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Was wir über das Attentat von Strassburg wissen wollen

27 Mal verurteilt und trotzdem lief er frei herum – was wir zum Strassburg-Attentat wissen

13.12.2018, 10:5114.12.2018, 10:10
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Attentat auf Strassburger Weihnachtsmarkt

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Attentat auf Strassburger Weihnachtsmarkt
Nach 48 Stunden auf der Flucht: Französische Polizei erschiesst den Attentäter von Strassburg.
quelle: ap/ap / christophe ena
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Nach dem schweren Anschlag in Strassburg jagt die Polizei in Frankreich, der Schweiz und Deutschland den Attentäter.

  • Wohin verschwand der Strassburg-Attentäter?
  • Hatte er Komplizen?
  • Wie konnte er so schnell verschwinden, obwohl er mindestens einmal angeschossen worden sein soll?
  • Warum wählte er ausgerechnet den Weihnachtsmarkt für den Anschlag?
  • Wer rief ihn unmittelbar nach der Tat aus Deutschland an?
  • Warum lief ein Täter, der 27 Mal verurteilt und mehr als 60 Mal erkennungsdienstlich behandelt wurde, so lange frei herum?

Was wir über den Fall schon wissen

Der polizeibekannte Gefährder Chérif C. war am Dienstagabend auf der Flucht vor der Polizei von Soldaten verletzt worden und schliesslich spurlos verschwunden.

«Der Terrorismus hat erneut unser Gebiet getroffen.»
Rémy Heitz, Pariser Antiterror-Staatsanwalt

Zeugen hätten den Angreifer «Allahu Akbar» (Allah ist gross) rufen hören, hiess es. Der Täter entkam mit einem Taxi, liess sich vom Taxifahrer etwa zehn Minuten herumfahren und stieg dann aus, berichtete der französische Anti-Terror-Staatsanwalt. Mit einem Grossaufgebot hatten Beamten in und um die elsässische Metropole und an der nahe gelegenen Grenze zu Deutschland versucht, den Angreifer zu stoppen – ohne Erfolg. Chérif C. blieb auch am Mittwoch verschwunden.

Beim Anschlag auf den Weihnachtsmarkt von Strassburg wurden zwei Menschen getötet, ein Opfer ist hirntot, zwölf weitere Menschen wurden verletzt.

Am Tag vor dem Attentat wollte die französische Polizei C. verhaften. Er konnte jedoch aus seiner Wohnung fliehen, als die Beamten im Anmarsch waren, wie bild.de schreibt.

Das ist der Gesuchte

Die französische Polizei veröffentlichte ein Fahndungsfoto des Attentäters samt Täterbeschreibung. Auch süddeutsche Bundespolizei-Stationen, das Bundeskriminalamt und die Schweizer Bundespolizei verbreiteten am Mittwochabend auf Twitter den Aufruf der Police National. Die Polizei sucht Zeugen.

In dem Aufruf heisst es: «Der Mann ist gefährlich, bitte nicht selbst eingreifen». Der Gesuchte sei 29 Jahre alt, 1,80 Meter gross, habe kurze Haare, sei vielleicht Bartträger und habe eine Narbe auf der Stirn. Der mehrfach vorbestrafte Angreifer soll sich im Gefängnis radikalisiert haben. Der gebürtige Strassburger sass wegen schweren Diebstahls auch in Deutschland in Haft.

Ist der Verdächtige in der Schweiz oder in Deutschland?

Könnte sein. Die Sicherheitskräfte in beiden Ländern sind auf jeden Fall alarmiert. Dies zeigt auch der Fall von heute Morgen.

In einem Zug von Basel nach Zürich im aargauischen Frick wurde ein Terrorverdächtiger angehalten. Ein anderer Passagier hatte den jungen Mann der Polizei gemeldet, und ihn als möglicher Attentäter von Strassburg identifiziert. Fälschlicherweise, wie sich später herausstellte.

Im deutschen Bundesland Baden-Württembergs hatte Innenminister Thomas Strobl zwar verkündet, ausser der Haft und der in Deutschland verübten Verbrechen bestünde kein Kontakt nach Deutschland. Das stimmt jedoch so offenbar nicht. Laut einem Medienbericht sei C. unmittelbar vor der Tat aus Deutschland angerufen worden. Er habe den Anruf jedoch nicht angenommen. Unklar sei, wer ihn angerufen habe und warum. Dieser Frage gehen deutsche Ermittler nun intensiv nach, wie der Sender weiter berichtete.

Strassburg will zur Normalität zurückkehren

Unklar ist, ob der Angreifer sich noch in der Elsass-Metropole aufhält. Daher bleibt auch der Weihnachtsmarkt am Donnerstag noch geschlossen. Der örtliche Präfekt habe festgestellt, dass die Sicherheitsbedingungen bisher nicht erfüllt seien, denn der Tatverdächtige sei noch nicht gefasst. Das sagte Strassburgs Bürgermeister Roland Ries im Nachrichtensender BFMTV.

Das kulturelle Leben mit Konzerten und anderen Veranstaltungen solle – soweit wie möglich – wieder anlaufen. Der Weihnachtsmarkt, eine bekannte Touristenattraktion, war bereits am Mittwoch geschlossen.

Frankreich verstärkt Sicherheitsvorkehrungen

Die französische Regierung verstärkt ausserdem die Soldaten im Anti-Terror-Einsatz – rund 1300 weitere Soldaten sollen sich in den kommenden Tagen der sogenannten Operation Sentinelle (Wache) anschliessen, wie Premierminister Édouard Philippe am Mittwochabend ankündigte. Dabei handelt es sich um eine Einsatztruppe, die nach dem islamistischen Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» im Januar 2015 ihre Arbeit aufnahm.

(pb/sda/dpa/aeg)

Dieser Journalist ging durch die Social-Media-Hölle

Video: srf
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39 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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NotWhatYouExpect
13.12.2018 12:06registriert April 2017
Und wieder ein beweis, dass Vorratsdatenspeicherung und weitere Überwachung des Internets und all unseren Diensten nichts gebracht hat.

Aber wir normale Bürger müssen ja fängs die Hosen runterlassen damit der Staat ja auch jaaa sicher ist, dass wir nix böses machen/versuchen.
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Lukas Hässig
13.12.2018 12:20registriert Juli 2018
Kann mir jemand erklären wieso es nicht möglich ist, einen gesetzbrechenden, verurteilten Asylsuchenden nicht in ein Flugzeug zu setzten und Ade Mässi sagen?

Sind es die Menschenrechte? Wenn ja, wo hört der Goodwill auf? Kann mir da jemand helfen?
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dorfne
13.12.2018 11:58registriert Februar 2017
Der arme Mann hat sich im Gefängnis radikalisiert. Folgerung: Es werden nur noch teure, aufwendige Prozesse geführt, der Täter wird zu einer Gefängsnisstrafe verurteilt und der Richter sagt: 5 Jahre Gefängnis, aber um die Gefahr einer Radikalisierung zu vermeiden, werden Sie sofort auf freien Fuss gesetzt. Für die Untersuchungshaft kriegen Sie eine Entschädigung von 10000 Fr., und bitte verzeihen Sie uns, nicht böse sein gäll! Ende Ironie.
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