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DNA-Test widerlegt Doppelgänger-Theorie um Hitler-Stellvertreter Hess

23.01.2019, 15:58

Rund um den 1987 im Kriegsverbrechergefängnis Spandau in Berlin verstorbenen Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess hält sich eine Verschwörungstheorie: Ein Doppelgänger soll eingesessen haben, der echte Hess entging der Strafe. Mit einem DNA-Test wurde diese Theorie nun widerlegt.

Adolf Hitler und Rudolf Hess 1934.
Adolf Hitler und Rudolf Hess 1934.

Hess, einer von Adolf Hitlers engsten Vertrauten, war im Mai 1941 nach Grossbritannien geflogen, um kurz vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion einen Separatfrieden zu verhandeln. Doch London stand zu seinem Verbündeten und inhaftierte Hess. 1946 wurde er in den Nürnberger Prozessen zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 17. August 1987 nahm er sich im Alter von 93 Jahren das Leben, nachdem er mehr als 20 Jahre der einzige Häftling im Kriegsverbrechergefängnis Spandau gewesen war.

Auch US-Präsident hatte Zweifel

Immer wieder tauchten in den vergangenen Jahrzehnten Spekulationen auf, dass anstatt Hess ein Doppelgänger einsass. Allen voran sei auch US-Präsident Franklin D. Roosevelt nicht ganz sicher gewesen, ob nicht ein Betrüger Hess' Haftstrafe verbüsst hat, heisst es im Magazin «New Scientist», das über die neue Forschungsarbeit berichtet. Auch Hess' Frau spielte immer wieder auf die Doppelgänger-Theorie an.

Rudolf Hess (rechts) beim Nürnberger Prozess 1945.
Rudolf Hess (rechts) beim Nürnberger Prozess 1945.Bild: AP

Obwohl Hess mit dem Waffenstillstand nur den Rücken für den nächsten, noch grösseren Krieg frei halten wollte, wird er bis heute von Neonazis als «Friedensflieger» verklärt. Sein Grab wurde daher zur Pilgerstätte, was die deutschen Behörden zum Handeln zwang. Nachdem der einstige Hitler-Stellvertreter 2011 exhumiert und seine Überreste verbrannt wurden, schrumpfte allerdings die Hoffnung, die Verschwörungstheorie endgültig mittels DNA-Tests entkräften zu können.

Getrocknete Blutprobe gefunden

Das Team um einen pensionierten US-Militärarzt und den auf alte DNA spezialisierten Biologen Jan Cemper-Kiesslich von der Universität Salzburg konnte nun mit einer Blutprobe, die Hess 1982 in Spandau entnommen wurde, doch Licht in die Angelegenheit bringen. Ein Teil der Probe verblieb nämlich auf einem versiegelten Mikroskop-Objektträger im Besitz des US-Pathologen Rick Wahl, heisst es im Fachartikel.

Nachdem Militärarzt Sherman McCallder, Erstautor der Arbeit im Fachjournal «Forensic Science International: Genetics», von der Existenz der Probe erfuhr, kontaktierte er Cemper-Kiesslich.

Extrem unwahrscheinliche Theorie

Den Salzburger Forschern gelang die Extraktion der DNA aus dem getrockneten Blut. Nach einer langwierigen Suche nach Familienangehörigen von Hess wurden die Wissenschaftler fündig. Ein männlicher Nachfahre erklärte sich letztendlich bereit, eine DNA-Probe zum Vergleich abzugeben. Bei dem Familienangehörigen handle es sich zu 99.99 Prozent um einen Nachfahren jenes Mannes der in Spandau einsass, so das Ergebnis der Analyse.

Diese Resultate seien ein sehr starker Beleg dafür, dass der Gefangene tatsächlich Rudolf Hess war. Dementsprechend sei es «extrem unwahrscheinlich», dass an der Verschwörungstheorie etwas dran ist, schreiben die Forscher, die die Gerüchte damit als «widerlegt» ansehen, in dem Fachartikel. (whr/sda/apa)

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