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Eine Migrantin telefoniert im Idomeni-Elendscamp an der mazedonischen Grenze in Griechenland. 
Bild: EPA/MTI

Asyl-Termine per Skype: Eigentlich eine gute Idee der Griechen, aber …

Flüchtlinge in Griechenland sollen per Skype ihren Termin für einen Asylantrag kriegen. Doch die Leitungen sind dauerbesetzt. Freiwillige Helfer versuchen per Social Media nachzuholen, was die Regierung verpasst: Flüchtlinge über Asylgesetze informieren.
31.03.2016, 09:0501.04.2016, 11:30

Stell dir vor, du willst Asyl, und keiner geht ran. Das passiert gerade tausenden Flüchtlingen in Griechenland. Seit zwei Wochen müssen sich alle – in Griechenland leben derzeit über 50'000 Flüchtlinge – per Skype um einen Termin für eine Asyl-Anhörung bemühen. Es existieren zwar Skype-Accounts auf Englisch, Französisch, Arabisch, Persisch, Urdu und Bangladeschi – nur sind die alle ständig besetzt.

«Wir versuchen nun seit 12 Tagen den griechischen Asyl-Service per Skype zu erreichen, nie reagiert irgendwer», sagt eine Syrerin aus Damaskus gegenüber watson. Sie ist mit ihrem Mann und 14'000 anderen am mazedonischen Grenzübergang bei Idomeni gestrandet.

«Weiss irgendwer irgendwas?»
Ein freiwilliger Helfer in Idomeni

Sie ist nicht die Einzige. Die Facebook-Foren sind voll mit Fragen von Menschen mit demselben Problem: «Beide, die EASO (Europäische Flüchtlingsagentur) und die UNHCR (UN-Flüchtlingsagentur Anm. d. Red.) sagen, dass man sich per Skype für Asyl anmelden muss. Wir kommen nie durch. Ich kenne niemanden der durchkam», schreibt Abdullah in ein Flüchtlings-Forum auf Facebook.

In der Gruppe «Immigrant and Refugee Support Group in Athens» schreibt Aref: «Wie kann man in Griechenland Asyl beantragen? Es scheint, als hätte die Regierung die Aufnahme der Asylanträge gestoppt.»

Auch ein freiwilliger Helfer in Idomeni fragt: «Viele Menschen in Idomeni und Athen möchten sich für das Umverteilungsprogramm anmelden, aber sie können sich nirgends registrieren. Auf Skype ist niemand erreichbar. Weiss irgendwer irgendwas?»

«Es fehlen die Fakten»

Antworten tun auf die Fragen nicht etwa Asylbeamte, sondern Menschen wie Sylvia Hanslik. «Es ist frustrierend», sagt sie immer wieder. Die Deutsche lebt in Amsterdam und hat vor sechs Monaten ihren Job in der Sportindustrie an den Nagel gehängt, um per Internet und Facebook die Informationen zusammenzutragen, die die Flüchtlinge brauchen.

«Es fehlen schlicht die Fakten», sagt Hanslik. «Die Menschen in Griechenland wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen. Ich verstehe nicht, warum die griechische Regierung keine Informationen per Medien verteilt.»  Nicht nur müssten die Flüchtlinge einen Internet-Zugang für Skype haben, aber dann seien die Nummern auch noch nie erreichbar. 

«Wie sollten die Flüchtlinge ohne Internet fähig sein, dies zu tun?»
Sylvia Hanslik, freiwillige Helferin

Seit dem 20. März werden irregulär – also beispielsweise per Boot – nach Griechenland eingereiste Flüchtlinge automatisch in die Türkei rückgeschafft. Dafür nimmt die EU Syrer direkt aus der Türkei auf. So haben es die Parteien am Türkei-EU-Gipfel beschlossen.

Die Menschen in Elendslagern wie in Idomeni sollten in bestehende Camps umverteilt werden. Dazu müssten sie registriert werden. Gemäss dem Abkommen wollte die EU auch zahlreiche zusätzliche Asylentscheider nach Griechenland schicken. Die sind offenbar noch nicht angekommen.

«Humans of Idomeni»: 18 Botschaften aus dem schlimmsten Flüchtlingslager Europas

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«Humans of Idomeni»: 18 Botschaften aus dem schlimmsten Flüchtlingslager Europas
quelle: watson/rafaela roth / watson/rafaela roth
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Seit Wochen arbeiten sich also freiwillige Helfer wie Sylvia Hanslik durch Asylbestimmungen, griechische Vorschriften oder Publikationen der Flüchtlingsagentur der EU, machen Anrufe für Flüchtlinge, füllen Formulare aus. «Wie sollten die Flüchtlinge ohne Internet fähig sein, dies zu tun?», fragt Hanslik. 

Am schlimmsten treffe es die Flüchtlinge, die Anrecht auf Familienzusammenführung hätten, sagt sie. Um die kümmert sie sich in einer speziell dafür vorgesehenen Facebook-Gruppe «Family Reunion Greece».

«Ich erhalte jeden Tag einen neuen Fall», sagt Hanslik. «Minderjährige, die ohne Eltern unterwegs sind, Frauen mit Kindern, deren Männer schon in Europa sind, Eltern, die zu ihren Kindern wollen – und niemand sagt ihnen, wie das geht.» Hanslik glaubt: «In Griechenland weiss das im Moment selbst die Regierung nicht so genau»

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