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epa09033069 South Korean Prime Minister Chung Sye-kyun (C-L) delivers a speech during a ceremony to mark the first shipment of AstraZeneca's vaccines at South Korean drugmaker SK Bioscience Co. in Andong, South Korea, 24 February 2021, two days ahead of the start of the COVID-19 vaccination of the whole nation. SK Bioscience is a local consignment production contractor of the British-Swedish pharmaceutical giant.  EPA/YONHAP SOUTH KOREA OUT

In diesem Lastwagen befindet sich die erste AstraZeneca-Lieferung in Südkorea. Premierminister Chung Sye-kyun hielt dafür am 24. Februar eine Rede. Bild: keystone

Darum haben China, Japan und Südkorea noch praktisch niemanden geimpft

Die asiatischen Wirtschaftsmächte China, Südkorea und Japan bekämpften die Coronapandemie resolut und erfolgreich. Doch mit der Impfung – und damit langfristigen Öffnungen – wartete man lange. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.



In China brach das Coronavirus aus, Südkorea und der asiatische Raum waren danach am schnellsten ebenfalls betroffen. Aber die Länder ergriffen drastische Massnahmen. So konnte die Pandemie weitestgehend unter Kontrolle gehalten werden.

Von den drei grossen Wirtschaftsmächten China, Südkorea und Japan verzeichnete einzig Letztgenannte im Januar eine wirklich nennenswerte dritte Welle. Doch auch in Japan halten sich die bisherigen fast 8000 Todesfälle bei rund 126 Millionen in Grenzen. Die Schweiz weist über 1000 mehr aus – bei rund 16-mal weniger Einwohnern.

Die täglichen Neuinfektionen im 7-Tagesschnitt pro Million Einwohner sind denn auch in allen Ländern massiv unter den aktuell rund 120 der Schweiz und liegen seit Wochen bei unter 10:

Auffallend zudem: In Sachen Impfungen gehen es die drei Länder sehr gemächlich an. China startete zwar ursprünglich früh, macht aber kaum vorwärts, in Japan war der Impfstart am 17. Februar, in Südkorea gar erst am 26. Februar.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Die über 8 verabreichten Impfdosen pro 100 Personen der Schweiz sind gegen die drei Länder extrem hoch. China steht bei knapp 3, Japan und Südkorea bei unter 0,1. Warum? Wir haben die Situation in den drei Ländern angeschaut:

China

Beginnen wir in China, dem Land das mit Sinopharm und Sinovac zwei Impfstoffe containerweise ins Ausland verschifft und seinen Teil dazu beiträgt, dass Chile, Serbien oder die Vereinigten Arabischen Emirate zu den Impfturbo-Ländern zählen. Einige der belieferten Länder erhalten die (grossen) Mengen an Impfstoff auch deshalb, weil sie Test-Daten liefern.

Denn was von Sinopharm lange fehlte, und auf was man bei Sinovac und dem neusten zugelassenen Impfstoff CanSino noch wartet, sind öffentliche Daten zur Wirksamkeit. Während die Hersteller von Sinopharm und Sinovac von fast 80-prozentiger Wirksamkeit sprechen, haben Untersuchungen in anderen Ländern Resultate zwischen 50 und 91 Prozent ergeben. Sicher ist: Die Skepsis gegen die Impfstoffe ist dadurch nicht kleiner geworden.

Teachers wait to get the CoronaVac vaccine for COVID-19, by China’s Sinovac Biotech, at Salvador Sanfuentes public school during the start of nationwide vaccinations for educators in Santiago, Chile, Monday, Feb. 15, 2021. The government aims to vaccinate teachers and school administrative workers before the start of the school year on March 1. (AP Photo/Esteban Felix)

Chile hat viel Impfstoff aus China erhalten, liefert dafür Testdaten. Bild: keystone

In China selbst wurden zwar schon über 40 Millionen Impfdosen gespritzt, was in absoluten Zahlen nach den USA die zweitmeiste Anzahl ist. Aber eben: Bei knapp 1,4 Milliarden Einwohnern sind dies nur 2,9 Impfdosen pro 100 Personen.

Warum liessen sich bisher so wenige Chinesen impfen? Chen Lohn vom Pekinger Forschungsinstitut Plenum sagt's gegenüber der «Financial Times» in einem Satz: «In China gibt es heute sehr wenige Vorteile, um sich impfen zu lassen.»

