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Haustiere heute.
kafi freitag

FragFrauFreitag

Liebe Frau Freitag. Unser Hund ist krank. Die Therapie ist sehr teuer und wir uns uneinig. Was meinen Sie dazu? 

Wir haben seit 6 Jahren einen Hund, den wir alle sehr lieben. Unsere Kinder (4+7) hängen sehr an ihm und wir Grossen auch. Nun ist er krank geworden und braucht eine aufwändige und teure Therapie mit Bestrahlung und allem. Wir können uns das schon leisten, müssten dann aber bei andern Sachen Abstriche machen. (Z.B. Ferien, Hobbies.) Mein Mann ist nicht bereit dazu, wir streiten deswegen. Was meinen Sie dazu? Svenja, 44



Liebe Svenja

Wenn man sich als Kolumnistin in Schwierigkeiten bringen will, dann schreibt man am besten über Kindererziehung. Wenn man sich aber so richtig heftig Ärger einbrocken will, dann schreibt man über Haustiere. Ich habe das schon ein paar Mal gemacht und hatte jedes Mal um ein Haar den Tierschutz am Hals. So wird es wohl auch diesmal sein, so muss ich Sie leider vorwarnen.

Vor einigen Jahren hatten wir ein herziges Kätzchen. Es hatte mich so einiges gekostet, weil man ja keine Bauernhofbüsis als Wohnungskatzen halten soll. Also hatten wir so ein reinrassiges überzüchtetes Tierli, welches ohne tierische Instinkte auskommen musste und von Sofa zu Sessel sprang. Und danach von unserem Balkon. Im 4. Stock. Auf Asphalt. Als ich das Fehlen der Katze bemerkte, war diese bereits mit der Tierambulanz (Tierambulanz!) abgeholt worden und hatte eine sehr aufwendige Operation hinter sich. Der Oberarzt, mit dem ich telefonierte, sprach mit einem frivolen französischen Akzent über den Verlauf der 2,5 stündigen Operation und darüber, dass das «ärzige kleine Tiechli» jetzt 2 Wochen würde im Spital bleiben müsse und danach wieder wie neu sein würde. Ich fragte ganz beiläufig über die Kosten der Aktion und er sagte mir, dass ich mit etwa 3500 Franken rechnen müsste, wenn man das Verbandwechseln, was künftig zweimal die Woche über einen Zeitraum von 6 Wochen stattfinden würde, mit einrechnen würde. Mir blieb ob der Summe das Whiskas im Halse stecken und ich rechnete den virtuellen Preis der zarten Kreatur aus, indem ich die unbescheidenen Anschaffungskosten des Tieres mit den Kosten der Instandstellung addierte. Und auch ich sah die Ferien der kommenden 3 Jahre bachab gehen und der Bach würde in diesem Fall leider nicht der tosende Wasserfall des Giessbachhotels sein, sondern eher die Spülung meiner sanitären Anlagen.

Während der kommenden zwei Wochen erhielt ich jeden Tag einen telefonischen Rapport über den gesundheitlichen und den Gemütszustand meiner Katze. Der französische Oberarzt erklärte mir, dass die «ärzige Gatze» zwar gut geschlafen habe, dafür aber wenig Appetit an den Tag lege. Oder dass sie eine eher unruhige Nacht hinter sich, dafür heute aber etwas Lust aufs Spielen habe. Zur selben Zeit lag der kleine Sohn meiner besten Freundin mit einer schweren Magen-Darmgrippe im Kinderspital und sie hatte grosse Mühe, ab und an einen Arzt zu erreichen, der ihr eine verlässliche Auskunft über den Zustand ihres Sohnes geben konnte. Ich versuchte derweil «meinem Oberarzt» beizubringen, dass er mich nicht jeden Tag anzurufen brauche, ich würde die Katze dann nach Ablauf der besagten 2 Wochen schon abholen. Er liess es sich aber nicht nehmen, mich dennoch täglich über die Farbe und die Konsistenz des Stuhls der eingegipsten Katze zu informieren.

Die Fahrten mit dem Katzenkörbli zum Spital beherrschten meine kommenden Wochen und ich hatte viel Zeit, mich mit den BesitzerInnen von kranken Tieren im Wartesaal der Klinik auseinanderzusetzen. Der Höhepunkt waren dabei sicherlich die Hüftoperation eines Meerschweinchens sowie die Krebsbestrahlung einer 10 Jahre alten blinden Katze. Wobei ich bei ersterem noch laut herauslachte, als ich es hörte, und mich über den originellen Humor der Frau freute, dann aber schnell realisieren musste, dass ich den Wartesaal nun besser unverrichteter Dinge wieder verlassen würde.

Der Tod gehört zum Leben dazu, ob es uns passt oder nicht. Je schneller wir das realisieren, umso früher können wir dem Leben unsere Demut erweisen.

