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Ludmilas Cousine Rada sei Dank, dass die Jugend im serbischen Kuhkaff zum ersten Mal Joints rauchte.

Ludmilas Cousine Rada sei Dank, dass die Jugend im serbischen Kuhkaff zum ersten Mal Joints rauchte. Bild: flickr.com/Dana Monica S

Ludmila Balkanovic

Fear and Loathing im Jugo-Kuhkaff

Nachdem ihr der Gras-Schmuggel von Zürich nach Belgrad gelungen ist, dopt Ludmilas Cousine Rada ein halbes Dorf in den Tiefen Serbiens. Die Geschichte einer verhängnisvollen Nacht.



An meinen ersten Joint erinnere ich mich so gut, als hätte ich ihn gestern geraucht. Ich war 15. Meine Cousine Rada 18. Rada war längst ein Gras-Pro. Wir sassen am Seeufer. Während sie die Tüte drehte, hatte ich Herzklopfen.

Ich zog zwei mal kurz. Einen hysterischen Hustanfall und eine Placebo-Übelkeitsattacke später verbannte ich das Kiffen für die nächsten knapp vier Jahre aus meinem Leben.

Wird sie den Rest ihres Lebens im serbischen Knast verbringen müssen?

Heute gehe ich davon aus, dass alles nur Kalkül war. Rada wollte, dass ich huste. Rada wollte verhindern, dass ich zur Teenie-Kifferin mutierte. Clever gebrüllt, Löwin. High five!

So kam es, dass ich, als Rada entgegen ihrer Versprechungen Marihuana von Zürich nach Belgrad schmuggelte, nüchtern war. So wie auch meine grosse Schwester, die bis heute weder einen Zug von einer Zigarette noch von einem Joint genommen hat.

Nach einer dramatischen Nacht, in der wir nicht wussten, ob Rada den Rest ihres Leben im Belgrader Knast verbringen muss, schaffte es ihr Gras doch noch ins serbische Kuhkaff, wo wir die Hochzeit unseres nervigen Onkels hinter uns bringen mussten.

Die Nacht, in der Rada ein halbes Dorf dopte

Im gefühlten 50-Seelen-Dorf erlebten wir erste Sommerferien-Flirts. Rada rauchte da auch ihre erste Zigi mit unseren Cousins auf dem Feld hinter dem Haus unserer Oma.

Im einzigen Kino «downtown», wo wir auf Holzstühlen sassen, kriegte meine Schwester ihren ersten Kuss. Ich wiederum wurde in der Bar neben dem Kino Opfer meines ersten Suffs. Erbrechen inklusive. Sorry, Siz! Es war also ein offenes Geheimnis, dass mit der Anreise der «Schweizer» die Action Einzug hält.

Afroman mit «Because I Got High»

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Zu Ehren von Rada und der verhängnisvollen Nacht eine kleine Kiffer-Hymne für alle. Video: YouTube/AfromanVEVO

Es war wieder Rada mit ihrem Gras, die unserem Ruf so gerecht wurde, dass man heute noch hinter vorgehaltener Hand über diese eine «Jebi-ga-(Fuck it!)-weisst-du-noch»-Nacht spricht. Die Nacht, in der Rada ein halbes Dorf dopte.

Sie knutschen, obwohl sie sich hassen

Wir Kids zwischen 15 und Ende 20 trafen uns im Haus eines Nachbarn, dessen Eltern in den Ferien weilten. Sturmfrei hiess saufen, im Garten singen, saufen. Wir stimmten gerade ein Lied an, als Rada das Gras auf den Tisch packte. Stille.

Bild

Als Rada das Gras auspackte, verstummten die ansonsten sehr lauten Jugos (Symbolbild). Bild: flickr.com/daddyboskeazy

Mit grossen Augen betrachteten die Kids das Peace. Die meisten sahen zum ersten Mal live Dope. Respekt und Faszination trafen aufeinander. Alle wollten sie probieren. Alle wollten sie wissen, wie es ist, high zu sein.

Ludmila Balkanovic

Unsere Kolumnistin Ludmila wuchs zwischen Mani Matter, Kettenrauchern, harten Schweizer Schulregeln und einer «Fuck the System»-Kultur auf. Hier erzählt die Mittdreissigerin aus ihrem Leben zwischen Schweizer Bünzli- und dem Jugotum.

