DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Die Pop-Welt trauert um Mark Hollis – auch wegen dieser Songs



Bild

Mark Hollis

Mit seiner 80er-Jahre-Band Talk Talk war Mark Hollis auf dem Weg zum Weltstar. Dann schwenkte er um zu einer für viele Fans rätselhaften Musik jenseits von Pop und Rock. Gut 20 Jahre nach seinem Verstummen ist Hollis mit 64 gestorben - hoch verehrt als Avantgardist.

Seine Hits kennt jeder, der während der 80er Jahre irgendwann mal im Radio oder auf der Tanzfläche Musik gehört hat:

«It's My Life»

«Such A Shame»

«Life’s What You Make It»

«Living In Another World»

- es waren makellose Synthie-Pop-Ohrwürmer, die den jetzt mit 64 Jahren gestorbenen Sänger und Songwriter Mark Hollis in die Charts brachten.

Doch der schnelle, oberflächliche Ruhm, die Auftritte bei «Top of the Pops», die schicken Videos, selbst die Aussicht, mit seiner Band Talk Talk zum Weltstar zu werden - all das reichte dem Briten irgendwann nicht mehr. Hollis strebte nach Entschleunigung, nach Abstraktion, nach klanglicher Raffinesse - mit einem Sound, der sich über Jazz und Neoklassik der Stille näherte.

Diese Persönlichkeiten haben uns 2019 schon verlassen

1 / 80
Sie alle sind 2019 verstorben
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So begründete er das neue Genre «Post-Rock» und beeinflusste grosse englische Bands wie Radiohead, Elbow oder Porcupine Tree. Mit den Talk-Talk-Alben «Spirit Of Eden» (1988) und «Laughing Stock» (1991) wurde der am 4. Januar 1955 im Londoner Stadtteil Tottenham geborene Künstler zum Helden der Pop-Avantgarde - und bald darauf zu einem rätselhaften Eremiten, dessen Tod sich am Dienstag dementsprechend schwer verifizieren liess.

Hollis sei nach kurzer Krankheit, von der er sich nicht mehr erholt habe, gestorben, bestätigte schliesslich am Mittag sein langjähriger Manager Keith Aspden der Deutschen Presse-Agentur. «Ich versuche immer noch, das zu akzeptieren, aber leider ist es wahr.» Hollis sei sich «als Mensch stets treu geblieben».

Es begann mit banalen Popsongs

Die beiden späten Schlüsselwerke von Talk Talk - Nachfolger der ebenfalls schon hoch ambitionierten, aber noch einigermassen zugänglichen Top-Ten-Platte «The Colour Of Spring» (1986) - liessen viele Fans allerdings auch resignierend zurück. Die Alben verkauften sich vergleichsweise mässig, wurden jedoch alsbald Kult. Heute sind sie in vielen Bestenlisten der Pop-Geschichte vertreten.

Es war auch die totale Abgeschiedenheit des vor gut 20 Jahren mit seinem einzigen Soloalbum letztmals an die Öffentlichkeit getretenen Musikers, die seinem Tod etwas Geheimnisvolles verlieh. Aber es passt zu dieser seltsamen Karriere: Ein hochbegabter Musiker, der sich irgendwann so konsequent zurückzieht wie eine Greta Garbo oder ein J.D. Salinger - die Analogie zu Genies aus Film und Literatur hätte Mark Hollis vermutlich gefallen.

Dabei wirkten Talk Talk Anfang der 80er mit ihrem treibenden Synthie-Pop in der Nachfolge der britischen «New Romantics» so gar nicht bahnbrechend - eher wie eine Band vom Reissbrett für gut verkäuflichen Keyboard-Sound. Das erste Album hiess zwar «The Party's Over» (1982), doch mit den eher banalen Debütsongs ging die Party schnell richtig los.

Er entschied sich für die Familie

Die Single «Such A Shame» kletterte in den Charts der Schweiz an die Spitze. Bald hatte man sich an Hollis' weinerlichen, nuschelnden Gesang gewöhnt, auch in der britischen Heimat und in den USA zündete das Quartett die nächste Stufe. Doch dann: Vollbremsung für Kommerz-Klänge.

Auf «Spirit Of Eden» waren die teilweise mit einem Chor eingespielten sechs Stücke nicht mehr als Popmusik zu erkennen, noch weniger dann auf «Laughing Stock». Die Verweigerung herkömmlicher Klänge zog Hollis bis zu seinem Soloalbum von 1998 mit fragilen, minimalistischen Melodien durch.

«Raum war schon immer wichtig für mich. Es ist besser, du spielst nur eine Note gut als zwei schlecht», sagte der Musiker zum Zeitpunkt des Solodebüts, das zum kreativen Schlussakt wurde. Seine Entscheidung, nicht mehr live aufzutreten, begründete er so: «Ich entscheide mich für meine Familie. Andere sind vielleicht dazu in der Lage, aber ich kann nicht auf Tournee gehen und zugleich ein guter Vater sein.»

Ein Verwandter von Hollis, Anthony Costello, schrieb am Montagabend, der Musiker sei «ein wunderbarer Ehemann und Vater» gewesen, «ein faszinierender und prinzipientreuer Mann». Sein früherer Talk-Talk-Bassist Paul Webb äusserte sich - ähnlich wie viele andere von Hollis inspirierte Musiker weltweit - «sehr geschockt und traurig». Er betonte: «Als Musiker war er ein Genie. Es war eine Ehre und ein Privileg, mit ihm in einer Band gewesen zu sein.» (aeg/sda/dpa)

Wie Polizist Schaffner die 80er-«Bewegig» unterwanderte

Video: watson

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

AirPods Max: Apple schlägt wieder zu und verkauft nun 600 Franken teure Kopfhörer

Apple baut sein boomendes Kopfhörer-Business aus. Der iPhone-Konzern will dabei an den Erfolg seiner Airpods-Ohrstöpsel anknüpfen.

Die neuen grossen Over-Ear-Kopfhörer tragen den Namen AirPods Max, wie Apple am Dienstag bekanntgab. Sie werden mit Modellen von Hifi-Spezialisten wie Bose, Bang & Olufsen, B&W oder Shure konkurrieren. Apple gibt sich dabei selbstbewusst beim Preis: Die Kopfhörer sind mit 600 Franken deutlich teurer als die meisten Geräte der Wettbewerber.

Die wichtigste …

Artikel lesen
Link zum Artikel