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Religionen sind bei der Unterdrückung der Gläubigen oft weltlich

epa05228824 Filipino flagellants whip their back along a street on Maundy Thursday in the town of Paombong, Bulacan province, Philippines, 24 March 2016. On Good Friday, the village of Kapitangan will ...
Unterwürfigkeit hat auch einen weltlichen Aspekt. Im Bild: Philippinische Katholiken kasteien sich am Gründonnerstag in Paombong. Bild: EPA
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Bei der Unterdrückung der Gläubigen sind viele Religionen plötzlich sehr weltlich

Machtkämpfe, weltliche Begierden und Geld: In vielen Glaubensgemeinschaften geht es zu und her wie in einem hölzernen Himmel.
28.01.2023, 09:2831.01.2023, 22:45
Hugo Stamm
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Religionen und Glaubensgemeinschaften sind die Gralshüter des vermeintlich einzig wahren Glaubens, der ultimativen Spiritualität. Sie erheben in ihrem Exklusivitätsdenken den Hoheitsanspruch für transzendentale und metaphysische Phänomene. Für sie ist die geistige oder religiöse Vervollkommnung die Königsdisziplin.

Die profanen weltlichen Aspekte überlassen sie gern sozialen oder politischen Instanzen. Viele Glaubensgemeinschaften blenden dabei aber aus, dass ihr Gebaren ebenfalls von irdischen Aspekten und Begierden geprägt ist. In den Kirchen und Sekten geht es oft zu und her wie im hölzernen Himmel. Machtkämpfe und grobstoffliche Interessen dominieren nicht selten ihr Bewusstsein. So klaffen religiöser Anspruch und weltliche Realität häufig weit auseinander.

Besonders offensichtlich ist der Widerspruch bei der Einbindung der Gläubigen. Diese zeigt meist die Qualität einer unterdrückerischen Indoktrination. Dabei greifen die Kirchenführer gern zu ausgesprochen irdischen Methoden.

Bußgürtel am Fuß einer Statue des hl. Petrus von Alcantara im Petersdom


Von © Túrelio (via Wikimedia-Commons), 2010, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=106200132
Ein Bussgürtel am Fuss einer Statue des heiligen Petrus von Alcantara im Petersdom.Bild: Túrelio/WikiCommons/CC BY-SA 3.0

Ein Beispiel: Religiöse und spirituelle Gemeinschaften versprechen auf der religiösen Ebene das Heil, die Erlösung, das ewige Leben. Gleichzeitig insinuieren sie, dass der Heilsweg schon im irdischen Alltag Glück erzeugt.

Freikirchen zum Beispiel glauben, wer Jesus in sein Herz aufgenommen hat, wird fortan von Gott beschützt und auch im weltlichen Sinn belohnt, sogar finanziell. Das nennen sie das Wohlstandsevangelium.

«Gesegnet sei der Schmerz. – Geliebt sei der Schmerz.»
Zitat aus dem Buch «Der Weg» des Opus-Dei-Gründers Josemaría Escrivá

Diese vermeintlichen Belohnungen sind aber nicht gratis zu haben, sondern an beinharte Anforderungen und Dogmen gebunden, die Angst auslösen. Denn die von Glaubensgemeinschaften versprochene Erlösung erfordert ein möglichst gottesfürchtiges und sündenfreies Leben.

Dabei sind die Ansprüche sehr hoch. Wer sie nicht erfüllen kann, wird zum Sünder gestempelt und muss Busse tun und Sühne leisten. Diese moralische Keule hat aber wenig mit dem Glauben zu tun, sondern vor allem mit weltlicher Unterdrückung.

Es wird oft weltliche Angst erzeugt

Mit diesem geistigen Werkzeug wird irdische Angst erzeugt, um die Gläubigen abhängig zu machen. Nur wer die irdischen Gebote befolgt, kann auf die Gnade Gottes am Jüngsten Tag hoffen. Letztlich sind die Zehn Gebote, das Fundament aller christlichen Kirchen, weltliche Verhaltensnormen. Da ist die Angst schon im Kern angelegt.

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Ein Paradebeispiel ist das Opus Dei, eine Personalprälatur der katholischen Kirche, die im Vatikan sehr viel Einfluss hat. Der Spanier Josemaría Escrivá hat den sektenhaften Laienorden gegründet. Er sympathisierte offen mit dem faschistischen Franco-Regime. Trotzdem wurde er 2002 heiliggesprochen.

