und allein unser Verstand sind. Aber dem ist halt eben nicht so. Wir können uns noch so sehr intellektuell weiterentwickeln und wir können uns dem Kampf für neue (und absolut richtige!) Weltbilder verschreiben, es ändert nichts daran, dass wir auch noch den Neandertaler und seine Instinkte in uns tragen. Das geht uns allen Menschen so, liebe Benita. Aber die wenigsten sind ehrlich und mutig genug, es zuzugeben. Im Gegenteil. Wann immer ich darüber schreibe, dass wir trotz allem unterbewusst noch alten Mustern folgen, werde ich dafür gefedert und geteert. Man schlägt mir dann die angebliche Tatsache, dass wir uns weiterentwickelt haben und nicht mehr Opfer sind unserer uralten Instinkte um die Ohren, aber ich weiss, dass hier mehr der Wunsch Vater des Gedanken ist. Wir sind die Summe all unserer Ahnen und da gehören nun mal keulenschwingende Berserker dazu, auch wenn wir heute nicht mehr mit sichtbaren Keulen rumlaufen.

In jeder Frau stecken gleichzeitig eine furchtbar reaktionäre Hausfrau aus den 50ern und eine wild entschlossene Kämpferin für den Feminismus.

In Ihnen stecken also eine Pazifistin und eine Schildmaid. Das ist doch prima so. Ich bin überzeugt, dass in Ihnen auch noch eine unabhängige Feministin und eine Frau, die gerne von einem Mann umsorgt würde, steckt. Wir alle tragen diese offensichtlichen Widersprüche mit uns spazieren und wir alle tun uns schwer damit, diese auszuhalten. Aber darum sind sie nicht weniger wahr und ein Teil von uns.

Der Kampf um die Gleichstellung von Mann und Frau dauert nur darum schon so lange an, weil wir alle einen inneren Kampf auszufechten haben. Erst wenn wir begriffen haben und ehrlich dazu stehen können, dass es hier kein Schwarz und kein Weiss gibt, dann können wir uns wirklich weiterentwickeln und an einer tatsächlichen Gleichstellung arbeiten. Erst wenn wir Frauen bereit sind zuzugeben, dass wir gleichzeitig gern unabhängig und umsorgt wären und erst wenn Männer zugeben können, dass sie sich wünschen würden, entlastet zu werden aber gleichzeitig gern die Rolle des Ernährers haben, kommen wir wirklich weiter.

In jeder Frau stecken gleichzeitig eine furchtbar reaktionäre Hausfrau aus den 50ern und eine wild entschlossene Kämpferin für den Feminismus. Und in jedem Mann ein keulenschwingender Neandertaler, der dafür sorgen muss, dass er möglichst viele Nachkommen zeugt und ein treusorgender Vater und Partner.

Wir Frauen haben alle ein Prinzessli-Gen in uns und wollen uns trotzdem zu selbstständigen Wesen weiterentwickeln. Und obwohl Männer einmal die Aufgabe hatten, alles zu schwängern, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist, sind sie heute trotzdem fähig, einer Partnerin treu zu sein. Und die Männer vom SRF können aufrichtig meinen, dass sie mehr Frauen in den Sendungen haben möchten und gleichzeitig verhindern, dass es passiert. Unser weiterentwickelter Verstand befähigt uns, unsere niederen Triebe und Instinkte im Griff zu haben. Trotzdem werden wir immer wieder mit ihnen konfrontiert.

Wir alle wünschen uns eine Welt ohne Krieg, im Prinzip sind wir alle Pazifisten. Und trotzdem kommen wir nicht darum, im Kleinkrieg mit unseren Nachbarn zu stehen und auf Facebook zu gifteln. Und der Holocaust ist kein Phänomen, dass sich nie mehr wiederholen kann. Wir tragen das Gute und das Böse in uns und es ist eine tägliche Entscheidung, was wir betonen wollen.

Was Sie erleben und spüren, ist also ganz normal. Und ich bin sicher, dass auch die liebe Bertha sich mit viel Genuss Wikingesagas reingezogen und sich dabei vorgestellt hätte, dass sie eine Schildmaid wäre. Akzeptieren Sie diesem Spagat und Sie werden sehen, dass Ihr Leben viel entspannter und vielseitiger wird.

Von Herzen, Ihre Kafi

Kafi Freitag - Das Buch

Die 222 besten Fragen und Antworten in einem schön gestalteten und aufwendig hergestellten Geschenkband.

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Kafi Freitag (41!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 12-jährigen Sohn in Zürich.

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ein Biss~Loin 26.06.2017 02:12
    Highlight Highlight ein teil meines Lebens habe ich verpasst als Pazifist mich zu wehren, und wurde stetig getreten. Bis ich aufwachte und nichts mehr dulde was mir und andern schaden kann. Sich wehren ist keinen Fehler, es ist vielmehr sich selbst schützen vom ungerechten behandelt werden. Man sagte mir früher immer Träumer, und das war ich mit rechtem, bis ich aufstand und die Gegenwart sah, das ich auch das Recht habe, sich zu wehren.
    • Ein Biss~Loin 26.06.2017 15:33
      Highlight Highlight Das ist mein Idol und vieles gleichen mehr!
      Benutzer Bild
  • Spooky 12.06.2017 04:36
    Highlight Highlight Unser Verstand sagt immer: ja, nein, vielleicht, vielleicht auch nicht, entweder oder, unbedingt, absolut, usw.

