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Per Autostopp um die Welt

Autostopp in China: «Jack» verrät mir, dass er schwul ist

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Per Autostopp um die Welt Woche 55 – Fahrer-Selfies
Von Peking nach Tianjin: Sie sagen, ich sehe aus wie der Fussballer Giroud. Beckham wurde ich in China auch schon genannt – auch wir sehen für sie alle gleich aus.
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Per Autostopp um die Welt

Bevor ich China Richtung Südkorea verlasse, verrät mir «Jack» sein Geheimnis: «Ich bin schwul»

18.06.2016, 07:5318.06.2016, 08:05
Thomas Schlittler
Thomas Schlittler

Der junge Mann, der sich mir als Jack vorstellt, ist aussergewöhnlich: Er ist ein allein reisender Chinese. In der 50-köpfigen chinesischen Touristengruppe – in die ich hineingeraten bin, weil ich über das Hostel eine Tagestour gebucht habe – ist der 24-Jährige neben mir der Einzige, der niemanden aus der Gruppe kennt.

Doch nicht nur das macht Jack speziell. Bemerkenswert ist auch, dass er bereits in seinem jungen Alter eine eigene Firma auf die Beine gestellt hat. Sein Crowdfunding-Portal, eine Internetplattform, die Unternehmern hilft, Investoren zu finden, bietet mittlerweile neun Menschen eine Beschäftigung. Das Business laufe gut, habe aber auch seine Tücken: «Unseriöse Unternehmer missbrauchen unsere Plattform, um schnell an viel Geld zu kommen – und machen sich dann aus dem Staub.»

Das überraschende Coming-Out

Ein Internet-Jungunternehmer in China – das Mittagessen mit Jack wäre auch dann nicht langweilig geworden, wenn er nach einer halben Stunde nicht plötzlich gefragt hätte: «Kann ich dir ein Geheimnis anvertrauen?» Überrascht antworte ich: «Klar, du kannst mir alles sagen.» Also eröffnet er mir scheu: «Ich bin schwul.»

«Das grosse Problem ist meist die Familie. Sehr viele Schwule heiraten deshalb einfach eine Frau, damit sie Ruhe haben.»
Jack, schwuler Chinese

Sein Outing kommt völlig aus dem Nichts, im ersten Moment fällt mir deshalb nichts Besseres ein, als zu sagen: «Okay, das ist kein Problem für mich.» Dann frage ich neugierig: «Wie ist es in China für Schwule?»

Schwule können nicht unbeschwert leben

Er wirkt erleichtert und beginnt aufgeregt zu erzählen: «Es ist ein totales Tabu in unserer Gesellschaft, auch von der Regierung wird das Thema ignoriert.» Gewalttätige Übergriffe gegen Schwule seien zwar sehr selten, im Internet agierten Schwulenorganisationen relativ frei und in grösseren Städten gebe es gar Gay-Bars.

Von einem unbeschwerten Leben könnten Schwule in China aber trotzdem nur träumen. Jack: «Das grosse Problem ist meist die Familie. Sehr viele Schwule heiraten deshalb einfach eine Frau, damit sie Ruhe haben.»

Dass das auf die Dauer nicht gutgehen kann, liegt auf der Hand. «Wissen deine Eltern, dass du schwul bist?», frage ich Jack. «Ja, ich habe es ihnen gesagt. Es war aber nicht einfach.» Wegen der Tabuisierung sei seinen Eltern gar nicht bewusst gewesen, dass es in China Homosexuelle gebe.

Seine Mutter habe ihn deshalb zu einer Psychologin geschleppt. Jack: «Die Psychologin hatte für Schwule offensichtlich nicht viel übrig. Sie hat meiner Mutter aber zumindest gesagt, dass sich daran kaum etwas ändern lasse.»

Das Enkelkind bleibt wohl ein Wunsch

Trotz des unfreiwilligen Besuchs bei der Psychologin sagt Jack, dass seine Eltern vergleichsweise gut reagiert hätten: «Sie haben mich mittlerweile so akzeptiert, wie ich bin. Bei vielen meiner schwulen Freunde ist das nicht der Fall. Bei einigen kam es sogar zum Bruch mit dem Elternhaus.»

Hast du eine Etappe verpasst? Hier findest du sie alle:

Jack spricht mit seinen Freunden offen über seine Homosexualität. Bei seinen Eltern forciert er das Thema aber nicht. Denn es gibt noch einen wunden Punkt: Sie wünschen sich ein Enkelkind – und wegen der chinesischen Ein-Kind-Politik ist ausser Jack niemand da, der diesen Wunsch erfüllen könnte.

Doch Jack hat seine Eltern beruhigt: «Ich habe ihnen gesagt, dass ich mich mithilfe einer Leihmutter im Ausland fortpflanzen könne.» Er sagt das so dahin, als sei es die einfachste Sache der Welt. Es wirkt, als ob er sich noch nicht wirklich vertieft mit dem Thema Leihmutterschaft auseinandergesetzt hat. Doch ich bohre nicht nach.

Diskussion ist schnell beendet

Stattdessen will ich von Jack wissen, welche Änderungen er sich von der chinesischen Regierung wünsche. Ich denke an die Legalisierung der Homo-Ehe oder gar an das Adoptionsrecht für Schwule. Jack überrascht mich jedoch erneut: «Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen.» Die Bürokratie sei extrem mühsam und die Steuerbelastung viel zu hoch.