Die Selbstkasteiung mit einem stacheligen Bussgürtel im Opus Dei ist nicht nur ein religiöses Ritual:

Wie krank sein Glaubensverständnis ist, zeigt sich bei den «heiligen Geboten» der Selbstkasteiung. Er verlangt von den Gläubigen, sich regelmässig Schmerzen zuzufügen. Vor allem mit einem stacheligen Bussgürtel und mit Peitschen. Die Gläubigen sollen den Leidensweg Jesu nachempfinden.

Der Körper als Feind

Zitat aus seinem Buch «Der Weg»: «Wenn du dich nicht abtötest, wirst du nie ein Mensch des Gebetes.» Und: «Gesegnet sei der Schmerz. – Geliebt sei der Schmerz. – Geheiligt sei der Schmerz.» Den menschlichen Leib bezeichnet er als «deinen Feind».

Was eine solche feindliche Haltung dem Körper gegenüber mit dem Glauben zu tun hat, bleibt das Geheimnis des «Heiligen». Es bleibt auch das Geheimnis der katholischen Kirche, weshalb sie einen Mann, der die Selbstkasteiung im Namen Gottes verlangt, heiliggesprochen hat.

Übrigens ist der aktuelle Bischof von Chur, Joseph Bonnemain, Mitglied des Opus Dei.

Glaubensgemeinschaften, die Angst erzeugen, verraten ihre religiösen Ideale. Nur realisieren es viele Gläubige nicht.

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Hugo Stamm, Sektenblog
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Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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384 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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HeidiW
28.01.2023 09:44registriert Juni 2018
Das errinert mich an die 751 Gräber Indigener Kinder die in ehemaligen Marieval-Internat in Kanada gefunden wurden. Bis 1996 wurden Indigene Kinder dazu gezwungen die christliche Schule zu besuchen und den christlichen Glauben anzunehmen. Die Kindern Ihren Familien entrissen und eingesperrt. Sie mussten Ihre eigene Sprache und Kultur ablegen, vergessen. Wer nicht mitmachte wurde mit Gewalt dazu gezwungen. Sexueller Missbrauch war in diesen Schulen Tagesgeschäft.

Wieviele Kinder dabei verstorben sind weiss niemand, man schätzt 4000 bis 6000 Kinder. Und dies alles unter der Obhut der Kirchen.
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Home alone
28.01.2023 12:23registriert April 2020
Wer lust auf Satire hat geht auf Youtube und sucht nach dem Stand up Comedian: George Carlin, Religion is B… zum Totlachen. Jetzt kriege ich wohl massenhaft Blitze, na was solls 🤷🏼‍♂️🤷🏼‍♂️🤷🏼‍♂️
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stormcloud
28.01.2023 20:03registriert Juni 2021
Die verbohrtesten, intolerantesten und hinterlistigsten Menschen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, waren "fromme" Kirchgänger.
Als Kind habe ich schwere Verfehlungen durch Personen des Klerus, männlich und weiblich, erlebt.
Aber niemand hat es gewagt, da etwas zu sagen. Im Gegenteil, die "Schuld" wurde mir zugesprochen...
So habe ich mich früh genug von solchen Menschen ferngehalten. Selbstgerechte Heuchler, davon finden sich leider viele in den Gemeinden. Aber es gab auch Ausnahmen, das will ich ausdrücklich betonen!
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Der Ort, an dem die Frauen baggern
Ich war für ein Wochenende in Davos und habe eine kleine Analyse und eine Nummer für euch mitgebracht.

Wer in Zürich jemanden kennenlernen will, so im echten Leben, in einer Bar oder einem Club, ich rede hier nicht von den ganz verrückten Dingen, die nur in Filmen passieren, wo sich Leute am helllichten Tag auf dem Trottoir kreuzen und so verzaubert sind, dass sie umdrehen und einander auf der Stelle ehelichen, nein, ich rede hier vom billigbanalen, promillebedingten Ansprechen an Orten, wo man sich kaum sieht und hört, davon rede ich, und auch das passiert in Zürich nie. Mir nicht, meinen Freundinnen und Freunden nicht und dir ganz bestimmt auch nicht. Ausser vielleicht, du siehst aus wie Jennifer Lawrence. Aber wer sieht schon aus wie Jennifer Lawrence? Eben.

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