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Japan will keine Ausländer: 7 Gründe, warum das eine Sackgasse ist – und wir es anders machen sollten

Das stolze Japan kapselt sich seit langem ab, Ausländern gegenüber ist man skeptisch. 2015 hat das Land mit gut 126 Millionen Einwohnern gerade mal 27 Flüchtlinge anerkannt. Das wird kaum gut gehen. Der Inselstaat droht zu sterben, die Folgen sind dramatisch.
06.03.2016, 12:2507.03.2016, 16:40

2015 musste Japan die Rekordzahl von 7586 Asylgesuchen bearbeiten. 27 davon wurden schliesslich angenommen – 27 Personen als Flüchtlinge anerkannt. Im Jahr zuvor waren es noch weniger: ganze 11. 

Der Ausländer-Anteil in Japan liegt bei weniger als 2 Prozent und ist damit der kleinste aller Industrienationen. Zum Vergleich: In der Schweiz beträgt er 24,3 Prozent. Japan verschliesst sich, will keine Zuwanderung. Der Tenor heisst: Kulturfremde Menschen bringen hohe Kosten und wenig Nutzen.

Die Wurzeln der Abneigung gegenüber Nicht-Japanern gehen zurück auf die Edo-Zeit zwischen 1603 und 1867, während der sich das Land vollständig von der Welt abkapselte und überhaupt keine Ausländer duldete. Die Skepsis gegenüber allem Fremden ist bis heute geblieben.

Dies schadet dem asiatischen Staat aus mehreren Gründen: 

Die Bevölkerung altert

bild: shutterstock

Japans Bevölkerung altert rasant. Bereits jetzt ist jeder vierte Japaner über 65 Jahre alt. Und schon jetzt gibt es mehr Menschen, die über 64 Jahre alt sind, als solche unter 15 Jahren. 

Die Bevölkerung schrumpft

Bild: Eugene Hoshiko/AP/KEYSTONE

Seit Jahren werden zu wenig Japaner geboren, um die Population stabil zu halten. In den nächsten 50 Jahren wird die Bevölkerung um 30 Prozent abnehmen. Von den 126 Millionen Japanern bleiben noch etwa 87 Millionen übrig. Um dies zu verhindern, müsste nicht nur die Geburtenrate steigen, Japan müsste auch Einwanderer ins Land lassen. Und zwar viele. Nur schon um nicht unter 100 Millionen zu fallen, wären 200'000 Einwanderer pro Jahr nötig. 

Die demographische Entwicklung führt dazu, dass es mehr Menschen gibt, die pensioniert sind als solche, die arbeiten. 

Es fehlen die Arbeiter  

Bild: THOMAS PETER/REUTERS

Weil Japans Bevölkerung altert und schrumpft, fehlen die Arbeitskräfte. Alleine die Bauindustrie hat in den nächsten Jahren 150'000 Arbeiter zu wenig.

In der Gesundheitsbranche ist es noch schlimmer. Laut der Tageszeitung Yomiuri Shimbun benötigt das Gesundheitswesen bis im Jahr 2025 1 Million Personal mehr. 

Weil junge Menschen in die Städte ziehen, sterben zudem der Landwirtschaft die Bauern weg. 60 Prozent derer, die sich auf den Feldern und in den Ställen abrackern, sind über 65 Jahre alt. 

Schlechteres Kaufverhalten

Bild: CHRISTOPHER JUE/EPA/KEYSTONE

Die Überalterung führt zu einem schlechteren Kaufverhalten. Japan schwächelt nicht, weil die Menschen sparen – alte Menschen geben schlicht weniger aus. Dies spüren sogar starke Marken wie Toyota. 

Psychische Probleme 

Bild: CHRISTOPHER JUE/EPA/KEYSTONE

Schrumpft eine Gesellschaft stetig, schlägt ihr dies zwangsläufig auf die Psyche, schrieb die «Neue Zürcher Zeitung» 2008. Viele Japaner sehen entsprechend pessimistisch in die Zukunft. Laut einer Studie glauben Kinder, sie würden als Erwachsene finanziell schlechter dastehen als ihre Eltern. Dies führt dazu, dass viele nicht mehr heiraten und Kinder bekommen. Ein teuflischer Kreislauf. 

Sozialsysteme unter Druck

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Premierminister Shinzō Abe.
Bild: Koji Sasahara/AP/KEYSTONE

Das Schrumpfen und Altern der Gesellschaft spüren die Japaner schon heute am eigenen Portemonnaie. Lag die Mehrwertsteuer 2012 noch bei 5 Prozent, ist sie mittlerweile bei 8 Prozent angelangt. Und sie wird weiter steigen. Premierminister Shinzō Abe hat angekündigt, sie 2017 auf 10 hochzuschrauben.  

