International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa07315371 (FILE) - Opponents of Chavism demonstrate against the Government of President Nicolas Maduro in Caracas, Venezuela, 23 January 2019 (reissued 24 January 2019). Venezuela has fallen into a new deep political crisis after National Assembly leader Juan Guaido declared himself interim president of Venezuela 23 January and promised to guide the country toward new election as he consider last May's election not valid. Many Heads of State and governments have recognized Guaido as president, among them US President Donald Trump, Canadian Government and Brazil President Jair Bolsonaro. Nicolas Maduro became president in 2013 after the death of Hugo Chavez and was sworn in for a second term on May 2018. Venezuela has been facing an economic and social crisis where the inflation, according to the document of the National Assembly, has reached 80.000 per cent per cent in 12 months and the shortages of basic items have lead millions of people into poverty while according to reports up to three million Venezuelans have left the country since 2014.  EPA/CRISTIAN HERNANDEZ *** Local Caption *** 54928080

Demonstranten protestieren gegen das Maduro-Regime, Caracas, 24. Januar. Bild: EPA/EFE

Interview

Krisenstaat Venezuela – «Die schnelle Unterstützung der USA ist eher kontraproduktiv»

Die Opposition im Krisenstaat Venezuela braucht internationale Unterstützung, sagt Lateinamerikaexpertin Sabine Kurtenbach. Doch die Reaktion aus den USA kam voreilig.

Steffen Richter / Zeit Online



Ein Artikel von

Zeit Online

In Venezuela ist ein Machtkampf um das Präsidentenamt ausgebrochen. Das rohstoffreiche Land ist verarmt, Tausende demonstrieren gegen die Politik von Staatschef Nicolás Maduro. Am Mittwoch hat sich der amtierende Parlamentsschef Juan Guaidó zum Präsidenten erklärt und erhält dabei Unterstützung aus den USA oder Brasilien. Maduro wird von der Militärführung des Venezuela gestützt. Lateinamerika-Expertin Sabine Kurtenbach spricht über die Hintergründe der Krise und die Rolle der USA.  

Frau Kurtenbach, nur wenige Minuten, nachdem Venezuelas Parlamentschef Juan Guaidó die sozialistische Regierung von Nicolás Maduro für entmachtet erklärt und sich zum Staatschef ausgerufen hatte, nannte US-Präsident Donald Trump Guaidó einen rechtmässigen Übergangspräsidenten. Warum die Eile?
Sabine Kurtenbach: Weil das so schnell ging, mehren sich die Vermutungen, dass der Ablauf abgesprochen war. Das wäre aus meiner Sicht für die Situation in Venezuela aber eher kontraproduktiv; es erinnert an Zeiten, in denen die USA bei Regierungswechseln in Lateinamerika noch eine unrühmliche Rolle gespielt haben. Die Unterstützung für das Parlament und Juan Guaidó ist wichtig – dass die aus den USA jedoch so schnell kommen musste, kann die Lage eskalieren.

«Es erinnert an Zeiten, in denen die USA bei Regierungswechseln in Lateinamerika noch eine unrühmliche Rolle gespielt haben.»

Eigentlich verfolgt Donald Trump aussenpolitisch eher ein Prinzip der Nichteinmischung. Warum nicht für Venezuela?
Das hat zwei Gründe. Zum einen sitzt Venezuela auf den grössten Ölreserven der westlichen Hemisphäre. Daher wird es einem wie Trump, der auf fossile Energien setzt, nicht ganz gleichgültig sein, wer dieses Land regiert. Vor Kurzem waren die USA ja noch der grösste Abnehmer venezolanischen Öls. Das hat sich zwar geändert, weil Russland und China dazugekommen sind, aber es bestehen eben materielle Interessen.

Der zweite Grund ist, dass Venezuela für die konservative Rechte der Region ein zentraler Referenzpunkt dafür ist, den alten ideologischen Links-Rechts-Konflikt in Lateinamerika wieder aufleben zu lassen. Das hat Maduros Vorgänger Hugo Chávez bereits befeuert mit seinen Vorstellungen von einem «Sozialismus des 21. Jahrhunderts» und seinen Verstaatlichungen der Schlüsselindustrien – explizit auch als Gegenmodell zu den USA. Wenn Venezuela kippt, wird das regionale Auswirkungen haben. Dann wird auch das Regime von Daniel Ortega in Nicaragua nicht mehr zu halten sein.