Tatsächlich ist die Not nicht akut. Tägliche Neuinfektionen werden im Riesenreich seit Wochen unter 100 verzeichnet. Wer aus dem Ausland zurückkehrt, muss auch mit Impfung 14 Tage in Quarantäne. Man rechnet damit, dass sich das Land frühestens 2022 wieder für Ausländer öffnet.

epa09015881 Boxes containing vaccines are unloaded from a Hungarian Airbus 330 cargo plane as the first batch of the vaccine against the new coronavirus produced by Sinopharm of China arrives at Budapest Liszt Ferenc International Airport in Budapest, Hungary, 16 February 2021. The vaccine will not be used untill its examination and approval by the National Public Health Center.  EPA/ZOLTAN MATHE HUNGARY OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Hier landet chinesischer Impfstoff in Ungarn. Bild: keystone

Dazu kommt die oben genannte Skepsis. Gemäss einer Umfrage des Meinungsinstituts Ipsos seien zwar rund 85 Prozent der Chinesen bereit, sich zu impfen. Solch hohe Werte gibt es sonst weltweit kaum. Was aber nicht gefragt wurde: Wann will man sich impfen lassen? Denn wie kleinere Umfragen in Städten ergaben, wollen sich viele noch nicht impfen lassen und erst einmal mögliche Nebenwirkungen und ausführlichere Testresultate abwarten. Die Angst vor Nebenwirkungen ist momentan grösser als diejenige, sich anzustecken.

Ebenfalls ein Punkt ist die Alterszulassung. Sowohl Sinopharm, wie auch Sinovac werden nur für Altersgruppen zwischen 18 und 59 Jahren empfohlen. Für die (ältere) Hauptrisikogruppe gibt es noch zu wenig Untersuchungen. Darum setzt China auf eine etwas andere Strategie als in Europa üblich: Man impft erst diejenigen Personen, welche als mögliche Treiber der Pandemie gelten, wie Taxifahrer oder Essenlieferanten.

Grossbritannien: Vom Corona-Versager zu Europas Impfmeister

In Peking wird allerdings seit Anfangs Jahr Werbung gemacht für die Impfung. Sinopharm und Sinovac behaupten, dass sie bis Ende Jahr zwei Milliarden Impfdosen herstellen könnten (rund 500 Millionen davon sind dem Ausland versprochen). Experten gehen allerdings von einem Verzug aus. Der Grund: Fehlende Glasfläschchen für die Aufbewahrung. Diese müssen nämlich mehrheitlich importiert werden und während der Sinopharm-Impfstoff in einem Fläschchen für eine Dosis reicht, sind dies bei Pfizer/BioNTech 6, bei AstraZeneca gar deren 10.

Trotzdem: China rüstet sich. Nachdem erst nur Sinopharm die Zulassung hatte, gab es diese am 6. Februar auch für Sinovac und seit letzter Woche für CanSino und für ein zweites Vakzin von Sinopharm.

Japan

Japan hätte neben den offensichtlichen gesundheitlichen Gründen noch einen Anreiz, um das Coronavirus so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen: Vom 23. Juli bis 8. August will das Land die verschobenen Olympischen Spiele nachholen. Ob diese durchgeführt werden, hängt sehr mit der Entwicklung der Pandemie zusammen.

A medical worker checks the form of his colleague before giving her a dose of the COVID-19 vaccine at Tokyo Medical Center in Tokyo Wednesday, Feb. 17, 2021. Japan's first coronavirus shots were given to health workers Wednesday, beginning a vaccination campaign considered crucial to holding the already delayed Tokyo Olympics. (Behrouz Mehri/Pool Photo via AP)

Am 17. Februar begann Japan mit Impfungen von Gesundheitspersonal. Bild: keystone

Aber Japan hat ein allgemeines Problem mit Impfungen. Denn die Skepsis ist im Land seit Jahrzehnten hoch, nachdem es einige Impf-Skandale in den letzten 50 Jahren gab. Nur rund 30 Prozent der Bevölkerung halten Impfungen für wichtig, sicher und effektiv – das ist weltweit einer der kleinsten Werte.

Darum wollte Japan keine voreiligen Entscheide treffen. Der Impfstoff von Pfizer/BioNTech erhielt erst am 14. Februar die Zulassung – sechs Wochen nach der WHO oder weiten Teilen Europas. Man begründete dies mit eigenen Tests. Allerdings wurden diese nur an 160 Personen durchgeführt. Dr. Kenji Shibuya vom King’s College in London kritisierte gegenüber der CNN deshalb: «Ein Test mit 160 Personen gibt wissenschaftlich keine Erkenntnisse zur Wirksamkeit oder Sicherheit.»

Bisher wurden nur rund 30'000 Impfdosen gespritzt. Natürlich gab es Kritik wegen der Verspätung. Aber Taro Kono, von der Regierung für die Impfstrategie verantwortlich, verteidigte das Vorgehen: «Wir brauchen das Vertrauen der Bevölkerung. Das hat uns Zeit gekostet, aber war wichtig.»

