Maria Lwowa-Belowa ist eine kontroverse Figur. Die 39-Jährige ist russische Kommissarin für Kinderrechte. In dieses Amt gehoben wurde sie von Wladimir Putin persönlich.
Im Zuge des russischen Einmarsches in die Ukraine und der Massendeportationen von Kindern auf russisches Gebiet rückte Lwowa-Belowa in den Fokus der Öffentlichkeit. Sie spielt nach Ansicht des Internationalen Strafgerichtshofs eine entscheidende Rolle bei den Umsiedlungen, infolge derer ukrainische Kinder teilweise bis nach Sibirien verfrachtet werden. Dieser hat deswegen im gleichen Zug wie gegen Wladimir Putin einen internationalen Haftbefehl gegen sie erlassen.
Was Lwowa-Belowa während des Kriegs treibt:
Nun sorgt Lwowa-Belowa erneut für Schlagzeilen. Die 39-Jährige ist eine glühende Befürworterin des russischen Kriegs in der Ukraine, wie sie in den sozialen Medien immer wieder durchblicken lässt. Als russische Kinderrechtskommissarin teilt sie auch Inhalte, die das russische religiös-konservative Idealbild der Familie propagieren. Wie für Wladimir Putin sind für sie «woke» Ansichten ein Graus und die klassische Ehe zwischen Mann und Frau das Mass aller Dinge.
Lwowa-Belowa, die in westlichen Medien gelegentlich als «Familien-Zarin» bezeichnet wird, war für die russische Kirche und die Regierung perfekt, um diese Sichtweisen zu propagieren. Sie ist nämlich seit 21 Jahren mit Pawel Kogelman, einem orthodoxen Priester, verheiratet und hat mit diesem fünf Kinder. Fünf weitere hat sie adoptiert. Darunter auch einen 17-jährigen Ukrainer aus der zerbombten und eingenommenen Stadt Mariupol, wie die russische Exil-Onlinezeitung Meduza schreibt.
In kremltreuen Medien wurde Lwowa-Belowa und ihr ach so perfektes Familienleben immer wieder porträtiert. Zusammen mit ihrem Mann Pawel sprach sie öffentlich über ihre Familie, ihren christlichen Glauben, ihre Beziehung sowie ihre «traditionellen Werte».
Diese Botschaften fliegen ihr nun um die Ohren. Denn: Ganz so genau scheint es Lwowa-Belowa mit ihren eigenen traditionellen Werten nicht zu nehmen. Sie soll nämlich ihrem Kirchenmann den Laufpass gegeben haben – für einen 50-jährigen Oligarchen, wie unter anderem der britische Telegraph berichtet.
Bei ihrem angeblichen neuen Liebhaber handelt es sich nicht um irgendjemanden. Sondern um Konstantin Malofejew, einen russischen Investmentfondsbesitzer, dessen Vermögen auf zwei Milliarden US-Dollar geschätzt wird.
Malofejew ist wie Lwowa-Belowa ein glühender Verfechter des Krieges in der Ukraine und ein loyaler Unterstützer Wladimir Putins. Er bezeichnete den russischen Präsidenten einst als «Wunder Gottes», wie Meduza schreibt. Zudem bezeichnet er sich selbst als Monarchist und hat schon mehrfach öffentlich darüber gesprochen, dass er gerne das russische Zarenreich auferstehen lassen würde.
Der 50-Jährige unterhält weiter enge Verbindungen zur russisch-orthodoxen Kirche. Seit geraumer Zeit soll er zudem Separatisten in der Ostukraine finanzieren. Die EU und die USA haben deswegen 2014 Sanktionen gegen Malofejew erlassen.
Zur Romanze mit Lwowa-Belowa kam es laut den Berichten durch ein gemeinsames «Wohltätigkeitsprojekt», welches offiziell der Unterstützung von benachteiligten ukrainischen Kindern im Osten des Landes dienen soll. In Tat und Wahrheit dürfte es aber auch dabei um die Russifizierung der Region gehen, über die in den kremlschen Staatsmedien offen gesprochen wird. Das Leitbild des Projekts fängt an mit dem Satz:
Besonders beeinträchtigte und Waisenkinder werden laut der Webseite in durch das Projekt geschaffenen Internaten betreut. Es handle sich vorwiegend um Kinder, deren Psyche gebrochen sei. Die Beschreibungen auf der Webseite sind angesichts der Realität – des russischen Überfalls auf die Ukraine – beim Lesen aufgrund ihrer Absurdität teils schwer erträglich. Ein Auszug:
Der Grund dafür sei, dass die Eltern der Kinder getötet und ihre Häuser «durch ukrainische Granaten» zerstört worden seien.
Satellitenbilder des vergangenen Jahres zeigen, wie beispielsweise die südukrainische Stadt Mariupol dem Erdboden gleichgemacht wurde – das waren keine ukrainischen Granaten:
Seit 2023 sollen Lwowa-Belowa und Malofejew also zusammenarbeiten. Ende des Jahres gab es erstmals Gerüchte über eine Affäre der beiden. Und Mitte Juli 2024 wurden sie dann händchenhaltend bei einem Gottesdienst in Jekaterinburg gesehen.
Laut dem Meduza-Bericht ist diese Anekdote besonders ironisch: Denn noch im Februar 2024 strahlte der russisch-orthodoxe Fernsehsender Spas eine Dokumentation aus, in der Lwowa-Belowa und ihr inoffizieller Ex-Mann Kogelman über ihre Beziehung und ihre Familie sprachen. Kogelman erzählte darin, dass er Lwowa-Belowa erstmals in einer Kirche in seiner Heimatstadt Penza gesehen habe und sich dort in sie verliebte. Wegen ihrer Beziehung habe er seine Karriere als Programmierer aufgegeben und sei Priester geworden.
Auch Malofejew, der sich als «orthodoxer Monarchist» bezeichnet, scheint es mit den eigenen Werten nicht immer gleich ernst zu meinen. 2023 hatte er sich von seiner Frau scheiden lassen. Noch ein Jahr zuvor hatte er in einem Interview mit dem russischen Staatssender RT erklärt, sollte sich seine Tochter je dazu entschliessen, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen, so würde er ihr «eine Tracht Prügel verpassen».
Laut Meduza reagierten weder Malofejew noch Lwowa-Belowa auf Kontaktaufnahmen. Lwowa-Belowas Ehemann Kogelman – eine Scheidungs- oder Trennungsbestätigung gibt es nicht – wollte sich ebenfalls nicht äussern und verwies auf die Medienabteilung der russisch-orthodoxen Kirche.