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Per Autostopp um die Welt: 500 Chinesen und zwei Schweizer: Lea lernt die Schrittfolge, die alle Chinesen zu kennen scheinen.

Im Club in Kunming: Lea lernt die Schrittfolge, die alle Chinesen zu kennen scheinen, von einem chinesischen Partygänger.
bild: thomas schlittler

Per Autostopp um die Welt

Halbnackte Frauen, Aufpasser in Uniform – und ohne Gegrapsche: So macht China Party

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



Meine Freundin Lea und ich stehen in der Partymeile der südchinesischen Millionenstadt Kunming. Alte Frauen zupfen an den schicken Hemden junger Chinesen und halten in der Hoffnung auf ein paar Yuan mit traurigen Augen die Hand auf. Ein roter Teppich führt in einen Club, vor dessen Tor ein Schild steht mit der Aufschrift: «Dress Code: Elegant.»

Keine Route: Von China nach Laos

Der Übergang zwischen China und Laos kann nicht angezeigt werden. Es könne keine Route gefunden werden, sagt Google Maps.

Ich betrachte die herausgeputzten jungen Chinesen, die in den Club laufen, nehme die Turnschuhe und Reisejacke von Lea und mir in Augenschein und meine zu ihr: «Da kommen wir nicht rein.»

Inmitten von 500 feiernden Chinesen

«Ach was», erwidert sie. «Wir sind die einzigen Europäer hier, die lassen uns bestimmt rein!»

Sie hat Recht. Der Türsteher beäugt uns zwar kritisch und abschätzig, als wir an ihm vorbeihuschen, hält uns aber nicht auf. 

Wir schieben einen Vorhang beiseite und stehen inmitten von rund 500 feiernden, top-gestylten Chinesen.

In den Lounges an den Wänden sitzen junge Typen betont cool in ihren Sesseln. Eine Zigarette in der Hand, ein Dutzend Bierflaschen oder eine Flasche Whisky auf dem Glastisch und ein hübsches Mädel neben sich.

Sie blicken in die Mitte des Clubs, wo einige Gäste mässig motiviert farbige Leuchtstäbe hin und her schwenken, während eine leicht bekleidete Frau auf dem Laufsteg herumtigert und den Song «This Love» der amerikanischen Pop-Rock-Gruppe Maroon 5 ins Mikrofon trällert.

Frauen geizen nicht mit ihren Reizen

Live-Auftritte von Frauen in knappen Outfits scheinen in chinesischen Clubs zum guten Ton zu gehören. Auch als wir in anderen Städten um die Häuser gezogen sind, trafen wir immer wieder auf Angehörige des schönen Geschlechts, die mit ihren Reizen nicht geizten.

Im Club in Xi'an stand allerdings immer ein uniformierter Polizist mit Schlagstock und Helm neben der Bühne und schaute ernst in die tanzende Menschenmasse. Ein köstliches Bild!

Auftritte von leicht bekleideten Frauen gehören im Club in China zum guten Ton.
Video: watson.ch/thomas schlittler

Dass englischsprachige Musik läuft, ist ebenfalls keine Ausnahme. Auf chinesische Musik wartet man meist vergeblich. Das ist erstaunlich, schliesslich sind englischsprachige Gäste schwieriger zu finden als Chinesen, die beim Essen nicht schmatzen.

«Welcome to China!»

Das hält die Feiernden allerdings nicht davon ab, uns «Kugelaugen» anzusprechen. Meist sagen sie nur «Welcome to China», fragen, woher wir kommen – und wollen dann ein gemeinsames Selfie machen.

Wir gehen davon aus, dass unser Grinsen schon auf so mancher chinesischer Social-Media-Plattform gelandet ist.

Als die Sängerin ihr letztes Lied beendet hat, stürmt ein junger Verehrer auf die Bühne, um ihr einen Blumenstrauss zu überreichen. Danach ist der Laufsteg wieder freigegeben für das gemeine Partyvolk. Hier in Kunming tanzt jeder, wie es ihm passt, genau gleich wie in europäischen Clubs.