Rada drehte drei dieser sehr langen XL-Joints. Wir warnten unsere Cousins, Cousinen, Cou-Cousins aller Grade, Freunde, Bekannte, Schwärme, Nachbarn und alle anderen Anwesenden vor. Wir legten ihnen ans Herz, vorsichtig an die Sache ran zu gehen. Kleine Züge. Pausen. Aber mach das mal einem Jugo klar!

15 Minuten später erbrach sich Zeljko übers Erdbeerbeet, Stojan legte seinen Kopf auf die Tischplatte, Miroslav schaute apathisch ins Nichts und Srdjan machte mit Gordana rum. Das, obwohl sich die beiden hassten.

Wenn «verdorbene Mägen» einen Tsunami an Mitgefühl auslösen

Auf dem Klo fand ich Miro vor. Er schwitze und sprach wirres Zeugs. Meine Schwester und ich legten ihn aufs Bett und kühlten seine Stirn. Miros Bruder Pedja nutze die Gunst der Stunde, meiner Schwester unter Tränen zu sagen, dass er sie heiraten wolle.

Bild

Ungefähr so dramatisch sah Pedja aus, als er meiner Schwester stoned unter Tränen seine Liebe erklärte. Bild: flickr.com/armando

Die Girls erwischte es auch böse. Alle ausser Gordana kämpften gegen Übelkeit, Erbrechen und Paranoia an. Ich wies Rada darauf hin, nur noch Joints ohne Gras drin zu drehen. Die Jugos, alles Drama-Könige und -Königinnen, fielen auf den Trick rein. Die, welche die Kurve kratzten, sangen und tanzten die ganze Nacht weiter.

Die anderen erzählten unseren Eltern am nächsten Tag, dass sich der Grossteil der Truppe den Magen verdorben habe. Was einen Tsunami des Mitleids auslöste. Während unsere Mütter Suppe kochten, plädierten unsere Väter für Rakija – «räumt den Magen auf».

Seit dieser Nacht sind nun etwas mehr als zehn Jahre vergangen.

Srdjan und Gordana, das knutschende Hass-Paar, hat in der Zwischenzeit geheiratet und drei Kinder bekommen.

Rada sieht sich hier Dank ihres Grases immer noch in der Rolle der Verkupplerin.

Bild

Rada und ihr Gras, eine Symbiose fürs Leben. Bild: flickr.com/cortto

Pedja versuchte sich kurzfristig als Drogendealer. Er scheiterte. Ich bin froh, dass er meine Schwester trotz Tränen nicht zum Heiraten überreden konnte.

Mein Vater ist immer noch der Meinung, dass Rakija alle gesundheitlichen Probleme löst.

Rada glaubt's ihm.

Seit dieser Erkenntnis schmuggelt sie nur noch Rakija.

