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Olaf Swantee, CEO Sunrise, preasentiert die neue 5G-Technologie beim Standort Oerlikon am Tag vor dem eigentlichen Medienevent am Dienstag, 26. Juni 2018, in Zuerich. (PPR/Aladin Klieber)

Heute ist kein «Sunny Day» für Sunrise-Chef Olaf Swantee. Bild: PPR

Sunrise-Chef spricht Klartext: Die UPC-Übernahme «ist tot» – das hat Folgen für die Kunden

Nach dem Scheitern des milliardenschweren Kaufs von UPC macht Sunrise alleine weiter. Doch auch für die Kunden hat der geplatzte Deal Folgen: Eine schlagkräftige Alternative zu Swisscom lässt nun lange auf sich warten.



Apocalypse now für die Sunrise-Spitze: Die geplante Übernahme von UPC «ist tot». Es gebe keine weiteren Verhandlungen mehr mit UPC-Besitzerin Liberty Global, sagte Sunrise-Chef Olaf Swantee am Dienstag im Gespräch mit den Nachrichtenagenturen AWP und Bloomberg.

Der geplante UPC-Kauf für 6.3 Milliarden Franken ist somit in letzter Minute geplatzt. Der Widerstand der Sunrise-Aktionäre ist zu gross geworden. Sunrise werde nicht mehr versuchen, die UPC-Besitzerin noch zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen. Deshalb hat Sunrise die ausserordentliche Generalversammlung, auf der über die Finanzierung des Deals abgestimmt worden wäre, einen Tag vor deren Austragung abgesagt. Damit ist die grösste Übernahme der Schweizer Telekomgeschichte gescheitert.

Grund sei, dass eine deutliche Mehrheit der Aktionäre, die sich für die GV registriert haben, die zum Kauf nötige Kapitalerhöhung von 2.8 Milliarden Franken ablehne, schrieb Sunrise am Dienstag in einem Communiqué. Das Nein-Lager sei «klar grösser als 50 Prozent», sagte Finanzchef André Krause im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP, ohne genaue Zahlen zu nennen.

Schlagkräftige Alternative zu Swisscom fehlt

Damit ist ein erneuter Versuch in die Hose gegangen, im Schweizer Telekommarkt einen stärkeren Herausforderer für Branchenprimus Swisscom zu bilden. Die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) untersagte vor neun Jahren die geplante Fusion von Sunrise und Orange. Konsumenten müssen somit weiter auf eine schlagkräftige Alternative zu Swisscom warten.

Sunrise (primär Mobilfunk und Festnetz) und UPC (primär TV und Internet) hätten sich gut ergänzt und den Kunden ein attraktives TV-, Internet- sowie Mobil- und Festnetz-Angebot aus einer Hand offerieren können. Anders gesagt: Mit der Übernahme von UPC hätte Sunrise den Marktführer in allen Geschäftsbereichen angreifen können. Konkret hätte Sunrise mit dem Deal Zugang zum umfassenden Kabelnetz von UPC erhalten – und so ihre Abhängigkeit von Swisscom reduziert. Nun muss Sunrise weiter den Zugang zum schnellen Glasfasernetz für Breitband-Internet bei Swisscom mieten.

Ob eine grössere Sunrise die dominante Marktführerin Swisscom wirklich hätte unter Druck setzen können, bleibt ungewiss. Wären nur noch drei statt vier grosse Telekomfirmen (Swisscom, Sunrise, UPC und Salt) auf dem Markt gewesen, hätte dies den Wettbewerb auch hemmen können, was steigende Preise erwarten lässt.

Für Sunrise-Kunden hat das Scheitern Folgen

Auf die aktuellen Abos von UPC und Sunrise dürfte der heutige Tag keine sofortigen Auswirkungen haben, mittelfristig indes schon:

UPC versorgt seit einigen Wochen ihr ganzes Gebiet, also grosse Teile der Schweiz, mit Highspeed-Internet von maximal 1 Gigabit pro Sekunde. In Regionen ohne Glasfaserabdeckung hätten Sunrise-Kunden voraussichtlich von diesem neuen, schnelleren Gigabit-Netz der UPC profitiert.

