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Quest 3, Meta AI: So will der Meta-Konzern ChatGPT und Apple ausstechen

Attendees try the Meta Quest 3 in a demonstration room at the Connect developer conference, Wednesday, Sept. 27, 2023, in Menlo Park, Calif. (AP Photo/Godofredo A. V
Der Facebook-Konzern Meta hat an seiner «Connect»-Entwicklerkonferenz am Mittwochabend unter anderem die neue VR-Brille «Quest 3» vorgestellt. Bild: keystone

Mit diesen neuen Produkten will der Facebook-Konzern ChatGPT und Apple ausstechen

Mark Zuckerberg investiert massiv in KI-Chatbots. Und die neue Spezialbrille «Quest 3» soll eine bezahlbare Alternative zu Apples «Vision Pro» sein. Ein bekannter Analyst ordnet ein.
28.09.2023, 09:1228.09.2023, 15:51
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Mit dem Chatbot ChatGPT trat OpenAI ein Wettrüsten der Tech-Schwergewichte bei Künstlicher Intelligenz (KI) los. Jetzt wird mehr KI-Software in Apps des Facebook-Konzerns Meta integriert, unter anderem auch in Instagram.

KI werde verändern, wie Menschen die meisten Produkte von Meta nutzen, sagte Gründer Mark Zuckerberg an der «Connect»-Entwicklerkonferenz am Mittwochabend.

Der Techmilliardär will mit dem eigenen KI-Chatbot «Meta AI» und weiteren KI-Anwendungen punkten. Er stellte unter anderem auch eine Software vor, die auf Knopfdruck originelle Bilder aus Text-Vorgaben generieren soll.

Ausserdem versucht der Facebook-Konzern mit neuer Hardware in Konkurrenz zu Apple zu treten. Und zwar mit der bezahlbaren Mixed-Reality-Brille «Quest 3». Allerdings liegt diese gemäss ersten Einschätzungen technisch zurück.

Was hat Meta bezüglich generativer KI vorgestellt?

Drei neue KI-Technologien, die in die wichtigsten Apps des Meta-Konzerns integriert werden sollen:

  • Meta AI ist ein einfacher Frage-und-Antwort-Chatbot, der auf dem frei verfügbaren Sprachmodell Llama 2 basiert und dank einer Partnerschaft mit Microsoft und der Bing-Suche auf Echtzeitinformationen zugreifen kann. Der KI-Chatbot soll in den Facebook Messenger, Instagram-Chats und eventuell WhatsApp integriert werden.
  • Der KI-Bildgenerator EMU (oder Expressive Media Universe) ähnelt DALL-E und Midjourney. Die Nutzerinnen und Nutzer können EMU ein beliebiges Bild vorgeben, z. B. «Astronaut unter Wasser», und erhalten ein KI-Bild zurück. Mit EMU soll aber auch Bildbearbeitung innerhalb von Instagram möglich sein. Die User können EMU verwenden, um ihre Fotos zu bearbeiten, indem sie entsprechende Eingabeaufforderungen («Prompts») machen.
  • Schliesslich bringt Meta mehrere von US-Prominenten unterstützte KI-Assistenten auf den Markt. Die Nutzerinnen und Nutzer sollen demnach mit Chatbots interagieren, die auf verschiedene Themen und Wissensbereiche spezialisiert sind. Prominente leihen ihre Gesichter dafür – etwa der US-Football-Star Tom Brady für einen Bot zu Sport-Themen.

Die Idee dahinter sei, den Usern eine Möglichkeit zu geben, auf interaktive Weise ihren Interessen nachzugehen, sagte Meta-Produktchef Chris Cox. Im «AI Studio» sollen Unternehmen eigene Künstliche Intelligenzen entwickeln können. Auch Prominente könnten mit der Zeit KI-Versionen von sich auf die Plattform bringen, so Cox.

Die «Connect»-Keynote im zehnminütigen Video (auf Englisch):

Was soll das bringen?

Künstliche Intelligenz werde verändern, wie Menschen die meisten Produkte von Meta nutzen, sagt Zuckerberg. Zum US-Konzern gehören unter anderem auch Instagram sowie die Chatdienste WhatsApp und Facebook Messenger.

Produktchef Cox räumte zugleich ein, dass für die meisten Menschen KI-Anwendungen noch nicht zu einem festen Bestandteil ihres Alltags geworden seien. «Sie sind definitiv interessant, aber wir haben noch nichts gesehen, was tagtäglich nützlich wäre, wie etwa WhatsApp, E-Mail oder die Kamera.» Er könne sich aber vorstellen, dass KI zum Beispiel beim Erlernen neuer Sprachen sehr hilfreich sein könnte.

Meta könne Risiken, die KI mit sich bringe, im Griff behalten, sagte Technik-Chef Andrew Bosworth. Es sei für Akteure mit bösen Absichten zwar nicht schwierig, einen übergriffigen Chatbot zu kontrollieren. «Aber wir kontrollieren immer noch den Zugang der Accounts zur Plattform.»

Da KI-Software manchmal unerwartete und problematische Inhalte erzeugen kann, werde sich Meta mehr Zeit mit der Einführung solcher Funktionen lassen als sonst üblich.

Was hat es mit der neuen VR-Brille auf sich?

