Tesla stellt «Autopilot»-Software auf Abomodell um
Tesla stellt sein Fahrassistenzsystem «Full Self-Driving» (FSD) in den USA auf ein Abomodell um, während der Start in Europa weiter offen bleibt: Konzernchef Elon Musk kündigte vergangene Woche auf der Plattform X an, dass das System ab dem 14. Februar nicht mehr zum Kauf angeboten werde – verfügbar ist es künftig nur noch gegen eine monatliche Gebühr.
Die US-Kundschaft konnte bislang wählen zwischen einer Einmalzahlung von 8000 US-Dollar oder einem Abonnement für 99 Dollar pro Monat. In der Schweiz ist FSD derzeit nicht zugelassen, wird aber mit 7300 Franken im Konfigurator geführt.
Die Software soll beim Spurwechsel unterstützen, Verkehrszeichen erkennen und sich auch im Stadtverkehr zurechtfinden – sie ersetzt jedoch nicht den Fahrer, der weiterhin aufmerksam bleiben und jederzeit eingreifen können muss.
Warum tut Tesla das?
Tesla nannte keine Details zu den Hintergründen der Umstellung. Musk erklärte lediglich: «Tesla wird den Verkauf von FSD nach dem 14. Februar einstellen. Danach wird es nur noch als monatliches Abonnement verfügbar sein.»
Beobachter verweisen auf eine strategische Neuausrichtung: Mit stabilen Abo-Einnahmen könnte Tesla angesichts sinkender Margen, wachsender Konkurrenz und rückläufiger Verkaufszahlen zusätzliche Liquidität generieren.
Dass Musks Vergütung von bis zu einer Billion US-Dollar teilweise an das Wachstum des FSD-Geschäfts gekoppelt ist, dürfte ebenfalls eine Rolle spielen. In seinem von Aktionären gebilligten Mega-Bonuspaket ist unter anderem vorgesehen, die Zahl von zehn Millionen aktiven FSD-Abos zu erreichen.
Und hier bei uns?
In Europa ist FSD seit Jahren angekündigt und mehrfach verschoben worden. Im Herbst 2024 stellte Tesla einen Start für das erste Quartal 2025 in Aussicht. Später war nur noch von «einigen Monaten» die Rede. Zuletzt wurde ein möglicher Start im Februar 2026 ins Spiel gebracht – gestützt auf Gespräche mit der niederländischen Zulassungsbehörde RDW.
Konkreter wurde es bislang nicht. Zwar fanden im Spätherbst 2025 erste Demo-Fahrten mit «FSD Supervised» in mehreren europäischen Städten statt – allerdings nur mit Tesla-Mitarbeitern am Steuer und Kunden auf dem Beifahrersitz. Die eigentliche Zulassung steht weiter aus.
Ein RDW-Sprecher betonte, dass Tesla zunächst nachweisen müsse, dass FSD alle Vorschriften erfüllt. Erst dann könne ein Antrag auf Ausnahmegenehmigung für die EU gestellt werden. Und auch dieser gilt nur, wenn ein Ausschuss auf EU-Ebene zustimmt.
Ärger bei Frühzahlern
Unklar ist, was die Umstellung auf das Abomodell für jene Tesla-Kundinnen und -kunden bedeutet, die FSD in Europa bereits gekauft haben. Viele von ihnen haben das Paket schon vor Jahren bezahlt – und bis heute keine Möglichkeit gehabt, es zu nutzen. Ob sie künftig ohne Zusatzkosten auf die Funktionen zugreifen dürfen, sobald FSD startet, oder ebenfalls ein Abo benötigen, hat Tesla bislang nicht beantwortet.
Warum ist die Tesla-Technik umstritten?
Ein System unter Beobachtung
Auch in den USA ist FSD nicht unumstritten. Behörden prüfen, ob Tesla die Fähigkeiten des Systems in der Vergangenheit übertrieben dargestellt hat. In Kalifornien droht eine temporäre Aussetzung der Verkaufslizenz.
Musk selbst räumte bereits ein, dass ältere Fahrzeuge womöglich nachgerüstet werden müssen, um mit FSD kompatibel zu bleiben. «Das wird schmerzhaft und schwierig, aber wir werden es tun», sagte er Anfang 2025 – und ergänzte, er sei im Nachhinein froh, dass nicht mehr Kunden das Paket gekauft hätten. Effektiv entscheidet sich auch in den USA nur ein sehr geringer Teil der Tesla-Kunden für das FSD-Paket, obwohl Tesla den Preis von 15'000 auf 8000 Dollar senkte.
Tesla verfolgt beim autonomen Fahren einen eigenen Ansatz. Anders als viele Wettbewerber setzt der Konzern ausschliesslich auf Kameras und Künstliche Intelligenz – ohne Radar, Lidar (Laser) oder HD-Karten. Der Konzern spricht von einem «Vision Only»-System, das sich an der menschlichen Wahrnehmung orientiert.
Das US-Unternehmen trainiert die neuronalen Netze, die es für FSD einsetzt, mit Videomaterial aus der weltweit fahrenden Flotte – mittlerweile über sechs Millionen Fahrzeuge, die laut Tesla zusammen Milliarden Kilometer im Strassenverkehr zurückgelegt haben.
Was tut die Konkurrenz?
Der amerikanische Chip-Gigant Nvidia hat Anfang Januar eine Open-Source-KI für autonomes Fahren vorgestellt. Geplant ist ein Robotaxi-Dienst, aber auch Privatfahrzeuge sollen die Technologie nutzen können. Damit tritt Nvidia in direkte Konkurrenz zu Tesla. Elon Musk versucht FSD seit Jahren anderen Autoherstellern anzubieten. Die sind bislang aber wenig interessiert, da es sich um eine proprietäre Software von Tesla handelt. Tesla hätte also die alleinige Kontrolle über die FSD-Entwicklung und jeder Autohersteller, der auf FSD setzt, würde sich von Tesla abhängig machen.
Grosse Hersteller wie VW haben deshalb ihre eigenen fortschrittlichen Assistenzsysteme entwickelt, die automatisch Lichtsignale erkennen, also automatisch vor einer roten Ampel halten.
Auch selbstfahrenden Elektrotaxis von VW sind in mehreren europäischen Städten unterwegs und sollen in Kooperation mit Uber ab diesem Jahr auch in den USA an den Start gehen.
Das E-Auto-Startup-Startup Rivian wiederum greift Tesla mit günstigen Preisen für autonomes Fahren an. VW-Partner Rivian will Fahrzeuge seiner nächsten Generation zu selbstfahrenden Autos (Level 4, vollautomatisiertes Fahren) machen. Die Firma plant die Autopilot-Funktion für eine einmalige Zahlung von 2500 Dollar oder im Abonnement für rund 50 Dollar pro Monat zur Verfügung stellen.
In China bieten erste Autohersteller wie BYD fortschrittliche Assistenzsysteme bereits ohne Aufpreis an.

