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An der E3 konnte man Ubisofts «Assassin's Creed Origins» ausprobieren.
An der E3 konnte man Ubisofts «Assassin's Creed Origins» ausprobieren.Bild: MIKE NELSON/EPA/KEYSTONE
Analyse

Der Hype ist real! Warum uns die Game-Industrie Jahr für Jahr bitter enttäuscht

Die wohl wichtigste Messe der Game-Industrie, die E3, ist vorüber. Was bleibt, ist die Vorfreude und die ist ja bekanntlich die schönste Freude. Aber ab wann wird der Hype zu viel?
16.06.2017, 13:2316.06.2017, 21:49
lucas schmidli, los angeles

Rund 68'400 Besucher strömten dieses Jahr an die Electronic Entertainment Expo (kurz E3) in Los Angeles, um Infos über neue Releases der verschiedenen Spielehersteller zu erhalten und die Spiele gegebenenfalls gleich selber anzuzocken.

Bild: Invision for Activision/Invision

Die Stimmung ist gut, überall wird wild über Spiele diskutiert: «Was denkst du über das ‹Mario+Rabbids›-Game?», «Wirst du dir ‹Sea of Thieves› kaufen?», «Ich hoffe, sie versauen es nicht».

Dass der letzte Satz öfter fällt, verdeutlicht, dass so mancher Gamer vorsichtig geworden ist. Zu oft wurden an der E3 aus Mücken Elefanten gemacht. Bestes Beispiel dafür ist «No Man's Sky», welches an der E3 2014 präsentiert wurde und einen massiven Hype ausgelöst hat.

Ausschnitt aus der Sony-Pressekonferenz 2014.Video: YouTube/Push Square

Und wer wäre nicht gehyped? Ein unendliches Universum? Multiplayer? Einzigartige Welten entdecken? Selbst wenn Entwickler Sean Murray hier nicht schamlos gelogen hätte (es gab keinen Multiplayer), das Spiel konnte nur enttäuschen.

Für die Entwickler ging die Rechnung aber auf. 2016 war «No Man's Sky» neben Spielen wie «The Witcher 3: Wild Hunt» und «Fallout 4» eines der meist verkauften Spiele auf Steam.

Die Geleimten waren die Spieler, welche das Spiel vorbestellt hatten und nicht das erhielten, was ihnen versprochen wurde.

Der Hype-Zyklus nach Gartner Inc.
Der Hype-Zyklus nach Gartner Inc.bild: wikipedia

Es ist ja nicht so, dass die Spielehersteller nicht wüssten, dass sie die Spieler enttäuschen. Das Marktforschungs-Unternehmen Gartner Inc. hat fünf Phasen des Hype-Zyklus definiert.

In einer ersten Phase wird ein Fachpublikum auf ein Game aufmerksam. Dann springen immer mehr auf den Hype-Train auf, zahlreiche Berichte widmen sich dem Thema, übertriebene Erwartungen werden aufgebaut und *plop*.

Plötzlich platzt die Hype-Blase, man wird mit dem realistisch Machbaren konfrontiert und fällt hinab ins Tal der Enttäuschungen. Die Aufmerksamkeit für das Produkt lässt nach, doch weil man jetzt realistischere Vorstellungen für die Vorteile hat, kann man sich langsam wieder damit versöhnen.

Auch hier hat das Marketing übertrieben: «Destiny», dessen Fortsetzung im September auf den Markt kommt.
Auch hier hat das Marketing übertrieben: «Destiny», dessen Fortsetzung im September auf den Markt kommt.bild: imgur

Das Problem ist aber nicht unbedingt dieser Zyklus, das Problem ist, dass die Game-Studios ein Interesse daran haben, diesen «Gipfel der überzogenen Erwartungen» möglichst hoch zu halten. Das ist gut für die Berichterstattung und kurbelt den Vorverkauf an. Dafür ist der Fall in die Enttäuschung danach umso grösser.

