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Schweizer Lern-App über den Holocaust erhält hohe Auszeichnung

Die Pädagogische Hochschule Luzern wird für die Lern-App «Fliehen vor dem Holocaust» mit dem Worlddidac Award ausgezeichnet.
02.11.2018, 15:09

Es sterben immer mehr Menschen, die die Verbrechen der Nazis noch selber erlebt haben. Fünf Zeitzeugen erzählen nun ihre Fluchtgeschichten in einer interaktiven Schweizer App.

screenshot: watson

Die App «Fliehen vor dem Holocaust» unterstützt Lehrpersonen im deutschsprachigen Raum dabei, ihre Klassen an das schwierige Thema heranzuführen. Die fürs iPhone und Android verfügbare App steht allen Interessierten kostenlos zur Verfügung.

Nun ist die Pädagogische Hochschule (PH) Luzern dafür mit dem Worlddidac Award ausgezeichnet worden – einer der höchsten Auszeichnungen, die es im Bildungsbereich gibt. Der Preis unterstreiche die Pionierrolle der PH bei der digitalen Vermittlung von Lerninhalten, teilte die Hochschule am Freitag mit. 

Fürs Handy und den PC

Die App «Fliehen vor dem Holocaust» gibts für:

Öffentlich verfügbar ist die Anwendung seit dem 8. Mai 2018, dem Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs. Sie wurde bisher rund 5000 Mal heruntergeladen.

Man wolle auch ausserhalb der Schule Jugendliche und andere Interessierte für das Thema gewinnen, sagte Peter Gautschi, Leiter des Instituts Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen, auf Anfrage.

«Digitale Lehrmittel haben ein grosses Potenzial, das aber meist nicht ausgeschöpft wird.»
Peter Gautschi, PH Luzern

Den Einstieg in die App bilden je rund 20-minütige Videos von fünf Flüchtlingen während der Nazizeit. Über sogenannte «Jump Marks» gelangen die Nutzer zu weiteren Dokumenten wie Bilder, Texte oder Karten und können auch Fragen beantworten, etwa mit Gegenwartsbezügen. Daraus entsteht am Ende ein digitales Album, das verschickt oder im Unterricht verglichen werden kann.

Gestern und heute auf der Flucht

Noch nie waren so viele Menschen auf der Flucht wie heute: Gemäss offiziellen Schätzungen sind es 66 Millionen.

«Sie alle haben vorher Schreckliches erlebt, befinden sich jetzt in einer prekären Lage und wissen nicht, wie ihre Zukunft aussehen wird», heisst es auf der Website des Instituts erinnern.at, das an der Entwicklung der App mitgearbeitet hat, wie auch die Fachhochschule Vorarlberg in Dornbirn.

Fliehen mussten die Menschen auch vor der drohenden Vernichtung im Holocaust. Flucht sei also «ein bedrängendes gegenwärtiges und ein historisches Phänomen».

Der Worlddidac Award für «Fliehen vor dem Holocaust» sei der erste Award für ein Projekt, welches das verantwortliche Institut für Geschichtsdidaktik und Erinnerungskulturen der PH Luzern selber leiten konnte, schreibt die «Luzerner Zeitung»

So viel kostete die App

Es seien in den letzten Jahren viele Aufnahmen mit Holocaust-Überlebenden entstanden. Bei den ausgewählten Personen habe man darauf geachtet, verschiedene Länder und Schicksale der Flucht zu berücksichtigen.

Die App minimiere die Vorbereitungszeit für Lehrpersonen, sodass sich diese stärker der Betreuung widmen können, sagte Gautschi.

Finanziert wurde das Projekt unter anderem durch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), das österreichische Bundesministerium für Bildung und durch verschiedene Stiftungen. Rund 110'000 Franken kostete die Entwicklung der App laut Bericht der «Luzerner Zeitung».

Eine französischsprachige Version der App ist in Vorbereitung. Zudem habe man den Antrag für ein Forschungsprojekt gestellt, um die Auswirkung der Art der Vermittlung auf die Schüler zu untersuchen.

(dsc/sda)

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