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Kafi nach zu viel Kafi. 

FragFrauFreitag

Liebe Kafi, vor nicht allzu langer Zeit ist mein geliebter Papa an Krebs gestorben und vor nicht allzu langer Zeit habe ich angefangen, «Sex and the City» zu schauen. 

Zwischen diesen beiden Dingen gibt es tatsächlich einen Zusammenhang. Denn bei «Sex and the City» scheint es das Normalste zu sein, regelmässig einen Psychologen zu besuchen. Nun frage ich mich, ob ich (19 Jahre alt) diesen Luxus eines Psychologen wirklich brauche oder nehme ich die Serie einfach zu ernst? Liebe Grüsse. Luise, 19



Liebe Luise

Zuerst einmal mein herzlichstes Beileid für den Verlust Ihres Vaters. Es tut mir sehr leid, dass Sie ihn so jung hergeben mussten.

Sie möchten wissen, ob das Schauen dieser Serie eine Art Zeichen an Sie sein soll, einen Psychiater zu besuchen? Wenn ich die Tatsache anschaue, dass ich irgendwann mal aufhören musste Gilmore Girls zu schauen, weil mein Koffeinkonsum langsam ins Ungesunde kippte, dann ja. Allerdings habe ich auch «Breaking Bad» geschaut, ohne ein Meth-Labor zu eröffnen, und Lilyhammer, ohne einen Mafiaring zu gründen. (Obwohl ich bei Letzterem noch nicht ganz auf der sicheren Seite bin, wie ich zugeben muss. Meine kriminelle Ader wurde da schon arg getriggert.)

Ob es aber nötig ist, einen Shrink zu besuchen, würde ich mal weniger von der Serie abhängig machen als mehr von Ihrem Zustand. Und von den Amis schon gar nicht. Dass die einen an der Klatsche haben, bestätigt der aktuelle Wahlkampf doch mehr als deutlich, da hilft auch ein Heer von Psychiatern nichts ...

Haben Sie das Gefühl, Hilfe zu brauchen in Ihrer Trauerarbeit? Sie sagen, dass Ihr Vater erst jüngst verstorben ist, es ist also vollkommen normal, dass es Ihnen schlecht geht. Das darf es auch. Ich habe bereits an anderer Stelle über die verschiedenen Phasen der Trauerarbeit geschrieben, die Zeit und Geduld einfordern.

Ich kann nicht abschätzen, wie gut Sie eingebunden sind, sozial. Wenn Sie Menschen haben, die Sie durch diese schwere Zeit begleiten, dann können Sie die Unterstützung dort bekommen. Wenn Sie sich aber allein fühlen mit Ihrer Trauer und Ihrem Schmerz, dann macht es sicher Sinn, sich begleiten zu lassen.

Ob es dafür ein Psychiater sein muss, ist allerdings fraglich. Solange Sie keine Psychopharmaka benötigen, tut es auch ein Coach oder ein Therapeut. Und ich rate Ihnen von Tabletten eher ab. Sie können damit den Schmerz unterdrücken, aber weggehen wird er davon nicht nachhaltig. Medis sind eine kurzfristige Stütze und in dieser Funktion auch vollkommen okay. Dem Trauerprozess kann man damit aber kein Schnippchen schlagen, der muss bewusst durchlebt werden. Wenn Sie sich für diese Phase einen Psychotherapeuten nehmen, dann machen Sie von Anfang an klar, dass es ein befristeter Auftrag ist, der nach dem Prozess auch wieder enden soll. Ich höre nicht selten von Klienten, die den Absprung aus der Therapie nur schwer geschafft haben. Die Tatsache, dass die Krankenkasse die Behandlung bezahlt, macht es für Therapeuten wenig attraktiv, mit einem klaren Ziel zu arbeiten, das dann irgendwann auch erreicht ist.

Die Zeit der Trauer dauert, nehmen Sie sich die nötige Zeit dafür. Aber seien Sie sich bitte auch im Klaren, dass Sie deswegen nicht krank oder depressiv sind. Es ist einfach nur normal und gesund, dass einen dieser Verlust sehr schmerzt. Die Phase des schlimmsten Schmerzes kann beim einen ein paar Wochen dauern, beim anderen mehr als ein Jahr. Ganz weggehen wird das Gefühl des Verlusts nie, aber man lernt damit zu leben. Geben Sie diesen Gefühlen Raum und Zeit und reden Sie darüber, so viel wie für Sie richtig und wichtig ist.