Ludmila Balkanovic

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43Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hayek1902 11.08.2017 20:02
    Highlight Highlight Guter Schreibstiel, lässt sich extrem schnell lesen. Sehr spannend geschrieben.
  • Alterssturheit 11.08.2017 17:03
    Highlight Highlight Ich bin einige Jährchen älter als Ludmila und fand es echt lustig zu lesen, dass sie mit ihren Freunden genau die gleichen Erfahrungen gemacht hat wie wir anno domini - gewisse Szenen kommen mir verdammt bekannt vor :-))
    Und: die guten Tipps scheinen auch heute nicht zu wirken - nur die Selbsterfahrung bringts (im schlimmsten Fall zum "chörble")
    .
  • Luca Brasi 11.08.2017 16:35
    Highlight Highlight Voll die Provinzler dort unten. Wegen ein bisschen dope ausflippen.
    • Openyourmind 11.08.2017 18:24
      Highlight Highlight Ja Luca.... die Agro-Jugos halt... Erkenne da die Paralellen zu den Lido di Jesolo Gästen... traurig gel?
    • ludmila 11.08.2017 22:19
      Highlight Highlight Können eben nicht alle so stahlharte Kerle sein wie Arnold Schwarzenegger. Und du, Luca. Gruss, L.
    • rodolofo 12.08.2017 16:29
      Highlight Highlight Was hast Du gegen Provinzler?
      Mir gefällt dieses "Back to the roots"!
      Übrigens hat mir gestern eine Frau aus dem Kongo ähnliche Geschichten erzählt, von Ferien, die sie damals als Mädchen in einem Dorf draussen auf dem Lande verbrachte, aus dem ein Teil ihrer Familie herkam.
      Und ich selber verbrachte einen Teil meiner Sommerferien im schönen Thurgau, auf dem Bauernhof eines Verwandten.
      Hast Du denn kein solches Provinz-Nest, Luca?
      Es ist übrigens auch möglich, sich ein neues Dorf auf dieser weiten Welt auszusuchen, wenn einem das angestammte Heimat-Dorf nicht mehr passt.
  • Nonvemberbal 11.08.2017 16:29
    Highlight Highlight Schade das Ludmila so eine Plattform bekommt und nichts draus macht.
    Statt über wichtige Themen zu schreiben in Bezug auf die hier lebende Jugo Diaspora, bestehen alle ihre Kolumnen nur aus Banalitäten.
    • Openyourmind 11.08.2017 18:32
      Highlight Highlight Hey Nonvvembrlsreal (oder ähnlich)... Sorry, ich kann nicht mal deinen Nick korrekt schreiben (muss wohl zu erst ein paar Rakija haben um es korrekt zu schreiben). Was sind dann die "wichtige Themen"? 50% teurere Autoversicherung für Jugos? Schwarzarbeit in Hotellerie? Getunte BMW's, Audi's, etc? Bitte helfe mir (uns) ;)
    • Nonvemberbal 11.08.2017 19:59
      Highlight Highlight Bestimmt nicht über das Kiffen im Hinterhof. Das hätte genauso gut in Oberlunkhofen stattfinden können.
      Z.b. über Jugoeltern, die ihre ersten Jahre in der Schweiz in Barracken gehaust haben. Über die Jugend, die in der Schweiz nach dem Krieg geboren ist, aber sich noch immer damit befasst. Dein Beispiel mit den Audis und BMWs zeugt von deinem Klischeedenken über Jugos (vermutlich bist du selbst einer). Ludmilla unterstützt dieses Denken nur weiter.
    • Openyourmind 11.08.2017 21:41
      Highlight Highlight Oberlunkhofen bei Niedergösgen Herr Professor Nonvemberbal? Ja, Sie haben Recht! So ein Geschichtsunterricht über Baracken und Krieg ist sehr interessant und mega spannend! BTW.... BMW, Audi, Benz Klischeedenken ade 😿... fahre seit gestern einen Tesla mit "Öko-Strom" und "fuckin' Insane-Mode"!
    Weitere Antworten anzeigen
  • lily.mcbean 11.08.2017 15:36
    Highlight Highlight Ach mann wenigstens bin ich nicht die Einzige die meinem jugofreund JEDESMAL die "rauchnichtsoschnell" Predigt hielt nur um 1 Stunde danach ihn nach hause zu eskortieren! Jebiga! ( mir wurde in Serbien Rakjia gegen Kopfschmerzen empfohlen, die Schmerzen haben sich auf den nächsten Tag verschoben also ein Teilerfolg!)
    • Openyourmind 11.08.2017 17:10
      Highlight Highlight E jebiga... ;)
  • lk96 11.08.2017 14:54
    Highlight Highlight Tolle Geschichte :) wär ich auch gern dabei gewesen ;)
  • Dinolino 11.08.2017 14:53
    Highlight Highlight die (lustige) und persiflierte Geschichte ermuntert hoffentlich keine jüngeren Personen Drogen versuchen zu schmuggeln.......
    • ludmila 11.08.2017 15:17
      Highlight Highlight Liebe Kids, Drogen schmuggeln ist gefährlich, fahrlässig, dümmlich und alles andere als #yolo. Bitte also NICHT machen. Eure Eltern danken. Die Gesetzhüter, eure Lehrer und ich auch. Dinolino ebenfalls. MfG, Ludmila.
    • AdiB 15.08.2017 13:30
      Highlight Highlight Bin diesen sommer nach sarajevo zu freunden gefahren mit 80 g im peto. Ohne probleme. Nur nicht nervös sein bei den kontrollen. Am besten die selbe "kein bock" mine wie die zällner aufsetzen😉
  • Colluci5 11.08.2017 14:45
    Highlight Highlight Hoffentlich gibt es bald mehr von dir zu lesen, liebe deine Artikel :D
    Und Rakija schmuggeln gehört eigentlich zu jedem von uns dazu
    • ludmila 11.08.2017 15:18
      Highlight Highlight Liebe(r) Colluci5, Abenteuer aus meiner Vita gibt es an dieser Stelle alle zwei Wochen zu lesen. Herzlichst, deine Ludmila.
  • Openyourmind 11.08.2017 14:08
    Highlight Highlight RAKIJA - connecting people.... und hilft angeblich auch bei Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Kater, Prellungen, Schürfungen, Erkältung, Grippe, Angstzuständen, etc.
    • ludmila 11.08.2017 14:29
      Highlight Highlight Manchmal habe ich sogar das Gefühl der Jugo ist sich sicher, dass Rakija auch gegen die Donald Trumps und Kim Jong-uns dieser Welt helfen kann.
    • Openyourmind 11.08.2017 18:00
      Highlight Highlight Frau Ludmila... lass dich bitte nicht verunsichern durch die "immer gleiche <10 Dislikes". Das sind die heimlichen "möchte-gerne-so-tun-wie-jugos", die sich aber einfach nicht trauen das Leben zu "erforschen". Diversität ist das 101 der Ausfallsicherheit!
    • ludmila 11.08.2017 22:41
      Highlight Highlight Alles gut, Openyourmind. Ich hab ein dickes Fell. Und eine Horde Cousins, falls nötig. ;-) LG, L.
    Weitere Antworten anzeigen
  • FancyFish - Stoppt Zensur! 11.08.2017 14:05
    Highlight Highlight Was war denn das für minderwertiger Stoff? :D

