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Volvos XC60 Recharge ist das aktuell beliebteste Plug-in-Hybrid-Modell in der Schweiz. bild: volvo

Analyse

Schweizer kaufen immer mehr Hybrid-Autos – doch den «Fake-E-Autos» droht das frühe Aus

Vorgeblich umweltfreundliche Hybrid-Autos verkaufen sich wie geschmiert. Viele Hersteller setzen auf die neue Plug-in-Hybrid-Generation als Zwischenlösung, bis sich Elektroautos voll durchsetzen. Doch nun will die EU das «Greenwashing» erschweren.



Es ist noch nicht lange her, da galten sie als die erste Wahl für umweltbewusste Autokäufer. Doch Plug-In-Hybride (PHEV), die sowohl rein elektrisch fahren können als auch mit Verbrennungsmotor, könnten schneller verschwinden als von vielen Autobauern derzeit vorhergesagt.

Das klingt auf den ersten Blick unlogisch, da Hybrid-Autos (HEV) ohne Ladeanschluss und die neueren Plug-In-Hybride – deren Akkus sowohl über den Verbrennungsmotor als auch am Stromnetz geladen werden können – seit rund zwei Jahren einen Verkaufsschub erleben. Zusammen kamen sie in der Schweiz im März 2021 auf einen Marktanteil von 28 Prozent. Zum Vergleich: Reine Elektroautos (BEV) sind erst bei gut 8 Prozent angelangt.

Hybrid-Boom in der Schweiz

Hybrid-Autos (21%) und Plug-in-Hybride (8%) gewinnen in der Schweiz schnell Marktanteile. Reine Elektroautos kommen aktuell auf gut 8 Prozent.

Darum droht den Stecker-Hybriden das schnelle Aus

Plug-In-Hybride könnten schon viel schneller wieder in der Versenkung verschwinden, als heute noch viele glauben. Das dürfte nicht zuletzt an neuen EU-Vorschriften zu umweltfreundlichen Investments («Green Finance») liegen: So dürfen einem Entwurf zufolge Hersteller Plug-In-Hybride ab Mitte des Jahrzehnts nicht mehr als «nachhaltiges Investment» bezeichnen, was wohl den einen oder anderen Investor abschrecken dürfte.

Ende 2021 sollen die Regelungen zu grünen Investments in Kraft treten, in denen die EU den Rahmen definiert, welche Investments als nachhaltig vermarktet werden, abhängig davon, wie gross ihr Beitrag zur CO2-Einsparung ist. Ziel ist es, «Greenwashing» zu vermeiden, bei dem Unternehmen sich als umweltfreundlicher präsentieren, als sie eigentlich sind.

Nur ohne CO2 «grün»

Die Autobranche darf demnach ab 2026 nur noch die Autos als grün zählen, die gar kein CO2 mehr ausstossen, sprich nur noch vollelektrische Autos (BEV). Ein Vertreter der EU-Kommission lehnte eine Stellungnahme speziell zu dem Entwurf zu grünen Investments ab, sagte aber, dass das Vorhaben technologie-neutral sei. Bei den Plug-Ins (PHEV) handle es sich um eine Brückentechnologie. Bis 2050 müssen fast alle Autos in Europa emissionsfrei unterwegs sein.

Auch für viele Autohersteller gelten die Plug-In-Hybride als Brückentechnologie, bis die reinen Stromer so weit sind, dass sie in den Massenmarkt vorrücken. Viele Autobauer haben angekündigt, mindestens bis 2030 auch auf die Zwitter zu setzen. Das drohende frühere Aus sorgt bei ihnen für Unruhe.

«Es ist verrückt, das bis 2025 zu tun, weil man damit effektiv die Nachfrage heute schon tötet», sagte Adrian Hallmark, Chef des britischen Luxusautobauers Bentley, der zu VW gehört. Das Aussterben der Plug-Ins hat unterdessen wohl schon begonnen. Dem Analysehaus AutoForecast Solutions (AFS) zufolge, das Produktionspläne auswertet, dürften bis 2028 dreimal so viele Elektroauto-Modelle wie Plug-Ins auf den Markt kommen. Das ist eine Kehrtwende für die Branche, die in den vergangenen Jahren deutlich mehr Hybrid-Autos als Batterieautos verkaufte.

Das Problem: Plug-In-Hybride fahren zu oft mit Benzin

Die Hersteller selbst sagen, dass die Plug-Ins, wenn sie richtig genutzt werden, deutlich weniger CO2 ausstossen als Autos mit Verbrenner. Kritiker führen dagegen an, dass die häufig sehr grossen Fahrzeuge in der Realität doch meistens mit Benzin angetrieben werden.

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Kritiker monieren, Plug-in-Hybride fahren viel zu oft mit dem Verbrennungsmotor und seien daher keine Lösung. bild: Transport & Environment

Julia Poliscanova, Direktorin bei der europäischen Nichtregierungsorganisation Transport & Environment verweist auf eigene Berechnungen, wonach die Hybride sogar mehr CO2 in die Atmosphäre blasen als konventionelle Autos - sie sind schlicht schwerer. «Aus der Perspektive des Umwelt- und Klimaschutzes sind die Hybride schlechter als die Technologie, die sie ersetzen.» Es solle daher von der Politik keine Förderung für sie geben.

«Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge werden nicht für einen sauberen Betrieb im Strassenverkehr, sondern zur Ausschöpfung der staatlichen Förderung und Erreichung der europäischen Flottengrenzwerte gebaut. Derzeit verschwendet Deutschland mehr als 500 Millionen Euro an Subventionen für diese Fake-E-Fahrzeuge.»

Stef Cornelis, Direktor Deutschland bei Transport & Environment. elektroauto-news

Europas Autohersteller sind gespalten: Lohnt es sich, für die Hybrid-Autos zu kämpfen oder sollen sie ihre Investitionen lieber in die reinen Stromer und den Aufbau einer besseren Ladeinfrastruktur stecken? Stephan Neugebauer, Chef der European Green Vehicles Initiative und Entwicklungsingenieur bei BMW, geht davon aus, dass künftige Plug-Ins weniger von ihren Benzinmotoren abhängig sein werden, aber weiterhin eine Zukunft haben. Nicht alle Verbraucher dürften sich in einem Jahrzehnt für ein Elektroauto entscheiden. «Warum? Weil man eine lange Strecke fahren muss, weil man einen Anhänger ziehen will. Und dafür ist eine öffentliche Lade-Infrastruktur nötig.»

Anders tönt dies bei VW-Chef Herbert Diess. «Die Batterie hat das Rennen gewonnen», sagte er kürzlich. Diess hat den VW-Konzern in den letzten Jahren grundlegend umgebaut und eine «electric first»-Strategie ausgegeben.

Der grosse US-Rivale General Motors verkündete Anfang 2021 das Aus für den Verbrennungsmotor bis 2035. Auch Ford und Volvo stampfen Benzin- und Hybridfahrzeuge bis 2030 ein, BMWs Mini ist ab 2031 rein elektrisch unterwegs und Jaguar ab 2025.

(oli/sda/awp/reu)

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