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Wassergeburt sagen Sie? Warum nicht gleich im Caumasee kafi freitag

FragFrauFreitag

Kafi, ich will eine sanfte Geburt, was kann ich tun?

Ich bin in der 31. Schwangerschaftswoche und mache mir grosse Gedanken über die Geburt. Viele meiner Freundinnen haben im Geburtshaus geboren, eine hatte einen Kaiserschnitt. Ich möchte auch eine möglichst sanfte und selbstbestimmte Geburt und dem Baby einen guten Start ins Leben ermöglichen, im Moment liebäugle ich mit einer Wassergeburt. Habe mich für einen Geburts-Hypnosekurs angemeldet. Kann ich noch mehr tun? Danke für Deine Tipps! Claudia, 36



Liebe Claudia

Ach wie schön! Eine Wassergeburt! Wunderbar! Das stelle ich mir wirklich schön vor. Sie bädelen bitzli im seichwarmen Wasser und ihr Partner liegt unter Ihnen wie ein Connyland Tierwärter, der von einem Walross an den Beckenrand gedrückt wird und dabei ein mitfühlendes Gesicht zu machen versucht. Sie sehen, ich stelle es mir wirklich schön vor. Wunderschön. Und dann flutscht das kleine Würmchen aus Ihrem Unterleib, und wenn Sie nicht aufpassen, bemerken Sie es fast nicht, weil die CD mit dem Walgesang bitz zu laut wummert und das Baby unter Wasser ja nicht schreien kann. Ach, wie schön. Wunderschön. Und dann verfärbt sich das Wasser wie nach einem Walgemetzel vor der japanischen Küste tiefrot und ein Greenpeace-Schiff steuert mit allen vorhandenen Knoten auf sie zu und duelliert sich mit der Sea Org um den neugeborenen Erdenbürger. So schön. So Wunderschön.

Ach, wenn ich noch einmal zurückkönnte, ich würde alles anders machen. Wüki alles. Mit ein bisschen mehr Selbstbestimmung wäre ich nicht zwecklose zig Stunden in Wasser gehockt und dann weitere zig im trockenen, bis ich dann endlich die erlösende PDA bekommen habe, welche dann aber leider nur halbseitig gewirkt hat. Mit ein bisschen mehr gutem Willen und dem richtigen Kurs wäre es sicherlich ganz anders gekommen. Ach hätte ich doch nur bitz mehr an meinem Mind-Set gearbeitet. Vielleicht hätte ich mir dann die Fahrt ins Spital schenken und meinen Sohn auf eine Plastikplane gebären können. Zuhause. In voller und totaler Geborgenheit. Ach, wäre das schön gewesen.

Mich kotzen die Erlebnisberichte über sanfte Geburtsvorgänge sehr an. Denn einmal mehr geht es um einen Wettbewerb, bei denen sich die einen Mütter über die andern erhaben fühlen können.

Ich weiss, dass ich Ihnen jetzt Ihre zuckerwattenfarbenen Geburtsfantasien jetzt bitz zur Sau mache, liebe Claudia. Aber irgendjemand muss das tun und so wie es scheint, hat sich Ihre Kaiserschnittfreundin vor dieser Aufgabe gedrückt. Dann halt ich. Also.

Eine Geburt ist eine Geburt. Sie können 100 Jahre nette Kürsli besuchen und richtig atmen; verdammt weh tun wird es trotzdem. Es ist schön und richtig, wenn Sie sich mit dem Thema auseinandersetzen und mit einer positiven Einstellung an die Geburt herangehen. Aber selbst das beste Mind-Set ist kein Garant dafür, dass die Geburt dann reibungslos verläuft. Ich kenne zig Frauen, die sich vollgedönst haben mit Yoga und Hypnose und allem, was der lukrative Schwangerschaftsmarkt so hergibt und die dann schlussendlich vom Geburtshaus mit der Ambulanz in die Klinik gefahren wurden, um dort mit einem Notkaiserschnitt zu gebären. Und dann gibt es ganz viele, die sich um gar nichts kümmern und ihr Baby innerhalb weniger Stunden richtiggehend hinwerfen um dann nach der Dusche mit dem Baby unter dem Arm den Bus nach Hause zu besteigen. Es gibt alles und das ist auch ok.

Was mich persönlich nervt, ist der ganze Hype, der um die Geburt gemacht wird. Wir Frauen haben schon immer Kinder zur Welt gebracht, es liegt in unserer Natur, dies zu tun. Aber es ist dennoch falsch, wenn man schwangeren Frauen das Gefühl vermittelt, es wäre ein Klacks, den man schnell zu Hause erledigen kann. Es sind schon immer Frauen und Babys bei der Geburt gestorben und sie tun es heute einfach nicht mehr, weil es die moderne Medizin verhindert. Darum nervt mich die Aussage, dass eine Geburt keine medizinische Angelegenheit ist, sondern ein ganz natürlicher Vorgang. Das stimmt nur so lange, wie alles ohne Komplikationen verläuft. Und das tut es halt leider nicht immer.

Dennoch brauchen Sie keine Panik haben, liebe Claudia. Ihr Körper ist grundsätzlich für den Akt der Geburt geschaffen und Sie werden Ihr Kind zur Welt bringen, auf welchem Weg auch immer. Sie tun sich allerdings einen grossen Gefallen, wenn Sie die romantisch verklärten Vorstellungen etwas zurückschrauben. Eine Geburt ist mit Sicherheit ein intensives Erlebnis, romantisch würde ich es allerdings nicht nennen. Ich kenne viele Frauen, die mit einer konkreten Vorstellung und top Vorbereitung an die Sache herangegangen sind und sich danach als grosse Versagerinnen gefühlt haben, weil sich die schönen Vorstellungen nicht erfüllten.

Es lastet schon genügend Druck auf uns Müttern, wir müssen uns das Leben nicht auch noch zusätzlich schwer machen, indem wir uns vorschreiben lassen, wie wir richtig zu gebären haben. Mich kotzen die Erlebnisberichte über sanfte Geburtsvorgänge sehr an. Denn einmal mehr geht es um einen Wettbewerb, bei denen sich die einen Mütter über die andern erhaben fühlen können. Eine Geburt hat nichts mit Selbstbestimmung zu tun, sondern hauptsächlich mit Glück. Ob Sie einen Kaiserschnitt planen oder das Kind in der Waldhütte zur Welt bringen ist unter dem Strich vollkommen schnurz. Hauptsache Sie und das Baby sind wohlauf und gesund.

Herzlich. Ihre Kafi

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Kafi Freitag (41!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 12-jährigen Sohn in Zürich.

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