Was ich Ihnen sagen will, liebe Svenja, ist Folgendes: Ich habe in diesen Wochen gesehen, wie wichtig ein Tier für einen Menschen sein kann. Vielen alten Menschen ist die Katze oder der Hund der letzte Gefährte geblieben und es ist darum ein grosser Verlust für diese, wenn dieser einzige Freund dann krank wird oder stirbt. Das kann ich verstehen und nachvollziehen und ich weiss nicht, wie ich an dieser Stelle handeln würde.

Aber ich muss auch ehrlich zu Ihnen sein und Ihnen sagen, dass ich den Medizinwahn bei Haustieren einen Irrsinn finde. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, unsere Katze operieren oder einschläfern zu lassen, ich hätte mich wohl für Zweiteres entscheiden. Da mir die Entscheidung aber abgenommen wurde, habe ich es hingenommen und mich um die Konsequenzen gekümmert. Als die Katze Monate später einen Leberschaden und andere gesundheitliche Probleme hatte und ich wöchentlich mit ihr zum Cortison-Spritzen fahren musste, liess ich sie dann aber einschläfern. Das tat mir weh und meinem Sohn noch viel mehr. Aber ich musste einsehen, dass es eine kranke Katze ist und nicht mein kranker Grossvater oder sonst ein Familienmitglied. Ich weiss, dass Tiere zu Familienmitgliedern werden können, und finde das auch sehr schön. Aber wenn ich lese, dass das Tierspital medizinische Geräte für mehrere Millionen beschafft, um Haustieren eine Spitzenmedizin zu bieten, wie nur wir Menschen sie in Industriestaaten kennen, dann widert es mich ehrlich gesagt an. Ich sehe jeden Tag, wie Menschen Geld sammeln, um in Krisengebieten geflüchteten Menschen eine halbwegs menschliche Betreuung zu bieten, oder wie Beat Richner für sein Kinderkrankenhaus in Kambodscha alte medizinische Geräte zusammentrommelt und Spendengelder für Medizin.

Wenn ich das alles sehe und dann höre, was wir hier in der Schweiz alles tun, um einem Haustier noch ein paar Monate Leben zu ermöglichen, dann ist das für mich Perversion auf einem neuen Niveau. In Deutschland werden neue, extrem teure Krebstherapien für Menschen auf den Markt kommen, welche die Diskussion entfachen, wie viel ein paar zusätzliche Monate Menschenleben kosten dürfen. Wie entscheidet man, wer sie in Anspruch nehmen kann und wer nicht? Natürlich ist dies in erster Linie eine Frage der finanziellen Verfügbarkeit. Aber dahinter stehen viel anspruchsvollere Themen, um die sich die Ethiker werden drehen müssen. Diese Fragen sind wichtig und richtig und ich bin dafür, dass man sich ihnen stellt.

Wenn im Mittelpunkt dieser Diskussion aber nicht ein krankes Kind oder ein kranker Erwachsener steht, sondern ein kranker Hund oder ein Kaninchen, dann sehe ich unsere hochentwickelte Welt mit all ihren fantastischen Möglichkeit in eine falsche Richtung laufen. Kümmern wir uns lieber um die Haltung der Millionen von Nutztieren, die jeden Tag auf unseren Tellern landen, anstatt dass wir uns in Kompensationshandlungen verlieren, welche die unmenschlichen Lebensbedingungen von über einer Milliarde Menschen auf dieser Welt auf groteske Art und Weise ins Lächerliche ziehen.

Ich weiss, dass Sie eine andere Antwort hören wollten, liebe Svenja. Und ich weiss, dass ich mich mit dieser Meinung bei vielen Tierhaltern sehr unbeliebt mache. Aber damit kann ich leben. Wir können uns noch so hinter der Spitzenmedizin verstecken, sie macht die Tatsache, dass unser Leben endlich ist, nicht weniger wahr. Der Tod gehört zum Leben dazu, ob es uns passt oder nicht. Das gilt für Sie und das gilt für mich. Und es gilt für unsere Kinder und deren Tiere. Je schneller wir das realisieren, umso früher können wir dem Leben unsere Demut erweisen.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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Liebe SandraDa ich keine Expertin für juristische Fragen bin, kann ich Ihnen auch keine juristisch fundierte Antwort geben. Was ich aber kann, ist, ein paar Fragen in den Raum werfen bezüglich des alleinigen Sorgerechts an sich. Hier in Zürich koksen viele Menschen über 30. Manchmal, wenn ich mir das Gehabe von gewissen Personen so anschaue, dann habe ich sogar das Gefühl, dass alle koksen. Und der Rest ist auf Psychopharmaka. Trotzdem sind viele dieser Menschen auch noch Mütter oder …

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