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Todesurteil gegen Christin Asia Bibi in Pakistan aufgehoben

Wegen Blasphemie zum Tod verurteilt: Christin in Pakistan kommt frei

31.10.2018, 09:2331.10.2018, 12:41
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Freispruch nach acht Jahren: In Pakistan ist das 2010 verhängte Todesurteil gegen die Christin Asia Bibi wegen Gotteslästerung aufgehoben worden. Der Oberste Gerichtshof des Landes kippte am Mittwoch das Urteil gegen die Frau, deren Fall international für Aufsehen gesorgt hatte. «Sie wurde von allen Vorwürfen freigesprochen», sagte Richter Saqib Nisar.

Bibi zeigte sich vom Richterspruch überwältigt: «Ich kann nicht glauben, was ich höre, komme ich jetzt raus?», sagte sie der Nachrichtenagentur AFP per Telefon aus dem Gefängnis. «Ich weiss nicht, was ich sagen soll, ich bin sehr glücklich.»

Die mehrfache Mutter war 2010 in der Provinz Punjab wegen Beleidigung des Propheten Mohammed zum Tode verurteilt worden. Muslimische Frauen aus ihrem Dorf hatten ihr vorgeworfen, sich beleidigend über Mohammed geäussert zu haben. Das Todesurteil sorgte international für Empörung.

«Ich kann keine herabwürdigenden Äusserungen bezüglich des heiligen Korans erkennen», sagte Richter Nisar am Mittwoch zu den Vorwürfen gegen Bibi. Nach Angaben des Gerichts sollte die Frau sofort freigelassen werden. Es gab jedoch keine Informationen über mögliche Sicherheitsmassnahmen zu ihrem Schutz.

Proteste nach Urteil

In ganz Pakistan kam es nach dem Urteil zu Protesten muslimischer Hardliner. In der Hauptstadt Islamabad blockierten etwa tausend Knüppel schwenkende Demonstranten eine Hauptverkehrsstrasse und errichteten mithilfe quergestellter Lastwagen Barrikaden. Auch in der Hafenstadt Karachi wurden Strassen blockiert.

Supporters of a Pakistani religious group chant slogans while block a main road at a protest after a court decision, in Karachi, Pakistan, Wednesday, Oct. 31, 2018. Pakistan's top court has acqui ...
In Karachi blockierten Islamisten Strassen aus Protest gegen die Aufhebung des Urteils. Bild: AP/AP

Nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt kam es nach dem Urteil zu Gewaltaufrufen durch Islamisten. Dabei habe die pakistanische Regierung versucht, die Berichterstattung zu vermeiden.

Demnach forderte das Oberste Gericht die Presse des Landes auf, nicht über den Freispruch zu berichten. Tatsächlich kam das brisante Thema in Radio und Fernsehen kaum vor.

Angst vor weiterer Gewalt

Behördenvertreter hätten inoffiziell mitgeteilt, dass Asia Bibi inzwischen auf freiem Fuss sei, hiess es von der IGFM. Viele Christen und Angehörige anderer Minderheiten fürchteten nun, dass in den kommenden Tagen Islamisten ihre Gewaltdrohungen in die Tat umsetzten.

«Die Entscheidung ist ein mutiger Versuch des Staates, den Islamisten die Stirn zu bieten», sagte der Analyst Irfan Shehzad. «Dieses Urteil ist ein Meilenstein in Pakistans Kampf um Rechte und ein Hinweis, dass der Staat sich durchsetzen will.»

Blasphemie ist im streng konservativen Pakistan ein schwerer Vorwurf. Rund 40 Menschen sitzen dort nach Schätzungen eines US-Ausschusses zur Religionsfreiheit wegen entsprechender Anschuldigungen derzeit lebenslängliche Gefängnisstrafen ab oder warten auf ihre Hinrichtung. Immer wieder kommt es zu Lynchmorden wegen Vorwürfen der Gotteslästerung.

Der jetzige Regierungschef Imran Khan hatte während seines Wahlkampfes im Sommer versprochen, die Blasphemiegesetzgebung zu verteidigen. (sda/afp/dpa)

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