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Machtkampf in Russland – jetzt platzt Prigoschin der Kragen

Video: twitter/wartranslated

Prigoschin platzt der Kragen: «Die Sch... ist am Kochen»

20.02.2023, 19:0822.02.2023, 05:31
Corsin Manser
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Bald ein Jahr führen die Russen in der Ukraine einen blutigen Angriffskrieg. Und noch immer beissen sie sich an den Verteidigern die Zähne aus. Die Stimmung unter den wichtigsten russischen Akteuren wird immer schlechter. Die internen Machtkämpfe werden mittlerweile in aller Öffentlichkeit ausgetragen. Am Montag ist dem Wagner-Chef, Jewgeni Prigoschin, nun der Kragen geplatzt.

In einer siebenminütigen Audioaufnahme, welche an einen Journalisten von «Russia Today» gerichtet ist, erhebt Prigoschin schwerste Vorwürfe gegen das russische Verteidigungsministerium. Namen nennt der Söldner-Boss keine, es ist jedoch bekannt, dass er mit Verteidigungsminister Sergei Schoigu und mit Oberbefehlshaber Walerij Gerassimow über Kreuz liegt. Prigoschin soll sogar deren Absetzung geplant haben.

Als Gegenschlag blockieren diese nun offenbar Munitionslieferungen an die Wagner-Truppen, die vor allem im Donbas herbe Verluste einstecken müssen. Auch sollen sie Prigoschin verboten haben, weiter Häftlinge zu rekrutieren.

Wagner Group head Yevgeny Prigozhin attends the funeral of Dmitry Menshikov, a fighter of the Wagner group who died during a special operation in Ukraine, at the Beloostrovskoye cemetery outside St. P ...
Prigoschin auf einem Friedhof in der Nähe von St.Petersburg.Bild: keystone

Das sagt Prigoschin:

Prigoschin sagt in seiner Wutrede: «Die Sch... ist am Kochen, das Blut blubbert, aber alle Anfragen, die ich wegen der Munition gestellt habe, bleiben unglücklicherweise unbeantwortet.»

Das sei das grösste Problem, meint der Wagner-Chef, der bereits über 40'000 Mann verloren haben soll. Munition gebe es in Russland genug, die Industrie habe die Produktion schnell hochgefahren. Er wisse genau, wo sich wie viel Munition befinde, so Prigoschin. Aber sie gelange nicht bis zu ihm.

«Alle zeigen nach oben und sagen: ‹Weisst du, Ewgeny Wiktorowitsch, du hast komplizierte Beziehungen nach oben. Du musst dich entschuldigen und folgen, dann werden deine Kämpfer Munition erhalten›», sagt Prigoschin, der immer lauter wird. Er erzählt:

«Heute sterben doppelt so viele Wagner-Kämpfer und nicht nur sie, sondern auch die Einheiten, denen wir keine Deckung geben können. Alles wegen der sogenannten ‹Munitions-Knappheit›, während wir nicht bekommen, was auf Lager ist. Jemand tut schwierig und entscheidet aufgrund seiner Laune, ob er uns Munition gibt oder nicht.»

Seine Einheiten seien momentan nicht in der Lage, die Artillerie-Schläge des Gegners zu stoppen, da sie die nötige Ausrüstung nicht hätten. An die Personen, die die Munitionslieferungen blockieren, richtet Prigoschin markige Worte. Sie würden direkt für den Gegner arbeiten und dafür sorgen, dass dieser den Krieg gewinne. «Sie helfen dem Gegner, Russlands Rücken zu brechen.» Prigoschin meint:

«Wir haben eine Tradition: Russen sterben, aber ergeben sich nicht. Und die Russen sterben, aber nicht für ihr Zuhause oder ihr Mutterland. Die Hälfte stirbt, weil Militärbeamte ihren Ar... nicht erheben.»

Prigoschin geht am Schluss aufs Ganze. Er sagt:

«Ihr esst Frühstück, Mittagessen und Abendessen mit goldenem Geschirr und schickt eure Töchter und Enkelinnen ohne Scham nach Dubai in die Ferien, während die russischen Soldaten an der Front sterben.»

Damit lässt er kaum einen Zweifel offen, wen er mit seinen Anschuldigungen meint. Denn die Tochter von Verteidigungsminister Schoigu war erst kürzlich in Dubai.

Ksenia Schoigu mit einem russischen Politiker in Dubai.
Ksenia Schoigu mit einem russischen Politiker in Dubai.bild: screenshot/VK

Prigoschin platzt der Kragen

Video: twitter/wartranslated
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79 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Haarspalter
20.02.2023 19:26registriert Oktober 2020
Wäre ich die Tochter Schoigus, flöge ich garantiert auch nach Dubai.

Ein Urlaub in Dubai für jeden einzelnen russischen Soldaten wäre übrigens viel billiger, geselliger und horizonterweiternder gewesen als die Schnapsidee mit der Sonderoperation.
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Liebu
20.02.2023 19:27registriert Oktober 2020
Prigoschin sagt:
«Wir haben eine Tradition: Russen sterben, aber ergeben sich nicht. Und die Russen sterben, aber nicht für ihr Zuhause oder ihr Mutterland. Die Hälfte stirbt, weil Militärbeamte ihren Ar... nicht erheben.»

Andere weil sie mir genau dieser Munition erschossen oder Vorschlaghämmern erschlagen werden.
So gesehen tun die Beamten etwas Gutes, für die Ukrainer wie für die Russen.
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dmark
20.02.2023 19:39registriert Juli 2016
"...entscheidet aufgrund seiner Laune..."

Genau das IST Russland.
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