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1,5 Milliarden User ohne besseren Datenschutz – wie Facebook vor der EU flüchtet



Die Nachrichtenagentur Reuters liess am Donnerstagmorgen eine Bombe platzen: Facebook wolle 1,5 Milliarden User dem Schutz der strengeren Datenschutz-Bestimmungen entziehen, die Ende Mai in der Europäischen Union (EU) in Kraft treten.

Betroffen seien alle Facebook-User in Afrika, Asien, Australien und Lateinamerika.

Im Moment haben alle Facebook-User ausserhalb der USA und Kanada ihre Nutzungsbedingungen mit dem internationalen Hauptsitz von Facebook in Irland vereinbart. Somit wären sie automatisch von der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) betroffen gewesen. Sie verschärft für Unternehmen die Regeln bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und setzt strengere Datenschutzstandards durch.

Für Facebook anscheinend ein zu grosses Risiko.

In this Aprill 11, 2018, photo, Facebook CEO Mark Zuckerberg arrives to testify before a House Energy and Commerce hearing on Capitol Hill in Washington, about the use of Facebook data to target American voters in the 2016 election and data privacy. (AP Photo/Andrew Harnik)

Facebook-CEO Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress. Bild: AP/AP

Unternehmen, die gegen die DSGVO verstossen, drohen in Zukunft Geldstrafen, die bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes ausmachen können. In Facebooks Fall könnte dies Milliarden von Dollar bedeuten, heisst es im Bericht.

Präzisierung: Die Geldstrafen können maximal 20 Millionen Euro betragen oder bis zu 4 Prozent des gesamten weltweit erzielten Jahresumsatzes im vorangegangenen Geschäftsjahr. Und zwar «je nachdem, welcher der Beträge höher ist» (DSGVO).

Facebook habe die geplante Änderung der Nutzungsbedingungen bestätigt, schreibt Reuters. Gleichzeitig versuche das Unternehmen, die Bedeutung herunterzuspielen. Man plane, die strengeren Datenschutzkontrollen und -einstellungen, die Europa erhalte, auch für den Rest der Welt verfügbar zu machen.

In der Praxis bedeutet die Änderung aber, dass die 1,5 Milliarden betroffenen Nutzer keine Beschwerden beim irischen Datenschutzbeauftragten oder bei irischen Gerichten einreichen können. Stattdessen würden ihre Rechte durch nachgiebigere US-Datenschutzgesetze geregelt, sagte Michael Veale, ein Technologiepolitikforscher am University College London.

(dsc)

Die absurdesten Fake-Freundschaftsanfragen auf Facebook

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Video: srf/SDA SRF

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • G. Schmidt 20.04.2018 13:48
    Highlight Highlight Na ja, wer in diesen Teilen der Welt war, weiss dass der Datenschutz dort inexistent ist.
    Nun Facebook die Schuld zu schieben ist schwach.
  • aglio e olio 19.04.2018 13:03
    Highlight Highlight "Man plane, die strengeren Datenschutzkontrollen und -einstellungen, die Europa erhalte, auch für den Rest der Welt verfügbar zu machen."

    Dann könnten sie es ja so lassen wie es ist. Wozu der Aufwand? Wird da etwa "geflunkert"?
  • ChiliForever 19.04.2018 10:08
    Highlight Highlight Eine Welt stürzt für mich zusammen....
    Das macht Facebook??? DAS Facebook, das noch am Anfang dieser Woche großflächig in deutschen Zeitungen Werbungen gemacht hat für DSGVO und wie toll Datenschutz doch ist? Also Sachen gibt's, wer hätte diese 180°-Wende nur wegen des Geldes erwartet? Von Facebook???





    Ich bin bestürzt .... ;-)
  • marcog 19.04.2018 09:04
    Highlight Highlight Auch sehenswert zu dem Thema ist der Vortrag von Max Schrems am CCC zu safe harbor,
    https://media.ccc.de/v/32c3-7513-safe_harbor
  • N. Y. P. D. 19.04.2018 08:11
    Highlight Highlight Facebook zeigt sein wahres Gesicht.

    Auch die Hearings vor den Ausschüssen im Kongress waren für die Katz. Die alten (ich habe nicht dementen geschrieben) Herren kannten ja nicht mal den Unterschied zwischen www und @.

    Facebook braucht jetzt den Tarif erklärt. Die EU hat bei mir viel Respekt gewonnen mit dieser Causa Datenschutz.
  • Ökonometriker 19.04.2018 08:06
    Highlight Highlight Die Busse wurde aus unerfindlichen Gründen bei 20 Millionen Euro gedeckelt. Damit ist das Risiko für Facebook eng begrenzt.
    • Saftladen 19.04.2018 08:39
      Highlight Highlight Stimmt nicht, denn die Busse kann *pro Vergehen* 20 Millionen ODER 4% des weltweiten Jahreseinkommens betragen. Der höhere Wert hat hier Gültigkeit, was beim Jahresumsatz von Facebook ganz schön schmerzhaft werden könnte. Ich finde es gut, dass die EU endlich hinsteht und die Daten ihrer Bürger schützt.

      Leider hat die Schweiz das Strafmass bei einer Verletzung des Datenschutzes für Schweizer Daten so stark reduziert, dass unsere Schweizer Nutzerdaten von Datenkraken nur als "nicht schützenswert" angeschaut werden können. Das sendet die absolut falschen Signale!
    • Maranothar 19.04.2018 09:06
      Highlight Highlight So unerfindlich sind die Gründe gar nicht.
    • Masche 19.04.2018 09:25
      Highlight Highlight Falsch, im Datenschutzgesetz heisst es für Firmen (Facebook ist eine Firma) jeweils: „je nachdem, welcher der Beträge höher ist“. Also entweder bis 4% oder 20 Mio €, je nach Höhe und Verschulden. Bei Facebook wird es wohl eher bis 4% sein.
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