    Sobald wir von den Bäumen gestiegen und zu denken angefangen haben, sind wir unseren Widersprüchen ausgeliefert.

    Seien wir doch ehrlich: Nichts passt zusammen, was wir den ganzen Tag über so erleben und denken.

    Und dann kommen noch unsere Träume in der Nacht dazu.

    Chaos pur.

    Da sage ich nur noch:
    "Wer es fassen kann, der fasse es." (Bibel)

    Wer nicht, take it easy! (Spooky)
    💪😂👻





    • Ein Biss~Loin 26.06.2017 02:23
      Highlight Highlight Wie sagt man zu den Scheinpropheten: Träum sind Schäume!
  • Don Alejandro 10.06.2017 21:14
    Highlight Highlight Kommt mir "Imagine" von John Lennon in Sinn. Ein Lied, welches voll auf den Verstand zielt, dennoch gibt es weiterhin (religiöse) Kriege, es wird sie bis zum Ende der Menschheit geben.
    • Ein Biss~Loin 26.06.2017 11:23
      Highlight Highlight Krieg für Macht, aus teurem Geld, für mehr Geld, gezinst durch Steuern, für noch mehr Macht.
  • Tschedai 09.06.2017 21:29
    Highlight Highlight Die Benita scheint ein äusserst emotionales Wesen zu sein (was ich positiv sehe) und eifert der Bertha von Suttner vermutlich aufgrund ihres Status nach und weniger nach den Inhalten.

    Genau gleich, wie wenn jemand einer Serie, wie VIKINGS, verfällt, dann hat es sehr vielmehr mit assoziierten Gefühlen zu tun, als mit den Fakten. Diese Romantisierung von Fremden Kulturen oder Zeiten ist normal.

    Aber das zeigt uns, dass die Benita vermutlich keinem Widerspruch erlegen ist.
  • oldman 08.06.2017 16:33
    Highlight Highlight Ich sollte Kafi wirklich auch einmal loben, was ich hiermit tue. Diese Antwort ist gut.
    • Mia_san_mia 08.06.2017 18:48
      Highlight Highlight Wegen einer guten Antwort sollte man sie nicht loben. Die meisten anderen sind sehr schlecht, da muss sie noch ein bisschen mehr machen.
    • Spooky 08.06.2017 22:37
      Highlight Highlight @ Mia_san_mia
      Schlecht gelaunt?🍏
    • Mia_san_mia 09.06.2017 01:57
      Highlight Highlight @Spooky: Nein gar nicht, habe Ferien 😎✌
    Weitere Antworten anzeigen
  • Typu 08.06.2017 14:21
    Highlight Highlight Die Fragestellerin möchte wohl DIE Schildmaid sein. Serie gesehen? Ja genau, diese Schildmaid. Wär ich wohl auch ganz gerne. Super sexy, stark und offensichtlich grandioser Sex. Kann es sein, dass die gute Frau Fragestellerin gerne diese Person wäre? Hat vielleicht weniger mit dem "Beruf Schildmaid" zu tun und mehr mit dieser "Alleskönnerin".
  • Toerpe Zwerg 08.06.2017 13:32
    Highlight Highlight Pazifismus als ethische Grundhaltung kann man jederzeit konsumieren wie Winkingerfilme, da gibt es keinen Widerspruch ... aber auch keinen Anspruch.
  • Matrixx 08.06.2017 12:55
    Highlight Highlight Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.
    Pazifismus ist eine ethische Grundhaltung, man könnte sogar fast sagen einen (politischen) Lebensstil.

    Das andere ist ein Wunsch, vielleicht sogar Sehnsucht. Aus meiner Sicht würde ich sogar behaupten, das ist psychologisch bedingt, der Wunsch nach etwas "Heldenhaftem", mit dem man dem Alltag entfliehen kann...

    Es geht also sehr gut sowohl/als auch!
  • Safster 08.06.2017 12:13
    Highlight Highlight Hey Kafi, wieso haben die uns in der Schule eigentlich nicht mehr über Wikinger beigebracht?
    • Chamael 08.06.2017 12:23
      Highlight Highlight Hey Safster
      1. Weil Geschichte von der Politik lieber gestrichen, als finanziert wird.
      2. Weil der Oberstufenlehrplan für Geschichte erst um 1492 beginnt.
      3. Weil man in 'Geschichte' in der Unterstufe lieber Nähnadeln aus Knochen macht, als den römischen Staat erklärt (mit gutem Grund!)

      Gez.: Ein etwas desillusionierter Geschichtslehrer ;-)
    • pamayer 08.06.2017 12:52
      Highlight Highlight Wilhelm Tell war ein Wikinger.






      Würkli.








      Also, in den nordischen Ländern Europas existieren ähnliche Sagen, mangels Äpfeln würden einfach Nüsse vom Kopf der Söhne geschossen.
      Also: Willi Tell war Wikinger.
    • Raembe 08.06.2017 12:57
      Highlight Highlight Oder die Wikinger waren alle Willi Tell :P
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