An attendee tries the Meta Quest 3 in a demonstration room at the Connect developer conference, Wednesday, Sept. 27, 2023, in Menlo Park, Calif. (AP Photo/Godofredo A. V�squez)
Die Meta Quest 3.Bild: keystone

Das wichtigste neue Meta-Produkt ist eine VR-Brille, die reale Umgebung und digitale Inhalte enger miteinander verknüpfen soll. Das Gerät mit dem Namen Quest 3 nimmt mit Kameras den Raum auf und stellt ihn dreidimensional dar. Danach kann man für die Nutzerinnen und Nutzer digitale Objekte in die reale Umgebung einbetten. Das können zum Beispiel virtuelle Fotos an der Wand sein – oder ein Portal, über das man in eine andere virtuelle Welt schlüpfen kann.

Die Quest 3 bringt den VR-Pionier Meta stärker in direkte Konkurrenz mit Apple, das mit seiner bald erscheinenden Brille Vision Pro ebenfalls reale und künstliche Welten verschmelzen will. Meta betont jedoch, dass man die Technologie erschwinglicher anbieten wolle: Quest 3 kostet in den USA 499 Dollar, während die Apple-Brille im kommenden Jahr für 3500 Dollar auf den Markt kommen soll.

Er gehe davon aus, dass man mit der Zeit in einem Raum mit genauso vielen digitalen wie realen Objekten interagieren werde, sagte Zuckerberg. Auch zum Beispiel bei Beratungen in Unternehmen dürften an einem Tisch zunehmend Menschen, digitale Avatare von abwesenden Mitarbeitern sowie verschiedene Chatbots sitzen.

Der Alltag bestehe immer mehr aus einer Kombination physischer und digitaler Erlebnisse und eine zentrale Frage sei, wie man sie zusammenbringt. Dies wird auch als «Mixed Reality» bezeichnet, Apple spricht hingegen von «Spatial Computing» (räumliche Datenverarbeitung) und vermeidet auch den von Zuckerberg verwendeten Begriff Metaverse.

Was bietet die neue Smart-Brille?

Meta stellte auch eine neue Version der gemeinsam mit dem Brillenspezialisten Ray-Ban entwickelten Smart-Brille vor. Sie kann Bilder und Videos aufnehmen – und der KI-Chatbot Meta AI kann über winzige Lautsprecher Fragen von Nutzerinnen und Nutzern beantworten. So kann man die Brille etwa fragen, auf was für ein Bauwerk man gerade blickt.

Am attendee tries a pair of Ray-Ban Meta smart glasses at Meta's Connect developer conference, Wednesday, Sept. 27, 2023, in Menlo Park, Calif. (AP Photo/Godofredo A. V�squez)
Diese Smart-Brille mit integrierter Kamera bringen Meta und Ray-Ban heraus.Bild: keystone

Wenn man die Brille bittet, ein Foto an einen Freund zu schicken, macht sie eine Aufnahme und versendet sie über die üblich verwendete Messaging-App. Auf Wunsch kann die Software auch automatisch einen Text zu einem gerade aufgenommenen Instagram-Video schreiben.

Die Brille wird gemäss Ankündigung 299 Dollar kosten und soll ab dem 17. Oktober verkauft werden.

Die beiden Unternehmen hatten 2021 die erste Version der Smart-Brille lanciert, die fotografieren und filmen kann. Damit sollte getestet werden, ob Menschen es akzeptieren, überall gefilmt zu werden. Bekanntlich hatte die Videobrille Google Glass nach der Präsentation 2012 für massive Datenschutz-Bedenken gesorgt und war schliesslich gefloppt.

Bringt's das für Meta?

Der bekannte US-Analyst und Big-Tech-Kenner Gene Munster gab nach der Präsentation der neuen Meta-Produkte eine Einschätzung zu den Marktchancen ab:

  • Auch wenn Meta mit der Quest 3 Zuckerbergs Vision des Metaverse langsam vorantreibe und dies zu einem Preis, den sich mehr Menschen leisten können, rechne er mit bescheidenen Verkaufszahlen, so Munster.
  • Meta und Apple hätten «eine gemeinsame Vision von der nächsten Computerplattform». Das einzige Problem für Meta sei, dass Apples Vision Pro in technischer Hinsicht überlegen sei.
«Die schlechte Nachricht ist, dass sie [Meta] in Sachen ‹Immersive Computing› weit hinter Apple zurückliegen. Die gute Nachricht ist, dass die neuen KI-Funktionen das Engagement auf Instagram steigern werden.»
Gene Munster, Deepwater Asset Management
  • Was die künstliche Intelligenz betreffe, so werde Meta damit beginnen, sie in Apps wie Instagram zu integrieren, und neue eigenständige KI-Apps auf den Markt bringen. Munster meint, es werde gelingen, das Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten zu wecken. Es werde ein breites Publikum mit vielfältigen Interessen angesprochen, von Kochen bis zu mittelalterlichen Rollenspielen.
  • Die neue Smart-Brille werde sich nicht gut verkaufen, da der Nutzen begrenzt sei und das Gerät an die Snapchat-Brille («Spectacles») erinnere, die 2017 herauskam.

Zuckerberg setzt schon lange auf virtuelle Welten. Er liess den Facebook-Konzern in Meta umbenennen, um den Fokus auf die virtuelle Umgebung, das «Metaverse», zu unterstreichen.

Zugleich verschlingt die Entwicklung Quartal für Quartal Milliarden Dollar – während die Technologie noch immer keinen Massenmarkt eroberte. Allein im ersten Halbjahr 2023 verbuchte die Sparte Reality Labs einen operativen Verlust von 7,7 Milliarden Dollar.

Es seien jedoch Investitionen, die sich am Ende auszahlen würden, zeigte sich Technik-Chef Andrew Bosworth überzeugt. «Man kann an den Zahlen in den Quartalsberichten ablesen, wie sicher wir uns darüber sind.»

Quellen

Material der Nachrichtenagentur Keystone-SDA

(dsc)

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