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FILE - In this Oct. 15, 2013, file photo, Chuck Goolsbee, site director for Facebook's Prineville data centers, shows the computer servers that store users' photos and other data, at the Facebook site in Prineville, Ore. Facebook announced it will build two more buildings at its data center outside the Central Oregon town, growing it to the size of 66 football fields. The California social media company said Thursday, Sept. 20, 2018, it expects the expansion to come online in 2020. (AP Photo/The Bulletin, Andy Tullis, File)

Ein Facebook-Rechenzentrum: Hier lagert das Wertvollste des US-Konzerns. Bild: AP/The Bulletin

So verdient Facebook mit «Schatten-Kontaktdaten» viel Geld

Wir wissen, dass Facebook die Adressbücher seiner User scannt. Eine wissenschaftliche Studie zeigt nun, wie der Datenkrake «Schatten-Kontaktdaten» für gezielte Werbung nutzt.



«Die Menschen sind zunehmend paranoid wegen der gruseligen Genauigkeit der Werbung, die sie online sehen.»

Kashmir Hill, Journalistin

Worum geht's?

Wer hat's enthüllt?

Die australische Tech-Journalistin Kashmir Hill hat das Problem publik gemacht. Sie recherchiert seit Jahren über die «Schattenprofile» von Facebook (siehe Box unten). Ihr aktueller Artikel bezieht sich auf eine Reihe von Tests, die Forscher von zwei amerikanischen Privat-Universitäten durchgeführt haben.

Bild

screenshot: gizmodo

Hill schreibt von «Schatten-Kontaktinformationen» und meint damit die bei Facebook gespeicherten Kontaktdaten, auf die die User nicht zugreifen, bzw. die sie nicht sperren können.

Die wissenschaftliche Studie mit dem Titel «Investigating sources of PII used in Facebook’s targeted advertising» ist hier als PDF-Dokument verfügbar.

Wie macht sich das für Betroffene bemerkbar?

Hill erklärt die Problematik, die die Forscher mit einem Experiment untersucht haben, anhand eines Beispiels:

Wer profitiert?

Facebook kassiert Geld für gezielte Werbung, sogenanntes Anzeigen-Targeting.

Die Werbetreibenden können die gewünschten Zielgruppen erreichen und effizienter werben, wie Hill in ihrem Artikel beschreibt:

Was ist daran schlimm?

Das kommt auf die Perspektive an.

Viele User sind sich der Problematik überhaupt nicht bewusst (siehe weiter unten). Ausserdem hielt sich Facebook bedeckt, was die «Schatten-Kontaktinformationen» betrifft.

Kashmir Hill schreibt:

«Ich habe seit fast einem Jahr versucht, Facebook dazu zu bringen, Schatten-Kontaktinformationen an die Nutzer weiterzugeben. Aber man hat es sogar abgelehnt, diese Schattendaten an Benutzer in Europa weiterzugeben, wo das Datenschutzrecht stärker ist und die Unternehmen ausdrücklich verpflichtet sind, den Benutzern mitzuteilen, welche Daten sie über sie haben.»

quelle: gizmodo.com.au

Wie Spiegel Online schreibt, bräuchte es eine Nutzerbeschwerde bei einer europäischen Datenschutzbehörde, um die Rechtsklage in der EU zu klären. Dies ermöglicht die seit April geltende neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Was sagt Facebook?

Der US-Konzern hat die Erkenntnisse der Forscher nicht bestritten, sondern verteidigt das Vorgehen und argumentiert seinerseits mit dem Schutz der Privatsphäre:

«Die Leute besitzen ihre Adressbücher. Wir verstehen, dass dies in einigen Fällen bedeuten kann, dass eine andere Person möglicherweise nicht in der Lage ist, die Kontaktinformationen zu kontrollieren, die jemand anderes über sie hochlädt.»

Facebook-Sprecher quelle: gizmodo

In den Facebook-Einstellungen («Werbepräferenzen») werden die Werbetreibenden aufgelistet, die entsprechende Anzeigen schalten. Facebook schreibt dazu:

«Diese Werbetreibenden schalten Anzeigen mithilfe einer hochgeladenen Kontaktliste, die Kontaktdaten von dir enthält. Diese Daten wurden in der Regel von dem Werbetreibenden gesammelt, nachdem du deine E-Mail-Adresse mit ihm oder einem seiner Partnerunternehmen geteilt hast.»

Auf einer verlinkten Support-Seite heisst es:

Bild

screenshot: facebook

Facebook-User können die Anzeigen von Unternehmen generell «verbergen» in den Werbepräferenzen. Doch gelöscht werden die Schatten-Kontaktdaten dadurch nicht.

Mehr Transparenz gefordert

Die User hätten den Nutzungsbedingungen zugestimmt und wüssten Bescheid, argumentiert der Social-Media-Konzern und verweist auf einen Beitrag im Firmenblog vom April.

Der Bostoner Professor Alan Mislove, der ebenfalls an der Studie beteiligt war, fordert, dass die User besser darüber informiert werden müssten, wie gezielte Werbung funktioniere.

«Ich denke, dass viele Benutzer nicht ganz verstehen, wie Anzeigen-Targeting heute funktioniert: dass Werbetreibende buchstäblich genau angeben können, welche Benutzer ihre Anzeigen sehen sollen, indem sie die E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Namen und Geburtsdaten der Benutzer hochladen, etc.»

Als er das Vorgehen Kollegen beschrieben habe, seien viele Informatiker überrascht gewesen. Und noch mehr überrascht habe sie, dass nicht nur Facebook dies so anbiete, sondern auch Google, Pinterest, Twitter und verwandte Dienste.

Fazit: Es brauche mehr Aufklärung und Transparenz seitens der Unternehmen. Das nötige Geld ist vorhanden ...

Schattenprofile?

Gemeint sind alle Daten und Informationen, die Facebook über Internet-Nutzer speichert, auf die aber nur der US-Konzern selbst zugreifen kann. Mark Zuckerberg hat bei Anhörungen so getan, als erstellte sein Unternehmen keine Schattenprofile. Doch gibt's dafür eindeutige Belege. Und laut einer Studie von Cliqz und Ghostery wird ein Drittel des weltweiten Internetverkehrs von Facebook-Trackern überwacht.

Die Existenz solcher Schattenprofile ist seit 2011 bekannt. Der österreichische Datenschutz-Aktivist Max Schrems beschrieb  die Methode in einer Beschwerde an die irische Datenschutzbehörde. Im engeren Sinn umfassen Schattenprofile nur die von Facebook «heimlich» gespeicherten Informationen über Personen, die gar nicht als Mitglied registriert sind. Im weiteren Sinn betreffen «Schattenprofile» auch alle Facebook-Mitglieder. Und darum geht's im Artikel.

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