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Fall Buchli: Warum bloss haten Mütter andere Mütter?

Steffi Buchlis Kommentar zur Hater-Debatte auf Facebook. Touché!
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Der Fall Buchli – oder: Warum bloss müssen Mütter andere Mütter haten?

Kaum sind Kinder da, werden Frauen noch viel kannibalischer, als sie eh schon sind. Ein Beispiel ist der Fall Buchli.
10.05.2016, 15:2120.05.2016, 16:35
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Arme Steffi Buchli! Wird gehated, weil sie ihre Haare rot färbt («haten» ist web-deutsch für kritisieren). Wird gehated, weil sie sich inszeniert (sie arbeitet beim Fernsehen, Leute!). Wird gehated, weil sie selbstbewusst ist. Wird gehated, weil sie mit Schwangerschaftsbauch moderierte. Und jetzt wird sie auch noch gehated, weil sie gleich nach dem Schwangerschaftsurlaub wieder arbeiten geht.

Und das in einem Interview ausführt. Und deswegen kein schlechtes Gewissen hat. Ist aber auch unverschämt. Die Kommentare («schreckliche Frau», «Egoistin») sind entsprechend derb. Dabei drückt sich Buchli so diplomatisch aus:  

Ich bin nun mal glücklich, wenn ich arbeiten kann. Aber jede Frau muss für sich selber entscheiden, welche Bedürfnisse sie hat. Will jemand hundert Prozent zu Hause sein, ist das wunderbar. Machen und machen lassen, lautet mein Motto. Niemand kann seinen Lebensstil jemand anderem überstülpen und verlangen, dass es genauso gut funktioniert.

Buchlis Antwort: Besser geht nicht

Besser kann man seine Toleranz anderen Meinungen und Modellen gegenüber sowie das Bewusstsein, dass man mit der eigenen Variante anecken könnte, nicht in Worte fassen. Zwei Dinge finde ich besonders bemerkenswert:

Erstens: «Don’t hate the player, hate the game», heisst es. Hat sich aber niemand zu Herzen genommen. Der Mutterschaftsurlaub beträgt 14 Wochen, das ist doch das Stossende. Buchli macht das, wozu alle erwerbstätigen Mütter gezwungen sind. Doch statt zu bemängeln, dass der Mutterschaftsurlaub viel zu kurz ist, schiessen alle auf die Frau.

Womöglich weil sie das Gefühl haben, wer beim SRF arbeitet, verdiene so viel Geld, dass er es nicht nötig habe, gleich wieder zu arbeiten. Ist ja auch viel schlüssiger als die Folgerung Mutter + Arbeit = glücklich = Kind glücklich.

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Zweitens: Es sind vor allem Frauen, die laut aufschreien. Jöckers, das arme Kind! Die Männer ärgern sich offenbar eher darüber, dass Buchli schon wieder am TV zu sehen ist (ja, auch Frauen dürfen Sportsendungen moderieren und Interviews führen, ihr Mittelalter-Nostalgiker!).

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Der einzig richtige Weg ist der eigene

Das deckt sich auch mit meiner Beobachtung: Die grössten Kritiker der Mütter sind andere Mütter. Als sei es eine Art Wettbewerb. Als wären sie Missionare, die in ihren Augen schlechtere Mütter von ihren Erziehungsmethoden überzeugen und zum einzig richtigen Weg (der zufälligerweise der eigene ist) bekehren müssen. Als gäbe es in den so einzigartigen Konstellationen zwischen Kind (Individuum ergo Unikum) und Mutter (auch Individuum) (und Vater und und und) einen allgemeingültigen, ultimativen Umgang.

Indem sie sich selbst auf dem einzig wahren Pfad wähnen und andere als Irrende kritisieren, machen sie sich doch gegenseitig nur das Leben schwer.

Väter erlebe ich da als viel entspannter. Dass ein Vater einen anderen für seinen Erziehungsstil tadelt oder sich darüber empört, habe ich noch nie erlebt. Meistens höre ich: «Mir doch egal. Sollen die doch machen, wie sie wollen.» Steck ich da in einer Gender-Trap (oder Gender-Gap-Trap?) oder hab ich recht?

Was meinst du? «Haten» Mütter mehr als Väter?

Passend dazu: Vaterschaftsurlaub – so sieht es in unseren Nachbarländern aus

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Vaterschaftsurlaub: So sieht es in den Nachbarländern aus
Frankreich: Den Vätern stehen 28 Wochen Urlaub zu. Allerdings werden bloss die ersten elf Tage, nicht aber die gesamte Auszeit finanziert. Im Zuge der Gleichstellung steht dem Mann dieselbe Anzahl Tage wie der Frau zu: Die Eltern sollen sich die Arbeit während eines Jahres teilen. Die Mutter erhält die ersten 16 Wochen vergütet.
Quelle: «Nordwestschweiz»
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75 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Menel
10.05.2016 17:17registriert Februar 2015
Diese "perfekten" Mütter werden meist wieder erträglich, wenn das Jüngste 8-10 ist und sie gesehen haben, dass egal wie lange Stillen, (nicht)Impfen, Familienbett vs. eigens Zimmer, Hausfrau, Arbeit-Mami, Ernährung, Kleidung, Medien...und alles andere worüber man streiten kann...nicht dagegen geholfen hat, dass der Sprössling eine eigene Persönlichkeit entwickelt hat und genauso gut ist und scheitert wie alle anderen Kinder auch. Sich Krankheiten einfängt, sich prügelt, flucht, gemobbt wird, mobbt, fröhlich nach Hause kommt oder auch mal weinend...
2013
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Miicha
10.05.2016 17:28registriert März 2014
Viele haben keine Wahl nach dem Mutterschaftsurlaub. Unbezahlter Urlaub nicht möglich, Pensenreduktion auch nicht. Also ist der Job weg und dann wird's richtig lustig. Bei jedem Vorstellungsgespräch die Frage wie man gedenkt bei Krankheit des Kindes trotzdem arbeiten zu gehen. Es wird es uns Müttern die Arbeiten wollen wirklich schwer gemacht.
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amade.ch
10.05.2016 15:49registriert Mai 2014
Ob Vater oder Mutter, es ist deppert, Steffi Buchli ihrer Entscheidung wegen zu dissen.

Und wenn man sich überhaupt über irgendwas aufregen will, dann (wie im Artikel erwähnt) darüber, dass der Mutterschaftsurlaub zu kurz ist. Faszinierend finde ich, dass wir solche Issues trotz "Gleichberechtigung" immer noch so zu drehen wissen, dass die Frau am Ende die Schuld trägt.
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Das sind die höchsten Wasserfälle pro Kanton – Basel und Genf werden dich überraschen
Jetzt im Frühling sind Wanderungen zu Wasserfällen schlicht nur eines: spektakulär. Denn jetzt führen die Gewässer viel Wasser und so toben die Kaskaden. Das Beste dabei: Auch von deiner Haustüre ist es nicht weit zum nächsten Wasserfall.

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