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Hitlers Geburtshaus ist bald eine Polizeistation – doch das gefällt nicht allen
Die Umbauarbeiten zum Polizeirevier am Geburtshaus von Adolf Hitler in Österreich neigen sich ihrem Ende zu. Doch die neue Nutzung, die unter anderem präventiv gegen Pilgerfahrten von Neonazis dienen soll, stösst weiterhin auf Kritik.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Sibylle Treiblmaier, eine 53-jährige Verwaltungsassistentin, wurde diese Woche in Braunau am Inn von der AFP zur Umwandlung des Gebäudes befragt, das in einer Einkaufsstrasse im Herzen der Kleinstadt nahe der deutschen Grenze liegt.
Auch wenn sie das von der Regierung vorgebrachte Ziel versteht, den Ort zu «neutralisieren», ist sie der Meinung, dass es «möglich gewesen wäre, eine andere Nutzung für das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert zu finden», in dem einer der schlimmsten Verbrecher der Menschheitsgeschichte am 20. April 1889 geboren wurde.
Das österreichische Innenministerium gab kürzlich bekannt, dass die 2023 begonnenen Arbeiten bald abgeschlossen sein würden. In Braunau bringen aktuell noch mehrere Arbeiter die Aussenfensterrahmen an, während der alte gelbe Putz bereits einer neuen, modernen, nun weissen und glatten Eckfassade gewichen ist.
Mit einer Verzögerung von drei Jahren gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan soll alles «bis zum Ende des ersten Quartals» fertiggestellt sein, teilte das Ministerium der AFP mit und fügte hinzu, dass «die Aufnahme des Betriebs dann für das zweite Quartal 2026 vorgesehen ist».
Die Behörden hoffen, dass damit eine lange und heikle Angelegenheit in einem Land abgeschlossen wird, das oft mit der Kritik konfrontiert wird, seine Verantwortung im Holocaust nicht vollständig anerkannt zu haben, und in dem die rechtsextreme FPÖ, gegründet von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern, in den Umfragen erneut an der Spitze liegt. 2024 hatte die Partei die Wahlen gewonnen, brachte aber keine Regierung auf die Reihe.
Ein Magnet für Neonazis
Das Haus, das seit 1912 im Besitz derselben Familie war, wurde seit 1972 vom österreichischen Staat gemietet, der dort ein Zentrum für Behinderte eingerichtet hatte – eine Bevölkerungsgruppe, die dem Dritten Reich zum Opfer fiel. Aber die Adresse zieht regelmässig Neonazis an.
Die letzte Eigentümerin, Gerlinde Pommer, legt ihr Veto gegen jegliche Umgestaltung des Gebäudes ein und kämpft anschliessend mit allen möglichen Rechtsmitteln gegen dessen Enteignung. Es bedurfte der Verabschiedung eines Sondergesetzes, damit 2016 das allgemeine Interesse Vorrang erhielt.
Drei Jahre später bestätigt der Oberste Gerichtshof den Kaufpreis von 810'000 Euro für die 800 m² grosse Fläche, obwohl Pommer 1,5 Millionen Euro gefordert hatte und der Staat 310'000 Euro angeboten hatte. Für die Zukunft des zweistöckigen Gebäudes werden nun mehrere Optionen in Betracht gezogen.
Eine Expertenkommission beschloss, den Ort nicht zu einer Gedenkstätte zu machen, um zu verhindern, dass er zu einem Magneten für Neonazis wird. Ein Abriss kam ebenfalls nicht in Frage, da Österreich sich nach Ansicht der Historiker «seiner Vergangenheit stellen» muss.
Ohne Einstimmigkeit fiel die Entscheidung: Es wird eine Polizeistation sein, um laut Regierung «zu verdeutlichen», dass dort keine Erinnerung an den Nationalsozialismus möglich ist.
Es wurde in der Folge ein Wettbewerb ausgeschrieben. Das ausgewählte Projekt des österreichischen Architekturbüros Marte sieht vor, das Haus mit einem neuen Dach zu erhöhen und es zu vergrössern.
Einer, der die Umnutzung des Gebäudes in eine Polizeistation ebenfalls kritisch sieht, ist Ludwig Laher, Schriftsteller und Mitglied des Komitees Mauthausen Österreich, einer Vereinigung von Überlebenden der Nazi-Konzentrationslager. Er sagt:
Während des Holocaust wurden etwa 65'000 österreichische Juden ermordet und 130'000 ins Exil gezwungen. Lahers Meinung nach wäre es besser gewesen, eine Idee aufzugreifen, die laut ihm «viel Unterstützung gefunden hatte», nämlich die eines Ortes zur Förderung des Pazifismus.
Jasmin Stadler, eine 34-jährige Geschäftsfrau aus Braunau, kritisiert die hohen Kosten des Projekts – 20 Millionen Euro – und meint, es wäre interessant gewesen, über die Geschichte des Gebäudes aufzuklären.
Wolfgang Leithner, ein 57-jähriger Elektroingenieur, ist hingegen der Meinung, dass die Umwandlung in eine Polizeistation «hoffentlich etwas Ruhe» nach Braunau bringen wird, wo die Stadtverwaltung erst letztes Jahr zwei nach Nazis benannte Strassen umbenannt hat. (dal/jza-bg/oaa/mr/afp/con)