Er soll Japanern die Skepsis vor der Covid-19-Impfung nehmen:

Seit dem 17. April sind die Impfungen im Gang. Die ersten vier Millionen Dosen sollen Mitarbeitern im Gesundheitswesen gespritzt werden, ab Mitte April sollen rund 36 Millionen Ü65-jährige folgen. Lieferknappheit wird nicht befürchtet. Kono sagt, im April sollen grosse Mengen verfügbar sein, im Mai/Juni gäbe es auch genügend für die zweite Impfdosis.

Und übrigens: Um der Bevölkerung die Skepsis zu nehmen, wurde Corowa-kun geschaffen: Ein Cartoon-Hündchen in Arztklamotten, das als Chatbot die wichtigsten Fragen zur Impfung beantwortet.

Südkorea

Kommen wir noch zum Musterschüler im Kampf zur Eindämmung des Coronavirus: Südkorea. Kaum ein Land erstickte allfällige Ausbrüche so effektiv wie Südkorea. Nur 1500 Todesfälle bei 52 Millionen Einwohnern in Zusammenhang mit dem Virus sind das Resultat.

Ein normales Leben haben die Südkoreaner noch nicht zurück. Aber Restaurants und Bars sind bis 23 Uhr offen, der öffentliche Verkehr weitestgehend voll wie früher. Aber jetzt, wo es darum geht, langfristig mit einer Impfung das Virus zu bekämpfen, scheint man zu trödeln.

Ki Mo-Ran, die als Epidemiologin die Regierung berät, lässt dies gegenüber «Reuters» nicht gelten: «Impfungen sind ein wichtiger Teil in der Prävention, aber Impfungen alleine reichen nicht. Südkoreas Strategie umfasst viel mehr.»

epa09043885 South Korean president Moon Jae-in (2-L) and his wife Kim Jung-Sook (2-R) react during a ceremony to mark Independence Movement Day, in Seoul, South Korea, 01 March 2021. South Korea celebrates the 102nd anniversary of the 01 March 1919 Independence Movement against the Japanese colonial rule of Korea (1910-45).  EPA/JEON HEON-KYUN/POOL

Südkorea (hier Präsident Moon Jae-in) feierte am 1. März den Jahrestag der Unabhängigkeit von Japan 1919. Bild: keystone

Da die bisherigen Massnahmen gut umgesetzt wurden, war die Regierung weniger unter Druck mit den Impfungen. Erst am 26. Februar startete man mit Massen-Impfungen und hat darum erst knapp über 20'000 Impfdosen verwendet. Gemäss Umfragen wollen sich nur rund die Hälfte der Koreaner sofort impfen lassen.

Der Start verläuft harzig. Ursprünglich gab die Regierung das Ziel heraus, im ersten Quartal 1,3 Millionen Menschen zu impfen. Man senkte dies wegen Lieferengpässen und zu wenig Daten zur Wirkung von AstraZeneca bei älteren Personen auf 760'000. Ursprünglich sollte AstraZeneca auch bei Ü65-Jährigen verwendet werden, womit man jetzt aber wartet. Zulassungen für andere Impfstoffe sind mit Pfizer/BioNTech, Moderna, Johnson&Johnson und einem Anteil der COVAX-Organisation genügend da, bestellt sind knapp 80 Millionen Impfdosen – auch das sind vorerst mehr als genug.

epa09037269 Nursing home workers wait to receive the first dose of the AstraZeneca Covid-19 vaccine at a health care centre in Seoul, South Korea, 26 February 2021. The country kicked off its nationwide COVID-19 vaccination campaign.  EPA/JUNG YEON-JE / POOL

Altersheim-Mitarbeiterinnen warten auf die AstraZeneca-Impfung in Seoul. Bild: keystone

Ziel ist, dass rund 10 Millionen Risikopatienten bis im Juli geimpft sind, eine Herdenimmunität im November erreicht wird. Jeong Eun-Kyeong von der Korea Disease Control and Prevention Agency (KDCA) glaubt trotz den Startschwierigkeiten an dieses Ziel: «Lieferengpässe sollen nicht verhindern, dass im November Herdenimmunität erreicht wird.» Andere hegen daran Zweifel und rechnen mit frühestens Mitte 2022.

Südkorea unternimmt derzeit viel, um die Impfungen zu forcieren. Ziel ist unter anderem, dass man bald selbst Vakzine herstellen kann. Und am Dienstag gab es eine Kontroverse, weil das Gesundheitsamt erlaubte, ein Fläschchen Pfizer-Impfstoff für sieben statt sechs Impfungen zu verwenden, diejenigen von AstraZeneca für zwölf statt zehn. Ob das so alles aufgeht? Justin Fendos, Professor an der Dongseo Universität sagt: «Ich behaupte, dass Südkorea trotz dem langsamen Start am Ende eines der ersten voll geimpften Länder sein wird.»

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