Alle synchron in einer Schrittfolge

In Xi'an war das ganz anders, dort bewegten sich die Gäste immer synchron in einer Schrittfolge, die allen bekannt war – ausser uns.

Party in China

Herausgeputzte junge Chinesen lassen es in einem Club krachen.
Video: watson.ch/thomas schlittler

Während ich noch ein paar Schluck Bier brauche, ist Lea bereit für die Tanzfläche. Obwohl sie im Vergleich zu den aufgestylten Chinesinnen ziemlich underdressed ist und sich fühlt «wie eine Bauernfrau», geht es keine zwei Minuten, bis sie von vier jungen Chinesen umringt ist.

Hautnah wagt sich aber niemand heran. Das liegt nicht daran, dass ich nur wenige Meter daneben stehe, sondern an der allgemeinen Zurückhaltung in chinesischen Clubs. Auch herumknutschende Paare gibt es kaum.

Das Bier kostet gleich viel wie ein Doppelzimmer in den Bergen

Zu tiefgründigen Gesprächen führen die Kontaktaufnahmen auf der Bühne nicht, aber zumindest zu ein paar Gratis-Drinks für uns. Und das in einem Club, in dem die Preise für chinesische Verhältnisse schwindelerregend hoch sind: Das günstigste Bier kostet 50 Yuan (7,60 Franken). Ein paar Tage zuvor in den Bergen haben wir für diesen Preis noch ein Doppelzimmer bekommen.

Wie sich die teils sehr jungen Gäste das leisten können, bleibt uns ein Rätsel. So mancher leert wahrscheinlich das Portemonnaie des reichen Papas.

Völkerkunde im Club

Um halb vier Uhr morgens haben wir genug gesehen, wir gehen nach Hause. Der Club und die Strassen sind noch rappelvoll, genau gleich wie einige Partygänger. Auch wir haben am nächsten Tag einen Kater. Das Schöne am Party-Machen in fremden Ländern ist aber, dass die Frage «Hat sich das wirklich gelohnt?» ausbleibt. Man kann das Ganze als Völkerkunde verbuchen – schliesslich lernt man in einer Bar oder einem Club mehr über die Kultur eines Landes als bei jedem Museumsbesuch.

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Thanatos 17.01.2016 03:46
    Highlight Highlight Boah knapp 8.- für ein Bier? Das ist ja teurer als bei uns :0
    Kannst du etwas über den Musikgeschmack berichten? Würde mich nämlich interessieren, ob die auch Techno und Goa hören oder ob es Undergroundclubs gibt :D
    • Thomas Schlittler 09.02.2016 17:50
      Highlight Highlight Lieber Thanatos

      Naja, in Schweizer Clubs habe ich auch schon CHF 10.- bezahlt für ein Bier, zumindest in Zürich oder Winti. Aber für China sind CHF 8.- nochmals deutlich mehr als bei uns. Also wirklich völlig überrissen.

      Musik war so eher das typische Dance-Pop-Geschmäus. Ob es auch Undergroundclubs gibt, weiss ich leider nicht. Dafür war ich zu wenig lange dort bzw. habe mich zu wenig informiert. Sorry, dass ich dir keine informativere Antwort geben kann ... LG
    • Thanatos 09.02.2016 20:27
      Highlight Highlight Lieber Thomas
      ja teurer gehts immer ;)
      Kein Ding. Ich werde es eines Tages selber rausfinden ^^. Das hab ich dir zu verdanken ;P
    • Thomas Schlittler 10.02.2016 03:20
      Highlight Highlight Umso besser! *daumenhoch* 😉
  • Hippie-ster 17.01.2016 00:03
    Highlight Highlight Hallo Thomas, ich folge Dir seit Du in Serbien unterwegs warst. Vielen Dank!
    • Thomas Schlittler 09.02.2016 17:43
      Highlight Highlight Das freut mich sehr - ich danke dir! ;-)
  • ramonke 16.01.2016 23:57
    Highlight Highlight das mit den leicht bekleideten girls in den clubs ist doch überall auf der welt das gleiche?
    • Thomas Schlittler 09.02.2016 17:42
      Highlight Highlight Klar, leicht bekleidete Girls gibt es wahrscheinlich so ziemlich überall, wo es Clubs gibt. Aber ich spreche nicht von leicht bekleideten Gästen. In den chinesischen Clubs war speziell, dass sie Showeinlagen hatten mit leicht bekleideten Frauen. Das kenne ich von (seriösen ;-)) Clubs in anderen Ländern nicht so. LG