Ich schicke Ihnen ganz viel Kraft in dieser schweren Zeit und drücke Sie lieb. Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Reiser 25.09.2016 10:11
    Highlight Highlight Eine Frage, die sich mir beim Lesen gestllt hat: Wieso schiessen eigentlich alle gegeneinander? Die Coaches gegen die Psychiater, diese gegen die Psychologen, die wiederum gegen die Psychoanalytiker, gegen die Gestalttherapeuten, usw.
    Wieso kann nicht das Wohl des/der Betroffenen über dem eigenen Ego stehen? Ist dieser GW die Wahrheit mit Löffeln gefressen zu haben produktiv? Hier wird z.B. aktiv von Psychopharmaka abgeraten, ohne die Legitimation und/oder Kompetenz für eine solche Diagnose zu haben. Oder sehe ich das falsch?
  • Mehmed 24.09.2016 21:51
    Highlight Highlight "Ob es dafür ein Psychiater sein muss, ist allerdings fraglich. (...) tut es auch ein Coach oder ein Therapeut."
    -ohne worte-
  • Bonifatius 24.09.2016 21:43
    Highlight Highlight Ein/e PsychiaterIn hat Medizin studiert, ein/e Psychologin Psychologie. Der eine verschreibt Medis, die andere (ohne Zustimmung des Arztes) nicht. Einer Gesprächstherapie folgen nicht automatisch Psychopharmaka. Sowieso nicht bei einem Trauerfall einer 19 jährigen. In Sex and the City gibt's ausserdem lediglich Gesprächstherapie. Sowas schadet in der Regel nicht....etwas diverenzierter hätte ich es vom Coach Freitag schon erwartet.
  • farrah 24.09.2016 01:17
    Highlight Highlight auch ich habe meinen vater jung verloren und habe mich lange geweigert, schlussendlich habe ich trotzdem einen aufgesucht, und es war eindach sehr gut mir jemandem zu reden, der gar nicht in die sache integriert ist & nochmals andere ansichten hat, falls du das gefühl hast, das zu wollen, dann tu es!
  • Spooky 23.09.2016 23:56
    Highlight Highlight @Kafi
    Das ist nicht zu viel Kafi, das ist eine Kriegsbemalung.
  • Hirnwinde 23.09.2016 17:05
    Highlight Highlight Beten hilft! Selbst wenn Du nicht an Gott glaubst.
    Psychologen sind bezahlte Wände an die man redet. Das ist ganz für die Katz.
    Da ist jedes Plüschtier besser, das hört nicht nur stundenlang zu, das kann man auch ganz doll knuddeln, oder verhauen, was halt grad raus muss aus dem Emotionendampfkochtopf.
    Ich werde nie, nie mehr als Patient vor einem Psychologen gegenüber stehen. Da ist Vodoo sogar noch die rationalere Heilmethode.
    • Angelika 24.09.2016 08:14
      Highlight Highlight Keine Ahnung woher du dein Wissen hast, wenn du noch nie da warst. Der richtige Psychologe/ die richtige Psychologin hilft, mit Dingen fertig zu werden, die man sonst endlos im eigenen Kopf (oder im Gebet) wälzt und nie los wird, weil es keine Auflösung gibt. Sie helfen beim Sortieren und Ablegen, beim Versöhnen mit der Vergangenheit und bringen mit ihrer Aussensicht Aspekte hervor, die wir zum Schutz von anderen Personen oder unseren Weltbildern ignonieren.
    • Hirnwinde 24.09.2016 09:41
      Highlight Highlight @Angelika: Ich schrieb, dass ich nie mehr Patient eines Psychologen sein würde.
      Mit anderen Worten: ich war in Psychotherapie. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass das Humbug ist.
  • Bruno Wüthrich 23.09.2016 14:40
    Highlight Highlight Es wird aus meiner Sicht fast etwas zu normal, sich für jedes seelische BoBo einen Threapeuten zu nehmen. Die Gesundheitskosten steigen ohne Ende und Therapeuten machen Kasse ohne Ende, weil die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Jetzt wittern - wie wir Frau Freitags Blog entnehmen - auch die Coachs noch ein Geschäft.

    Damit will ich nicht den seelischen Schmerz eines solchen Verlustes als Bobo abtun. Aber ein bisschen wiedert es mich schon an, wie schnell da jeweils jemand ein Geschäft wittert.

    Am besten sind da halt die guten Freunde. Hoffentlich gibts da welche, trotz «Sex and the city».
    • Gigle 24.09.2016 10:13
      Highlight Highlight Lieber eine psychisch stabile Gesellschafft mit hohen Krankenkassenkosten als umgekehrt.
    • Bruno Wüthrich 24.09.2016 11:06
      Highlight Highlight Sind Sie sicher, dass die psychische Stabilität der Gesellschaft etwas mit den Therapeuten zu tun hat? Einen interessanten Zusammenhang stellen Sie da her.

