International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Mathias Reynard, JUSO-Nationalrat, wehrt sich an einer Medienkonferenz gegen den Leistungsabbau in den Kantonen am Donnerstag, 20. November 2014 in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

SP-Nationalrat Mathias Reynard pflegt enge Beziehungen nach Katalonien.  Bild: KEYSTONE

Interview

«Viele Leute in Barcelona sagen: ‹Jetzt reicht es›»

Der Walliser SP-Nationalrat Mathias Reynard kennt den katalanischen Regierungschef Carles Puigdemont persönlich. Im Interview sagt der Co-Präsident der parlamentarischen Gruppe Schweiz-Katalonien, warum er nicht mehr an eine einvernehmliche Lösung mit Madrid glaubt.



Herr Reynard, was hat der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont Ihrer Meinung nach mit seiner Rede bezweckt?
Mathias Reynard:
Es war ein letzter Versuch, Madrid die Hand zu reichen und gemeinsam über eine Lösung zu diskutieren. Aber die spanische Regierung erstickte diese Hoffnung sogleich wieder im Keim. Sie machte deutlich, dass sie nicht gesprächsbereit ist. Nun müssen die Katalanen zu anderen Mitteln greifen, wenn Sie das Ziel der Unabhängigkeit tatsächlich erreichen wollen. Das ist wohlgemerkt meine eigene Meinung, nicht jene meiner Partei.

«Wenn es keinen Platz gibt für Diskussionen, sehen sie nur einen Weg: Raus aus Spanien.»

Sie kennen Carles Puigdemont persönlich. Glauben Sie, dass er sich getraut, Katalonien gegen den Willen Madrids in die Unabhängigkeit zu führen? Er riskiert, beim Versuch im Gefängnis zu landen.
Ich kann nicht sagen, was er vorhat. Ich werde Ende Monat nach Barcelona reisen, bei meinen Besuchen in der Stadt treffe ich mich jeweils auch mit Puigdemont. Ich hoffe, dass es auch dieses Mal wieder klappt. Im Moment kann ich nur wiedergeben, was ich von meinen Freunden in Barcelona höre. Viele, die davor selber gegen eine Abspaltung waren, sagen: «Jetzt reicht es.» Wenn es keinen Platz gibt für Diskussionen, sehen sie nur einen Weg: Raus aus Spanien. Rajoys Abfuhr hat ihren Kampfgeist geweckt.

Dass sich die Separatisten doch noch mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy einigen, schliessen Sie komplett aus?
Ich glaube, es gibt in der spanischen Bevölkerung sehr viele Leute, die offen für Gespräche wären. Aber die Haltung von Rajoy ist verrückt und unverständlich. Die Zentralregierung muss mit ihren Methoden der Gewalt und der Repression, diesem Erbe aus der Zeit Francos, brechen. Leider gibt es derzeit keine Anzeichen dafür, dass er noch Einsicht zeigen könnte.

«Die Situation, die wir jetzt sehen, ist traurig für Katalonien, und sie ist traurig für Spanien.»

Glauben Sie denn wirklich, dass es Katalonien allein besser ginge? Grosse Unternehmen haben bereits angekündigt, der Region aufgrund der Unsicherheit den Rücken zu kehren.
Ich will gar keine Position beziehen. Katalonien kann innerhalb und ausserhalb Spaniens fortbestehen. Sicher ist nur: Die Situation, die wir jetzt sehen, ist traurig für Katalonien, und sie ist traurig für Spanien.

«Die Beispiele des Kanton Jura und der Gemeinde Moutier zeigen, dass wir solche Fragen mit Diskussionen und Volksabstimmungen lösen.»

Auch in der Schweiz könnte sich ein Kanton nicht einfach vom Rest des Landes lossagen.
Natürlich, und das ist auch richtig so. Aber aus Schweizer Sicht ist es schlicht unvorstellbar, dass man in einer solchen Situation nicht miteinander redet und die Regierung des Landes einfach auf stur stellt. Die Beispiele des Kanton Jura und der Gemeinde Moutier zeigen, dass wir solche Fragen mit Diskussionen und Volksabstimmungen lösen. Das Verhalten der spanischen Zentralregierung hingegen ist für die Leute in Katalonien ein Affront sondergleichen.

Was, wenn es auch dieses Mal wieder nicht klappt mit dem Traum der Unabhängigkeit? Droht die Situation in Katalonien zu eskalieren?
Die Stimmung ist momentan brutal angespannt. Eine Eskalation ist nicht auszuschliessen. Aber ich will nichts heraufbeschwören.

Einmal Unabhängigkeit und wieder zurück

Die Separatisten in Katalonien spielen weiter auf Zeit. Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont unterzeichnete am Dienstagabend ein Dokument, in dem die Unabhängigkeit der Region von Spanien und zugleich deren Aussetzung erklärt wird. Indem er die Abspaltung «für einige Wochen» auf Eis legt, will er doch noch einen Dialog mit der Zentralregierung in Madrid erzwingen.

Die spanische Regierung wies Puigdemonts Erklärung umgehend zurück. «Es ist nicht zulässig, implizit die Unabhängigkeit zu erklären und diese dann explizit auszusetzen», erklärte ein Regierungssprecher in Madrid.

Die spanische Zentralregierung will eine Abspaltung der Region im Nordosten Spaniens um jeden Preis verhindern. Madrid hatte nach dem Referendum damit gedroht, im Fall einer Unabhängigkeitserklärung die Regionalregierung zu entmachten, Katalonien seine Teilautonomie zu entziehen oder sogar den Ausnahmezustand auszurufen. (jbu)

Dass Puigdemont sich zwar für die Unabhängigkeit aussprach, diese sogleich aber wieder aussetzte, sorgte im Netz für Spott. «Puigdemont oder der Coitus interruptus», lautete etwa der Kommentar eines Users auf Tweitter.

Wahllokal in Katalonien gewaltsam gestürmt

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

«Ehe für Alle» im Ständerat

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

«Eine Gesellschaft, die auf Dauer eingesperrt wird, ist keine Gesellschaft mehr»

Mit Corona werden wir alle zu «Gefährdern». Der Philosoph und Wirtschaftsethiker Andreas Brenner sieht diese Entwicklung sehr kritisch. Im Interview spricht er über das Versagen von Politik und Medien und die verheerenden Folgen unserer Corona-Massnahmen für die armen Länder.

In Basel sind seit Montag Restaurants und weitere Einrichtungen geschlossen. Was denken Sie über solche Massnahmen? Andreas Brenner: Die Politik orientiert sich meiner Meinung nach hier wie überall zu stark an den Empfehlungen der Virologen. Das hinterlässt ein ungutes Gefühl und ist gesellschaftspolitisch hoch problematisch.

Was kritisieren Sie daran? Dieser Ablauf scheint logisch. Wir haben es seit dem Frühjahr mit gravierenden Einschnitten in die Gesellschaft zu tun, orchestriert von einer …

Artikel lesen
Link zum Artikel