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Japan will keine Ausländer: 7 Gründe, warum das eine Sackgasse ist – und wir es anders machen sollten

Das stolze Japan kapselt sich seit langem ab, Ausländern gegenüber ist man skeptisch. 2015 hat das Land mit gut 126 Millionen Einwohnern gerade mal 27 Flüchtlinge anerkannt. Das wird kaum gut gehen. Der Inselstaat droht zu sterben, die Folgen sind dramatisch.



2015 musste Japan die Rekordzahl von 7586 Asylgesuchen bearbeiten. 27 davon wurden schliesslich angenommen – 27 Personen als Flüchtlinge anerkannt. Im Jahr zuvor waren es noch weniger: ganze 11. 

Der Ausländer-Anteil in Japan liegt bei weniger als 2 Prozent und ist damit der kleinste aller Industrienationen. Zum Vergleich: In der Schweiz beträgt er 24,3 Prozent. Japan verschliesst sich, will keine Zuwanderung. Der Tenor heisst: Kulturfremde Menschen bringen hohe Kosten und wenig Nutzen.

Die Wurzeln der Abneigung gegenüber Nicht-Japanern gehen zurück auf die Edo-Zeit zwischen 1603 und 1867, während der sich das Land vollständig von der Welt abkapselte und überhaupt keine Ausländer duldete. Die Skepsis gegenüber allem Fremden ist bis heute geblieben.

Dies schadet dem asiatischen Staat aus mehreren Gründen: 

Die Bevölkerung altert

Japan

bild: shutterstock

Japans Bevölkerung altert rasant. Bereits jetzt ist jeder vierte Japaner über 65 Jahre alt. Und schon jetzt gibt es mehr Menschen, die über 64 Jahre alt sind, als solche unter 15 Jahren. 

Die Bevölkerung schrumpft

In this Jan. 27, 2016 photo, a kindergarten staff take children near Hanako the elephant at Inokashira Park Zoo on the outskirts of Tokyo. An online petition drive wants the 69-year-old Hanako, or

Bild: Eugene Hoshiko/AP/KEYSTONE

Seit Jahren werden zu wenig Japaner geboren, um die Population stabil zu halten. In den nächsten 50 Jahren wird die Bevölkerung um 30 Prozent abnehmen. Von den 126 Millionen Japanern bleiben noch etwa 87 Millionen übrig. Um dies zu verhindern, müsste nicht nur die Geburtenrate steigen, Japan müsste auch Einwanderer ins Land lassen. Und zwar viele. Nur schon um nicht unter 100 Millionen zu fallen, wären 200'000 Einwanderer pro Jahr nötig. 

Die demographische Entwicklung führt dazu, dass es mehr Menschen gibt, die pensioniert sind als solche, die arbeiten. 

Es fehlen die Arbeiter  

A worker leans on the scaffolding at a construction site in Tokyo, Japan, February 17, 2016. Japan's core machinery orders rose at a slower-than-expected pace in December but companies expect orders to accelerate in January-March, an encouraging sign that industry is ready to increase spending. REUTERS/Thomas Peter

Bild: THOMAS PETER/REUTERS

Weil Japans Bevölkerung altert und schrumpft, fehlen die Arbeitskräfte. Alleine die Bauindustrie hat in den nächsten Jahren 150'000 Arbeiter zu wenig.

In der Gesundheitsbranche ist es noch schlimmer. Laut der Tageszeitung Yomiuri Shimbun benötigt das Gesundheitswesen bis im Jahr 2025 1 Million Personal mehr. 

Weil junge Menschen in die Städte ziehen, sterben zudem der Landwirtschaft die Bauern weg. 60 Prozent derer, die sich auf den Feldern und in den Ställen abrackern, sind über 65 Jahre alt. 

Schlechteres Kaufverhalten

epa05144106 Visitors look at Toyota vehicles on display at the company's showroom in Tokyo, Japan, 05 February 2016.  Strong US sales and cost-cutting pushed carmaker Toyota Motor Corp's net profit up by 4.7 per cent to 628 billion yen (5.37 billion dollars) in the last quarter, the company said. The world's top carmaker also booked an operating profit of 722.3 billion yen in the October-to-December quarter, down 5.3 per cent from the same period a year before. Sales grew 2.4 per cent to 7.34 trillion yen.  EPA/CHRISTOPHER JUE

Bild: CHRISTOPHER JUE/EPA/KEYSTONE

Die Überalterung führt zu einem schlechteren Kaufverhalten. Japan schwächelt nicht, weil die Menschen sparen – alte Menschen geben schlicht weniger aus. Dies spüren sogar starke Marken wie Toyota. 

Psychische Probleme 

epaselect epa05188074 A businessman waits for the train to arrive at a station in Tokyo, Japan, 01 March 2016. Japan's unemployment rate declined to 3.2 percent in December for the first fall in three months, the government said 01 March. Manufacturers saw an increase of 380,000 jobs to employ a total of 10.78 million people and the hotel and food service industries added 200,000 jobs to reach 3.97 million, the Ministry of Internal Affairs and Communications said. The availability of jobs - measured as the ratio of job offers per job seeker - climbed to 1.28 in January, the Ministry of Health, Labour and Welfare said.  EPA/CHRISTOPHER JUE

Bild: CHRISTOPHER JUE/EPA/KEYSTONE

Schrumpft eine Gesellschaft stetig, schlägt ihr dies zwangsläufig auf die Psyche, schrieb die «Neue Zürcher Zeitung» 2008. Viele Japaner sehen entsprechend pessimistisch in die Zukunft. Laut einer Studie glauben Kinder, sie würden als Erwachsene finanziell schlechter dastehen als ihre Eltern. Dies führt dazu, dass viele nicht mehr heiraten und Kinder bekommen. Ein teuflischer Kreislauf. 