Kommt hinzu: UPCs TV-Sender Mysports hält die exklusiven Fernsehrechte am Schweizer Eishockey. Sunrise-Kunden hätten sich mit der Übernahme auf die Spiele der Schweizer Eishockeymeisterschaft freuen können.

Sunrise macht alleine weiter

Das Gute sei, dass Sunrise eine sehr starke Standalone-Strategie habe, sagte Konzernchef Swantee: «Die werden wir jetzt weiterhin umsetzen. Es ist enttäuschend, dass wir die Synergien mit UPC nicht umsetzen können, dass wir keine eigene Internetinfrastruktur aufbauen können und dass wir die Kundenbasis nicht auf einen Schlag verdoppeln können. Aber wir haben eine sehr starke Position in allen Marktsegmenten.»

Sein Hauptfokus sei, sich in den nächsten paar Wochen mit dem Managementteam Gedanken zu machen, ob allenfalls noch Anpassungen an der langfristigen Strategie nötig seien, sagte Swantee. «Im Prinzip ist unsere Standalone-Strategie stark und wir werden damit jetzt weiterfahren. Wir werden uns auf unseren Plan für 2020 fokussieren.»

Swantee bleibt – vorerst

Auf die Frage, ob er oder andere Spitzenmanager jetzt das Unternehmen verlassen würden, sagte Swantee: «Es ist wichtig, dass wir jetzt da sind. Unser Fokus ist, die Firma zu stabilisieren und eine langfristige Strategie mit dem Managementteam umzusetzen.»

Allerdings nimmt die Nervosität um personelle Konsequenzen zu: Aktionär AOC vermeldete prompt: «Peter Kurer hat uns in einem Gespräch zugesagt, dass er bei einem Scheitern der Transaktion auch dann zurücktreten wird, wenn er nicht abgewählt werden sollte. Wir erwarten daher, dass er nun die folgerichtigen Konsequenzen zieht und als Verwaltungsratspräsident umgehend zurücktritt.»

Sunrise bestritt das umgehend: «Das dementieren wir. Kurer hat sowohl AOC als auch in Interviews gesagt, er gehe davon aus, dass er bei einer Ablehnung der Kapitalerhöhung abgewählt würde», sagte eine Sprecherin.​

Peter Kurer, neues Mitglied im Verwaltungsrat, posiert an der Bilanzmedienkonferenz ueber das Geschaeftsjahr 2015 der Schweizer Telekomfirma Sunrise, am Donnerstag, 10. Maerz 2016, in Zuerich. Das Telekomunternehmen Sunrise hat im vergangenen Geschaeftsjahr einen Verlust von 113 Millionen Franken geschrieben nach einem Verlust von 115 Millionen im Vorjahr. Hauptgrund dafuer ist der Boersengang. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Sunrise-Präsident Peter Kurer hat sich verspekuliert. Bild: KEYSTONE

Der deutsche Sunrise-Grossaktionär Freenet zeigt sich über die Absage des Kaufs von UPC erfreut. Personelle Konsequenzen aus dem Debakel für die Sunrise-Spitze forderte Freenet-Chef Christoph Vilanek keine: «Dazu ist jetzt nicht der Zeitpunkt. Jetzt muss Sunrise wieder Fahrt aufnehmen. Dazu braucht man die besten operativen Leute.» Über allfällige personelle Änderungen könne man sich unterhalten, wenn es in Richtung ordentliche Generalversammlung im nächsten Jahr gehe.

Millionenkosten für Scherbenhaufen

Die Kosten des Scherbenhaufens wollte Finanzchef Krause nicht beziffern: Man habe eine Abbruchsgebühr von 50 Millionen vereinbart, die fällig werde, wenn der Vertrag beendet werde. «Darüber hinaus sind Finanzierungs-, Beratungs- und Integrationskosten entstanden, die wir im Moment noch nicht abschliessend benennen können.»

Diese Kosten hätten aber nicht die Grössenordnung, dass die Finanzlage von Sunrise in irgendeiner Form negativ beeinträchtigt würde, sagte Krause: «Wir haben Cash auf der Bilanz, auch durch die günstiger als erwartet ausgefallene 5G-Auktion, so dass wir hier im sicheren Bereich sind.»