Neben den Kommunisten und Sozialisten in Kuba, Bolivien und Uruguay erkennt auch die Staatsführung von Mexiko Guaidó nicht an. Welche Rolle spielt Mexiko?
Mexikos Präsident Andres Manuel López Obrador besteht darauf, dass sein Land den Grundsatz der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Nationen beachtet. Das hat in Lateinamerika Tradition. Damit verbindet er möglicherweise auch die Hoffnung, in Venezuela mal als Vermittler auftreten zu können.

«Was passiert, wenn Maduro wirklich stürzt? Gegen etwas zu sein ist einfach – aber selbst gestalten?»

Wer sind denn die wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Stützen von Oppositionsführer Juan Guaidó?
Zum einen ist das natürlich das Parlament. Bei den Protesten konnte man zudem feststellen, dass nicht mehr nur langjährige Gegner des Maduro-Regimes aus der Mittelschicht die Proteste tragen. Es gab auch Proteste aus den verarmten Vorstädten, deren Bewohner sind mit auf die Strasse gegangen. Sie leiden ja besonders unter dem sozialen Elend. Man muss sich allerdings auch fragen: Was passiert, wenn Maduro wirklich stürzt? Gegen etwas zu sein ist einfach – aber selbst gestalten?

epa07313263 Juan Guaido (C), President of the Venezuelan Parliament, greets the crowd as announces that he assumes executive powers, in Caracas, Venezuela, 23 January 2019. Guaido declared himself interim president of Venezuela - a move that was quickly recognised by US President Trump -  in fight against President Maduro whose presidency Guaido considers 'illegitimate'. The USA and South American countries have been pressing for Maduro's ouster more strongly in the past weeks, aimed to end his presidency after years of crisis.  EPA/Miguel Gutiérrez

Juan Guaidó wird von seinen Unterstützern gefeiert. Bild: EPA/EFE

Bislang schützt das Militär Maduro. Wie lange noch?
Die Militärführung sitzt gleichzeitig in der Regierung und in Wirtschaftsunternehmen. Das heisst, sie profitiert persönlich vom Maduro-Regime. Für sie kann ein Regierungswechsel unangenehm sein. Unterhalb dieser Ebene aber gärt es. Ob Teile der mittleren und unteren Führungsschicht abspringen werden, kann man jetzt noch nicht sagen. Gerade die normalen Soldaten und deren Familien leiden ja selbst unter den sozialen Problemen und würden wohl auch nicht auf die eigene Bevölkerung schiessen. 

Es es gibt noch die schwer bewaffneten sozialistischen Milizen, die Colectivos. Ex-Präsident Hugo Chávez hatte sie gegründet, um dessen selbsternannte Revolution zu verteidigen. 
Ja, die Bewaffnung des Landes ist ein ernsthaftes Problem. Waffen sind offiziell eben nicht nur in der Hand von Militär und Polizei, sondern auch in der Hand von Colectivos. Zudem gibt es eine bewaffnete organisierte Kriminalität.

Man gewinnt den Eindruck, dass in Lateinamerika sozialistische Staats- und Parteichefs wie Chavez, Maduro oder Lula da Silva zu lange verklärt wurden, und nun führt in Brasilien ein extrem Rechter das Land und in Venezuela brechen gewaltsame Unruhen aus. Haben die Linken Fehler gemacht?
Links ist nicht gleich Links: Moderate wie Tabaré Vázquez Rosas in Uruguay oder Lula in Brasilien kann man nicht in einen Topf werfen mit Maduro oder Daniel Ortega in Nicaragua. Die eher sozialdemokratischen Regierungen haben die Institutionen ihrer Länder geachtet. Maduro oder Ortega dagegen, aber auch mehrere rechte Regierungen in Lateinamerika, unterminieren das Staatswesen. Einer wie Jimmy Morales in Guatemala unterscheidet sich von Ortega dadurch, dass er den verbliebenen Rechtsstaat noch nicht komplett abgeräumt hat – er ist aber auf dem Weg dahin. Das heisst, von einer einheitlichen Linken Lateinamerikas kann man gar nicht sprechen. 

Dieser Artikel wurde zuerst auf Zeit Online veröffentlicht. Watson hat eventuell Überschriften und Zwischenüberschriften verändert. Hier geht’s zum Original.