      Ich denke, dass wir viel eher an den Lebensumständen arbeiten sollten. Immer mehr zu wollen, und dies immer schneller, dazu mehr leisten zu müssen, führt uns in eine Spirale, deren Folgen von Therapeuten bei einzelnen Individuen (und nicht bei der Gesellschaft) höchstens etwas gemildert werden können (wenn überhaupt).

      Hohe Krankenkassenkosten leisten übrigens ihren Beitrag dazu, nicht nur mehr zu wollen, sondern mehr verdienen zu müssen.
    • Bonifatius 24.09.2016 21:53
      Highlight Highlight @Wüthrich: Luise hat aber nicht immer mehr gewollt und immer schneller. Sondern in Vater ist gestorben, das ist ein Verlust. Wieso sollte sie da nicht zum Therapeuten gehen, wenns vielleicht hilft? Besuche bei selbstständigen Psychotherapeuten werden von der Krankenkasse (Grundversicherung) übrigens nicht bezahlt.
  • jules_rules 23.09.2016 12:23
    Highlight Highlight Leider gibt es Krankenkassen, deren Zusatzversicherungen keine psychologische Betreuung/ Therapie abdecken. Und wenn man dann bereits Therapie hatte, ist es schwierig noch zu einer zu wechseln, die das zahlt, da die Krankenkassen den Antrag auf ZV dann oft ablehnen. Meine Mutter arbeitet selber als Therapeutin und hat dies bereits mehrfach feststellen müssen. Darum ist es beim Abschluss einer ZV wichtig, darauf zu achten. Auch wenn man denkt, dass man sowas nicht braucht, kann jede/r einen Schicksalsschlag erleben und dann ist man froh, wenn die Therapie von der Krankenkasse übernommen wird.
    • Angelika 24.09.2016 08:17
      Highlight Highlight Psychologische Betreuung ist in der Grundversicherung drin. Man ist halt in der Auswahl nicht komplett frei, aber es gibt zahlreiche KK-anerkannte Psychologen. Oder man meldet sich über den Hausarzt bei den kantonalen Ambulatorien an.
    • jules_rules 24.09.2016 10:26
      Highlight Highlight In der Grundversicherung wird nur eine Betreuung bei einem Psychiater abdeckt, und bestimmte Anforderungen der Kasse müssen erfüllt sein. D.h. Besuche bei Psychologen und Therapeuten gehören da nicht dazu. Ausserdem hilft es jemanden vielleicht besser, eine Maltherapie oder etwas ähnliches zu besuchen, sowas ist da dann nicht abgedeckt. (auch wenn sie von KK anerkannt sind).
      Sie z.B. hier
      http://www.aphs.ch/d/infos/?page=Was+zahlt+die+Versicherung?
      oder hier:
      http://www.psychotherapie.ch/content/d/thv/index.php?N2=FAQs

  • 's all good, man! 23.09.2016 11:50
    Highlight Highlight Wenn du dir den Knöchel verstauchst, eine Grippe hast oder du dir in den Finger schneidest, gehst du ja auch zum Arzt. Es muss einfach ganz normal werden, dass man sich in einer Krise oder sonst einer Situation, mit der man nicht klarkommt, Unterstützung von einem Therapeuten holt. Sonst bleibt das noch ewig negativ behaftet - aber das ist es überhaupt nicht.
    • -woe- 23.09.2016 18:34
      Highlight Highlight @'s all good
      Also mit einem verstauchten Knöchel, einer Grippe oder Schnitt im Finger geht man nicht nur einfach zum Arzt, sondern direkt in Notaufnahme des nächsten Spitals!
      Zum guten Glück bin ich REGA-Gönner, dann kann ich jeweils mit dem Heli hinfliegen.

      Aber vielleicht bist du wirklich ein Fall für den Seelenklempner...
    • 's all good, man! 23.09.2016 19:36
      Highlight Highlight Vielleicht waren meine Beispiele nicht gerade die Besten, aber ihr müsst da ja jetzt nicht so detailversessen darauf rumreiten. Was ich sagen wollte ist, wie erwähnt, dass es keine grosse Sache mehr sein sollte, dass man zu einem Therapeuten geht, wenn man sich wegen etwas nicht selber helfen kann. So normal wie es ist, zum Arzt zu gehen, so normal sollte es sein, zu einem Psychiater oder einem Psychologen zu gehen.

      @-woe-
      Das ist ja noch kein Grund, gleich beleidigend zu werden. Ich bin tatsächlich schon in psychiatrischer Behandlung gewesen, weshalb es mir heute wieder sehr gut geht. Merci.

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