    Nette Geschichte btw :)
    • Die verwirrte Dame 11.08.2017 14:40
      Highlight Highlight Wiso denn minderwertiger Stoff?

      Wenn man sich den Konsum von Cannabis nicht gewohnt ist und dann das erste Mal betrunken hat(höhö) kann es schon mal passieren, dass man erbrechen muss.
      Benutzer Bild
    • FancyFish - Stoppt Zensur! 11.08.2017 19:50
      Highlight Highlight Hmm ja macht Sinn. Hab da wohl meine eigenen Erfahrungen auf die Geschichte projiziert 🙃
    • one0one 14.08.2017 10:57
      Highlight Highlight Kiffen und Saufen sind selbst fuer erfahrene Kiffer eine "gefährliche" Mischung... Nur weiss der erfahrene Kiffer das und deswegen "verschliifts" ihn nicht (mehr) :D
    Weitere Antworten anzeigen
  • one0one 11.08.2017 14:04
    Highlight Highlight Rada hoert sich traumhaft an <3 :)
    • ludmila 11.08.2017 14:31
      Highlight Highlight Sie lässt danken. <3
    • Openyourmind 11.08.2017 17:45
      Highlight Highlight Rada (=Kurzform von Radmila, laut meinem besten Freund Dragan) ist Ludmila! Stimmt's Ludi?
    • Openyourmind 11.08.2017 19:44
      Highlight Highlight Welcher "Dragan"? Bjelogrlić... ist ja klar!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mia_san_mia 11.08.2017 13:54
    Highlight Highlight Haha geile Geschichte 😄
    • ludmila 11.08.2017 14:31
      Highlight Highlight Danke. <3

«Löli», meint meine Mutter und sagt: «Ich scheiss dir in deinen Mund»

Kettenrauchen, dramatisch sein, bereits am Morgen Schnaps trinken und unter jeder Sau fluchen: Willkommen in den Königsdisziplinen des Balkaners.

«Jebo te, sine, gde si!?!», plärrte meine Mutter kürzlich ins Telefon. Ich hatte mich ein paar Tage nicht gemeldet. Sie ist panisch, sieht mich bereits tot in einem Strassengraben liegen. Jugos sind dramatisch. Und sie fluchen. Oft, ohne es bös zu meinen. So wie meine Mutter am Telefon, als sie mich eben mit «Ich fick dich, mein Kind, wo bist du!?!» begrüsste.

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