Damit ist die Diskussion über Homosexualität in China genauso schnell wieder beendet, wie sie angefangen hat.

Platz des himmlischen Friedens und Grosse Mauer: Das habe ich diese Woche gesehen

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Ich habe die Woche fast ausschliesslich in der chinesischen Hauptstadt Peking verbracht – unter anderem auf dem Platz des Himmlischen Friedens.
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FRAGFRAUFREITAG
Liebe Frau Freitag. Meine beste Freundin (26) trinkt zu viel. Und ich meine nicht damit, dass Sie dann in ihrer eigenen Kotze liegt. Es ist viel diskreter. Das ist das, was mich beunruhigt.
Sie trinkt zu oft und zu schnell. Während wir anderen in der Runde noch am ersten Glas Weisswein dran sind und plaudern, schenkt sie sie schon mit einem verschmitzten Lächeln das zweite, und dann verlegen das dritte ein. Wenn sie dann hinüber ist, weil sie zu viel getrunken hat, spielt sie am nächsten Tag alles herunter. Und sie hat auch nie einen Kater. Kein Kater = keine Reue. Aber wie will ich sie belehren gehen, wenn ich selber ab und wann im Ausgang abstürze. Meine Freunde und meine Generation trinken am Wochenende mal einen über den Durst. Wenn ich es ihr sage, ist es, wie wenn ein Raucher einem anderen Raucher sagt, er soll mal weniger rauchen. Eva, 25
Liebe Eva 

Was für eine spannende und auch anspruchsvolle Frage! Danke dafür!

Alkohol ist die am meisten verbreitete und gesellschaftlich verankerte und akzeptierte Droge überhaupt. Und keine Sau interessiert's. Während über Kokain und neuerdings auch wieder über Heroin viel geschrieben und diskutiert wird, stört sich an der abendlichen Flasche Wein kein Mensch.

Mich macht diese Tatsache auch immer wieder nachdenklich. Früher habe ich selten getrunken, aber wenn, dann richtig! Eine Strategie, die mein Hausarzt, gegenüber dem moderaten aber dafür regelmässigen Alkoholkonsum übrigens als gesünder bezeichnet. Die Leber leidet unter dem alltäglich zugeführten Alkohol angeblich mehr, als wenn man ein bis zweimal pro Monat richtig Gas gibt.

In Ihrer Generation ist das Abstürzen am Wochenende mehr verbreitet, während meine Generation eher allabendlich eine Flasche Wein zum Nachtessen trinkt und am Wochenende deren zwei bis drei, damit man nachher wieder einmal miteinander schlafen kann. Die Selbstverständlichkeit, mit der man wöchentlich mit einer Einkaufstüte voller leerer Weinflaschen zur Altglassammelstelle wandert, hat mich schon immer befremdet. Aber das mag auch daran liegen, dass ich Wein nicht so gerne mag und Prosecco sich nicht so einfach mit einem guten Essen entschuldigen und nebenher trinken lässt.

Alkoholismus fängt für mich dort an, wo man nicht mehr bewusst über das Öffnen einer Flasche irgendwas nachdenkt, sondern es automatisch geschieht. Und mir ist sehr wohl bewusst, dass nach dieser meiner persönlichen Definition etwa 65 % der Menschen Alkoholiker sind. Aber ich vermute nun einmal, dass ich mit dieser Schätzung auch nicht ganz so falsch liege. Aber leider ist es wenig sexy, über Alkohol als Droge nachzudenken. Dafür ist sie zu legal, zu einfach beschaffbar und durch alle Bevölkerungsschichten zu verbreitet.

Dies mag vielleicht tatsächlich daran liegen, dass es einem schwerfällt, den Mahnfinger zu heben, wenn man gerade selber ein Glas in der Hand hält. Aber dennoch finde ich, dass man es tun soll. Sie machen sich über Ihre Freundin Sorgen, weil diese mit ihrem bagatellisierenden Gebaren das Verhalten einer Trinkerin an den Tag legt? Sprechen Sie mit ihr darüber. Natürlich gibt es das biblische Zitat "Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Aber es geht ja hier nicht um die Steinigung Ihrer Freundin, sondern vielmehr um die Sorge, die Sie umtreibt. Konfrontieren Sie Ihre Freundin darum nicht mir Vorwürfen, sondern einfach mit Ihren Bedenken.

Es ist ein Akt der Liebe, wenn man sich um jemanden sorgt und diese Sorge auch anspricht, anstatt einfach wegzusehen. Mit dieser Aktion begibt man sich allerdings auf dünnes Eis und schon manche Freundschaft ist darob zerbrochen. Oft kann die tragende Eisfläche dadurch aber auch an Festigkeit gewinnen und darum bin ich ein grosser Freund des ehrlichen Wortes.

Alles Gute, Ihre Kafi.

Ach und übrigens: Das mit dem Kater ist auch eine Frage des Alters. Bis vor kurzem war ich auch davon verschont. Reue hatte ich allerdings auch immer schon ohne. Lust aufs Trinken allerdings auch. 
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