      PS: Sorry für die späte Rückmeldung ...
    • ramonke 09.02.2016 20:20
      Highlight Highlight na ja wenn sie sich mal an gewissen partys ins kaufleuten, vior, alice choo oder ins jade begeben, werden sie auch sehr leicht bekleidete tänzerinnen begegnen. und das sind nur ein paar der clubs in zürich die zur unterhaltung auf solche "girls" setzen

      dank der inapp meldung von watson ist eine späte antwort kein problem :)
    • Thomas Schlittler 10.02.2016 03:47
      Highlight Highlight Das sind nicht so die Clubs, in denen ich mich jeweils herumtrieb, wenn ich mal in Zürich unterwegs war. Konzentrierte mich eher auf die Langstrasse (Gonzo, Zukunft, etc.) Dort habe zumindest ich das noch nie gesehen. Muss dazu aber auch sagen, dass ich in der Schweiz nicht so der Club-Gänger bin, sondern mich wohler fühle in Bars. ;-)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Donald 16.01.2016 22:02
    Highlight Highlight Die Aussage, dass man in einem Club viel über Kultur lernt, ist doch eher westlich geprägt. 99% der Chinesen sind da nämlich nicht vertreten.
    • Thomas Schlittler 09.02.2016 17:34
      Highlight Highlight Lieber Donald

      An deiner Aussage ist sicher was Wahres dran. Hinter die 99% (ich weiss, bewusste Übertreibung) würde ich jedoch ein dickes Fragezeichen setzen. Es scheint schon immer mehr (Neu-)Reiche zu geben in China. Und diese (Neu-)Reichen sind für mich auch Teil der Kultur. Spannend bzw. traurig ist aber vor allem die riesige Schere zwischen Arm und Reich, die in China besonders offensichtlich ist.

      PS: Sorry für die späte Rückmeldung ...
  • Luca Brasi 16.01.2016 18:46
    Highlight Highlight 50 Yuan für das billigste Bier? Was für eine Abzocke. Sind Sie sicher, daß man Ihnen nicht eine Fake-Getränkekarte für Ausländer gegeben hat (auch schon erlebt)? Wobei das Clubbing halt schon so ein Eliten-Ding ist...War es wenigstens ein gutes Bier?
    • Luca Brasi 17.01.2016 16:38
      Highlight Highlight Das hoffen wir doch. ;) Bin aber noch immer entsetzt über den Preis. Eine 0,5l Flasche chinesisches Bier kostet ca. 4 bis 6 Yuan im Supermarkt. Früher hiess es doch immer: Von den Reichen lernt man das Sparen. Gilt heute leider nicht mehr...
    • Thomas Schlittler 09.02.2016 17:26
      Highlight Highlight Jep, 50 Yuan für das billigste Bier. Aber wir sind definitiv in einen Schickimicki-Club reingelaufen. Muss mittlerweile schon einige Leute geben, die sich das leisten können - zumindest in den Städten. Oder sie kratzen einfach alles Geld zusammen, um den Anschein zu machen, dass sie Kohle haben. Das kann natürlich auch sein. Das Bier war okay, aber jetzt auch nichts Spezielles. ;-)

      PS: Sorry für die späte Antwort ...
    • Luca Brasi 09.02.2016 17:46
      Highlight Highlight Kein Problem. Weiterhin eine gute Reise. ;)

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