Australien sperrt Zugang zu beliebtem Touri-Ort Lincoln’s Rock
Nach der Schule nach Australien – das ist für viele der Plan, wenn sie jahrelang auf ihren Abschluss hingearbeitet haben und den Start ins Ausbildungs- oder Berufsleben noch etwas hinauszögern wollen. Aber auch fernab von jungen Rucksack-Touristinnen und -Touristen ist Down Under ein beliebtes Reiseziel. Und wer einmal den Flug auf sich genommen hat, will auch die beliebtesten Orte sehen.
Doch der Hype um bestimmte Spots, angeheizt durch Social Media, bringt nicht nur Vorteile. Ein aktuelles Beispiel dafür ist Lincoln’s Rock in den Blue Mountains, das sich vom ruhigen Geheimtipp zum überlaufenen Hotspot entwickelt hat.
Instagram-Foto einer Sängerin löst Hype aus
Lincoln’s Rock war lange ein ruhiger Ort, doch seit ein Foto der K-Pop-Sängerin Jennie Kim von Blackpink viral gegangen ist, sieht das ganz anders aus. Das Foto, das Jennie 2023 auf Instagram teilte, zeigte sie am Rand der Klippe sitzend, die Beine über den Abgrund baumelnd:
Ein Ferienbeitrag, wie man ihn auf der Plattform massenweise sieht. Durch das Foto der Sängerin ist jedoch ein echter Hype um den australischen Ort entstanden; er bekam Millionen Likes. Zeitweise wurde der Beitrag deaktiviert. Doch zu spät: Täglich strömen Hunderte, manchmal Tausende Besuchende zu Lincoln’s Rock, um das berühmte Bild nachzustellen.
«Sie sind nicht da, um die Aussicht zu geniessen. Sie sind nur da, um sich an diesem Ort fotografieren zu lassen», sagt Graham Reibelt, der seit 45 Jahren in den Blue Mountains lebt und die lokale Tourismus-Website Ask Roz betreibt, gegenüber CNN.
Die plötzliche Popularität hat den kleinen Aussichtspunkt an seine Grenzen gebracht. Die Infrastruktur ist nicht für einen solchen Massentourismus ausgelegt: Die Zufahrtsstrasse ist schmal, es gibt gerade einmal 16 Parkplätze.
Ort schliesst Zugang zum Aussichtspunkt vorübergehend
Der Blue Mountains City Council sah sich deshalb gezwungen, den Zugang zum Aussichtspunkt im vergangenen Monat vorübergehend zu sperren, bis eine langfristige Lösung gefunden wird. Eine Entscheidung, die bei Anwohnenden, Naturschützerinnen und -Schützern und auf den Tourismus angewiesenen Unternehmen zu einer Debatte geführt hat.
Annette Cam von der Blue Mountains Conservation Society unterstützt die Entscheidung des Stadtrats. Sie erklärt, dass dort Pflanzen wachsen, die eine wichtige Nahrungsquelle für Kakadus seien, die den Ort bei zu vielen Menschen aber meiden würden.
Die lokale Wirtschaft bekommt die Schliessung jedoch auf unangenehme Weise zu spüren, denn damit bleiben auch die Kundinnen und Kunden weg. «Die meisten Unternehmen in dieser Stadt leben vom Tourismus», betont Christina Doyle, die in der Nähe einen Kaffeewagen betreibt.
Lincoln’s Rock ist nicht der einzige Ort, der durch Fotos auf Social Media überrannt wird. Massnahmen, um den Ansturm zu begrenzen, wurden schon in anderen Städten ergriffen, zum Beispiel durch Eintrittsgelder wie am Trevi-Brunnen in Rom. In Lincoln’s Rock sind verschiedene Optionen im Gespräch; die Sperrung gefährlicher Abschnitte, begrenzte Zutrittszeiten und eine Tagesobergrenze von Besuchenden.