Sozialsysteme unter Druck

Japanese Prime Minister Shinzo Abe scratches his head while talking with lawmakers at the lower house of parliament in Tokyo, Monday, Feb. 29, 2016. Japan's industrial production rose in January from the month before, beating forecasts, while retail sales fell, suggesting the recovery of the world's third-largest economy is still on the ropes. Data released Monday showed Japan's manufacturing index was at 99.8 in January compared with a base of 100 in 2010. Abe has sought to rekindle growth with a three-pronged approach of monetary stimulus, government spending and reforms. (AP Photo/Koji Sasahara)

Premierminister Shinzō Abe.
Bild: Koji Sasahara/AP/KEYSTONE

Das Schrumpfen und Altern der Gesellschaft spüren die Japaner schon heute am eigenen Portemonnaie. Lag die Mehrwertsteuer 2012 noch bei 5 Prozent, ist sie mittlerweile bei 8 Prozent angelangt. Und sie wird weiter steigen. Premierminister Shinzō Abe hat angekündigt, sie 2017 auf 10 hochzuschrauben.  

Wirtschaft kämpft allgemein  

epa05181336 A man walks wearing a mask in Yokohama, near Tokyo, Japan, 26 February 2016. According to the government, Japan's population has dropped 0.7 per cent in five years to 127.1 million, marking the first fall since the first census in 1920. Japan is facing a huge demographic burden after decades of rapid ageing of the population and declining birth rates. People aged 65 or older are expected to constitute 40 per cent of Japan's population by 2060, according to the National Institute of Population and Social Security Research.  EPA/FRANCK ROBICHON

Bild: FRANCK ROBICHON/EPA/KEYSTONE

Nach Kaufkraftparität steht das Bruttoinlandprodukt (BIP) Japans immer noch an dritter Stelle nach den USA und China. Die Wirtschaft kämpft jedoch – wie viele andere auch – mit Problemen. Dies alleine mit den fehlenden Einwanderern zu erklären, wäre zu einfach. Allerdings ist es so, dass Japan die Verschuldung seit längerem zu schaffen macht. 2006 machte die Staatsschuld 193 Prozent des BIP aus. Der Staat versuchte allerlei, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Doch das Hauptproblem bleibt: Japans Bevölkerung schrumpft und altert schneller als andere Gesellschaften. Und sie will auch weiterhin keine Zuwanderung. Die demographische Entwicklung zieht immer mehr Ausgaben für die sozialen Sicherungssysteme nach sich. Bis 2025 sollen 23 Prozent der Haushaltsausgaben ins Sozialsystem fliessen. Unter anderem will die Regierung das Rentenalter schrittweise anheben. 

Werden es Roboter richten? 

epa05128401 Humanoid robot Pepper is seen on display at the 'Pepper World 2016' in Tokyo, Japan, 27 January 2016. Organized by telecommunications and mobile phone carrier SoftBank Corp., the event displays the robot Pepper in different business applications such as retailing, health care and education.  EPA/FRANCK ROBICHON

Bild: FRANCK ROBICHON/EPA/KEYSTONE

Premierminister Shinzō Abe setzt statt auf Einwanderung auf Entwicklung. Und zwar auf Entwicklung von Roboter-Systemen. Solche sollen auf dem Bau, der Landwirtschaft, im Pflegebereich oder in den Fabriken eingesetzt werden. Roboter, die bettlägerige Patienten umbetten, gibt es schon seit längerem. Menschlichen Nachwuchs können diese jedoch nicht wettmachen.  

Oder doch eher ein Umdenken?

Tadashi Yanai, chief executive of Fast Retailing Co Ltd, poses before hitting a gong during the debut of his company at the Hong Kong Stock Exchange March 5, 2014. Fast Retailing Co Ltd, operator of Japan's Uniqlo clothing outlets, is set to rise 4.5 percent in its Hong Kong trading debut on Wednesday when Asia's biggest clothier by market value lists in the city.  REUTERS/Bobby Yip  (CHINA - Tags: BUSINESS PROFILE)

Tadashi Yanai.
Bild: BOBBY YIP/REUTERS

Wenn sie auch klein sind, es gibt Anzeichen für ein Umdenken. Tadashi Yanai, der Besitzer der Kleiderkette Uniqlo und einer der reichsten Männer Japans, hat 2011 ein Selbständigkeitsprogramm ins Leben gerufen und beschäftigte zunächst 13 Flüchtlinge in Uniqlo-Läden. Die tiefe Zahl liegt an der der restriktiven Aufnahmepraxis Japans.

Gerne würde Tadashi Yanai mehr Flüchtlinge einstellen. An einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) sagt er, es sei an der Zeit, dass sich auch der Privatsektor und Privatpersonen an der Lösung des Flüchtlingsproblems beteiligten. Man könne nicht einfach auf Regierungen und die UNO warten.

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