Wirtschaft kämpft allgemein  

Bild: FRANCK ROBICHON/EPA/KEYSTONE

Nach Kaufkraftparität steht das Bruttoinlandprodukt (BIP) Japans immer noch an dritter Stelle nach den USA und China. Die Wirtschaft kämpft jedoch – wie viele andere auch – mit Problemen. Dies alleine mit den fehlenden Einwanderern zu erklären, wäre zu einfach. Allerdings ist es so, dass Japan die Verschuldung seit längerem zu schaffen macht. 2006 machte die Staatsschuld 193 Prozent des BIP aus. Der Staat versuchte allerlei, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Doch das Hauptproblem bleibt: Japans Bevölkerung schrumpft und altert schneller als andere Gesellschaften. Und sie will auch weiterhin keine Zuwanderung. Die demographische Entwicklung zieht immer mehr Ausgaben für die sozialen Sicherungssysteme nach sich. Bis 2025 sollen 23 Prozent der Haushaltsausgaben ins Sozialsystem fliessen. Unter anderem will die Regierung das Rentenalter schrittweise anheben. 

Werden es Roboter richten? 

Bild: FRANCK ROBICHON/EPA/KEYSTONE

Premierminister Shinzō Abe setzt statt auf Einwanderung auf Entwicklung. Und zwar auf Entwicklung von Roboter-Systemen. Solche sollen auf dem Bau, der Landwirtschaft, im Pflegebereich oder in den Fabriken eingesetzt werden. Roboter, die bettlägerige Patienten umbetten, gibt es schon seit längerem. Menschlichen Nachwuchs können diese jedoch nicht wettmachen.  

Oder doch eher ein Umdenken?

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Tadashi Yanai.
Bild: BOBBY YIP/REUTERS

Wenn sie auch klein sind, es gibt Anzeichen für ein Umdenken. Tadashi Yanai, der Besitzer der Kleiderkette Uniqlo und einer der reichsten Männer Japans, hat 2011 ein Selbständigkeitsprogramm ins Leben gerufen und beschäftigte zunächst 13 Flüchtlinge in Uniqlo-Läden. Die tiefe Zahl liegt an der der restriktiven Aufnahmepraxis Japans.

Gerne würde Tadashi Yanai mehr Flüchtlinge einstellen. An einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) sagt er, es sei an der Zeit, dass sich auch der Privatsektor und Privatpersonen an der Lösung des Flüchtlingsproblems beteiligten. Man könne nicht einfach auf Regierungen und die UNO warten.

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47 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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atomschlaf
06.03.2016 13:19registriert Juli 2015
Weshalb wird am Anfang des Artikels Japans Überalterungsproblem mit der Flüchtlingsthematik vermischt?
Einwanderung in den Arbeitsmarkt ist gut für ein Land, wenn Anzahl und Qualifikation sinnvoll gesteuert werden. Einwanderung in die Sozialsysteme ist schlecht. Eine gute Einwanderungspolitik muss daher selektiv sein.
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Angelo C.
06.03.2016 13:16registriert Oktober 2014
Ich stimme den Erwägungen des Autors insofern zu, als dass eine Totalabschottung nirgendswo eine Option sein kann. Zu wenige Geburten, Überalterung der Gesellschaft etc. sind letztlich zu gewichtig, um Zuwanderung dauerhaft abzulehnen. Diese Erkenntnis gilt für die meisten hochentwickelten, wohlhabenden Industriestaaten.

ABER : Mit wirtschaftlich stimmiger Zuwanderung gilt es sinn- und massvoll umzugehen, sich u.a. ein Beispiel an Kanada und Australien zu nehmen, die erfolgreich vorbestimmen, wer ihnen wirtschaftlich und gesellschaftlich Nutzen bringt. Ein Beispiel für Japan wie die Schweiz!
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Big ol'joe
06.03.2016 15:48registriert September 2014
Eine rein neoliberale Wirtschaftsargumentation.

Warum weiter bauen, wenn Bevölkerung um 30% schrumpft?
Warum immer mehr konsumieren und die Natur zerstören?
Was heisst schon verschuldung in 200% BIP? Wenn Grosskapitalisten Milliarden anheufen und keine Steuern zahlen ist man schnell bei solchen Zahlen.

Wirtschaft ankurbeln haha das ich nicht lache.

Wachstum, Konsum, Wohlstand gemessen in BIP gehört der Vergangenheit an. Neue Ideen, Werte, Systeme gesellschaftlichen Zusammenlebens sind gesucht...
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