Darum platzte der Deal

Eine gewichtige Rolle für das Scheitern des UPC-Kaufs habe die Nein-Empfehlung des einflussreichen amerikanischen Stimmrechtsberaters ISS gehabt, sagte Swantee. Die Ablehnung der Kapitalerhöhung durch ISS habe den Trend verändert. «Das hat damit zu tun, dass viele passive Investoren den Empfehlungen der Stimmrechtsberater folgen. Wir hatten zwar die drei Stimmrechtsberater Glass Lewis, Ethos und zRating hinter uns, aber ISS hat sehr viel Bedeutung und ist sehr gross», sagte der Sunrise-Chef.

ISS habe die Nein-Empfehlung aufgrund eines Berichts abgegeben, der gravierende Fehler enthalten habe. Zwar habe ISS auf Intervention von Sunrise Fehler in dem Bericht korrigiert, aber die Empfehlung nicht geändert, sagte Swantee: Und die passiven Investoren würden halt weniger die Details im Bericht anschauen, sondern der Empfehlung folgen.

Freenet an Spitze des Widerstands

An der Spitze des Widerstands stand der grösste Sunrise-Aktionär, Freenet. Das deutsche Unternehmen, das 24,5 Prozent an Sunrise besitzt, ist nach anfänglicher Skepsis gegenüber dem Deal im August auf Opposition umgeschwenkt. Freenet-Chef Christoph Vilanek kritisierte den Kaufpreis und die dazu nötige Kapitalerhöhung als zu hoch. Auch die Struktur des Deals sei nachteilig für die Sunrise-Aktionäre.

Zudem sah er den strategischen Sinn der Übernahme nicht mehr. Wegen der neuen Mobilfunkgeneration 5G lohne sich der Kauf des UPC-Kabelnetzes für so viel Geld nicht. Dafür 6,3 Milliarden Franken auszugeben, sei «Irrsinn», hatte Vilanek erklärt. Ins selbe Horn stiess der aktivistische Aktionär Active Ownership Capital (AOC).

Vilanek fordert nun die Rückkehr von Sunrise zum Tagesgeschäft. Sunrise solle sich darauf konzentrieren, Marktanteile zu gewinnen und die bisherige Übernahmekandidatin anzugreifen.

UPC hält am Turnaroundplan fest

Nach der gescheiterten Übernahme durch Sunrise macht die Kabelnetzbetreiberin UPC weiter wie bisher. Man halte am Turnaroundplan fest und werde diesen weiterhin umsetzen, erklärte eine UPC-Sprecherin am Dienstag auf Anfrage. Da habe UPC Fortschritte gemacht. So sei die Zahl der Mobilfunkkunden gestiegen. Und der Rückgang bei den TV-Kunden und Internetkunden habe sich verlangsamt.

Anders sieht dies Sunrise-Grossaktionär Freenet. Nach der Vorlage der UPC-Halbjahreszahlen hatte Freenet-Chef Vilanek den Kauf von 6.3 Milliarden Franken durch Sunrise abgelehnt. UPC sei ein fallendes Schwert, hatte er der Nachrichtenagentur AWP gesagt.

Obwohl die Kabelnetzbetreiberin seit Monaten versuche, mit Kampfpreisangeboten für TV, Festnetz, Internet und Mobilfunk neue Kunden zu gewinnen, zeigten die Zahlen nach unten. «Das ist eine traurige Geschichte», sagte Vilanek zum angestrebten UPC-Turnaround. Die angespannte Marktsituation der Kabelnetzbranche und die operative Entwicklung von UPC würden den Kaufpreis von 6.3 Milliarden nicht rechtfertigen.

Wer kauft nun UPC?

UPC-Besitzerin Liberty Global hält sich bedeckt, was sie mit ihrer Schweizer Tochter zu tun gedenkt. Dass Liberty Global jetzt umgehend einen neuen Käufer für UPC sucht, ist der Sunrise-Spitze gemäss eigenen Aussagen nicht bekannt. «Liberty hat keinen Handlungsdruck. Die müssen nicht verkaufen», sagte Krause. Die sässen auf sehr viel Cash aus dem Verkauf von mehreren Töchtern in Europa an Vodafone für über 18 Milliarden Euro. (oli/sda/awp)

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