Auftrag im Westen: Putin nutzt Wagner-Söldner für neue Aufgabe
Der Militärgeheimdienst GRU des russischen Staatschefs Wladimir Putin setzt bei Planungen für hybride Attacken im Westen gezielt auf die Infrastruktur der Wagner-Söldner. Vorrangig gehe es dabei um das Anwerben neuer Agenten für Anschläge im Westen Europas. Wagner verfüge über ein bereits bestehendes Netzwerk von Propagandisten und Anwerbern, die «ihre Sprache sprechen», zitierte die «Financial Times» einen westlichen Geheimdienstler zu den russischen Rekrutierungsversuchen von jungen Agenten.
Die Wagner-Truppe löste sich nach dem gescheiterten Putschversuch und Tod ihres Chefs Jewgeni Prigoschin 2023 offiziell auf. Doch Putins Geheimdienst setzt weiterhin auf die Anwerbekünste der Wagner-Aktivisten. Ziel sei es, neue Agenten zu gewinnen, nicht allein aus dem russischen Hinterland, so die «Financial Times».
Auch Sabotageakte in Deutschland
Nach Erkenntnissen westlicher Dienste setzen die russischen Dienste dabei auf ein sogenanntes Zweischichtensystem. Das heisst, zwischen Auftraggeber und ausführendem Agenten liegen mindestens zwei Zwischeninstanzen. «Sie wollen immer ein gewisses Mass an Abstreitbarkeit wahren», zitierte die «Financial Times» einen westlichen Geheimdienstler. Und weiter: «Wagner und die Menschen, die Teil davon waren, pflegen eine lange und enge Zusammenarbeit mit dem GRU in dieser Hinsicht.»
Die «Financial Times» führte als Beleg für die Wagner-These einen Brandanschlag auf ein Warenlager in London aus dem Jahr 2024 an. Der Brandstifter wurde im Vorjahr zu 23 Jahren Haft verurteilt. Er soll von ehemaligen Wagner-Aktivisten über Social Media angeworben worden sein. Fachleute sprechen von sogenannten Wegwerfagenten, die für einen einzigen Auftrag angeheuert werden und deren Auffliegen gleichzeitig bewusst einkalkuliert wird.
In Deutschland wird unter anderem ein Sabotageakt auf eine Bahnstrecke im Vorjahr im Ruhrgebiet als Beleg für hybride russische Angriffe gewertet.
Prigoschins Wagner-Einheiten sollen zeitweise über 50'000 Kämpfer verfügt haben. Sie kämpften unter anderem in Afrika.
Putin mobilisierte die Truppe nach der Invasion 2022 für seinen Angriffskrieg in der Ukraine. Nach fehlenden militärischen Erfolgen hatte sich Prigoschin 2023 gegen Putin gewandt und einen militärischen Zug nach Moskau gestartet. Putin konnte den Aufstand niederschlagen.
Prigoschin starb 2023 bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz.

