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Bild: SAUL MARTINEZ/REUTERS

Horror in Guatemala: 29 Mädchen bei Brand in Kinderheim getötet

09.03.2017, 16:3609.03.2017, 16:57

Bei einem Brand in einem überfüllten Heim für misshandelte Kinder in Guatemala sind mindestens 28 Mädchen ums Leben gekommen. 38 Verletzte, darunter zahlreiche in lebensbedrohlichem Zustand, wurden nach Spitalangaben behandelt.

Nachdem die Staatsanwaltschaft zunächst den Tod von 22 Mädchen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren bestätigt hatte, erlagen später sechs weitere ihren schweren Verbrennungen, wie Kliniksprecher am Donnerstag mitteilten.

Randalierende Jugendliche hatten am Vortag in der Einrichtung in der Ortschaft San José Pinula nahe Guatemala-Stadt Matratzen in Brand gesteckt. Das Feuer griff schnell auf den Rest des Anwesens über.

Den Jugendlichen sei gerade das Essen serviert worden, als einige von ihnen die Matratzen angezündet hätten, sagte ein für Kinderrechte zuständiger Staatsanwalt, Abner Paredes. «So wurde das Feuer ausgelöst.» Die meisten Leichen waren laut Staatsanwaltschaft vollständig verkohlt.

Medienberichten zufolge war in dem Heim in der Nacht eine Revolte gegen sexuellen Missbrauch durch das Personal sowie schlimme Lebensbedingungen ausgebrochen.

Präsident Jimmy Morales ordnete in einer Fernsehansprache drei Tage Staatstrauer an. Der Leiter des Heims sei entlassen worden, sagte Morales. Guatemalas Parlament hielt eine Schweigeminute für die Brandopfer ab.

Guatemalas Staatsanwältin für Kinderrechte, Hilda Morales, erklärte, sie werde die Schliessung des Heims verlangen. Die Mitarbeiter, die ihre Pflicht vernachlässigt hätten, sollten strafrechtlich verfolgt werden.

Angst um Angehörige

Voller Angst warteten am Mittwochnachmittag Angehörige auf Nachrichten über das Schicksal von betroffenen Familienmitgliedern. «Sie wollen keine Informationen geben», sagte die 22-jährige Rosa Aguirre, die ihre beiden 13 und 15 Jahre alten Schwestern und ihren 17 Jahre alten Bruder vermisste. Ein Feuerwehrsprecher sagte, das Schicksal der Vermissten sei unklar.

Das Feuer war in einem Heim in San José Pinula ausgebrochen, einer Ortschaft in der Nähe der Hauptstadt Guatemala-Stadt. Nach Feuerwehrangaben wurden die Verletzten mit Verbrennungen ersten, zweiten und dritten Grades in Spitäler der Hauptstadt gebracht.

Bild: SAUL MARTINEZ/REUTERS

Das Mariä-Himmelfahrt-Heim (Hogar Seguro Virgen de la Asunción) war 2006 gebaut worden. In der vom staatlichen Wohlfahrtdienst überwachten Einrichtung lebten Minderjährige, die in ihren Familien misshandelt wurden oder auf der Strasse lebten.

Vorgesehen war das Heim für 400 Bewohner, Medienberichten lebten dort aber fast doppelt so viele. Ein Ex-Mitarbeiter der Einrichtung bezeichnete das Heim als «Zeitbombe». Das Klima dort sei gewalttätig gewesen.

Berichte über Misshandlungen

Berichten zufolge hatten Kinder und Jugendliche in der Nacht gegen sexuellen Missbrauch durch das Personal, mangelnde Verpflegung und allgemein schlechte Lebensbedingungen in dem Heim protestiert. Es hatte bereits zuvor Berichte über Misshandlungen in der Unterkunft gegeben, dutzende Heimkinder waren vergangenes Jahr davongelaufen.

Das UNO-Kinderhilfswerk (UNICEF) bezeichnete das Unglück in dem Heim als «Tragödie». Die Kinder und Jugendlichen dort «müssen geschützt werden», erklärte UNICEF im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Der Staatsanwalt Harold Flores sagte dem Radiosender Emisoras Unidas, seit vergangenem Jahr habe es verstärkt Beschwerden gegeben, dass Bewohner des Heims vor sexuellem Missbrauch geflohen seien. Zur Klärung der Brandursache und der Verantwortlichen des Unglücks sei eine Untersuchung eingeleitet worden. (sda/afp/dpa)

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