Trump lobt eigene Lese-Skills – doch diese bewahrten ihn nicht vor Zoll-Desaster
Eines von Donald Trumps liebsten Hobbys im teils offenbar langweiligen Alltag eines US-Präsidenten ist es, allerlei interessante Dinge zu erzählen, die ihm gerade so einfallen – vor allem über sich selbst. In Reden schweift er regelmässig ab. Das wirkt dann jedoch nicht ungewollt; Trump gibt sich seiner spontanen Geistesblitze hin und redet einfach drauflos.
So geschah es auch am Freitag, als Trump sich zur kurz zuvor getroffenen Entscheidung des Obersten Gerichts äusserte, einen Grossteil seiner verhängten Zölle für illegal zu erklären.
Trump, für den die Entscheidung eine empfindliche Niederlage bedeutet, kritisierte das Oberste Gericht scharf – erklärte zuvor jedoch, wie gründlich er, ein ausgezeichneter Leser, alle betreffenden Gesetze zu dem Thema gelesen hatte.
«Ich lese wirklich gut. Grossartiges Verständnis»
Als ein Reporter Trump fragte, ob er von der Entscheidung des Obersten Gerichts überrascht worden sei, bejahte Trump zunächst und erklärte dann:
Trump: "I read the paragraphs. I read very well. Great comprehension. I read everything there is to read”
— Republicans against Trump (@RpsAgainstTrump) February 21, 2026
pic.twitter.com/BGqp2PYA5n
Dass Trump sich selbst für mehr oder minder kuriose Fähigkeiten lobt, ist zwar nicht neu. Brisant ist es in diesem Fall insbesondere durch zwei Dinge: Zum einen gab Trump offen zu, dass er die Lage zu den Zöllen falsch eingeschätzt hat, als er sich die betreffenden Gesetze durchlas und zum Ergebnis kam, dass er mit den Zöllen durchkommen wird.
Zum anderen gab es in der Vergangenheit bereits Gerüchte, dass Trump tatsächlich eher über miserable Lesefähigkeiten verfügt.
Kann Trump richtig lesen? Pete Davidson teilte Anekdote
So teilte Comedian Pete Davidson einst in der Sendung «Opie Radio» eine Anekdote aus der gemeinsamen Zeit mit Donald Trump am Set der legendären US-Show «Saturday Night Live». Davidson erklärte zu Anfang, Trump wisse nicht, wie man richtig lese.
Gemerkt habe er das beim gemeinsamen Lesen der Skripte, als Trump bei Sketchen zu Gast in der Show war. Der heutige US-Präsident hätte es schon damals geliebt, zu improvisieren. Daher habe er stets gefragt, ob es okay sei, wenn er die Skripte nicht lese, sondern einfach freestyle.
Für einen bestimmten Sketch hat Trump damals dann anscheinend doch das Skript gelesen – jedoch wohl nicht gut genug. So hat Trump einen Vater gespielt, der mit seiner Tochter Disneyland besucht. Trump habe dem Skript zufolge eigentlich fragen sollen, ob diese Lust auf Truthahnschenkel habe. Stattdessen habe Trump beim Dreh der Szene seine On-Screen-Tochter selbst «Truthahnschenkel» genannt. «Er weiss nicht, wie man richtig liest», erklärte Davidson dazu lachend.
Trump nach Zoll-Entscheidung «mit heruntergelassener Hose»
Die Entscheidung des Obersten Gerichts ist derweil ein herber Schlag für Trump. Das von Trump bemühte Notstandsgesetz von 1977 ermächtige den Präsidenten nicht zur Verhängung von Zöllen, urteilten die Richterinnen und Richter mit einer Mehrheit von sechs zu drei Stimmen. Hierfür sei der Kongress zuständig.
Standesgemäss suchte der US-Präsident die Schuld vor allem bei seinen Gegnern, zu denen nun auch die betreffenden Richterinnen und Richter gehören. Nach dem Urteil attackierte Trump diese verbal: «Ich schäme mich für bestimmte Mitglieder des Gerichts, ich schäme mich wirklich, weil sie nicht den Mut haben, das zu tun, was richtig für unser Land ist», sagte Trump am Freitag bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus.
«Sie sind sehr unpatriotisch und illoyal gegenüber unserer Verfassung», fuhr er fort. Er verspottete sie zudem als «Dummköpfe und Schosshunde».
Trump verhängte im Anschluss an die Entscheidung neue Zölle von weltweit 10 Prozent – die er später in gewohnter Trump-Manier willkürlich auf 15 Prozent erhöhte –, dieses Mal gestützt auf ein Handelsgesetz aus dem Jahr 1974. Dieses erlaubt es unter bestimmten Voraussetzungen, Zölle auf Importe für bis zu 150 Tage zu erheben. Dass diese erfüllt sind, wird von Expertinnen und Experten bereits bezweifelt.
Für Trump ist die Zoll-Entscheidung dennoch eine Klatsche, zumal eine Reise nach China ansteht, bei der es um den Zollstreit zwischen beiden Ländern geht. US-Experte Peter Kleim erklärte gegenüber NTV, Trump fahre dann «mit heruntergelassener Hose» dorthin.
(mit Ergänzungen von jul)