Das Publikum wartet in der riesigen Halle auf die Sony-Pressekonferenz.
Das Publikum wartet in der riesigen Halle auf die Sony-Pressekonferenz.bild: watson

An der E3 merkt man förmlich, wie mit allen Mitteln versucht wird, Hype künstlich zu generieren. An der Microsoft-Konferenz zum Beispiel sind die vorderen Reihen für Fans reserviert, die sogar bei einer Durchsage jubeln, in der es heisst, man solle doch bitte auf Fotografie mit Blitz verzichten.

Bild: MIKE NELSON/EPA/KEYSTONE

Während der Konferenz muss immer alles «einen Schritt weiter» und «zum ersten Mal gemacht worden» sein. Microsoft hat offenbar ein Problem damit, richtige Knüller-Games zu finden, welche die Leute auf ihre Konsole locken. Aber muss man deswegen neue «Minecraft»-Texturen wirklich so ankündigen, als sei der Messias persönlich vom Himmel herabgefahren, um Shader zu installieren?

Ein weiteres beliebtes Mittel, um vor der E3 bereits Hype aufzubauen, ist, die Leute im Unklaren zu lassen, was man genau ankündigen wird. Während das Ganze in einer positiven Überraschung münden kann, bringt es eine unglaubliche Erwartungshaltung mit sich, dass jetzt jedes Jahr ein absoluter Knüller enthüllt werden muss.

Das kann dann so enden wie in der Bethesda-Konferenz: Denn Bethesda hatte das Gefühl, sie müssten ebenfalls eine Pressekonferenz abhalten, obwohl sie ausser «Wolfenstein II» und ein paar für Virtual Reality rezyklierte Games praktisch nichts vorzustellen hatten. Leider sind dann viele enttäuscht, denn es hätte ja auch eine neue coole Franchise oder gar überraschende Ankündigungen zu einem «The Elder Scrolls 6» sein können.

bild: reddit

Und es geht mir jetzt nicht darum, diese Games schlecht zu machen. Im Gegenteil: Viele Spiele, die in den letzten Jahren von der Community als Enttäuschung gewertet wurden, sind eigentlich gut spielbar – sogar «No Man's Sky». Das Problem ist nur, dass die Spiele als etwas dargestellt werden, was sie nicht sind und was sie auch nicht sein können.

So lange die Industrie so viel Geld macht, indem sie unseren Hype ankurbelt, wird sich daran wohl leider auch wenig ändern. Das Einzige, was wir dagegen tun können, ist realistisch zu bleiben und die Games nicht wegen einem vagen Versprechen vorzubestellen.

Welche Game-Firma hat an der E3 am meisten überzeugt?

Was denkt ihr darüber? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

Und so sah es dieses Jahr in Los Angeles aus: Ein Rundgang durch die E3 2017

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34 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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moedesty
16.06.2017 13:50registriert Oktober 2016
Sorry wenn ich wieder klugscheisse. Aber du hast gerade einen Artikel über Werbung geschrieben. Das machen alle so. Von den Makeup Produkten bis zum neuen iPhone, alle wenden die gleiche Technik an um ihr Produkt zu verkaufen. Nachher liegt es an der Intelligenz des Verbrauchers nicht reinzufallen oder die Games z.B. bei Steam probezuspielen und innter 2 Stunden zurückzugeben oder Livestreams anzuschauen. Ist schon krass dass man heutzutage über solche Sachen schreiben muss ... wo ist der gesunde Menschenverstand geblieben? Oder denkt irgendjemand dass Redbull Flügel verleiht?
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Picker
16.06.2017 14:07registriert Januar 2016
Die Aussage am Ende des Artikels bringt es auf den Punkt:
Macht keine Vorbestellungen mehr und wartet, bis Reviews draussen sind. Die Game-Industrie wird dann rasch etwas ändern müssen, da so Spielchen wie bei NM Sky nicht mehr gespielt werden können.
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SuicidalSheep
16.06.2017 14:12registriert August 2015
Eine alte Gamerregel lautet: Kein Pre Order!

Wer sich No Mans Sky für 70.- geholt hat tut mir echt leid.

Das Spiel ist zwar okay, aber nicht so viel wert. Da gibta bessere für 10.- auf Steam.
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