Die Bilder der Venezuela-Krise

Juan Guaidó erklärt sich zum Staatschef Venezuelas

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Diese 9 Food Trucks aus New York wünschen wir uns in der Schweiz (weil absolut 🤤)

Link zum Artikel

Federer/Nadal necken sich wie ein altes Ehepaar und McEnroe will «ihre Karrieren beenden»

Link zum Artikel

«Kein Brexit ohne Parlament!» John Bercow sagt Johnson in Zürich den Kampf an

Link zum Artikel

St. Galler Polizist schiesst sich aus Versehen in den Oberschenkel

Link zum Artikel

Die lange Reise der Schiedsrichter-Pfeife an die Rugby-WM nach Japan

Link zum Artikel

Eins vor Tod will ich Sex und (eventuell) eine Ohrfeige

Link zum Artikel

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

11
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Limpleg 25.01.2019 13:14
    Highlight Highlight Starke Einschätzung der Korrespondentin!
  • MrNiceGuy 25.01.2019 12:22
    Highlight Highlight Nichts neues, USA beteiligen sich gerne an Regimechanges, Iran, Lybien etc. etc.
    • Chääschueche 26.01.2019 16:02
      Highlight Highlight Während das Vorgehen der EU ja immer so viel bringt....siehe Afrikastaaten und ihre Diktatoren.

      Da hat die EU und deren Reden ja viel erfolg...
  • FrancoL 25.01.2019 10:29
    Highlight Highlight Ich schrieb an anderer Stelle:
    Mit Trump und Bolsonaro als Göttis wird die venezuelanische Bevölkerung kaum eine bessere Zukunft haben, die Oelbarone hingegen schon. Maduro muss weg, aber ich wünsche den Venezuelern eine weniger von den US geprägte Zukunft, denn dies würde keine grosse Verbesserung bedeuten. Venezuela ist genügend reich um eine Eigenständigkeit aufzubauen nur befürchte ich dass auch ohne Maduro dies den Amis nicht passen würde und entsprechende Sanktionen herhalten müssten um Venezuela in die für die Amis richtige Richtung zu peitschen.

    Scheint nicht nur meine Meinung zu sein
    • Pisti 25.01.2019 18:47
      Highlight Highlight Ich bin überhaupt kein Fan der USA! Aber Kolumbien zum Beispiel, quasi der Hinterhof der USA in Lateinamerika entwickelt sich ziemlich gut.
      Maduro muss jetzt einfach mal weg, dannach wird sich zeigen in welche Richtung es geht. Schlimmer kann es ja kaum noch werden für die Bevölkerung.
    • FrancoL 26.01.2019 18:35
      Highlight Highlight Richtig, Maduro muss weg und damit sich nachher zeigen wird wohin die Reise gehen kann darf der Einfluss der Amis nicht zu gross sein, sonst ist die Reise vorgebucht.
  • Herr J. 25.01.2019 10:02
    Highlight Highlight Dazu gibt's nur eines zu sagen: Einer wie Maduro muss weg, so schnell als möglich und zusammen mit seiner Clique. Was danach kommt, wird auch nicht einfach sein, aber schlechter als unter dem kann's kaum noch werden. Ich drücke der Opposition die Daumen.
    • MrNiceGuy 25.01.2019 12:21
      Highlight Highlight tiefer als George W. Bush? Wer? Trump? Du machst Scherze!
  • Bruno S.1988 25.01.2019 09:48
    Highlight Highlight Dieses Interview hätte in Form eines Kommentars hier auf Watson bloss 20 Likes und 12 Dislikes erhalten.
    Benutzer Bild
    • Esra Blaser-Sommer 25.01.2019 11:30
      Highlight Highlight Ist dir das wichtig?
    • Hayek1902 25.01.2019 12:04
      Highlight Highlight Tut mir wirklich Leid, dass die Kommentarspaltenexperten das nicht auch so sahen. Die Geschichte wird dich freisprechen.

Wo sind die Flüchtlinge, Herr Gobbi?

Er wollte die Grenzen schliessen und warnte vor Ausländerkriminalität. Doch die Prognosen des Tessiner Sicherheitsdirektors Norman Gobbi bewahrheiteten sich bisher nicht. Ein Gespräch über den ausbleibenden Flüchtlingsansturm, Matteo Salvini und das Tessin.

Herr Gobbi, Sie sehen erholt aus, waren Sie in den Ferien?Norman Gobbi: Ich bin gebräunt, aber nicht unbedingt erholt. Ich war wandern im Maggia- und Leventina-Tal.

Sommerzeit ist nicht nur Ferienzeit. In den Monaten Juli und August steigen für gewöhnlich auch Flüchtlingszahlen, weil dann mehr Menschen die Fahrt über das Mittelmeer wagen. Nur: Dieses Jahr ist davon in der Schweiz nichts zu spüren. Warum? Das liegt an der italienischen Politik. Dort hat der Innenminister Matteo Salvini die …

Artikel lesen
Link zum Artikel